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Herr v. Minütoli glaubt, hier den alten Ort Apis annehmen zu dürfen, wozu auch Herr Professor Toelken beistimmt. Die Entfernungs-Angaben der Alten sind widersprechend und berechtigen nicht dazu, nur die Ueberreste ehemaliger Gebäude als Grundlage des Kastells erlauben ein schwaches Anhalten.

Den 23sten zogen wir vom Meere weg landeinwärts in südwestlicher Richtung weiter. Das Kastell blieb uns zur Linken. Von Morgens 10 Uhr bis Abends 5£ Uhr erreichten wir TVadi el ghidrani r) und lagerten uns in dieser Ebene, ohne bis an den Brunnen zu gelangen.

Am 24sten brachen wir um 5£ Uhr Morgens auf, und passirten den Brunnen Bir el Ghidrani um 8 Uhr Morgens. Gegen Abend lagerten wir uns bei der leeren Cisterne Bir el Kadri (Ghidr) el wadi *). Umsonst erwarteten wir auch hier den Araberchef.

Kurz nach Aufbruch der Caravane am 25sten erkannten die Beduinen an den Eindrücken der Pferde im Boden, dafs Hadj Endaui denselben Weg vor uns geritten sey, und mit Gewifsheit erwarteten sie ihn in Bir el Ghor x) zu finden. Nach 3£stündigem Marsch erreichten wir TYadi Ghor und den gleichnamigen Brunnen mit gutem Wasser, bei welchem der Beduinenfürst sich gelagert hatte. Auch wir schlugen hier unsere Zelte auf, und es begannen nun die entscheidenden Verhandlungen und Berathschlagungen über den geänderten Reiseplan des Herrn Generals, welchem beizutreten wir aus folgenden Gründen Bedenken trugen:

1) Herr v. Minutoli schreibt Vadi-El-Ghitani. Herr Prof. Scholz schreibt Gatrani und pag. 58. Gelrani (/-M. nr). Beide erwähnen noch mehrerer Namen von Brunnen dieser Gegend, die aber sehr verschieden lauten, und von denen wir nichts angemerkt haben. i*-^ Ghidr heifst: ein stehendes Wasser, und so könnte wohl ^-si.lxc Ghidrani das davon gebildete Adjectiv seyn, indem die Cisterne schlechthin el Ghidr heilst und die dabei befindliche Ebene Wadi Ghidrani, die Ebene von Ghidr. Gruoc bemerkt: erst gingen wir bei Bir alem allelot vorüber, dann nach Vadi Elghitrani.

2) So haben der Herr General und Herr Gruoc den Namen aufgezeichnet, und mir scheint diefs richtiger als unser Wort Bir el garaba oder Bir el Gar-a-wa. Herr

Scholz nennt es Charbelaa tXxXj-iw. Die schreibfähigen Beduinen, denen wir begegneten, schienen mir zu unwissend, als dafs ich auf ihre Orthographie viel bauen möchte, und ich glaube deshalb, die Aussprache des Herrn Generals mit Recht hier vorzuziehen, da sie wieder das Wort Ghidr (vom nahen Wadi Ghidrani) in sich schliefst, und diefs durch den Beisatz el wadi (das untere, tiefere) characterisirt, offenbar zum Gegensatz des Bir ghidrani, der höher liegt. Der Name heifst also wohl Bir el Ghidr el wadi «lAi-M _£> i$o\»JV Nach Herrn Gruoc passirten wir heut den leeren Brunnen Bir cor el bagar.

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1) Für verwendete Summen waren wir, die wir nicht ebenfalls aus eigenen Fonds reisten, verantwortlich, und die bisherigen Resultate für Naturgeschichte, sammt den auf gleichem Rückwege zu erwartenden, waren in keinem Verhältnifs zu den veranlafsten Unkosten.

2) Noch war keine Nothwendigkeit vorhanden, den mit bedeutenden Unkosten und persönlichen Aufopferungen schon mehr als zur Hälfte erreichten Zweck zu verlassen, indem wir bisher nur Unannehmlichkeiten, keine Hindernisse erfahren hatten.

3) Alles, was uns in jenen Ländern theuer war, führten wir bei uns.

