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aber wollte er die Sage erneuern; das Kostüm ist nur schwach angedeutet, und das Zeitkolorit in eine romantische Sphäre aufgelöst. Um so stärker treten ethische und symbolische Ideen hervor. Das ethische Heldentum der Pflichterfüllung, das Tennyson in seiner großen “Ode on the Death of the Duke of Wellington" der Nation vor Augen gestellt hatte "The path of duty is the way to glory" wird in Arthur und seinen Helden gefeiert. Arthur ist der gottgesandte Führer des Volkes zu einer höheren Stufe sittlicher Vervollkommnung, ein königliches Vorbild im Sinne des Carlyleschen Heldenevangeliums, dessen Geist Tennysons Geschichtsphilosophie atmet ("On God and God-like men we build our trust"). Arthurs Ringen um Verwirklichung seiner Ideen im Leben mit dem Widerstande der niedrigeren Instinkte seiner Umgebung, und sein Fall durch ihren Sieg, wird zuletzt zu einem Symbole für den Kampf zwischen Seele und Sinnentrieb, zwischen Ideal und Wirklichkeit. Diese Symbolisierung ist nicht aus einem Gusse; in den früher entstandenen Idylls überwiegt noch der naive Reiz der epischen Situation; später tritt sie immer stärker hervor und führt sogar zu gelegentlichen Allegorisierungen.

Man hat die Idylls mitunter dafür getadelt, daß sie sich von der mittelalterlichen Auffassung Arthurs entfernen, dabei aber übersehen, daß diese vom Geiste der ursprünglichen Heldensage mindestens ebensoweit absteht, wie Tennyson von Malory. Schwerer wiegen Bedenken gegen die Ausführung. Die Gabe naiver epischer Erzählung ist Tennyson nur in beschränktem Maße eigen. Die Gestalten der Idylls bewegen sich stattlich, zeremoniös gemessen, und ihre Sprache ist gleich ihrer Haltung höfisch abgetönt, nicht selten gezwungen und gespreizt. Die höfischen Tugenden sind allzu schwache Symbole ethischer Werte. Der Vortragston ist nicht selten überstilisiert, das Pathos oft zu hoch gespannt ohne rechtzeitig nachzulassen. Nur einzelne Idylls wie "Lancelot and

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Elaine" und "The Passing of Arthur" hinterlassen einen vollen Eindruck; bei anderen wirken oft Einzelheiten stärker als das Ganze. Man muß sich mit dieser Stilisierung abfinden, um die vollendete Kompositionskunst und Farbenpracht der Idylls zu würdigen; an feinabgetönten Landschaftsbildern und Naturstimmungen stehen sie selbst in der Kunst Tennysons unübertroffen da.

Die "Idylls of the King" bildeten das Lebenswerk Tennysons von der Mitte der fünfziger bis in den Anfang der siebziger Jahre. Daneben erschien nur eine Gedichtsammlung, 1864, die ihre Zugehörigkeit zur epischen Periode Tennysons durch die Verserzählungen "Enoch Arden" und "Aylmer's Field" an den Tag legt; kleinere Sammlungen seiner Lyrik wurden den Veröffentlichungen der Idylls von 1869 und 1872 beigegeben.

Auf die epische Periode folgte in Tennysons Schaffen eine dramatische. Von 1875 bis zu seinem Lebensende hat der greise Dichter sieben Dramen verfaßt. Für diese Versuche griff er stofflich weit aus: sie umfassen eine antike Tragödie in romantischem Geiste ("The Cup"), eine Dramatisierung der Meisternovelle Boccaccios vom Falken ("The Falcon"), ein modernes Problemdrama ("The Promise of May") und vier englische Historien. Letztere lagen ihm besonders am Herzen. Die drei Dramen "Harold", "Becket", "Queen Mary" sollten eine große nationale Trilogie bilden, die das Werden des modernen England an den großen Wendepunkten seiner GeschickeNormanneneroberung, Kampf zwischen Staat und Kirche, Reformation darstellt; das Robin Hood-Spiel "The Foresters" gesellt sich zu den schweren geschichtlichen Tragödien als nationales romantisches Sagenidyll. Die Bezeichnung «Buchdramen» für diese Werke wäre völlig verfehlt. Mit Ausnahme Harolds sind sie alle zu Lebzeiten des Dichters, zum Teile mit Erfolg aufgeführt worden; der berühmte Tragöde Sir Henry Irving spielte mit Vorliebe Tennysonsche Rollen und trat am letzten

Abend seines Lebens als Becket auf. Man könnte Tennyson eher allzu billige melodramatische und Bühneneffekte vorwerfen. Der Versuch, seinen lyrischen Genius den Anforderungen des Dramas anzupassen, konnte zu keinem befriedigenden Ergebnis führen. Am höchsten steht entschieden "Becket", ein wirksames Bühnendrama von literarischer Bedeutung; die anderen Dramen stufen sich von dieser Höhe ab bis zu den "Foresters", einem mißratenen populär-patriotischen Zugstück, dessen starke Anlehnung an den Sommernachtstraum die eigene Wertlosigkeit nur um so peinlicher fühlbar macht.

