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Herr General war vor zwei Tagen eiligst abgereist, weil seine Anwesenheit zu blutigen Auftritten Anlafs gegeben hatte, und ein längerer Aufenthalt für ihn sehr gefährlich gewesen wäre. Wir versuchten, auf diese Nachrichten, welche alle unsere Hoffnungen gleich an der Schwelle niederschlugen, durch Producirung unseres Firmans mittelst des Dolmetschers uns wenigstens eine friedliche Aufnahme zu bewirken, allein die Häupter wiesen den Dolmetscher ebenfalls aus der Stadt zurück, und erklärten, dafs sie von Christen nichts wissen wollten, und dafs wir hätten mögen einen Firman des Sultans oder Soldaten und Kanonen mitbringen, wenn wir von ihnen etwas hätten erlangen, ihr Gebiet durchsuchen oder zeichnen wollen. Sie setzten hinzu, dafs wir, wenn wir in unserem Zelte an dem anzuweisenden Orte ruhig bleiben würden, wie andere Reisende, einige Tage ausruhen und bei ihnen Datteln essen könnten, dafs sie aber auf Jeden schiefsen würden, der sich vom Platze entferne. Somit waren denn alle Hoffnungen für uns verloren, sowohl die merkwürdige Gegend zu untersuchen, als auch unsere Reise nach Derna fortzusetzen. Die erbitterten Religionsoberhäupter hatten sogar den Einwohnern bei Geldstrafe verboten, in unsere Nähe zu kommen, und wir erhielten nur verstohlen einige Lebensmittel aus der Stadt und einige Nachrichten über das Land. Erschöpft von der anstrengenden Wüstenreise blieben wir fünf Tage in der Ringmauer des Fruchtmagazins von Siwa, und versuchten, da man den Dolmetscher gar nicht mehr annahm, durch unsere Araber zu unterhandeln, wurden aber, sey es durch den unbiegsamen Fanatismus der Imams, sey es durch die Bosheit unserer eigenen Araber, jedesmal abgewiesen.

Herrn Dr. Scholz überliefsen wir das Ausforschen einiger Einwohner, dessen Resultate er in seiner Reisebeschreibung mitgetheilt hat . Herr Prof. Liman war kränklich, zeichnete jedoch verstohlen eine Ansicht der Stadt Siwa kbir und versuchte mit Herrn BolDrini, theils durch Ueberredung theils durch Geldversprechungen, einige uns näher gekommene Einwohner zu bewegen, sie heimlich des Nachts zu den Ruinen zu führen. Alles war umsonst, und Leute, welche aus Gewinnsucht Lust gehabt hätten, uns zu führen, erklärten die Sache für zu lebensgefährlich für beide Theile. Dr. Hemprich litt wieder sehr an rheumatischem Zahnschmerz, so dafs ich mich endlich genöthigt sah, auf sein dringendes Verlangen, unsere Zahn-Instrumente auszupacken, und ihm einen scheinbar gesunden Backenzahn auszunehmen. Er war sogleich von seinem Uebel befreit, und leitete die Verhandlungen mit den Imams und den Arabern wieder. Ueberdiefs suchten mehrere, wegen eingetretener Krankheit hier zurückgebliebene Mogrebinen, die theils an Wechselfiebern, theils an vernachlässigten und noch frischen Schufswunden litten, welche sie beim Ueberfall ihrer Caravanen in der Nähe von Siwa erhalten hatten, unsere Hülfe, und beschäftigten gröfstentheils den Dr. Hemprich. Ich selbst zog mich, um nicht bemerkt und gestört zu werden, ins Innere des Zeltes zurück, und stellte das Microscop in einer kleinen Oeffnung auf, um die Eigenthümlichkeit der in dem stagnirenden modrigen Wasser einer in unserer Nähe befindlichen Wasserrinne existirenden Infusorien anhaltend zu beobachten, deren ich elf Arten auffand. Revision der Naturalien, tägliches Umlegen gesammelter Pflanzen in trocknes Papier, Insectenfang in der Nähe des Zeltes waren anderweitige Beschäftigungen für uns Beide und unsere Gehülfen.