4) Die Gefahr war beim Rückkehren nach 25tägigem Marsch nicht geringer anzuschlagen als beim Vorwärtsgehen, und ihre Möglichkeit war beim Antritt der Reise von uns erwogen worden.

Derselben Meinung waren die Herren LimAn und Scholz. Herr Hemprich hielt, um uns keinem Vorwurfe auszusetzen, die Gegengründe gegen diese Ansicht noch einige Zeit im Gleichgewicht, und diese waren besonders folgende:

1) Der Beduinenfürst Hadj Endaui, welcher allein Ansehen hatte, erklärte sich zwar bereit, unsere Absicht zu befördern, allein da die Person des Herrn Generals ihm von Mehemed Ali vorzugsweise anempfohlen sey, so könne er nicht uns, sondern müsse den Herrn General begleiten; wir also mufsten uns einem hauptlosen Beduinenhaufen anvertrauen.

1) Herr v. Minutoli schreibt Bir el kor. Herr Prof. Scholz schreibt Chaur ( j}2w)- El Ghor (.yüf) heifst die tiefliegende Ebene. Wir bemerkten auch die Aussprache el Gaur. Gruoc: Bir el cor. Ein leerer Brunnen, an dem wir heut vorüberzogen, hiefs, nach Gruoc: Bir carob.

2) Der Dolmetscher, welchen Mehemed Ali autorisirt hatte, und der ein weit verständigerer Mann war, als unser an Geist schwacher und als affectirter Christ nur Spott und Verachtung auf sich ladender Syrier, erklärte ebenfalls, dafs er den Herrn General nicht verlassen dürfe, mithin hatten wir gar keine Autoritätsperson bei uns.

3) Es fehlte uns an baarem Gelde, indem wir Alle auf den Creditbrief des Herrn Generals für Ben Ghasi hin, dessen gefälliger Anerbietung gemäfs, uns, um sorgloser zu seyn, nicht damit versehen hatten. Dem Mangel ward durch zuvorkommende Darreichung des Creditbriefes von Seiten des Herrn Generals nicht sicher abgeholfen, da dieser in andern als den eigenen Händen des Herrn Von Minutoii, der zu lösenden Unterschrift halber, augenscheinlich werthlos war.

4) Wir sahen jetzt ein, dafs zur Erreichung unseres Zweckes, einer wissenschaftlichen Untersuchung der Cyrenaica, eine längere Zeit nöthig sey, als die war, auf welche wir uns eingerichtet hatten, indem die Araber immer uns zu verzögern suchten, um ihre Thiere länger bezahlt zu sehen, was wir nicht hindern konnten.

So schwer diese Umstände auf uns lasteten, so schien doch der Vorschlag des Herrn Generals, nach gemeinschaftlicher Rückkehr nach Alexandrien dasselbe Unternehmen zu Schiffe über Derna auszuführen, weil es dann die doppelte Zeit, die doppelten Kosten und das doppelte Risico verlangt hätte, nicht vorzuziehen, und wir stützten uns auf folgende Ausgleichung:

Wir hatten zum Ankauf von gröfseren wilden Thieren und dergleichen, doch heimlich 300 spanische Thaler mit uns genommen, und diese bildeten einen kleinen Anker für den Nothfall. Hadj Endaui willigte ein, seinen Schwager, Scheech Otman, zum Chef unserer Beduinen zu ernennen, und da dieser den Briefträger nach Derna begleitet hatte und abwesend war, so ward bis zu seiner Rückkehr Muhammed, ein anderer seiner Verwandten, ein braver junger Mensch, welcher leider nicht so viel Ansehen als Gutmüthigkeit hatte, zu seinem Stellvertreter bestimmt. Hadj Endaui willigte noch ferner ein, uns, aufser dem abwesenden Otman, 16 Araber mitzugeben, während er mit den übrigen den Herrn General begleitete. Wir hofften, durch gröfsere Familiarität die kleinere Zahl der Araber näher an uns anzuschliefsen, und durch kluge Vertraulichkeit die Autorität entbehrlich zu machen.

