Imagens da página
PDF
[ocr errors]

treffen, und da beide Sekrete auch in der Peripherie der Organe abgelagert werden, so ist die Immunität der letzteren ohne Zweifel beiden zugleich zu verdanken. Solche Pflanzenteile schmecken sowohl sauer als adstringierend. Säure und Gerbstoff stehen bei diesem gleichzeitigen Auftreten in den Geweben und innerhalb der Zellen in einem ähnlichen antagonistischen Verhältnis, wie es schon zwischen der Säure und anderen Zellinhalten angedeutet wurde. In vielen Fällen speichern die Zellen, in denen Gerbstoffreaktion eintritt, roten Farbstoff.

Von Pflanzen, welche diese Verhältnisse aufweisen, sind die beiden Ampferarten Rumex acetosella und Rumex acetosa zu nennen. Dieselben führen Gerbstoif in der gering säurehaltigen Epidermis und dem grünen Gewebe jüngerer Blätter. Im Blattstiel speichern die Epidermis nebst Collenchym und Rindenparenchym neben der Säure auch Gerbstofi", ferner ist die säurefreie Gefäßbündelscheide gerbstoffhaltig. Gleiche Verhältnisse zeigt der Stengel dieser Pflanzen, vor allem in der Blütenregion, in welcher Gegend den basalen Stengelpartien gegenüber sich stets eine Abnahme der Acidität feststellen ließ.

Die Begonien mittlerer Acidität (B. Rex, B. ricinifolia, B. imperialis-smaragdina, B. scandens, B.Scharffiana, B. argyrostigma‚ B. fuchsioides, B. acerifolia) speichern in den peripheren Geweben ihrer Blattstiele und Stämme (Epidermis mit Zotten, Collenchym, Rindenparenchym), ferner in der unteren Blattepidermis, am Blattrand und den Haargebilden neben der Säure oft große Gerbstoffquantitäten. Auch die Sproßachsen der Oxalisarten enthalten in ihren Geweben neben der Säure oft bedeutende Gerbstoffmengen (O. carnosa, O. Ortgiesii, 0. stricta u. a.).

Die gegebene Darstellung von Vikariationserscheinungen schließt ohne Zweifel neue Beweisgründe für die hier in Frage kommende biologische Aufgabe der Oxalsäure in sich und so dürfte, wenn man das gesamte vorgeführte Thatsachenmaterial in Rechnung zieht, die Bedeutung der Oxalsäure als Schutzstofi" sicher festgestellt sein. Am Schlusse der Arbeit möchte ich jedoch hinsichtlich der Untersuchungsergebnisse in kurzen Worten noch an die in der Einleitung gemachte Bemerkung anknüpfen, nach welcher die Schutzfunktion eines Sekretes in keiner Weise andere Leistungen desselben ausschließt. Beispielsweise kann die vorwiegend periphere Lokalisation der Oxalsäure mit einer weiteren

[ocr errors]

Funktion, als der des Schutzes und vielleicht sogar in erster
Linie mit dieser anderen in Zusammenhang gebracht werden.

Wenn wir die Epidermis der vegetativen Organe nach WnsrnnMAIER‘) als ein Wasserversorgungssystem für die übrigen , vor allem für das subepidermale Assimilationsgewebe auffassen, so läßt sich zweifellos zu dieser Funktion der Oberhaut die in ihr erfolgende Säureablagerung in engste Beziehung bringen. Die osmotisch äußerst wirksamen, organischen Säureni’), also auch die Oxalsäure, vermitteln unter für die Wasseraufnahme günstigen Verhältnissen eine starke Füllung der Zellen, in denen sie enthalten sind. Bei eingetretener Trockenheit kommt dann das aufgespeicherte Wasser den übrigen Geweben zu gute. Bedenkt man, daß z. B. die succulenten Begonien und Sauerkleearten 3) meist an den trockensten Standorten zu finden sind, so tritt diese Bedeutung der epidermal abgelagerten Oxalsäure als Schutzmittel gegen die Gefahren des Austrocknens in den Vordergrund.

