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H. Walker, s. o. S. 50.

J.C. Walters, A. T., Poet, Philosopher, Idealist. 1893[12/-]. W. G. Ward, T.'s Debt to Environment; a Study of T.'s England as an Introduction to his Poems. 1898 [2/6].

A. Waugh, T., a Study of his Life and Work. 1892. New Ed. 1902 [2/6].

Der

er Name Alfred Tennyson wurde den literarischen Kreisen Englands zum ersten Male bekannt durch zwei schmächtige Gedichtsammlungen der Jahre 1830 und 1832. Ihr Verfasser, der eben seine akademischen Studien in Cambridge abgebrochen hatte (1831) und noch ohne feste Lebenspläne im väterlichen Pfarrhause zu Somersby weilte, hatte schon in den anonymen "Poems by Two Brothers" 1826 eine Reihe poetischer Versuche Nachahmungen literarischer Vorbilder, besonders Ossians und Byrons veröffentlicht und 1829 für eine Ode "Timbuctoo" den Universitätspreis erhalten, schloß jedoch später diese unreifen Jugendgedichte dauernd von seinen Werken aus.

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Die "Poems, chiefly lyrical" von 1830 und ihre Fortsetzung 1832 sind ein Markstein in der Geschichte der englischen Dichtung. Mit dem frühen Tode Keats', Shelleys und Byrons war eine Epoche großer dichterischer Leistungen und noch größerer Verheißungen jäh abgeschnitten worden, und man stand allgemein unter dem Eindruck, die kurze Blütezeit der neuen Poesie des 19. Jhs. sei zu Ende gegangen. Tennysons Gedichte waren der erste Lerchenruf der Viktorianischen Lyrik. Bezaubernde Melodie der Sprache, hohe Formvollendung, feines Naturgefühl und konzentrierte Stimmung verkündeten unverkennbar einen bedeutenden Dichter, von dem eine Art Jiriczek, Englische Dichter.

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Fortsetzung und Vollendung der Richtung von Keats erwartet werden mochte eine Verheißung, die Tennyson weit übertroffen hat. Neben Schöpfungen, die bereits das Gepräge der vollentwickelten Kunst Tennysons tragen, wie der tiefsymbolischen “Lady of Shalott" und der berückenden Lyrik der "Lotos-Eaters", standen freilich auch leere Künsteleien und matte, selbst geschmacklose Spielereien, die es noch zweifelhaft erscheinen lassen konnten, nach welcher Seite hin diese neue Dichtung sich entwickeln werde. Aus einzelnen Gedichten, wie dem "Palace of Art" einem allegorischen Ausdrucke der Überzeugung Tennysons, daß die Kunst sich nicht von ethischer Gesinnung trennen lasse ohne zu einer Verödung des Seelenlebens zu führen sprach eine ernste, ethisch hochstrebende Natur; eine ausgesprochene Persönlichkeit ließ sich jedoch damals noch nicht erkennen. Tennysons Innenleben war in der Tat bis dahin noch von keiner tieferen Welle bis zum Grunde aufgewühlt worden. Im Elternhause aufgewachsen, wo er den Unterricht seines geistig bedeutenden Vaters genoß, hatte er sich durch ausgedehnte Lektüre eine gediegene literarische Bildung angeeignet, in der Atmosphäre des Pfarrhauses intensive religiöse und philosophische Interessen in sich aufgenommen, in der weiten Moorlandschaft der Umgebung und an der oft besuchten nahen Nordsee seinen Natursinn entwickelt, und in tausenden von wieder vernichteten Jugendversen sein Formgefühl geschult. In Cambridge trat er in einen Kreis jugendlich-feuriger Studiengenossen, der «Apostel», in deren Gesprächen und Debatten die geistigen Kämpfe und Kulturprobleme der kommenden Generationen wetterleuchteten. Entscheidend für sein Leben und seine Dichtung wurde die schwärmerische Freundschaft, die ihn mit Arthur Henry Hallam, dem Sohne des bekannten Historikers, verband. Hallam festigte in Tennyson die Erkenntnis seines Dichterberufes und war ihm in allen geistigen Entwicklungskämpfen

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Vertrauter; in ihm liebte Tennyson die Verkörperung seines Ideals von harmonischer Geistes- und Herzensbildung, in deren Verbindung er den edelsten Typus menschlicher Evolution erkannte.

Der plötzliche Tod Hallams, der auf einer Reise in Wien am Herzschlag starb, wirkte auf Tennyson vernichtend und stürzte ihn in die Tiefen leidenschaftlichen Schmerzes. Seine vom Vater ererbte Melancholie wurde dadurch so verstärkt, daß sie ihm jahrelang den Ausblick auf das Leben verdüsterte. Dazu trat eine tiefe Entmutigung durch die maßlos scharfe Ablehnung seiner Dichtung in einer tonangebenden Zeitschrift, und die immer drückender lastende Sorge um seine Zukunft. Bereits 1831 hatte er den Vater verloren; einige Jahre später mußte die Familie das alte Heim räumen, mit dem seine schönsten Erinnerungen verwachsen waren, und Tennyson fühlte sich fortan lange Jahre heimatlos, während er gleichzeitig die volle Bitterkeit einer aus materiellen Gründen hoffnungslosen Neigung anderthalb Jahrzehnte hindurch empfinden mußte. Der ernste ethische Idealismus, dessen Verkünder Tennyson wurde, war nicht die leichtgereifte Frucht eines sonnigen Temperaments und Lebens, sondern beruht auf transzendenter Überwindung einer schweren, oft pessimistischen Grundstimmung und Lebensauffassung.

