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missen läßt. Die wachsende Anziehungskraft kritischliterarischer Probleme, die sich in seinem Übergang zum Prosa-Essay ausdrückt, beweist, daß nicht äußere Ursachen allein auf die Pflege der Poesie hemmend gewirkt haben. Kritische Neigungen und poetische Anlage hielten sich bei Arnold die Wage; die Poesie wird ihm mitunter geradezu zur Kunstform für Erörterung ästhetischer Probleme ("Epilogue to Lessing's Laocoon"), und seine Dichtung ist nicht selten nur geschmackvolle Kunstarbeit eines feinfühligen Denkers. Wo jedoch Arnold in Lyrik und Meditation die innerste ihm zu Gebote stehende Stimmungsgewalt erreicht, wirkt seine Poesie nicht nur durch das klassische Maß und die Stilreinheit der Form, sondern auch durch die ernste Würde ihres Gedankengehaltes und die Tiefe ihrer verhaltenen Empfindung. Unter den zeitgenössischen Romantikern, denen sich Arnold nur gelegentlich in Stoffwahl, noch seltener durch romantische Stimmung beigesellt, steht er als Fortführer und Vertreter klassizistischer Kunstrichtung da. Er wirkt nicht durch Farben, sondern durch streng profilierte Linien.

Eine chronologische Übersicht von Arnolds dichterischem Schaffen ist aus der Gesamtausgabe nicht zu gewinnen, da der Verfasser die Gedichte hier überwiegend nach formalen Gesichtspunkten gruppiert hat. Nur die Bibliographie von Smart ermöglicht es, die durch Zurückziehung und Wiederveröffentlichung mancher Sammlungen und einzelner Gedichte stark durcheinander geworfenen Entstehungslinien zu rekonstruieren. Sie haben übrigens kaum eine tiefere Bedeutung für die Erkenntnis der inneren dichterischen Entwicklung Arnolds, da der Charakter seiner Poesie wohl Nüancierungen, doch keine ausgesprochenen Veränderungen erfahren hat.

Die zwei Preisgedichte seiner Schul- und Universitätsjahre, "Alaric at Rome" (Rugby 1840) und "Cromwell" (Oxford 1843), hat Arnold nie in seine Werke eingeschlossen. Aber auch die beiden ersten Gedichtsamm

lungen 1849 und 1852 beide nur mit der Initiale «A.>> auf dem Titel können, vom Gesichtspunkte ihrer öffentlichen Wirksamkeit betrachtet, nicht als literarische Marksteine gelten; Arnold zog sie kurz nach ihrem Erscheinen zurück und ersetzte sie durch die zwei Serien "Poems" von 1853 und 1855, die seinen vollen Namen trugen. Sie bilden eine literarische Einheit, da sie gleichartig, wenn auch in verschiedenen Proportionen, aus einem Teile der Bestände von 1849 und 1852 und einigen Zugaben zusammengesetzt sind und die Jugenddichtung Arnolds in der von ihm selbst getroffenen Auswahl repräsentieren. Die damals verworfenen Gedichte nahm er später jedoch wieder nach und nach in neue Ausgaben seiner Werke auf, so daß von dem Bestande von 1849 und 1852 nur ein verschwindender Bruchteil endgiltig von jedem Neudruck ausgeschlossen blieb. Auf die Doppelserie von 1853/55 folgte erst nach zwölfjähriger Pause, in die nur das Drama "Merope” (1858) fällt, ein Band "New Poems" (1867), Arnolds letzte Sammelgabe; die wenigen später entstandenen Gedichte fügte er in die Gesamtausgaben und ihre neuen Auflagen ein.

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Arnolds Poesie spiegelt die vielseitigen Interessen eines ästhetischen Eklektikers, der die Aufgabe des Literaturkritikers darin erblickte, "to know the best that is known and thought in the world, and, by making this known, to create a current of new and fresh ideas." Seiner Vorliebe für das klassische Altertum entsprangen die dramatische Ode "The Strayed Reveller" und das lyrische Drama "Empedocles on Etna", die er den Sammlungen von 1849 bezw. 1852 voranstellte. Beide Dichtungen sind eachtenswerte Versuche, antike Stoffe mit moderner Auffassung zu durchdringen, beide ausgezeichnet durch episodische lyrische Schönheit, als Ganzes aber unbefriedigend, "Empedocles" in noch höherem Maße als "The Strayed Reveller", den Arnold schon 1853 wieder aufnahm, während er aus dem Drama nach 1852 nur ein

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zelne lyrische Partien aushob und seinen Gedichten einreihte, das ganze Werk jedoch erst 1867 (in den "New Poems") auf den Wunsch R. Brownings wiederveröffentlichte. Die streng nach dem Modell des griechischen Dramas gebaute Tragödie "Merope" (1858) kann höchstens den Wert einer klassizistischen Stilübung beanspruchen. Eine "Antigone" und eine "Dejaneira" sind nicht über je ein kurzes Fragment (1849, 1867) gediehen.

