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finden. Gastfreundlich wurden sie mit frischem Brode und Erbsenbrei bewirthet, welchen sie aus hölzerner Schüssel mit den Fingern verzehrten. Zum Nachtlager breitete man ihnen wollene Teppiche vor einem Zelte aus. Am Morgen des 20sten brachen sie auf und stiefsen auf einige Araber, welche mit Falken (Falco peregrinus) Jagd auf Hubara's x) machten. Dr. Hemprich kaufte ihnen zwei Stück ab, und hier erfuhren sie, dafs die Caravane sich auf der Höhe gelagert habe. Obwohl sie aber die bezeichnete Höhe bestiegen hatten, so wären sie doch wegen des hügligen Bodens vor dem Lager in der Entfernung von beinahe einer Stunde vorübergegangen, hätte nicht die Excursion nach Kasr Medsched uns zusammengeführt.

Im Süden unsers Lagers war ein grofser Feigenbaum in weiter Ferne (vergl. Scholz, pag. 44.).

Am 21sten zogen wir auf der Hochebene fort, und erreichten am Abend gegen 5 Uhr eine Cisterne ohne Wasser, in deren Nähe wir uns lagerten. Wir passirten auf unserem Wege heut mehrere Cisternen, die eigene Namen hatten, aber fast alle leer waren: Bir Scheeck Ahulaha 2), Bir Taaf 3), Bir Motani 4), und lagerten uns an den Cisternen Schibebet 5). Heut passirten wir auch zwei Grab1) Olis Hubara, eine Art kleiner sehr niedlicher Trappen. Ueber die Falkenjagd werde ich an einem anderen Orte ausführlicher sprechen.

2) Der Herr General schreibt Bir Scheik Aboulach, Herr Scholz (pag. 40.) Rasa bulacha und (pag. 44.) Rasabulaha, aber sein Rasa belaha, pag. 55., gehört nicht hierher, sondern zu Kasr Sanne mie. Herr Gruoc schreibt Aboulag.

3) Der Herr General nennt ihn Dir Daffa-Vadi. Der Beisatz Wadi ist wohl nur zur Erklärung vom gefragten Araber beigefügt worden, und bezeichnet einen Giefsbach mit oder ohne Wasser, auch eine blofse Vertiefung. Herr Scholz nennt es Thaaf

(pag. 41.) und Taaf (pag. 13. und 58.) UUtib.

4) Herr v. Ml n utO lI schreibt Bir Mothani, Herr Scholz (pag. 41. und 58.) Matani. GRUOC: Elmetani.

5) Schibebet (.A+Aa. von <^*£*.) bedeutet Cisternen X*t I\ax,v. Herr v. MinüToli schreibt den Namen Inbeibad. Herr Prof. Scholz schreibt Atbabi (pag. 58.) und Adschbeibet öu^äi (pag- 13. und 41.) was ich für zusammengehörig halte. Inbeibad und Atbabi ist vielleicht aus Egbebet und Agbebe (Ö-}_«J3r f) entstanden, denn so kann das Wort auch gelesen werden, wenn man den Artikel vorsetzt, und ist man gegen die Pluralbildung der Beduinen etwas nachsichtig und gesteht man dem Auffassen des Tones unsererseits seine Schwierigkeit zu, so lassen sich auch jene Worte erklären. Da man mir es wirklich Schibebelh nannte, so trage ich kein Bedenken, das bedeutsame Wort den unbedeutsamen vorzuziehen. Inbeibad ist vielleicht aus dem französisch geschriebenen Worte Jubeibad entstanden. Gruoc schrieb Jubeibelte.

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mäler von muhamedanischen Heiligen, die aus Steinhaufen bestanden, in die eine oder mehrere Stangen gesteckt waren. Scheech Abulaha hiefs einer, Scheech Abdelmuumin z) der andere. Gleichzeitig zogen wir am Bergrücken Ras Abulaha 2) hin.