Diese Funktion der Oxalsäure gewinnt noch an Bedeutung, wenn man berücksichtigt, daß die mit hervorragender Acidität ausgestatteten Pflanzen oder deren Organe fast jedes sonstigen Schutzmittels gegen gesteigerte Transpiration entbehren. Je höher die Acidität der pflanzlichen Organe gefunden wird, desto geringer ist bei allen untersuchten Formen die Behaarung, desto dünnwandiger sind die peripheren Gewebe. Bei oberflächlicher Betrachtung scheinen die sauersten Species gegen die Verdunstung ihrer Zellinhalte vollständig wehrlos.

Das analoge Wechselverhältnis fand ich bei schwach sauren und säurelosen Organen, an denen dann unzweifelhafte Schutzeinrichtungen gegen Gefahren von Trockenperioden erscheinen, also Haarbekleidung, Membranverdickung und Peridermbildung, oder bei einigen Begonien (B. argyrostigma, B. Scharffiana) in der Epidermis collenchymatische Aussteifungsgerüste gegen ein Zusammenschrumpfen der Zellschichten bei starker 'l‘ranspiration 4).

[graphic][ocr errors]
[ocr errors][ocr errors][merged small]
[merged small][merged small][merged small][ocr errors][merged small]

In meiner Arbeit über die Zelle (14) war ich betreffs des Zellbaues von Eiern zu Ergebnissen gelangt, die sich folgendermaßen formulieren lassen:

1) Die Zellen (speziell die von mir untersuchten) bestehen aus einem Maschenwerk von geschlängelt verlaufenden, gleichmäßig starken Fäden (Fasern, Balken, Fibrillen, llvov); aus körnigen Gebilden (z. B. Chromatin) und aus einer, der Substanz nach nicht näher zu charakterisierenden, Grundmasse (Zwischenmasse, Interfilarsubstanz).

2) Die Fasern sind kontraktionsfähig und besorgen die Bewegungcn (aktive) der Zelle (z. B. durch Hervorragen aus der Grundmasse als Wimpern) und die Verlagerungen bewegungsunfähiger Substanzen in der Zelle.

3) Die Kern-, Vakuolen- und viele Zellmembranen erscheinen als Verkittungsprodukte der Fibrillen; ein Unterschied von Kernund Protoplasmasubstanz besteht demnach in Bezug auf das Gerüst nicht.

4) Die Kernmembran bewirkt die dauernde Gruppierung der Chromatinkörner auf einen bestimmten Raum, indem sie die im Kern gelegenen Faserabschnitte in der Wandung fixiert und "so in ihren Bewegungsäußerungen behindert. Jedenfalls ist diese Vereinigung (meist Oentrierung) für die vegetativen Vorgänge in der Zelle (Ernährung, Teilung) von größtem Werte.

5) Die Teilung (indirekte) äußert sich als eine Verlagerung der halben Chromatinmassen durch Arbeit der Fibrillen (Sphäre, Sonne, Spindel) in die zwei Zerfallprodukte des Zellkörpers.

Diese fünf Ergebnisse, die ja im großen Ganzen durch die so bedeutungsvollen Arbeiten van BEnEnErfs, BovEEfs, FLEMMING’S, der Gebrüder HERTWIG, RAßrfis und vieler anderer Forscher angebahnt vvurden und auf ihnen beruhen, bildeten für mich die Grundlage der in dieser Arbeit zu schildernden Untersuchungen. Als Arbeitsmaterial dienten mir während eines fast 6-monatlichen Aufenthaltes an der Zoologischen Station zu Neapel Vertreter aller Coelenteratengruppen (mit Ausnahme der Spongien); da die Untersuchung bei einzelnen Species sich nur auf einen Vergleich mancher Verhältnisse mit denen anderer, ausführlicher untersuchter, beschränkte, so werde ich die Befunde an ersteren Formen nur kurz der Beschreibung letzterer zufügen.

