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vor Aufbruch der Caravane dahin zu reiten, und dann der Caravane wieder nachzueilen. Er fand an den Herren Hemprich, Scholz und Boidrini sogleich Gesellschafter. Herr Liman hatte das Pferd des Herrn Boldrini an sich gebracht, die Anderen waren zu Fufs.

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Reise vom Katabathmus minor zum Katabathmus magnus der libyschen Wüste. Verirren einiger Gefährten. Paraetonium. Gefahr eines feindlichen Angriffs. Trennung der Caravane.

Am 19ten früh machten sich die Herren Liman, Hemprich, Scholz und Boldrini mit zwei Beduinen auf den Weg, um die beschlossene Excursion nach dem obern Kastell auszuführen. Die Caravane erstieg bei ihrem etwas späten Abmarsch nach Westen erst ein allmälig sich erhebendes Plateau, dessen Bergrücken gleich anfangs zur Linken war. Diefs Plateau war von einer tiefen und steilen, von Süd nach Nord laufenden Felsschlucht zerrissen, durch welche die Kameele einzeln mit Vorsicht herab und wieder hinauf geleitet werden mufsten. In der Schlucht selbst war ein Brunnen mit modrigem Wasser. Das Gestein war ein kalkhaltiger Sandstein mit Versteinerungen und mehrfacher horizontaler Schichtung. Hier fand ich einige auffallende, für uns neue Pflanzenformen; besonders erfreute mich eine, leider nicht in Blüthe befindliche, vierseitige Stapelte, und es zeigten sich wilde ägyptische Feigenbaum - Sträuche (des Ficus Sycomorus). Den Brunnen der Schlucht nannten die Araber, nach Herrn Von Minutoli: Bir Abu kadoue, (Herr Gruoc hat Aboquedou), und einen anderen Brunnen jenseits der Schlucht Bir Abusister (Herr Gruoc hat Bir-abo-coifre). Wir wanderten noch über die Ebene TYadi Bamle (Sandebene), und lagerten uns in der Nähe einer leeren Cisterne in der Ebene Wculi Merret oder Medsched. Hier ward beschlossen, die Gefährten zu erwarten, allein diese erschienen weder am Abend noch auch während der Nacht, und obwohl der Scheech uns damit beruhigte, dafs in der Richtung ihres Weges in einiger Entfernung eine, den sie geleitenden Beduinen bekannte Araber-Tribus gelagert sey, und dafs sie die Nacht über leicht sich dort einquartiert haben könnten, so nahm unsere Besorgnifs doch mit der Zögerung zu. Wir ermunterten die Araber, ein grofses Feuer von allerlei Gestrüpp die Nacht hindurch zu unterhalten, und schossen von Zeit zu Zeit die Gewehre ab.

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Am Morgen des 20sten, wo sie noch nicht erschienen, ward auf Anrathen der Beduinen statt Feuer ein grofser Rauch unterhalten, und während wir durch diefs aus weiter Ferne sichtbare Zeichen unsern Gefährten den Lagerplatz anzeigten, beschlofs der Herr General, eine von unserm Scheech als grofsartig beschriebene Ruine in der Nähe des Meeres zu besuchen. Um zugleich den naturhistorischen Character der Gegend zu übersehen, schlofs ich mich ihm an, und durch Herrn Gruoc, zwei Beduinen, worunter der Mogrebin, und den arabischen Bedienten des Herrn Generals, wuchs unsere Gesellschaft auf sechs Personen. Die Dolmetscher und Herr Soellner blieben zur Aufsicht im Lager. In nördlicher Richtung durchzogen wir eine hüglige Gegend, und fanden die Entfernung bedeutend weiter, als man sie uns angegeben hatte. Der Herr General war zu Pferde, wir Andern alle zu Fufs. Diese Excursion war von grofser Wichtigkeit für unsere Gefährten. Auf der Hälfte unseres Weges hörten wir einen Schufs. Sogleich schofs ich wieder, und zu unserer grofsen Freude fiel unmittelbar darauf ein zweiter Schufs als die ersehnte Antwort. Nur die Gefährten konnten es seyn. Bald auch erkannten wir einen Reiter und mehrere Personen in weiter Ferne, und eilten ihnen entgegen. Sie waren in der Irre umhergezogen und sehr ermüdet. Weder unsere Feuersäule des Nachts, noch unsere Rauchsäule des Tages r), hatten sie sehen können, da sie durch Hügelreihen von der Hochebene getrennt waren, und ihr Proviant und Wasser war schon seit gestern zu Ende. Einer unserer Beduinen ward mit ihnen zum Lager gesandt, und es ward verabredet, dafs wir heut nicht weiter zögen. Froh und leicht eilten wir nun, die Ruine zu erreichen.

1) Diese Art, grofse Caravanen, die im Laufe des Marsches sich zerstreuen, und auf felsigem Boden die Spur verlieren, wieder zu vereinen und überhaupt sich Signale zu geben, erinnert lebhaft an den Zug der Israeliten.

