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Die Drüsenzellen erscheinen bei Anwendung stärkster Vergrößerungen wie ein Konglomerat sehr kleiner außerordentlich dicht stehender Tropfen, die sich in Orange-Hämatoxylin oder in ErmLicn-Blonnfschem Farbengemisch leuchtend orange bez. rubinrot gefärbt haben, also das gleiche tinctoriale Verhalten zeigen, wie die amorphen Massen im Randwulste von Cardita.

Die isolierten Acini und diese vielzelligen Drüsen sind es, welche die in der allgemeinen Beschreibung erwähnten weißlichen Erhabenheiten bilden. Daß bei Lupenbetrachtung diese Gebilde erhaben, prominent über die Fläche erscheinen, was sie, wie das Mikroskop lehrt, thatsächlich nicht sind, ist wohl als ein optisches Phänomen anzusehen. Es heben sich dieselben von dem das Licht nur matt reflektierenden Mantelrande durch ihr stärkeres Brechungsvermögen scharf ab und rufen dadurch jene Täuschung hervor.

Was die Bedeutung der beiden Arten sekretorischer Elemente für die Physiologie des Tieres anlangt, so glaube ich dieselben für einen Giftapparat ansehen zu können, aus Gründen, die in ihrem oben geschilderten Verhalten gegen Farbstoffe beruhen.

Schwieriger dürfte es sein, zu erklären, wie das Produkt der vielzelligen Drüsen aus den am meisten basal gelegenen Zellen in den Ausführungsgang gelangt. Das Bild, das die Drüsen im Schnitte darbieten, wo Zelle eng an Zelle liegt, manche eine polyedrische Form angenommen hat, ist wohl in gewissem Grade als artefiziell, bedingt durch die schrumpfende Wirkung des erhärtenden Alkohols, aufzufassen. In vivo liegen vielleicht — ich habe leider, wie schon bemerkt, zu Beobachtungen frischer Objekte nicht genügend Material gehabt — die einzelnen Drüsenzellen nicht so eng, es sind vielleicht wenn auch noch so schmale Zwischenräume zwischen ihnen vorhanden, in welchen die Ausführungsgänge sich distalwärts ziehen, um sich dann an dem am meisten faltenwärts gelegenen Punkte zu vereinigen, wie dies für die beiden distalsten Zellen die Figur 4 2d wiedergiebt. So wäre die Möglichkeit vorhanden, daß das Sekret jeder einzelnen Zelle zur Mündung hingelangen kann. '

Wenn hier und bei den einzelligen Drüsen von Cardita (auch von Arca etc. im II. Teile) von „Ausführungsgang“ die Rede war und bei den gleichen Gebilden der noch zu besprechenden Ordnungen die Rede sein wird, so ist dieser Ausdruck selbstverständlich nicht in dem Sinne aufzufassen, wie er in der Wirbeltier

histiologie gebraucht wird. Ein besonders differenzierter Ausfüh8d. xxvu. n. r. xx. 2

rungsgang existiert nicht. Was hier der Bequemlichkeit wegen so genannt wurde, ist integrierender Bestandteil der Drüsenzelle selber, also gleichfalls der Umwandlung in Sekret fähig. Ich denke mir den Sekretionsvorgang in diesen Gebilden so ablaufend, daß von einer Stelle aus in jeder Drüsenzelle der Impuls zur Thätigkeit erfolgt, vielleicht von derjenigen, die in der Nähe des Kernes gelegen ist. Dieser Impuls pflanzt sich dann peripher zur Mündungsstelle, i. e. dem sogenannten Ausführungsgange fort, der also zuletzt in Thätigkeit treten würde. Wenn schließlich alles Umwandlungsfähige zu Sekret geworden, dann erfolgt die Ausstoßung desselben und zurück bleibt ein Rest von erschöpftem Protoplasma, der sich über die ganze Zelle, also auch über den „Ausführungsgang“ genannten Fortsatz verteilt und der nur um den Kern herum etwas konsistenter und normaler geblieben ist. Wir sehen selten oder nie dieses Stadium, weil einmal die Elemente, wenigstens bei den Acephalen, zu klein sind, und dann, weil die Färbbarkeit des Plasmarestes eine so geringe ist, daß die benachbarten, intensiver tingierten Teile ihre Wahrnehmung verhindern. Die Regeneration findet von diesem Reste aus statt, zunächst wohl durch den anregenden Einfluß des Kernes, dann auch durch die sich erneuernde Kraft des Zellplasma (cfr. über diese Frage meine Abhandlung „über die Fußdrüse der Opisthobranchier“, 36).

