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und neue Opfer zu den alten häufen. So wenig ein Soldat durch Schilderung von Schlachten entmuthigt wird, so wenig wird der innere Drang eines jugendlichen Forschers durch Schilderung von unglücklichem Ausgange krattgemäfser Anstrengungen geschwächt werden. Es wird Reiz genug für ihn seyn, zu versuchen, ob nicht er der Glücklichere seyn werde.

Nicht immer abzumessende körperliche Anstrengung zur Erreichung des vorgesteckten Zieles und bestimmter Pflichten, nicht zu umgehende schädliche Einwirkung des fremdartigen Clima's, und eben so wenig zu verhütende momentane Unachtsamkeit auf sich selbst, waren bei uns der unabänderliche Grund vielfacher Krankheiten. Der Grund der Todesfälle waren von den neun Fällen sechs Mal langwierige Nervenfieber und typhöse, zum Theil epidemische Wechselfieber, an diesen starben vier unsrer Begleiter in unsrer Nähe, zwei nachdem sie sich von uns getrennt hatten; Einer ertrank im Nil; Einer starb an der Pest wegen unvorsichtiger Berührung eines Freundes, der, wie ihm bekannt war, aus dem mit Pestkranken angefüllten Alexandrien kam; Einer starb an der Ruhr durch diätetische Unvorsichtigkeit, ungeachtet nachdrücklicher Warnung. Durch mechanische Verletzungen ist auf der langen Reise Keiner gestorben. Es kamen unter uns nur zwei Armbrüche durch Fall vom Kameele und drei Verletzungen durch Schufs aus Unvorsichtigkeit vor, deren eine lebensgefährlich, keine tödtlich war.

Angriffe von Seiten der Eingebornen sind zwar mehrere Male gegen uns versucht worden, aber durch Wachsamkeit und entschlofsne Gegenwehr unschädlich geblieben. Von Thieren ist nur der Bifs einer giftigen Schlange dem Dr. Hemprich auf dem Libanon gefährlich gewesen. Skorpionenstiche haben Andere von uns und mich selbst öfter verletzt, ohne uns jedoch in Lebensgefahr zu bringen. Crocodile und reifsende Thiere waren uns nie gefährlich.

Ueber unser wissenschaftliches, diesen Umständen angemefsnes Wirken wird in der Vorrede zum wissenschaftlichen Theile der Reise summarisch die Rede seyn.

Ich erfülle nur noch die Pflicht, die Beförderer des Unternehmens namentlich anzuführen und ihre Verdienste um dasselbe öffentlich anzuerkennen.

Die Möglichkeit des Fortganges der Reise und was Erfreuliches durch sie erreicht worden, entstand durch die grofsmüthige Freigebigkeit und das persönliche Allerhöchste Interesse unsers Monarchen, Seiner Majestät des Königs Friedrich Wilhelms des Dritten, denn ohne diefs wäre sie in einer Periode abgebrochen worden, wo eine lange unfruchtbare Reisezeit zur Zwischenzeit der Mufse für wissenschaftliche Thätigkeit noch in grofsem Mifsverhältnifs stand, und mithin, unsrer Anstrengungen ungeachtet, kein dem Geld- und Kraft-Aufwände angemefsnes Resultat herbeizuführen war.

Die Königl. Akademie der Wissenschaften zu Berlin gab, auf Veranlassung der Reise des Hrn. GeneralLieutenants Menu Von Minutoli, dem Unternehmen

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den ersten Anfang durch ihre Zustimmung und durch eine bedeutende Unterstützung aus ihren Fonds.

Von des Herrn Staatsministers Freiherrn Stein Von Altenstein Excellenz wurde das Unternehmen auf die Empfehlungen, welcher die Akademie den Erfolg würdigte, überaus theilnehmend begünstigt, und die daraus hervorgegangenen Vorträge hatten die grofsmüthigste Unterstützung Seiner Majestät des Königs zur Folge. Durch die Fürsorge Sr. Excellenz erhielten wir überdiefs auf unsre diefsfallsige Bitte aus Aegypten, im Jahre 1822, einen eigenen doppelten Firman des türkischen Grofssultans und doppelte Pässe des englischen Gouvernements.