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Der Herr General erklärte sich bereit, den Herren Scholz und Lim An die für sie bestimmten Vorräthe an Victualien sammt den dazu nöthigen Thieren mitzutheilen und übergab uns die für die Befehlshaber der Cyrenaica bestimmten Geschenke sammt seinem Creditbrief.

Herr Boldrini verliefs mit Erlaubnifs des Herrn Generals sein Engagement, und ward von Herrn Prof. Liman als Theilnehmer an seinen Arbeiten aufgenommen, wodurch er als Mitglied unserer Gesellschaft eintrat.

Am 26sten October ward die Sonderung der beiden Caravanen und ihrer Bedürfnisse vorbereitet, wobei uns ein heftiger Chamsin zum ersten Mal heimsuchte und bedeutend ermattete, doch zeigte das Thermometer Mittags im Schatten nicht über 28° R. (wahrscheinlich in den ersten Nachmittagsstunden beobachtete der Herr v. MiNUTori 29° R.); Nachts um 3 Uhr hatten wir noch 12° R.

Bei Bir el Ghor ward von Herrn Gruoc die Sonnenhöhe gemessen, und sie gab die Breite des Ortes (nach der Charte des Herrn Generals 31° 27£', nach dem Reisebericht pag. 74. und pag. VIII. aber) 31° 27'.

Um bei den Arabern, die uns geleiten sollten, Hoffnungen über den Contract hinaus zu erregen, machten wir dem Scheech EnDaui und denen, die uns verliefsen, einige Geschenke. Der erste bekam eine englische Uhr, und die übrigen erhielten Tabak und Pulver. Keiner dankte. Der Scheech nahm die Uhr mit verachtender Miene und sagte gleichgültig hin batall. Der Dolmetscher, ein gewandter Franzos, legte, um Erbitterung zu verhindern, zu unserer Ergötzung diefs als Dankesformel aus, während wir bereits wohl wufsten, dafs es der Ausdruck für alles Unnütze und Schlechte war, so dafs es uns einerseits zum Lachen reizte, andererseits aber Dr. Hemprich, der sie ihm im Namen Aller überreichte, in sichtbare Versuchung gerieth, sie ihm wieder aus der Hand zu nehmen. Die übrigen Araber nahmen den Tabak ohne Widerrede, aber das Pulver war ihnen gerade hin zu wenig; sie wiesen es zurück, und verlangten eine grofse blecherne Büchse voll, welche wir aufser dem Fäfschen mit uns führten. Dr. Hemprich, durch den Scheech gereizt und hierüber erzürnt, nahm das Geschenk zurück, und nannte sie auf arabisch Marrasin (Schurken), die nun gar nichts erhalten sollten. Man hätte erwarten sollen, dafs diefs eine üble Stimmung zwischen uns und den Arabern hervorbringen müsse, allein sie wagten keine neue Forderung, und zeigten sich von nun an gefälliger und vernünftiger als zuvor. Der Führer Abu Brik trat sogleich uns näher und lud sich bei uns zu Gaste, während er früher nur aus der Schüssel des Scheechs gegessen hatte.

Der Herr General hatte beschlossen, über Siwa nach Cahira zurückzukehren, wohin seine Frau Gemahlin sich in der Zwischenzeit von Alexandrien begeben hatte, und traf ebenfalls seine Vorkehrungen zur Abreise auf morgen. Unsere Caravane bestand aus 25 Personen, worunter 6 Europäer, und 29 Kameelen; die des Herrn Generals aus 14 Personen, worunter 4 Europäer, und 12 Kameelen. Die Herren Liman, Scholz und Boldrini quartierten sich heut noch aus dem Zelte des Herrn Generals in das unsrige, und wir wurden so durch Quartier von sieben Personen sehr beengt .

Am 27sten 10£ Uhr Morgens brachen wir auf, nahmen freundlichen Abschied vom Herrn General und seinen Begleitern, und wendeten uns südwestlich, während die andere Caravane südlich wanderte. Wir durchzogen eine mit leichten Einsenkungen und Erhebungen in südnördlicher Richtung durchschnittene wellenförmige Ebene, die mit Kalksteintrümmern und einer dünnen, die Fufsspur aufnehmenden Sandlage bedeckt war. Der Chamsin war wie gestern stark.

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