Neben dem Drama tritt in dieser Periode die Lyrik noch einmal stark hervor, nicht als matter Nachklang, sondern in Offenbarungen schöpferischer Vollkraft. Die fünf Sammlungen, die zwischen 1880 und 1892 erschienen, enthalten eine überraschende Fülle reifster Meisterwerke. Tennysons Kunst findet ebenso vollendeten Ausdruck für die farbenglühende Phantastik der keltischen Mythologie ("The Voyage of Maeldune") wie für die schlichte Tragik eines unscheinbaren Menschenschicksals ("The first Quarrel"), für das Liebesleid Oenones wie für den ekstatischen Glaubensheroismus St. Telemachs, für den tiefen pessimistischen Groll des greisen Helden von Locksley Hall über das Schwinden aller alten Ideale aus dem modernen Leben wie für die eigenen, aufs Jenseits gerichteten Hoffnungen ("Faith", "The Silent Voices", "Crossing the Bar").

Nicht durchgängig ist es Tennyson geglückt, sich auf seiner Höhe. zu halten. Die ideellen Abstände zwischen seinen besten und seinen schwächsten Leistungen, in denen er nicht selten in das Sentimentale und Matte entgleist, sind sehr beträchtlich. Seine beispiellose Popularität verdankt er vielleicht nicht minder diesen Schwächen als seinen eigentlich künstlerischen Eigenschaften, wie zugleich dem Umstande, daß seine Art und seine Anschauungen in ausgesprochenstem Maße repräsentativ-englisch sind. Allein auch

im höchsten Sinne ist er der Dichter des englischen Volkes, aus und zu dessen Seele er nach englischem Zeugnis (Ch. Collins) gesprochen wie Keiner seit Shakespeare. Und den stolzen Namen des "Poet Laureate" der Viktorianischen Epoche trägt er nicht nur kraft der Titelverleihung, sondern auch als ihr repräsentativster Dichter. Er wird übertroffen von Browning an feinster Seelenanalyse und schöpferischer Originalität, von Rossetti an intimster Stimmung, von Swinburne an Gewalt der dichterischen Leidenschaft; er übertrifft jeden von ihnen an Vielseitigkeit der Begabung, den ersten in jeder künstlerischen Beziehung, den andern an Weite der Gedankenwelt, den letzten an Geklärtheit und Harmonie. Seine Bedeutung äußert sich am unwidersprechlichsten, wenn man für die Viktorianische Dichtung eine persönlich-literarische Bezeichnung sucht; sie ist das Zeitalter nicht Brownings, nicht Swinburnes, sondern Tennysons. Diese Stellung des Laureaten haben auch seine großen dichterischen Zeitgenossen neidlos anerkannt, als deren Wortführer ihm Swinburne in das Grab nachrief:

Far above us and all our love, beyond all reach of its voiceless praise, Shines for ever the name that never shall feel the shade of the changeful days

Fall and chill the delight that still sees winters light on it shine like May's.

THE LADY OF SHALOTT.
[Poems 1832 ("1833").]

PART I.

ON either side the river lie
Long fields of barley and of rye,
That clothe the wold and meet the sky;
And thro' the field the road runs by
To many-tower'd Camelot;
And up and down the people go,
Gazing where the lilies blow
Round an island there below,

The island of Shalott.

Willows whiten, aspens quiver,
Little breezes dusk and shiver
Thro' the wave that runs for ever
By the island in the river

Flowing down to Camelot. Four gray walls, and four gray towers, Overlook a space of flowers, And the silent isle imbowers The Lady of Shalott.

By the margin, willow-veil'd,
Slide the heavy barges trail'd
By slow horses; and unhail'd
The shallop flitteth silken-sail'd

Skimming down to Camelot:
But who hath seen her wave her hand?
Or at the casement seen her stand?

Or is she known in all the land,
The Lady of Shalott?

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