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Körperbewegung zu haben, und weil wir glaubten, dafs diefs wohl auch die dem Lande angemessenste Tracht seyn müsse. Unsre Kleidung bestand demnach aus leinenen kurzen Beinkleidern mit Gürtel auf blofsem Körper und aus einem leinenen Hemd, welches durch einen handbreiten wollenen bunten Gurt an die Hüften geschlossen war und die Beinkleider bedeckte. Ein Stück wollenes Zeug (Chram oder Barakan genannt) ward überdiefs um den Körper geschlagen und mit dem Pistolenhalfter befestigt, in welchem letztern ein langes türkisches Messer (sittagan ylclioc genannt) gleichzeitig gehalten wurde, das mit einem Paar Pistolen und einer leichten Doppelflinte unsre Bewaffnung ausmachte. Der Kopf war mit einer rothen ban bedeckt. An den nackten Füfsen trugen wir breite gelbe Schuhe (Merkub \*j£jjq). Für die Nacht hatten wir zwei leichte Matratzen und zwei Kopfkissen, welche drei Lagerstellen für uns und unsern Gehülfen bildeten. Jeder hatte als Decke einen dicken griechischen, mit wollenen Flocken pelzartig ausgefütterten, mit Kapuze versehenen Mantel, wie ihn die Matrosen im Mittelmeer zu tragen pflegen, und dem Schutze dieser Mäntel besonders hatten wir die Erhaltung unsrer Gesundheit bei den Mühseligkeiten der Reise durch die libysche Wüste zuzuschreiben.

Zum Transport unsers Reisegepäcks und Apparats zum Sammeln von Naturalien waren zehn Kameele nöthig, nämlich.

1. Eins für das Zelt.

2. Eins für zwei Koffer, die unsre Bücher und Manuscripte, ein wenig Wäsche, Instrumente, Gläser zum Beobachten lebender Wasserthiere, Schreib- und Zeichenpapier u. dergl. ent

3—4. Zwei für Brod (Schiffszwieback), etwas Reis und Mehl.

5. Eins für zwei Eimer Spiritus, um Amphibien und Fische aufzubewahren. Daran hingen ein lederner Buttertopf und zwei grofse blecherne Pflanzenbüchsen.

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blauer Quaste ohne Tur

hielten.

6. Eins für zwei grofse Papierpackete in hölzernen Schienen zum Trocknen und Aufbewahren von Pflanzen, nebst einem Kasten mit kleinen Kistchen für zu sammelnde Insecten, einem Fäfschen Pulver und einer Kiste mit Kochgeschirr.

7. Eins für zwei Kisten mit kleinen Fächern und zu verschlieIsenden Klappdeckeln, um unterwegs die gesammelten heterogenen Naturalien, Vögel, Skelette, Conchylien, Mineralien und dergl. abgesondert rasch und sicher zu deponiren, bis eine gröfsere Zahl und ihr vollkommen trockner Zustand ein umständlicheres und festes Verpacken derselben erlaubten. Einige Fächer enthielten noch allerlei Handwerkszeug, Schrot, Pulver, Kugeln und Patronen; andere enthielten Arsenikseife, Insectennadeln, Nähnadeln und Zwirn, Bindfaden, Schachteln, Korkpfröpfe und kleine Gläschen, um in ihnen weiche und sehr kleine Insecten und Würmer in Spiritus aufzubewahren, nebst vielen andern nothwendigen Kleinigkeiten.

8—9. Zwei für vier Kisten, welche zum festen Verpacken der gesammelten und zubereiteten Naturkörper dienen sollten. Diese Kisten waren vorläufig mit Baumwolle, Werg, Seife zum Waschen, einer Reise-Apotheke, noch einigen Victualien (Linsen, Bohnen, Kaffee, Zucker, Salz, Pfeffer, Zwiebeln, vier Flaschen Wein), ferner mit zwei Spaten und einer Hacke zum Ausgraben hamster- und mäuseartiger Säugethiere, zwei Bügeleisen zum Bügeln saftiger Pflanzen, Angelhaken, einer Laterne, einigen Flaschen Oel und Essig u. s. w. angefüllt. 10. Ein Kameel endlich war zum Tragen des Wasserbedarfs bestimmt, und hatte vier lederne Wasserschläuche. Die vier am wenigsten beladenen Kameele sollten zugleich für uns, unsern Gehülfen und den Dolmetscher zum Reiten dienen, wodurch sich zwar die Ausgabe für besondere Reitthiere ersparen liefs, freilich aber viel Bequemlichkeit aufgeopfert wurde; eine Sparsamkeit, die nicht ganz zweckmässig war.

Der mit den Beduinen abgeschlossene Accord betrug für jedes Kameel, sammt der dazu gehörigen Mannschaft, auf 3£ Monat (100 Tage) 40 Real franki oder spanische Piaster =80 fl.

Als Dolmetscher hatten wir einen Syrier aus Saida (Sidon), welcher mit Napoleon in Paris gewesen war und geläufig französisch sprach, für monatlich 10 spanische Piaster und freie Reise bei eigner Bekleidung angeworben.