Es erübrigt noch die Beschreibung der Muskulatur; die Innervationsverhältnisse sind in Übereinstimmung mit denen von Cardita. Man sieht in den Schnitten durch den Mantelrand, die quer zur Längsachse des Tieres gelegt sind, zwei Hauptbündel längsgetroifener Fasern, von denen das stärkere der Innenseite, das schwächere der Außenseite angehört. Letzeres giebt in seinem Verlaufe wenige Fasern ab, die quer nach innen gehen; es endet in der Außenfläche der Außenfalte, nachdem es nach innen noch ein Paar stärkere Faserbündel zur Begrenzung der Drüsen der zweiten Art entsandte. Das innere Bündel teilt sich in zwei Partieen. Die schwächere derselben zieht dicht unter dem Epithel der Innenfläche des Randes und der Innenfläche und Außenfläche der Innenfalte dahin. Die zweite stärkere und medial gelegene Partie umfaßt die Drüsenmasse und giebt für beide Flächen der Mittelfalte und für die innere der Außenfalte die Längsmuskeln ab. Die bei der gewählten Schnittrichtung quergetrotfenen Bündel, die also eine Art Ringmuskel des Randes darstellen, sind im proximalsten Teile des Randes nur gering entwickelt, in den mehr distalen, d. h. den Falten nahe liegenden Regionen sind sie sehr kräftig. Sie liegen nach innen von der Medianlinie des Randes und gehen dann in die Innenfalte über (Fig. 4m); in der Mittelfalte sind sie nur ganz spärlich anzutreffen.

Lucina spinifera. Der Mantelrand dieser Species geht in zwei schmale, handschuhfingerförmige Falten aus, von denen die innere kleiner bez. niedriger ist, als die äußere. Von der Außenfläche der inneren entspringt die Epicuticula. Das indifferente Epithel der Falten ist ein niedriges, wimperloses Cylinderepithel‚ dessen freier Rand doppelt konturiert erscheint. Die Sinneszellen, welche im Schnitte sich durch ihre schmale Gestalt und die intensive Färbung ihrer Kerne deutlich von den indiflerenten abheben, sind auf der Innenfläche der Innenfalte besonders reichlich vorhanden, auf den anderen Stellen des Randes nur sehr spärlich. Die isolierten Acini, die bei Astarte vorkamen, sowie die amorphen Massen, die bei Cardita gefunden wurden, fehlen hier; die bei Astarte erwähnte zweite, vielzellige Drüsenform ist indessen, in allerdings nur sehr geringer Menge, anzutreffen.

VI. Drcissensia polymorpha VAN BEN.
_ (Fig. 6 und 7.)

A. Allgemeines.

Unsere systematischen Handbücher stellen auf Grund der Form der Schalen diese Süßwassermuschel zu den Mytilaceen. So richtig eine solche Klassifikation von diesem Gesichtspunkte aus sein mag, so unzutreffend ist dieselbe, wenn man andere Verhältnisse in Betracht zieht. Schon in meiner Abhandlung über das centrale Nervensystem der Acephalen (34) konnte ich darthun, daß die Konfiguration des Visceralganglion diese Art zu den Siphoniaten weist (cfr. p. 5 und 6 des Sonderabdruckes); das Studium des Mantelrandes liefert einen neuen Beweis für meine Auffassung. Die Ausbildung zweier kurzer Siphonen, die sämtlichen hier zu beobachtenden Einzelheiten sind meines Erachtens genügend triftige Gründe, um die Muschel, wenigstens bei einer vergleichend his tiol o g i s chen Untersuchung, von den Mytilaceen zu trennen. Ich habe sie zwischen die Lucinacea und Veneracea

hier eingefügt, ohne damit im geringsten etwas für die systematische Stellung präjudiciren zu wollen, sondern lediglich aus dem Grunde, weil die Histiologie des Mantelrandes dies zu erfordern scheint 1).