Arnold war anderseits auch für den Reiz der von der Romantik neu erschlossenen Stoffgebiete nicht unempfänglich. In drei größeren epischen Gedichten griff er Themen aus der keltischen, persischen und skandinavischen Sage auf ("Tristram and Iseult", 1852; “Sohrab and Rustum", 1853; "Balder Dead", 1855), in Balladen behandelte er nordische Volksmythen ("The Forsaken Merman", 1849; "The Neckan", 1853) und irische Legenden ("Saint Brandan", 1860) alles ohne ein tieferes Verhältnis zu dem Geiste der Poesie, dem die Sagen entsprungen sind, ohne epischen Reiz, ohne den metallischen Klang echten Balladentons. Sein eigentliches Gebiet ist die reflektive und elegische Lyrik, in der er die Bedeutung seiner Eigenart selbst inmitten einer Blütezeit romantischer Dichtung zur Geltung zu bringen weiß. In der schwierigen Form der Ode und Elegie, die er in rhythmischer und strophischer Mannigfaltigkeit gepflegt hat, bereicherte er die englische Literatur um einige ihrer Meisterwerke dieser Gattung, hervorragend in formaler wie in ideeller Beziehung. Minder gelingt ihm die technische Behandlung des Sonetts, das unter seinen Händen in der Regel jeden musikalischen Klang verliert und nicht selten epigrammatischen Charakter annimmt. Seine Meditation strebt der geklärten Ruhe des Empfindens und geistigen Schauens inmitten des verwirrenden Wirbels der modernen Ideenkämpfe im Sinne Goethes und Wordsworth's, seiner Lieblingsdichter, zu, und spiegelt sein Ringen nach stoischer, Resignation, in der er Zuflucht sucht vor dem überwältigenden Gefühle

seelischer Unsicherheit und Unrast, der er keine einheitliche, geschlossene Weltanschauung entgegenzusetzen hat. Nichts ist Arnolds meditativer Dichtung fremder als Starre und Frostigkeit, die oberflächliches Urteil ihr mitunter zugeschrieben hat; ihr Reiz liegt gerade in dem starken Ausschwingen innerster, persönlichster Seelenstimmungen. Den Vorwurf der Kühle mag die Spärlichkeit seiner Liebeslyrik begünstigt haben; die in den zwei Serien "Switzerland" und "Faded Leaves" vereinten stimmungsvollen Gedichte sind fast alles, was man unter diesen Begriff ziehen könnte. Allein wer damit die Äußerungen von Herzensempfindung für erschöpft hält, übersieht die Glut spiritueller Sehnsucht in "Stagirius" (in einer Ausgabe vorübergehend "Desire" betitelt), den Ausdruck tiefer Gemütserschütterung in den "Stanzas from the Grande Chartreuse", die leidenschaftliche Bewegung des mühsam nach Selbstzucht ringenden Geistes in Gedichten wie "A Summer Night", "SelfDependence", oder selbst in einer literarischen Anlaßdichtung wie den Versen auf Wordsworth's Tod (“Memorial Verses 1850").

Arnolds dichterische Größe die sich freilich unter der beträchtlich überwiegenden Zahl minderwertiger Leistungen verhüllt ist selbst in England weiteren Leserkreisen nur langsam zum Bewußtsein gekommen; er hat zweifellos noch immer darunter zu leiden, daß seine klassizistische Art in einer an romantische Stimmung gewöhnten Zeit nur spärlich Resonanz findet. Gerade in dem Gegensatze zu den Romantikern liegt jedoch seine Bedeutung für das Gesamtbild der Viktorianischen Dichtung: er gleicht, wie E. Gosse es in einem unübertrefflich charakterisierenden Bilde ausdrückt, in der Reinheit und dem stillen Ernste seiner Poesie einem klaren Seespiegel im Gebirge.

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STAGIRIUS.1

[The Strayed Reveller etc. 1849.]

1

THOU, who dost dwell alone-
Thou, who dost know thine own-
Thou, to whom all are known
From the cradle to the grave—
Save, oh! save.

From the world's temptations,
From tribulations,
From that fierce anguish
Wherein we languish,
From that torpor deep
Wherein we lie asleep,
Heavy as death, cold as the grave,
Save, oh! save.

When the soul, growing clearer,
Sees God no nearer;
When the soul, mounting higher,
To God comes no nigher;
But the arch-fiend Pride
Mounts at her side,
Foiling her high emprise,
Sealing her eagle eyes,

And, when she fain would soar,
Makes idols to adore,

Stagirius was a young monk to whom St. Chrysostom ad

dressed three books, and of whom those books give an account. They will be found in the first volume of the Benedictine edition of St. Chrysostom's works.

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