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Eine neue Art von Drymonema.
Von
Dr. Gr. Antipa.

Hierzu Tafel IX.

Als Herr Prof. HAECKEL im Jahre 1887 seine zweite Reise nach Kleinasien unternahm, fand er den ganzen Golf von Smyrna erfüllt von Scharen einer bisher unbekannten Scyphomeduse; sie gehörte der merkwürdigen Gruppe der Drymonemiden an. -— Da er sie bei Cordelio fand, nannte er sie Drymonema Cordelio und erwähnte sie vorübergehend unter diesem Namen, ohne sie weiter zu beschreiben, in seinem Buche über Planktonstudien ').

Der Mangel an Zeit gestattete Prof. HAECKEL nicht, das mitgebrachte Material selbst zu bearbeiten, weswegen er die Güte hatte, mir die konservierten Exemplare zur Bestimmung und Bearbeitung zu überlassen; auch die damals nach dem Leben aufgenommenen Notizen betreffs Farbe, Größe etc. des Tieres wurden mir in freundlichster Weise zur Verfügung gestellt.’ Wie sehr ich mich hierfür, sowie für die Erlaubnis, in dem Laboratorium des Zoologischen Institutes arbeiten zu dürfen, dem Herrn gegenüber zum Danke verpflichtet fühle, brauche ich kaum noch zu sagen.

Bevor ich zur eigentlichen Beschreibung der neuen Spezies übergebe, halte ich es für zweckmäßig, noch einige Worte über die Geschichte dieser Tiere zu sagen. Die Drymonemiden sind semostome Discomedusen und gehören zu der, durch die bedeutende Größe ihrer Vertreter ausgezeichneten Familie der C y a

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neiden , unterscheiden sich jedoch von den übrigen Formen durch zahlreiche wichtige Merkmale, vor allen Dingen: 1) durch die ganzen Bildungsverhältnisse der Subumbrella und des peripheren Kanalsystems (einerseits Rückbildung des Kranzmuskels und der 16 breiten Radialtaschen, andererseits starke Ausbreitung der Tentakelzone und verästelten Lappentaschen), 2) durch die vollständige Verwachsung der Randlappen zu einem Velarium und die eigentümliche, völlig subumbrellare Lage der Rhopalien, die sich in einer Art Nischen verstecken.

Obwohl diese Verhältnisse sich in sehr schöner Weise auf die ‚der übrigen Cyaneiden zurückführen lassen, wiegen oben bemerkte Unterschiede doch sehr schwer, so daß HAECKEL sich genötigt sah, aus ihnen eine besondere Subfamilie zu gründen.

Man kannte bis jetzt nur 2 Arten, die dazu gehören. Die erste wurde im Jahre 1879 von Dr. Buccrcn an der Kiste von Dalmatien gefunden und von HAEcxEL in seinen „Tiefsee-Medusen der Challenger-Reise“ 1) beschrieben; er nannte sie D ry m on em a Victo ri a (dgvyög = Wald, vilna= Faden). -— Ein Fragment einer von der Challenger-Expedition in der Gibraltarstraße im Jahre 1873 gefundenen Medusa soll auch damit identisch sein.

Die zweite Art, Drymonema G orgo MULL., wurde dreimal (6./1. 57, 11./11. 60 und 3./11 61) von FRITZ MÜLLER an der Küste von Brasilien, nördlich von Desterro gefunden und in einer Notiz im Zool. Anzeiger ’) beschrieben. Sie unterscheidet sich von Drymonema Victoria durch einige kleinere Artmerkmale, hauptsächlich aber durch die Bildung des peripherischen Kranzdarmes. — Mit D. Gorgo wurde auch der Beweis erbracht, daß die Drymonemiden kleine Tiefseemedusen sind, eine Frage die von HAECKEL offen gelassen war.

Die Beschreibung der neuen dritten Art, die ich in folgendem geben werde, stützt sich auf die Vergleichung von ungefähr 10, mit Alaun fixierten und im Alkohol konservierten Exemplaren von verschiedener Größe und Alter, die aber alle schon auf der vollständig entwickelten Drymonema-Stufe standen. Leider waren die Tiere infolge der Behandlung mit Alaun und auch wegen des etwas schwachen Spiritus, in dem sie gelegen hatten, nicht mehr zur histologischen Untersuchung brauchbar.

l) Hucnm, 1. c. p. 105-111. 2) Fnrrz MÜLLER, Drymonema an der Küste von Brasilien. Zool. Anm, Ba. VI, 1883, p. 220-222.

