Imagens da página
PDF

Weise strafbar seyn, sondern müssen vielmehr wegen ihrer Treue. auch von dem, der darunter leidet, gelobt werden. Wenn Drou et Postmeister in Athen gewesen wäre, und Sokrates, von dem er wußte, daß er in Athen von den Archonten gefangen gehalten werden sollte, wäre entflohen, und hätte von ihm verlangt, daß er ihn forthelfen sollte; so hätte er die Verbindlichkeit gehabt, dem Staate den Sokrates wieder in die Hände zu liefern, gesetzt, er hätte auch gewußt, daß er diesen tugendhaften Mann unschuldig hinrichten würde. Denn daß der Souverain seine Pflicht verletzt, das hat der Unterthan nicht zu verantworten; und wenn er auch gleich durch die Beobachtung seiner Pflicht dazu beiträgt, daß jener sein Unrecht desto eher thun kann; so hört doch seine Handlung unu dieser übeln Folge willen, die er jedoch gar nicht will, darum nicht auf, Pflicht zu seyn. Die Pflicht des Unterthanen ist aber, dem Souverain in allen Stücken, die ein Souverain nur immer von ihm verlangen kann, zu gehorchen, und sich übrigens um das, wozu der Souverain das, was er ihm. leistet, gebrauchen mag, nicht zu bekümmern, weil er es nicht zu verantworten hat. In diesem letzteren Punkte sind die gemeinen Urtheile über Recht und Unrecht außerordentlich unrichtig, welches wieder daher kömmt, daß man das eigentliche Kennzeichen der Pflichk, nennlich die

Allgemeinheit der Maxime vergißt, und die Fol

gen der Handlungen. das Nützliche oder Schädli

che dazu erhebt, wo denn natürlich, der Unsicher

heit dieses Kriteriums nicht zu gedenken, der eine das seinen Absichten sehr zuwider, d. h. sehr schädlich findet, was der andere den seinigen sehr gemäß, d. i. für sehr nützlich hält; und somit wird denn hier das bis in den Abgrund der Hölle verflucht, was dort bis im Himmel erhoben wird. André

wird in Amerika als ein Verbrecher hingerichtet, während daß man ihn in England Ehrensäulen errichtet. Drouet wird in Österreich un derjenigen Handlung willen schimpflich behandelt, weshalb man ihn in Frankreich als einen Patrioten preiset. Prüft man das Verfahren beider INänner nicht nach den Folgen, sondern nach den JRaximen, die ihnen zum Grunde lagen, so wird man bald das Wahre in der Sache finden - und richtig beurtheilen können, ob sie recht oder unrecht handelten. Wenn z. B. jeder Unterthan nach der Maxime verführe: denn machthabenden Souverain in allen Stücken Folge zu leisten, die ein rechtmäßiger Souverain von ihm nur fordern kann. und alle seine Zwecke, die als Recht gedacht werden, zu befördern, ohne darüber zu raisonniren, ob der Souverain auch selbst recht daran tbue; so

[ocr errors]

der ihr Recht mit Gewalt. Keiner der Friegenden Parteien hat ein zu Recht beständiges Urtheil über den andern. Jeder hat ein Recht sein eigner Richter zu seyn, und nur der Vergleich oder die völlige Vernichtung des einen durch den andern, kann den Streit beenden. Im Kriege hat daher auch kein Unterthan eine rechtskräftige Stimme, und kann sich also kein praktisches *) Urtheil über die Parteien, d. h. ein solches, das er in Ausführung bringen dürfte, anmaßen; hieraus fol

[ocr errors]
[ocr errors]
« AnteriorContinuar »