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B. Muß die Sominerlaube in der Luft schwes ben oder darf ich sie auf ein Stüd der gemeins fchaftlichen Insel leben, und darf ich mir wohl gar ein Haus auf diese Stelle bauen, ohne die übrigen Menschen darum zu fragen?

2. Ja, wenn sie Ihnen den ausschließlicher Gebrauch nicht verwilligt haben, so kann ein Jeder die Laube und das Haus so gut nüßen, wie Sie.

B. Also wenn ich inir ein' Behältniß gemacht habe, worin ich meine Sachen gegen die wilden Thiere oder auch wohl die gefangnen Tauben ges gen die Ktagen verwahre, so darf ein jeder die Behältniß öffnen, um seine Sadjen auch hinein: zulegen? Denn, wenn ich ein Vorlegeschloß daran legte, so würde ich mir das Behältniß auf lange Zeit zueignen, und es wäre alfo nicht ein augens blid licher Befis, telden ich dadurch schußte. Ich darf also das Gemach nicht verschließen. Nun kommt ein Underer, um seinen Käse darin zu ver: wahren, aber unglüdlicher Weise oläßt er mir die State hinein, und meine Canbiler sind gefressen! Oder, was meinen Sie, muß die Kaße auch erst die Erlaubniß des ganzen menschlichen Geschledits haben, ehe sie die Tauben freffen darf? Hat der liebe Gott die Erde init Allem, was darauf und darin ist, allein den Menschen oder auch den Thie: ren zum Gescent gemacht?

2. Auch die Shiere gehören den Menschen.

B. Gut, aber wo ist die Schenkungsurkunde, wie lautet sie?

2. Mit ihren geistigen und physischen Strafe ten, und mit ihren Bedürfnissen erhielten sie zu. gleich die Befugniß, ihre Bedürfnisse durch die das zu dienliche auf der Erde befindliche Mittel zu bes friedigen.

B. Haben Sie keine andre Schenkungsurkunde aufzuweisen?

4. Nun, ist diese nicht hinlänglich?

B. O ja, und sie beweist noch mehe, als sie eigentlich dadurch beweisen wollten. Hat nicht der Mensch ein Vorhersehungsvermögen?

A. Wer wollte das leugnen?

B. Hat er nicht auch das Bedürfniß, für die Bukunft zu sorgen?

2. Auch das gestehe ich ein.

B. Nun so haben Sie mir das Patent auss gefertiget, zu folge deffen ich berechtigt bin, mit ein Haus für den künftigen Winter zu bauen, und es so lange zu gebrauchen, als ich dessen bedarf. Wenn ich aber dieses Recht habe, so werde ich eben so wenig die Erlaubniß meiner Nebenmenschen nöthig haben, um inir eine Sache für die Zukunft zuzucignen, als ich deren: bedurfte, um sie für den jeßigen Augenblick zu nugen. Ich finde auch in

der Schenkungsurkunde selbst nichts von einem lini terfdiede zwischen beweglichen und unbeweglichen Sachen,

4. Aber nehmen sie denn an, daß, wenn Sie auf eine tüste Insel kámen, Sie das Recht ha: ben würden, sie ausschließungsweise in Besik zu nehmen und den später kommenden ins Meer zu werfen, obgleich die Infel noch für Tausende, wie Sie sind, plag und Nahrung hätte ?

B. Das nehm' ich nicht an. Ich glaube viel: mehr, daß der später kommende berechtigt renn würde, einen von mir noch nicht þebauten Plaß für fidh, meiner Protestation ungeachtet, einzuzăunen. Ich räume ferner ein, daß ohne positive Ge: rege, welche meistentheils schon pertheilte Grund. ftücke voraussegen, das Recht der Besigergreifung, besonders in Ansehung der unbeweglichen Sachen, zuweilen nicht mit voller Wirkung wird ausgeübt werden können, und daß es daher noch besonderer Bestimmungen durch positive Geseke bedurfte. Allein ein Recht ist darum nicht minder vorhanden, weil deffen Eristenz nicht Allen in die Augen fällt. ) Das Recht selbst und dessen Ausnahmen können durch gemeingültige Grundfäße bestimmt segn, wenn auch die Anwendung derselben auf den vorkommen: den Fall wegen der dabei in Betrachtung kommen:

*) Non deficit Jus; ,sed deficit probatio.

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den Thatjaden, zweifelhaft ist. Es tird also wohl am besten renn, mir lassen unsre Ansprüche auf eine positive Gemeinschaft der Güter fahren, und ber ynúgen uns an dem Rechte, Sachen, die noch Nries manden gehören, in Befik zu nehnien.

2. Aber schließt nicht dieses angebliche Recht fdjon einen Widerspruch in fich? denn erst räumen Gie mir ein Redyt ein, alle Dinge in Besitz zu nehmen, und doch roll ich auch das Recht haben, Andre, wenn es mir beliebt, von dem Rechte der Besißergreifung auszuschliessen.

B. Wenn es mir beliebt?

2. Ja, ganz recht,, wenn es Ihnen beliebt; denn Sie dürfen sich nur einfallen lassen, die Sache früher, als ich in Besik zu nehmen, so haben Sie eben dadurch das mir zustehende gleiche Recht, ver: eitelt.

3. Nehme ich denn eine positive Gemein. schaft der Güter an? gestehe ich Ihnen denn ein Recht zu, mich

5 pon der Besignehmung des Erdo reids, tvorauf id meine Hütte gebauet habe, auss zuschließen? Gebe ich Ihnen nicht bloß ein Recht, Gachen, die nod Niemanden gehören, in Besis zu nehmen? Was heißt, durch Besibergreifung ermer. ben, anders, als Sachen zu meinem ausschließlichen Gebrauch aussondern? Geße ich nicht dabei ein Recht, Eigenthum durch Besigergreifung zu ers

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langen, voraus? muß ich also nicht das Eigen

thum beadten, ohne welches mein Redt kein Recht feyn würde? Muß ich also nid)t von der Besiga ergreifung solcher Sachen abftehn, welche sich schon im Eigenthum eines Andern befinden?

2. Um Ende ist doch das alles ein Streit, von welchem, wenigstens in Deutídland, wenig abhängt.

B. In Deutschland, sagen Sie das ist eben die glüdliche Lage, in welcher sich die deutschen Philosophen befunden haben, daß sie weniger, als die Gelehrten anderer Länder durch das Interesse des Augenblics berleitet wurden, für oder wider einen Gas Interesse zu nehmen. Sie verhalten sich als ruhige Zuschauer dessen, was in der übrigen Welt vorgeht, und können daher ihre Theorien sicherer und fester gründen, als die Engländer und Franzosen, deren Gedanken sie in ruhiger Stille benugen, weil ihr Nationalstolz sie nicht hindert, von den Smriften andrer Völker Gebrauch zu ma: dhen. So, weit bin ich also einig mit Ihnen; aber glauben Sie denn, daß die eben unter uns abge: handelte Frage in Deutschland keine praktische Folgen habe?

2. Jegt wenigstens hat es noch nicht das An. fehn, als ob die Deutschen sich sobald damit ab: geben würden, Ländereien in Ost- und Westindien

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