Da man uns und auch unseren Arabern von allen Seiten grofse Abneigung zeigte, die sogar so weit ging, dafs man es anstöfsig fand, dafs wir wegen der heimlichen Bedürfnisse einen sonst nicht eben eleganten, etwas entlegenen Ort besuchten, und uns nöthigte, um ungestört zu seyn, eine Grube in der Nähe des Zeltes zu graben und einen Verschlag darüber aufzurichten, so hielten wir einen längeren Aufenthalt für verlorene Zeit, und da auch das uns zu Gebote stehende Trinkwasser einen Übeln Geschmack hatte und salzhaltig war, so hatten wir bei längerem Aufenthalt nur dessen schädliche Wirkung auf unsere angegriffene Gesundheit zu erwarten und bereiteten uns schon am 21sten November zur Abreise und zur Rückkehr nach Aegypten vor. Wir kauften demnach einige uns nöthige Lebensmittel, besonders Butter und Früchte ein, indem es sowohl sehr schöne und grofse Datteln, als besonders grofse Granatäpfel gab. Kaum sahen unsere Beduinen diese Einkäufe, als sie uns sogleich erklärten, sie liefsen keine neue Lasten auf ihre Kameele legen, und würden uns verlassen, sobald wir noch irgend etwas einkauften. Obgleich wir ihnen vorstellten, dafs seit unserem Abmarsch aus Alexandrien sich unsere Lasten durch Verbrauch der Victualien schon um das Zehnfache dessen, was wir jetzt zusetzten, vermindert hätten, so blieben sie doch hartnäckig uns entgegen und verstärkten ihre Drohung. Nur der junge Scheech MuhAmMed zeigte hier bei dem offenbaren Unrecht seinen natürlich guten Sinn und nahm sich unserer an. Leider hatte er zu wenig Ansehen, und mufste deshalb selbst Mifshandlungen von einigen der störrigsten erfahren. Sobald wir diefs sahen, Hefsen wir ihnen durch den Dolmetscher in bestimmten Ausdrücken bekannt machen, dafs wir aller ihrer Einwendungen ungeachtet einkaufen würden, was wir nöthig glaubten, und dafs, wenn sie uns verlassen wollten, der Weg ihnen offen stehe. Die Extreme fanden, wie sich vom Character unserer Araber erwarten liefs, rasch ihren Ruhepunkt in der Mitte, und der Streit war geschlichtet. — Zur Erleichterung unsrer Excursionen kauften wir hier einen Esel als Reitthier.

Der folgende Tag war eine Mittwoch, und die Araber weigerten sich abzureisen, weil diefs ein unglücklicher Tag sey, an dem keine Caravane aufbreche.

Wir erhielten noch durch unsere Beduinen die Nachricht, dafs ein Trupp von 40 Berittenen der Caravane des Herrn Generals bei Siwa nachgeeilt sey, um sie zu überfallen, dieselbe aber verfehlt habe, und unser Führer Scheech Otman beschlofs deshalb, unsere Nachtlager immer etwas entfernt von der Strafse zu halten, und rieth unterwegs des Nachts kein Feuer und keine Laterne anzuzünden, um nicht diese noch in der Nähe herumstreifenden Räuber anzulocken.

VII.

Abreise von Siwa. Besuch eines Katakombenberges. Mineralogische Excursion auf das hohe Wüstenplateau nordöstlich von Siwa. Karet Om essogheir. Komischer Ausgang eines feindlichen Angriffs. Krankheiten der Herren LlMAN und SoELLNER. Wassermangel in der Wüste. Versteinerte Palmen und Dicotyledonen bei Bir Lebuk.Grausenvoller Regentag in Bir Hamam. Ankunft in Alexandrien. Tod des Professors Lim An.

Am 23sten verliefsen wir gegen 10 Uhr Morgens Siwa, und lagerten uns nach Mittag bei Bir Bakar oder Ain Bakar r) (Kuhbrunnen, Kuhquelle), einer Quelle trinkbaren Wassers mitten im Salzboden, nach vierstündigem Marsch (Herr Scholz nennt ihn zweistündig), nordöstlich von Siwa, dicht an der Nordseite eines salzigen, seichten Sees.

Kurz nach unserem Abmarsch von der auf einem Hügel gelegenen Stadt passirten wir erst mehrere Dattelgärten, dann einen zur Linken westlich gelegenen durch Eingänge zu Katakomben durchlöcherten isolirten conischen Berg, Gebel el Muta (Todtenberg?) 2).

1) Herr Scholz hat pag. 16. Ainelaggab.

2) Dieser Berg ist auf Herrn v. Minutoli's Charte nicht verzeichnet, befindet sich aber auf der von Herrn Drovetti gegebenen neben Siwa richtig angezeigt. Herr Prof. Scholz nennt pag. 81. zwei Katakombenberge el Messagaret und Raltye, die icb nicht genau deuten kann. Herr v. Minutoli nennt auch (pag. 171.) zwei Berge Gara el Mota Schargiah me Sabaryn (Begräbnifsplatz gegen Morgen) und Gebel Drara

Enbrik. Die Namen sind wohl so zu schreiben: £fy+J\ ^^f- Gebet el Mut: Todten

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