Wir fanden statt der erwarteten Denkmäler einer alten Stadt ein auf einer unbedeutenden Erhöhung gelegenes, ganz zerstörtes geräumiges arabisches Kastell, und nur einige daselbst sichtbare Quadersteine erinnerten armselig an eine frühere Zeit. So wenig das Kastell imponirte, so sehr thaten es die Ueberbleibsel einiger Gärten, nördlich von demselben im Thale. Einige noch aufrechtstehende Thürpfeiler zwischen Dattelpalmen und Feigenbäumen x) gaben ein sehr malerisches Bild, und unstreitig das schönste des ganzen Küstenlandes. Eben war ich im Begriff, ein auf einem Feigenbaum herumhüpfendes Rothkehlchen 2), das ich für eine andere Art als das gewöhnliche europäische hielt, zu schiefsen, als ich den Herrn General vom Kastell her wiederholt meinen Namen rufen hörte, und mir Zeichen geben sah, dafs ich die Flinte nicht entladen solle, weil Gefahr sey. Ohne zu schiefsen kehrte ich zu ihm zurück, und hörte, dafs fremde Beduinen in der Nähe wären, und der Mogrebin, unser Führer, empfohlen habe, unsere Gewehre schufsfertig zu halten, weil jene im Gespräch mit ihm feindselige Absichten gegen uns gezeigt, und ihm Vorwürfe gemacht hätten, dafs er Christen in ihr Land einführe. Da es sehr wahrscheinlich war, dafs ziemlich viele Beduinen in dieser wasserhaltigen Gegend herumstreiften, so war es rathsam, Folge zu leisten und bei einander zu bleiben. Nachdem der Herr General sich noch etwas mit der Topographie des Ortes beschäftigt hatte, und ich noch die in der Nähe vorkommenden Pflanzen eingesammelt, und mich un

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1) Phoenix dactylifera, Ficus Carica. Es gab auch einige Granatsträuche und Brunnen.

2) Da wir in Aegypten das europäische Rothkehlchen {Sylvia rubecula) späterhin schössen, so glaube ich, dafs auch dieser Vogel dasselbe war.

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ter Steinen nach Insecten und Amphibien umgesehen hatte, traten wir den Rückweg an x), wozu auch ein vom Scheech gesandter Beduin uns dringend und ängstlich einlud.

Unsere verirrten Gefahrten hatten am 19ten October die Ruine Kasr bsarga el fok besucht, und Herr Liman hatte sie umständlich ausgemessen und aufgezeichnet 2). Bei der Rückkehr zur Garavane hatten die Beduinen eine falsche Richtung eingeschlagen, und als die Hoffnung, uns zu erreichen, am Abend verschwand, so hatten sie sich mit einbrechender Nacht zu dem ihren Führern bekannten Lager der Beduinen-Horde gewendet, um Wasser und Speise zu

1) Der Herr General (v. Minutoh's Reise) nennt die hohe Wüstenebene, wo wir lagerten, (pag. 62.) Medsched und (pag. 67.) Masse, und dieses arabische Kastell Baretoun. Wir sowohl, als Herr Scholz, hörten für Letzteres blofs die Namen Kasr schlechthin, oder Kasr Medsched, und nachträglich erzählten uns Allen die Araber, dafs dieser Ort sonst eiu Centralpunkt der Beduinen dieser Wüste gewesen sey, von wo aus sie auch einigen Handel zu Schiffe (mit kleinen Küstenfahrzeugen) nach Alexandrien getrieben hätten, den aber Mi. in, Mi. i> An vor einem Jahre zerstört habe. Auf der Landcharte hat der Herr General den Ort nicht wie im Text ßaretoun, sondern ebenfalls Medsched genannt. Herrn Ghüoc's Tagebuch hat Maizet. Die Ruine nennt Gauoc: Kaser Maghob. Herr Prof. Scholz, welcher bei el Ghor allein eine Excursion an's Meer machte, glaubt, nordwestlich, drei Stunden von diesem Ort und drei Stunden vom Bergrücken Akaba (el kebire?), die Spuren von Paraelonium gefunden zu haben (scholz Reise, pag. 58.). Brown hat auf seiner Charte den Namen Bareton ungefähr in der Stelle von Medsched erwähnt. Da der Abfall des hohen Bergrückens Gebel Mir oder Akabe kebire wohl ohne Zweifel der Katabathmus des Strabo ist, welcher noch jetzt, wie damals, die Grenze des Cyrenaischen Gebiets ausmacht, und da dieser von Paraetonium 900 Stadien westlich entfernt war, so können die nur drei Stunden von demselben östlich entlegenen Spuren alter Gebäude, welche Herr Scholz sah, gewifs nicht Paraetonium angehören, vielmehr pafst allerdings die Gegend von Medsched. Da nun, wie Brown, auch Herr v. MinUtolI die Namen Bareton und Baratoun als an derselben Stelle erhalten, aufgezeichnet hat, so scheint mir die Lage dieses alten Ortes kaum gewisser ausgemittelt werden zu können, als sie es hierdurch ist. Sehr richtig bemerkt Herr Prof. Scholz, welcher unter uns der eifrigste Späher nach Ueberbleibseln aus alter Zeit war, und diefs zu seiner ausschliefslichen Beschäftigung machte, dafs die ganze Küste voll ist von Spuren alter Gebäude, über die ein weniger aufmerksamer Reisender oft ohne Ahnung ihrer Existenz hinwandert, deren Beziehung zu alten Ortsnamen aber immer höchst schwankend bleiben wird.

2) Herrn Prof. Liman's Zeichnungen hat der Herr General in dem Atlas zu seiner Reise mitgetheilt. — Diese Excursion erzählt Herr Scholz, als Theilnehmer, pag. 54. seiner Reisebeschreibung; ich tbeile die Notiz aus dem Nachlafs meines Freundes, des Herrn Hebiprich, mit.

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