Hadj Endaui hatte sich beurlaubt, um mit seinem zweiten Schwager nach einem Beduinenlager zu reiten, und so waren unsere Beduinen ohne Oberhaupt. Gegen 10 Uhr beunruhigten sie uns mit der Nachricht, dafs wir Angriff zu befürchten hätten, weil fremde Araber auf einem Bergrücken Staub in die Höhe würfen, wodurch sie ihrer zerstreuten Mannschaft das Signal zu geben pflegten. Zugleich bestürmten sie uns um Pulver und Patronen und liefen ängstlich durch einander. In der That sahen wir versammelte Araber auf den Bergen, und stiegen Alle von den Kameelen, um uns im Fall des Angriffs zu vertheidigen, während jedoch die Kameele immer langsam fortmarschirten. Der Angriff unterblieb, weil wir wohl an Zahl überlegen seyn mochten; wir lernten nur dabei unsere Vertheidigungs-Anstalten als nicht eben besonders günstig kennen. Unsere Araber verschossen ihr Pulver ohne Zweck und Ziel, und schienen sich mit dem Knall zu befriedigen, und wir hatten nur gerade Jeder sechs Patronen mit Kugeln zur Hand, während mehrere unserer Gefährten gar keine hatten; die übrigen Patronen waren in zwar zugänglichen Kisten, aber diese von den Arabern so verpackt und verschnürt, dafs wir, ohne ganz abzuladen, uns nicht weiter mit Munition versorgen konnten. Ein Glück, dafs es zu keinem ernsthaften Angriff kam. Als die Gefahr vorüber war, sprangen die Araber wie muthwillige Kinder umher, und waren nun so keck als sie früher ängstlich und feig erschienen. Wir erfuhren nun auch, dafs sie selbst durch Dieberei die Veranlassung zur Gefahr gewesen waren, indem sie dem hinter dem Hügel seine Ziegen weidenden Hirten eine derselben hatten stehlen wollen, die sie dann aus Furcht wieder laufen gelassen x).

1) Diesen Namen hat Herr Prof. Scholz pag. 58. Scheu Abdelmumie, pag. 40. aber schreibt er ihn Seidabdelmamie. Seid (Herr) oder Scheik ist ein Titel der Heiligen, und gilt gleich, wird auch Seed und Scheech gesprochen. Der Herr General schreibt Ab

delmumie. Geschrieben mufs aber gewifs werden Abdelmuumin (^j^Cfc+Jl Cxji Diener Gottes), was ein gewöhnlicher Mannesname ist. El Muumin ist der 88ste Name Gottes bei den Muhamedanern. Gruoc schrieb Abdelmoumi.

2) In der Charte von Lapie (Nouvelles annales des voyages T. XVIII. 1823.) heifst ein in dieser Gegend befindlicher Ort Aboulao. Uns nannten die Beduinen eine Ebene dieser Gegend Abuhalla. Der Herr General führt einen Brunnen Bir Scheik Aboulach und einen Bergrücken Rassa-Doulahou (Herr Gruoc: Razza- Boulane) hier auf. Herr Prof. Scholz nennt (pag 58.) eine Gegend Rasabulaha, und pag. 40. einen Brunnen

Rasa bulacha ».pJO Lu .. Diefs alles bezieht sich auf einen und denselben Ort. Ras Abulaha heifst: Vorgebirge Abulahas (eines Heiligen, dessen Grabmal hier ist) und wird gewifs arabisch IxJol iy^'j geschrieben.

Hadj Endaui war nicht wieder erschienen, und wir setzten am 22sten nochmals allein die Reise fort. Der Marsch ging durch die Ebene allmälig absteigend dem Meere zu. Die Araber waren heut wieder sehr bösartig. Gegen 3 Uhr kamen wir in die Nähe eines verlassenen arabischen Kastells Kasr Sänne mie a) und eines Brunnens Bir Sanne mie genannt. Bei Herrn v. Minutoli heifst das Schlofs Kasr Schama. Der Herr General ritt mit Herrn Liman voraus zum Schlofs, und da es dort Brunnen geben sollte, so erwarteten wir, dafs die Araber die Kameele in deren Nähe führten, allein diese bogen, alles Widerredens unsererseits ungeachtet, von der Richtung ab, und lagerten in einer Vertiefung hinter einem Hügel, wo es Salsola-Sträuche gab. Der Dolmetscher, welcher auf unsere Veranlassung in lebhaften Streit gerieth, ward von ihnen mit den Waffen bedroht, so dafs wir nur mit Mühe die Gährung beilegten. Das Benehmen des Mogrebinen und die Keckheit der Sclaven mochten an dem bösen Verhältnifs den gröfsten Antheil haben. Die Araber, welche wegen Mangel des Oberhauptes nicht unter einen Gesichtspunkt zu sammeln waren, gaben als Grund ihrer Weigerung an, dafs dort kein Futter für die Kameele sey, und als wir antworteten, dafs es wohl verständiger wäre, die Kameele vom Brunnen auf die Weide zu treiben, als die Menschen vom Futterplatz der Kameele zu dem Brunnen, erklärten weniger Erhitzte, dafs die Caravanen sich nie ganz nahe an sehr besuchte Brunnen legen dürften, um vor Ueberfall sicher zu seyn. Genug, die Araber behaupteten trotzig den Platz, und nach langem vergeblichen Warten am Thurm kam der Herr General mit Herrn LimAn voll Aerger und Groll zum Lagerplatz. Der alsbald hart angelassene Dolmetscher, welcher aber seine Schuldigkeit gethan hatte, ward über unverdiente Vorwürfe sehr entrüstet, und obwohl ihm der Herr General, nach eingezogener Nachricht von uns, Gerechtigkeit widerfahren liefs, so war doch dieser Tag allseitig ein unangenehmer. Um aber noch mehr zu häufen, fand sich, dafs seit heut und gestern den Herren Hemprich, Scholz und Boldrini die Brieftaschen gestohlen worden waren. Nur Herr Boldrini erhielt durch List die seinige wieder. Es gingen uns dabei besonders alle bis dahin gemachten Bemerkungen, über Temperatur und Meteorologie verloren, und Herrn Scholz ebenfalls mehrere Reisebemerkungen. Eigentlich waren es aber weit weniger die Brieftaschen, was die Beduinen reizte, als die in diesen enthaltenen Kämme und Scheeren. Uebrigens sträubten sie sich sehr, als Diebe angesehen zu werden, und erklärten die Sache für verloren. Etwas aber, was wir verloren hatten, gefunden zu haben, hatte sie schon einige Male zu rechtmäfsigen Besitzern gemacht, so dafs wir dem Finder das Verlorene abzukaufen hatten, was diefsmal nur Herrn Boldrini gelang.

