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In Italien, das die Gatten nur gelegentlich verließen, um Frankreich und England zu besuchen, waren E. B. B. noch fünfzehn Jahre späten Glückes und gekräftigter Gesundheit vergönnt. Drei Gedichtsammlungen und das umfänglichste ihrer Werke, "Aurora Leigh", bezeugen die alte Regsamkeit ihrer Schaffenskraft. Aber diese hatte eine überraschende Ablenkung auf neue Ziele erfahren: von der seelischen Konzentration auf die Steigerung des Persönlichkeitsgehaltes sich abwendend, warf sich ihre Dichtung auf die Interessen der Zeitströmungen. Der Umschwung ist psychologisch leicht verständlich; nach den langen Jahren der Krankenhaft und Vereinsamung war die Dichterin in das volle Menschenleben herausgetreten, das sie in Italien mit der Erregung einer politischen Sturmzeit umbrandete. Ihrer Dichtung gereichte dieser Umschwung zum Nachteil; von ihrem eigensten Gebiete abgeratend, zersplitterte ihre Kunst an Themen, denen sie nicht gewachsen war.

Mit der Sammlung von 1850 ist das dichterische Lebenswerk E. B. B.'s in seinen feinsten und künstlerisch bedeutendsten Linien abgeschlossen. Nur sehr weniges aus ihrer späteren Dichtung bedeutet noch einen Wertzuwachs. Die fieberhaft erregte politische Tagespoesie der "Casa Guidi Windows", 1851 (nach ihrem Florentiner Wohnhause benannt), und der "Poems before Congress", 1860 (unter dem Eindrucke des Waffenstillstandes von Villafranca entstanden), sinkt in ihrer Wertlosigkeit sogar unter die tastende Kunst ihrer Anfänge. Nur "Aurora Leigh" (1856) bereichert das Gesamtbild ihrer Dichtung um einige charakteristische und wertvolle Züge. Die fast 11000 Blankverse lange Verserzählung war der Stolz der Verfasserin, die hier in der Behandlung moderner Sozialprobleme ihre ethischen, philosophischen und ästhetischen Gedanken voll entwickeln wollte. Trotz vieler fesselnder Einzelheiten bedeutet das Werk, das mit überschwenglicher Begeisterung aufgenommen wurde

Ruskin nannte es das größte Gedicht des Jahrhunderts in allen Literaturen eine Überspannung ihrer Kraft mit zweifelhaftem Erfolge. Man möchte fast an einen Einfluß der seelenanalytischen Dichtungsart R. Brownings denken, wüßten wir nicht, daß die Gatten grundsätzlich vermieden, einander ihre Werke vor der Vollendung vorzulegen. Der größte Reiz der Dichtung liegt in dem Einblick, den sie in das Seelenleben und die künstlerischen Anschauungen E. B. B.'s gewährt. Die novellistische Erfindung selbst leidet unter den romanhaften Vorstellungen der Dichterin vom Leben; die Charakterzeichnung ist schwach und verfehlt, und die ungleiche Inspiration, die sich oft matt an der Grenze von Poesie und Prosa hinschleppt, schädigt den künstlerischen Wert. Dieselbe Ungleichheit zeigt sich in der Nachlese ihrer Lyrik, den von R. Browning 1862 herausgegebenen "Last Poems"; in dürftiger Umgebung birgt sich jedoch hie und da eine Gemme ihrer Kunst, wie "A Musical Instrument" ein ergreifender Ausdruck des schmerzlichen Gefühles für die Dornenkrone künstlerischer Begabung.