Die Ränder der beiden Mantelhälften sind auf der ventralen Seite in ihrer ganzen Ausdehnung in der Medianlinie verwachsen; nur da, wo der Byssus austritt, also ungefähr in der Mitte, ist eine große kreisförmige Öffnung vorhanden. Entsprechend den hinteren spitzen Winkeln der Schalen, finden sich ziemlich dicht bei einander zwei weitere Öffnungen, welche die beiden kurzen Siphonen repräsentieren: der ventrale ist der Branchial-, der dorsale der Analsipho. Alle drei Öffnungen unterscheiden sich deutlich durch ihre Pigmentierung; die Byssusöffnung ist nur sehr wenig, der Atemsipho sehr dunkel, der Analsipho etwas heller pigmentiert. Die Pigmentierung hat hier einen ganz eigentümlichen Charakter. Da, wo der Rand jederseits der Schale anliegt und wo sich anscheinend eine niedrige, kammartige Falte erhebt, ist rechts wie links ein sehr schmaler, schwarzer Streifen vorhanden. Medial von demselben und wiederum vergesellschaftet mit einer kammartigen, diesmal aber hohen, mit der Epicuticula in Beziehung stehenden Falte zieht ebenfalls rechts und links je ein intensiv schwarzer Pigmentstreifen. Der erstere schmale Streif endet auf der Ventralseite des verwachsenen Randes, nicht weit vor dem unteren Sipho, während er auf dem Rücken bis unter das Schalenschloß zu verfolgen ist. Der zweite breitere Pigmentstreifen wird allmählich schmaler und geht auf der Bauchseite des Randes bis nach vorn; am Rücken verschwindet er bald. Die Siphonen besitzen zahlreiche, die Öffnungen umkränzende, kegelförmige Papillen, von denen die innersten viel dichter stehen, als die mehr peripheren.

B. Specielle Beschreibung.

Wie FLEMMING in seiner für die Histiologie der Muscheln grundlegenden Arbeit (14) vortrefflich ausgeführt hat, kommen

1) In einer soeben erschienenen Arbeit meines Freundes PAUL Pnnssnnsn „Contribution a l’6tude des lamellibranches“ (Archives de Biologie par van Beneden et van Bambeke T. XI) finde ich zu meiner Freude, daß dieser Forscher, geleitet durch morphologische Gesichtspunkte, Dreissensia ebenfalls von den Mytilaceen entfernt.

in den Siphopapillen der Dreissensia und, wie ich hinzufügen möchte, auch im Rande, mit Ausnahme von dessen dem Branchialraum zugekehrter Fläche, Wimperzellen nicht vor. Die einzigen Haare tragenden Gebilde sind hier die Pinselzellen. Über deren Verhalten etwas anzuführen ist überflüssig, weil die Fnaiummesche Darstellung in jeder Beziehung erschöpfend ist.

Ich wende mich daher sofort zur Besprechung derjenigen Resultate, welche das Studium von Schnittpräparaten liefert.

Im Atemsipho, dem der Analsipho in seinem histiologischen Verhalten völlig gleicht, nur daß er nicht so dunkel pigmentiert ist, muß man zwei Partieen unterscheiden: die Papillen tragende und die Faltenpartie. Die Falten, deren zwei, eine innere und eine äußere, von wechselnder Ausdehnung vorhanden sind, übertreffen die Papillen bedeutend an Höhe. Zwischen den beiden Falten entsteht die Epicuticula, und zwar so, daß die Außenfläche der Innenfalte nur in ganz geringem Grade, die Innenfläche der Außenfalte dagegen in ihrer ganzen Ausdehnung an dieser Bildung beteiligt sind. An der Außenfalte trifft man im Schnitte zuweilen sekundäre Falten, so dass sie doppelt und dreifach erscheinen kann, die sekundären sondern dann ebenfalls die Epicuticula ab (Fig. 65 au).

Die Innenfalte hat auf ihrer Innenfläche einen epithelialen Belag, der aus stark pigmentierten, auf ihrer Außenfläche einen solchen, der aus pigmentfreien, wimperlosen Zellen von cylindrischer Gestalt besteht. Die Zellen sind 18 n hoch und besitzen einen 5,4 n dicken, ganz homogen erscheinenden cuticularen Saum. Ihre Breite ist 4 n und entspricht der Breite der basal gelegenen, längsovalen, 9 n Längsdurchmesser habenden Kerne. An der Innenfläche ist der ganze Teil der Zelle, der zwischen Kern und cuticularem Saume gelegen ist, von Pigment prall ausgefüllt. Dasselbe besteht aus sehr kleinen, dicht gedrängt stehenden Körnern von schmutzig grauschwarzer Färbung. SHARP (43) erklärt diese Pigmentzellen — oder die der Papillen, das geht aus seiner unklaren Beschreibung nicht sicher hervor -— für lichtempfindlich oder, wie es in der Figurenerklärung heißt, für „retina cells“. Die Angabe, daß der cuticulare Saum sehr breit ist, läßt vermuten, daß Snanrs Abbildung einem Präparate aus dieser Gegend entstammt; aber wie er, lediglich gestüzt auf diese Breite des Epithelsaumes, ohne sonst irgend einen Beweis beizubringen, die Zellen als Sehzellen bezeichnen konnte, ist mir völlig unerfindlich. Die Sinneszellen sind nur spärlich vorhanden und

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