Als Tennyson nach zehnjähriger Pause wieder mit einer Veröffentlichung seiner Dichtungen hervortrat, war er als Künstler und als Persönlichkeit gereift. In den "Poems" von 1842 zog er die Summe seines Schaffens von 1830 an. Aus den älteren Sammlungen behielt er nur bei, was vor seiner geschärften Selbstkritik noch standhielt, und bot es in einer Form, die vielfach erst jetzt durch feine Retouchen die letzte künstlerische Vollendung erlangt hatte. Daran reihte sich eine Fülle neuer Gaben von der Bedeutung des farbenprächtigen epischen Fragmentes "Morte d'Arthur", des leidenschaftlichen dra

matischen Monologes "Locksley Hall", der großartigen "Vision of Sin", des "Ulysses" eines Gegenstückes zu den "Lotos-eaters" und anderer gleichwertiger Schöpfungen. Wie diese Offenbarung einer neuen Kunst und Tennysons weitere Dichtungen bis "Maud" (einschließlich) auf die Zeitgenossen wirkten, bezeugen (Canon) Dixons Erinnerungen an die Stimmung der Oxforder akademischen Jugend um 1850: «Tennyson hatte eine neue Poesie, ein neues poetisches Englisch erfunden; sein Wortgebrauch war neu, und jedes Gedicht, das er schrieb, war eine Eroberung neuen Gebietes; wir alle hatten das Gefühl, daß über ihn hinaus keine weitere Entwicklung möglich sei.»>

Auf eine Thesendichtung über moderne Frauenbildung und ihren Einfluß auf das Verhältnis der Geschlechter zueinander, "The Princess" 1847, Tennysons einzigen Versuch in der problematischen Literaturgattung eines heroisch-komischen Potpourris, folgte i. J. 1850 der Gedichtzyklus "In Memoriam A. H. H.", die reifste Frucht seiner Gedankenlyrik. Einzelne Abschnitte waren bald nach dem Tode Hallams entstanden, ohne die Absicht einer Veröffentlichung; der zyklische Plan wurde erst gefaßt, als ihre Zahl bedeutend gewachsen war. 1845 war bereits der Epilog niedergeschrieben; bis zur endgiltigen Anordnung und Veröffentlichung ergaben sich noch manche Zusätze. Von der Totenklage und dem erschütternden Ausdruck seelischer Pein erhebt sich die Dichtung zur Weite einer schmerzverklärten religiös-transzendenten Weltanschauung, für die alles Vergängliche nur ein Gleichnis geworden ist. Das Werk ist in doppeltem Sinne ein Denkmal Hallams; aus eigenen Seelenkämpfen geboren, entwickelt die Dichtung zugleich die religiös-philosophischen Gedanken, die Hallam und Tennyson in ihren Gesprächen ausgetauscht hatten und deren Echo in dem literarischen Nachlaß Hallams auf uns gekommen ist.

Mit dem Jahre 1850 war Tennyson von der Schattenseite des Lebens in die Fülle späten inneren und äußeren Glückes getreten. Die herben Dissonanzen der Vergangenheit zitterten aber noch lange nach und fanden ihren Ausdruck in dem düsteren lyrischen Monodrama "Maud" (1855). In der Gestalt des vom Glücke enterbten Helden, dessen überreizbar-feinfühlige Seele sich gegen die brutalen Erscheinungen des Ellbogenkampfes um Reichtum und Genuß empört und durch die Qualen zerstörter Liebe zum Zusammenbruch gedrängt wird, hat Tennyson eigene Stimmungen in dramatischer Steigerung und Ablenkung objektiviert. Durch keines seiner Werke weht ein solcher Sturm hinreißender Leidenschaft der Empfindung wie durch "Maud", die ganz neue Sphären von Tennysons Ausdrucksgewalt enthüllte, und deren berückende rhythmische Schönheit und gesättigte lyrische Stimmung der Dichter nie wieder in gleichem Maße erreicht hat.

Nach der dichterischen Klärung persönlicher Empfindungen und Selbstbefreiung von eigenen Gefühlserlebnissen durch "In Memoriam" und "Maud" wandte sich Tennyson der objektivsten Dichtungsgattung, dem Sagenepos zu, das an zwei Jahrzehnte im Vordergrunde seines Schaffens steht. Die Artussage hatte ihn schon früh angezogen; bereits 1835 las er Freunden die epische Episode von Arthurs Tod vor, die 1842 in demselben Bande veröffentlicht wurde, der auch die Romanzen "Sir Galahad" und "Sir Launcelot and Queen Guinevere" enthielt. In der richtigen Erkenntnis, daß eine großzügige einheitliche Komposition epischer Art seiner Kunst nicht gemäß sei, bearbeitete er einzelne Episoden, die sich ihm allmählich zu einem Zyklus von 12 «Bildern» (“Idylls”) rundeten. Seine Hauptquelle war der spätmittelalterliche Prosaroman "Le Morte d'Arthur" von Sir Thomas Malory, dessen Stoff er gelegentlich aus anderen Quellen ergänzte oder umformte. Nicht im mittelalterlichen Geiste

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