E. B. B. ist von ihren Zeitgenossen mit Überschwenglichkeit gefeiert worden. Um die Mitte des Jahrhunderts stellte ihr Ruhm nicht nur die spröde, wenig beachtete Dichtung R. Brownings völlig in Schatten, sondern wetteiferte selbst mit dem Tennysons. Bei einem Rückblick auf die gesamte Dichtung der Viktorianischen Zeit müssen. ihre Leistungen neben so vielen anderen Kunstwerten einen gefährlichen Vergleich bestehen, der ihre Schwächen stärker hervortreten läßt als vor fünfzig Jahren. Sie verstand selten sich zu konzentrieren. Der Ballast ihres gelehrten Wissens drückt sie; in Wortwahl und Anspielungen wird sie nicht selten geschraubt und gesucht, und ihre Neigung zur philosophischen Abstraktion steht der lyrischen Verdichtung der Stimmung oft im Wege. An Sprachmelodie übertrifft sie ihren Gatten, steht aber hinter Sprachkünstlern ersten Ranges wie Tennyson weit zurück; ihre

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Reime werden von englischen Kritikern oft als nachlässig, matt und unrein empfunden. Diese Schwächen haften mehr oder minder ihrer gesamten Poesie an. Sie treten jedoch zurück vor dem Aufschwung ihres intensiv lyrischen Genius. Wo er seine volle Ausdrucksfähigkeit gewinnt

am häufigsten in der Sphäre religiöser und persönlicher Empfindung - meistert sie ihr Instrument in hinreißendem Spiele, von dem leidenschaftlichen Moll- und DurGewoge der Portugiesischen Sonette bis zur ruhevollen Melodie der Strophen: "He giveth His Beloved Sleep". Ein beträchtlicher Teil ihrer Dichtung ist bereits verblaßt; es bleibt genug übrig, E. B. B. ihren dauernden Platz zu sichern. In der religiösen Lyrik des 19. Jahrhunderts steht ihr Name neben Christina Rossetti an erster Stelle; und wenn man aus dem Reichtum der englischen Literatur an großen Sonettzyklen der Herzensleidenschaft das Größte ausheben wollte, müßten nach Shakespeares "Sonnets" und Dante Gabriel Rossettis "House of Life" die "Sonnets from the Portuguese" gewählt werden.

IDOLS.

[Prometheus Bound, and Miscellaneous Poems. 1833.] How weak the gods of this world are

And weaker yet their worship made me! I have been an idolater

Of three-and three times they betray'd me.

Mine oldest worshipping was given
To natural Beauty, aye residing
In bowery earth and starry heav'n,
In ebbing sea, and river gliding.

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But natural Beauty shuts her bosom
To what the natural feelings tell!
Albeit I sigh'd, the trees would blossom-
Albeit I smiled, the blossoms fell.

Then left I earthly sights, to wander
Amid a grove of name divine,
Where bay-reflecting streams meander,

And Moloch Fame hath rear'd a shrine.

Not green, but black, is that reflection;
On rocky beds those waters lie;
That grove hath chillness and dejection—
How could I sing? I had to sigh.

Last, human Love, thy Lares greeting,
To rest and warmth I vow'd my years.
To rest? how wild my pulse is beating!
To warmth? ah me! my burning tears.

Ay! they may burn-though thou be frozen
By death, and changes wint'ring on!
Fame-Beauty!-idols madly chosen-

Were yet of gold; but thou art STONE!

Crumble like stone! my voice no longer

Shall wail their names, who silent be: There is a voice that soundeth stronger'My daughter, give thine heart to me.'

Lord! take mine heart! Oh first and fairest,
Whom all creation's ends shall hear;
Who deathless love in death declarest!
None else is beauteous-famous-dear!

CONSOLATION.

[The Seraphim, and other Poems. 1838.]
ALL are not taken; there are left behind
Living Beloveds, tender looks to bring
And make the daylight still a happy thing,
And tender voices, to make soft the wind:
But if it were not so-if I could find
No love in all the world for comforting,
Nor any path but hollowly did ring

Where "dust to dust" the love from life disjoined,
And if, before those sepulchres unmoving

I stood alone, (as some forsaken lamb
Goes bleating up the moors in weary dearth,)
Crying "Where are ye, O my loved and loving?".
I know a Voice would sound, "Daughter, I AM.
Can I suffice for HEAVEN and not for earth?"

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