Als Namen werde ich selbstverständlicherweise den von HAECKEL vorgeschlagenen als sehr passend beibehalten.

Drymonema Cordelio 1) n. sp.

Diese Art bildet durch die Größe ihrer Mundgardinen, ihren peripheren Kranzdarm etc. einigermaßen einen Übergang zwischen den beiden anderen Arten; doch entfernt sie sich durch mehrere Merkmale, wie z. B. die Hufeisenform der Gonaden, die Lage der Rhopalien näher dem Schirmrande etc. etc., von ihnen.

In ihrer Größe übertrifft sie gewaltig die beiden anderen; während die D. Victoria einen Horizontaldiameter von 0,l2—0,16 m und die Gorgo einen Diameter von 0,3 und höchstens 0,5 m hat, besaßen unsere Tiere im lebenden Zustande durchschnittlich einen Diameter von 0,5 m, die größten aber überstiegen sogar 1 m. —Die von mir untersuchten, infolge der Konservierung zusammengezogenen Spiritusexemplare waren in allen Größen von 0,10—0,26 vertreten.

Die Umbrella stellt eine flach gewölbte Scheibe vor. Ihre Gallerte erreicht in der Mitte (centrale Schirmscheibe) eine ansehnliche Dicke; an dieser Stelle ist sie sehr fest und knorpelhart, am Rande aber (Velarium) wird sie viel dünner und zarter.

Die Exumbrella, welche im Leben rötlich-weiß aussieht, ist glatt und unterscheidet sich von der der anderen Arten dadurch, daß sie keinen dunklen Radialstreifen auf der Oberfläche ihrer Centralscheibe trägt. — Das Velarium, dessen Breite sich zum Schirmradius ungefähr wie 1:3 (3:9,5) verhält, ist stark gekrümmt und gegen die Subumbrella zurückgeschlagen. Auf seiner Oberfläche sieht man 72 tiefe Radialfurchen, die von seinem proximalen Teil (Velarfurche) bis zum Schirmrande verlaufen; zwischen diesen Furchen treten 72 andere neue auf, die aber nur von der Mitte des Velariums bis an den Rand gehen, so daß man

jetzt im ganzen 144 Randfurchen hat; dementsprechend zeigt auch

der Schirmrand 144 verhältnismäßig tiefe Kerben. Diese Furchen entsprechen den Nähten der mit den Rändern verschmolzenen Randlappen, von denen es also auch im ganzen 144 giebt, davon 16 Ocular- und 128 Tentacularlappen.

1) Im Laufe der folgenden Beschreibung werde ich die von Hancxnr. in seiner Monographie der Medusen angewendete Terminologie benützen.

Subumbrella. Gleich beim ersten Blick fällt die mächtige Entwickelung des „centralen Peristomfeldes“ auf. Während nämlich bei den anderen Arten „der Radius der mittleren Zone (Tentakelzone) fast doppelt so groß ist, als der der beiden anderen (Peristomfeld und Velarium), die nahezu gleich sind 1)“, ist bei unserer Art einerseits das Peristomfeld, andererseits die Mittelzone so stark zusammengedrängt und verkleinert, daß der Radius der ersteren den der zweiten beinahe übertrifft.

Die Tentakelzone selbst ist wie bei den anderen Arten durch radiale Furchen gerippt; die 8 Prinzipalfurchen, begrenzt durch 16 Prinzipalwülste, verlaufen unverzweigt bis zum Schirmrande und tragen die Sinneskolben. —— Die zwischen diesen gelegenen Furchen resp. Wülste verzweigen sich immer mehr dichotomisch, bis zur Velariumfurche, wo sie schließlich aufhören (die Art und Weise, wie das vor sich geht, kann man genauer auf der Abbildung Fig. 1 (II) sehen): in diesen Furchen liegen die Tentakeln. Diese letzteren sind sehr zahlreich und groß, im Leben sollen sie 3-6mal so lang als der Schirmdiameter sein, ihre Farbe ist, nach den Aufzeichnungen von Prof. HAECKEL, meist weiß, in der Mitte mit einem rötlichen Kanal. — In der peripheren Lappenzone (Velarium) finden wir auch einen wichtigen Unterschied von den anderen Arten, nämlich: die Rhopalien sind sekundär aus ihrer ursprünglichen Lage, in der sie subumbral der Velarfurche dicht anlagen, nach dem Schirmrande zu gerückt, so daß sie jetzt nur etwas über der Mitte des Velariums zu liegen kommen. Während bei der D. Victoria ihre Entfernung vom Schirmrande ungefähr 1], des Schirmradius einnimmt, nimmt sie hier noch etwas weniger als 1], ein.