1) Herr Prof. Scholz erwähnt diesen Auftritt pag. 12.

2) Herr Scholz nennt diesen Ort Rusasmaan (pag. 13., 44. und 58.), pag. 42. aber Rus Asmaan i^3+*u\ (M>»«. Vielleicht bezieht sich auf denselben Ort sein Kasr Schames pag. 56., so wie Kasr Semmes v. MlnUtOlI Nachträge, pag. 77. Eben so scheint mir seine Nachricht von Kasr Rasa belaha, pag. 55., wegen der Uebereinstimmung ganz hierher zu gehören, obwohl der Name ganz dagegen ist. Eine Vermittelung dieser Namen-Differenzen weifs ich nicht zu geben. Da wir unsere Bemerkung des Namens mit Tinte, nicht mit Bleistift gemacht, so habe ich diesem mehr Zutrauen geschenkt. Herr Gruoc nennt das Kastell Gassera - Säumetz; er erwähnt heut die Cisternen Bir lala, Ragoia acobaffi, Elmesaibe bei Ragabel Marzouca einem Hügel.

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Der Herr General, welcher sich als vor den Arabern anerkannter Chef der Expedition durch die Widerspenstigkeit derselben sehr beleidigt fühlte, und durch die Abwesenheit des Scheechs, welcher ebenfalls ganz willkürlich verfuhr, nicht minder gereizt, wegen glücklichen Ausgangs des Unternehmens in Besorgnifs gesetzt war, erklärte uns, dafs er nicht weiter gehen werde, sondern entschlossen sey, auf dem kürzesten Wege nach Cahira zurückzukehren, und dafs er, im Fall wir allein weiter reisen wollten, uns die mitgenommenen Geschenke sowohl als seinen Creditbrief nach BenGhasi überlassen wolle. Das weitere Detail über diesen Punkt hat Herr Von Minutoli in seiner Reisebeschreibung selbst mitgetheilt. Unsere Ansichten schieden sich von den seinigen. Nach einer mehrfachen Berathung theilten wir ihm unseren einstimmigen Entschlufs mit, es noch weiter zu wagen, und es sollte nur die Ankunft des Scheechs abgewartet werden, um mit ihm das Weitere zu verabreden. Nach Aussage der Araber sollten wir morgen den Scheech am Brunnen el Ghidrani finden.

Die Ruine Kasr Sanne mie oder Schama liegt in der Entfernung einer halben Stunde vom Meer ganz nahe an den Sanddünen. Sie hatte noch ziemlich hohe Mauern, und schlofs ein Fragment einer eisernen Kanone ein. Es war, wie Medsched, eine schlecht gebaute neuarabische Burg, und bestand aus einem einzelnen viereckigen Gebäude. Sie hatte den Arabern zum Magazin und Zufluchtsort gedient, und war von MEheMed Ali zerstört worden. Herr General Von Minutoli hat antike Substructionen bemerkt. Dicht am Brunnen standen ein Feigenbaum und einige Dattelsträuche. Ich besuchte das Meer, und fand keinen Hafen, sondern eine hohe Brandung an ganz vegetationslosen Sanddünen. Nur Fragmente von zwei Arten Seetang waren anzutreffen.

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