Für die Ermöglichung der Arbeit bin ich dem sächsischen Ministerium des Kultus, welches mir einen Arbeitsplatz bewilligte, sowie dem Ministerium des Königlichen Hauses, welches mir ein reichhaltiges Stipendium aus der „König-Johann-Stiftung“ erwirkte, zu besonderem Danke verpflichtet. Auch spreche ich für die Zuvorkommenheit, mit der von den Beamten der Station meinen Wünschen Berücksichtigung zu teil wurde, meinen aufrichtigen Dank aus.

Methoden.

Als günstig für die Untersuchungen erwies sich nur das Mazerationsverfahren in Verbindung mit Tinktion durch Pikrokarmin oder BEALE’s Karmin. Färbungen des lebenden Tieres mit Methylenblau, die ich bei Ctenophoren und acraspeden Medusen versuchte, mißglückten durchaus; ich gab deshalb die Versuche, die mir nur Zeit raubten, bald auf; vielleicht ist der Erfolg bei andauernder und methodischer Behandlung größer. Schnitte wurden nur zur Orientierung angefertigt; für rein histologische Fragen fand ich sie nicht brauchbar. Als mazerierende Flüssigkeit gebrauchte ich eine dem Hnsrwrofischen Gemisch (5) ähnliche Mischung der Osmium- und Essigsäure: auf 22 Teile Seewasser kamen 2 Teile 1-proz. Osmiumsäure und 1 Teil Eisessig.

[ocr errors][ocr errors]

3 ‚ese Mischung war gleich günstig für alle untersuchten Tiere,

iuur mußte die Anwendungsdauer wechseln. Maßgebend für diese

i rschien mir die Färbung, welche die Tiere in der Flüssigkeit

E nahmen; sobald eine lichte Bräunung eintrat, war meist die

= tung und Mazerierung eine genügende (die Zeit schwankte

z ichen 1 ‘I, für sehr zarte bis gegen 10 Minuten für wider

i ‘dsfähigere Objekte). Die Erfahrung ist hier die einzige, aus

i hende Lehrerin; auch ertragen die Tiere oft ganz verschieden

' * die Einwirkung der Reagentien, was mir vor allem bei Ab

s ng des Stammes der Siphonophoren unangenehme Schwierig

[ocr errors][merged small][merged small][merged small][merged small]

Das Ektoderm des Mauerblattes der P ol yp en bildet eine flache Zellenlage (Fig. 1), in welcher die Zellumrisse nur hie und da zu erkennen sind. Man sieht, im Protoplasma eingeschlossen, große, meist ovale, sich nur sehr leicht tingierende Kerne mit großem Nucleolus, und einzelne, deutlich begrenzte Zellen, entweder mit mehr homogenem, sich gleichfalls färbendem Inhalt, oder von vakuolärem Bau. Vielleicht haben wir in diesen Elementen Drüsenzellen zu erkennen. Die längsverlaufenden Muskelfasern sind schmal-bandformig, mit spitz zulaufenden Enden, die öfters direkt in die Stützlamelle ein gehen; basale Fortsätze in letztere fand ich nirgends. Die untere Kante der Bänder ist etwas in die Lamelle eingesenkt; hieraus erklärt sich die feste Vereinigung beider. Ganglienzellen konnten bei guter Mazeration isoliert werden; sie zeigen (Fig. 2 u. 3) große Kerne mit kleinen Kernkörperchen und stimmen in Form und Verhalten zu Farbstoffen ganz mit den von den Medusen bekannten überein. Die Stützlamelle enthält feinste Fasern, die viel zarter als die Muskelbänder sind und gestreckt verlaufen. Außerdem finden sich auch vereinzelte spiralig gewundene, die an elastische Fasern erinnern.

Die Verdickung des Ektoderms an der Basis der Polypen zeigt bei Osmium-Essigsäuremazeration eine Fülle merkwürdig gestalteter, locker zusammengefügter Elemente, die sofort an die Knorpelzellen des Nesselwulstes der Carmarina, wie sie von den Gebrüdern HERTWIG (5) beschrieben wurden, erinnern; sie erscheinen

« AnteriorContinuar »