Die Rhopalien selbst zeigen einen außerordentlich interessanten Bau; leider waren die Tiere zu schlecht erhalten, um deren genauere Beschaffenheit studieren zu können. Äußerlich haben sie die Form, welche Fig. 2 angiebt; bei einem Exemplare, das ich mit Farbe injizierte, um den Verlauf der Gastro-vascularkanäle zu sehen, beobachtete ich in den 2 Lippen, welche die Sinnesnischen umgeben, eine Menge kleiner Kanälchen. Auch einige Sinushaare glaube‘ ich in der Nische gesehen zu haben, doch kann ich das nicht mit Sicherheit angeben, da, wie gesagt, die Epithelien alle schon ziemlich stark mazeriert waren.

Das Gastro-vascularsystem zeigt auch in vielen Be

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ziehungen Verschiedenheiten von dem der anderen Arten. Der „Knorpelring“, der das außerordentlich weite Mundkreuz umgiebt, ist an 8 gewissen Stellen (jedesmal auf den beiden Seiten eines jeden Mundkreuzschenkels) sehr stark verdickt, so daß wir 8 subradiale feste Knorpelknöpfe haben, die am Eingange in die Armrinnen stehen. In den Interradien ist der Knorpelring viel dünner und nach dem Centrum zu konkav.

Die Mundgardinen unterscheiden sich sowohl durch ihre Größe als auch durch ihre Beschaffenheit von denen der anderen Arten: Während nämlich ihre Länge bei der D. Victoria ungefähr dem Schirmradius gleich ist, bei der D. Gorgo aber den Durchmesser der Scheibe übertriift, nehmen sie bei unserer Art die Mitte zwischen den beiden ein, sind also ungefähr 1‘/,—mal so groß wie der Schirmradius. -— In die Breite sind sie außerordentlich stark entwickelt und faltenreich. Auch sind sie nicht wie bei den anderen Arten in den Interradien voneinander getrennt, sondern hängen auch hier zusammen und bilden so ein Continuum; an dieser Stelle (Interradien) haben sie eine Länge, die ungefähr derjenigen des Schirmradius gleicht. — Jede knorpelige Armrinne teilt sich, gleich wenn sie aus dem Mundkreuzschenkel ausgeht, dichotomisch, und da dementsprechend jede Gardine in der Mitte kürzer bleibt, zeigt auch jede 2 adradiale längere Zipfel.

Der periphere Kranzdarm bildet auch eine Art Übergang zwischen dem der D. Victoria und dem der D. Gorgo; während bei der ersteren jede Tentaculartasche sich 3mal gabelt, also 8 Randtaschen giebt (8X 8+16 Oculartaschen = 80 Randtaschen im ganzen), gabelt sich bei der letzteren jede Tentaculartasche 4 mal und 4 von diesen letzten Randtaschen noch zum 5. Mal, also im ganzen 8X20+16=176. Bei unserer Art trifft die Teilung nur 4mal ein, so daß wir im ganzen 128-1-16 Oculartaschen = 144 Randtaschen haben.

Auch die 4 interradialen Gonaden (Fig. 1, Quadr. II u. III, Fig. 3) weichen durch ihre Form von denen der anderen Arten ab. Jede besteht aus einer blindsackförmigen Ausstülpung des Magenbodens, die Gastrogenitaltasche, auf deren innerer Wand sich das stark gefaltete Genitalband hufeisenförmig anheftet; die Wand der ersteren wird dadurch in zwei geteilt und sieht so aus, wie zwei auf die beiden Seiten des Hufeisens aufgespannte Membranen. — Auf die innere Fläche der inneren Wand der Genitaltasche setzen sich in zwei Büscheln die großen, aber wenig zahlreichen Gastralfilamente an (vergl. hierzu Fig. 3 gf). Die Genital

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