Da die für die gröfsere Wüstenreise gedungenen BeduinenKameele erst zur Zeit der wirklichen Abreise der grofsen Caravane aus der Wüste ankommen sollten, so mietheten wir für unsre in der Zwischenzeit auszuführende Probe-Excursion zehn andere mit sieben Beduinen, worunter ein Scheech, für täglich vier Realen, und traten alsbald die Abreise nach Abusir an, welche uns den Vorschmack der Wüstenreise geben sollte.

III.

Probe - Excursion zur Reise in die libysche Wüste.

Am 23sten September um 11 Uhr zog ich mit zehn Kameelen und sechs sie geleitenden Arabern, dem syrischen Dolmetscher und unserm Gehülfen, Herrn Soellner, in Beduinentracht zum westlichen Thore Alexandriens hinaus. Der berittene Beduinenchef Scheech Achmed Schrebehr aus der Tribus Djimeat, unser Führer und verantwortlicher Beschützer, erwartete noch in der Stadt den Dr. Hemprich, welcher in Eil noch einige Briefe abfertigte, und geleitete ihn dann der Caravane, die indefs vor Bir makebaebi r) und Dscheil el Achterie 2) oder Marabut vorüber1) Bir Makebaebi ist eine gemauerte Cisterne, in welche man hinabsteigen kann, im Thal zwischen der Nekropolis und dem See Mareotis, eine Stunde von Alexandrien westlich.

2) Dscheil el Achterie oder Dscheile lachterie ist eine doppelte Reihe kleiner und zwei grofse, 10 Fufs tiefe, gemauerte Brunnen nahe am Meer, welche ein klares, sehr liebliches Wasser liefern, und vor Durchführung des Canals zum alten Hafen den dort ankernden Schiffen von hoher Wichtigkeit waren. Die Reisenden und dortigen Europäer nennen diesen sonst culturlosen Ort Marabut, allein dieser Name gehört einer kleinen, mit Ruinen alter und neuerer Zeit versehenen Felsen-Insel nördlich von da im Meer an der Landspitze, welche den Hafen westlich schliefst, und bei welcher wir eine ins Meer versenkte Kanone fanden. Da die Araber, von welchen wir die Namen arabisch schreiben lassen wollten, dieselben nicht kannten, die Beduinen aber, die sie kannten, nicht schreiben konnten, so hielten wir es für unnütz, unsre Orthographie mit einer andern zu vertauschen. Marabut pafst genau auf die Lage des alten Chersonesus bei Alexandrien, welches, nach S Tr Alto, von der Stadt 70 Stadien entfernt in Westen liegen soll, und ist später der Aufenthalt eines muhamedanischen Einsiedlers gewesen.

gegangen war, nach. Ohne beunruhigt zu werden durchschritten wir in unserer Verkleidung die wegen der Todesfeier eines Heiligen von frommen Muhamedanern sehr bevölkerte Strafse am Thore von Alexandrien, und an einem Brunnen hatten selbst zwei derselben gleichzeitig dem Dr. Hemprich ihr Gefäfs zum Trinken angeboten. Nach der Vereinigung bei Dscheil el Achterie marschirten wir zusammen noch eine Stunde Weges gen West, und lagerten uns am Abend zwischen schneeweifsen, von Dünensand gebildeten, mit Statice r) bewachsenen Hügeln. Der tiefe und lockere Sand erlaubte nicht, das Zelt aufzuschlagen, und da wir von der Einwirkung der Sonne und der Fufswanderung ermüdet und noch nicht hungrig genug waren, um nach dem Kochgeschirr zu greifen, so dienten einige, in Alexandrien gekaufte, europäische Aepfel und etwas Schiffszwieback zur Mahlzeit des Tages. Zwar hatten wir unterweges einigemale versucht, uns auf die Kameele zu setzen, allein die Bewegung und das Reiben unserer nackten Füfse an dem rauhen Sattel waren so empfindlich unangenehm, dafs wir lieber zu Fufs gingen, wozu andererseits unsere Beschäftigung mehr hinzog. Wir erbeuteten im Vorüberziehen einige Pflanzen, Insecten und auch einige Vögel. Die Araber erboten sich, des Nachts zu wachen, und so erwarteten wir, in unsere Matrosenmäntel gehüllt, unter freiem Himmel die erste Wüstennacht. Das Thermometer war am Mittag nicht über 28° Reaumur gestiegen, und während der Nacht hatte ein starker Thau unsere Hüllen durchnäfst; die Temperatur der Luft hatte sich vor Sonnenaufgang auf 16° herabgesetzt.

Mit Anfang der Morgendämmerung des zweiten Tages ward durch unsere Beduinen vom Stamm eines alten Feigenbaumes, der aus einer Katakombenhöhle jener Hügel hervorragte, die den See Mareotis begrenzen, ein Feuer angezündet und ein schwarzer Kaffee bereitet. Die dienstwilligen Araber, welche sich nur wiederholt

1) Es war besonders Statice monopetala L. mit Statice pruinosa L., erstere vorherrschend.

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