Herr Baron Alexander Von Humboldt unterstützte das Unternehmen durch Vermittelung einer grofsen Anzahl Empfehlungsbriefe für viele Punkte des Orients; sein besonderes Mitwirken aber für die Möglichkeit der Ausarbeitung der wissenschaftlichen Resultate werde ich an einem andern Orte anzuerkennen Gelegenheit haben.

Herr Professor Dr. Lichtenstein, der von Seiten der Akademie der Wissenschaften, als Mitglied derselben, die Geschäftsführung dieser Angelegenheit zuvorkommend übernommen hatte, wirkte mit dem ihn auszeichnenden umsichtigen und rastlosen Eifer für den Fortgang des Unternehmens, und hat ihm einen grofsen Theil seiner Zeit und viele Mühe geopfert.

Die vielfachen, willig dargereichten speciellen Schutz- und Empfehlungsbriefe Mehemed Alis, ViceKönigs von Aegypten, und deren wirksame Kraft erleichterten unsre Bemühungen sehr, und da durch sie die Möglichkeit wissenschaftlicher Forschung in jenen Ländern gegeben war, so ist dessen Anerkennung nur eine übernommene Pflicht

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Aufser der uneigennützigen Thätigkeit meines verstorbenen Verwandten, Herrn Wilhelm Soellners, gestehe ich gern auch den Anstrengungen einiger unsrer europäischen Gehülfen, die wir allmälig an uns zogen, einen nicht unbedeutenden Antheil an dem materiellen Resultate der Reise zu. Besondres Lob verdienen Martin Pretzka aus Mähren, welcher in Aegypten blieb, und der als Philhellene nach Aegypten gekommene dänische Waffenmeister HeinRich Schulz, genannt Falkenstein, welcher 2| Jahr uns begleitete und nach überstandenen schweren Krankheiten allein mit mir glücklich zurückgekehrt ist

Ich verschweige nicht die freundliche Aufnahme und Beihülfe, welche wir in Cahira bei dem englischen General-Consul, Herrn Salt, dem schwedischen General-Consul, Herrn Bokty, dem ehrwürdigen koptischen Patriarchen Abuna Petros und dem Herrn Consul Rosetti; in Alexandrien aber bei dem ersten Minister Mehemed Ali's, Herrn Boghos JusSüf, dem französischen General-Consul, Herrn DroVetti, und dem dänischen General-Consul, Herrn DUmreicher gefunden haben. Der preufsische Consul für Aegypten, Herr Buccianti, hat unsern sterbenden Gefährten, den Herrn Prof. Liman, und zur Pestzeit uns selbst in sein Haus aufgenommen, und

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erwarb sich damals Anspruch auf unsern Dank. Ebenda gaben uns die Herren Lobin, Dr. Schreiber und Zaccar vielfache Beweise einer freundlichen Theilnahme.

In Damiatte fanden wir freundliches Entgegenkommen bei den beiden Aegyptiern, dem Königlichen Vice-Consul, Herrn Fakr, und dem englischen ViceConsul, Herrn Suruhr. In Syrien nahmen sich unsrer Angelegenheiten mit Rath und That der Königliche Consul, Dr. Laurella, und der englische Consul, Herr Abbot, sowie der römisch-katholische Bischof in Antura, Monsignore Gandolfi, zuvorkommend an.

Einige Europäer des Orients, aber auch einige braune und schwarze Männer, deren Namen ich im Laufe der Erzählung nennen werde, haben bei näherer Bekanntschaft in mir Empfindungen einer auf Achtung gegründeten Zuneigung und Freundschaft rege gemacht; aber drei Männer waren insbesondere in der weiten Ferne unsre rathenden und kräftig helfenden Freunde, und ich nenne gern als solche den Kaiserlich österreichschen Consul in Cahira, Herrn Francois Champion, den jüdischen Arzt in Alexandrien, Herrn Dr. Morpurgo, und den nicht genug zu rühmenden edelmüthigen türkischen General Abdim Beg, damals Commandanten in Dongala. Möge mein Lob ihnen günstig seyn!

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