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gezwungen, das gestern mitgenommene, durch die Lederschläuche noch abscheulicher gewordene Salzwasser von Buschrab x).

Den 17ten war die Richtung unsers Zuges von 6 Uhr Morgens immer nordwestlich zu West, über jenes Plateau hin, dem Meere zu. Immer absteigend kamen wir bald zu einer Cisterne, aus welcher die Araber nur etwas nicht salziges, aber ganz modriges Wasser schöpften. Der Name Matar, welchen sie dabei aussprachen, schien sich mehr auf das Wasser als auf die Cisterne zu beziehen, und bedeutet Regenwasser. Binnen fünf Stunden erreichten wir allmälig immer tiefer steigend das lang ersehnte gute Trinkwasser am Fufse des Regenbergs (Gebel Matar) auf der Regenebene (TVadi Matar) im Regenbrunnen (Bir matar). Die tiefe Gegend am Meer mit dem Süfsvvasser nannten die Araber auch schlechthin El Matar 2 ). Auf der Ebene befanden sich zwei etwa £ Stunde von einander entfernte kleine Cisternen mit etwas Regenwasser, aber hinter den Sanddünen etwa 100 Schritt vom Meer, ganz im Niveau desselben, befand sich im Kalkstein ein nur einige Schuh tiefer Brunnen mit sehr wohlschmeckendem süfsen Wasser. Während die Caravane sich lagerte, begleitete ich mit Herrn Boldrini die zum Wasserholen abgehenden Araber über die Sanddünen zum Brunnen am Meere, und schofs unterweges einen Edelfalken (Falco peregrinus). Dieser Brunnen befand sich auf einer fast £ Stunde weit ins Meer hinausragenden Landzunge, deren Ende aus unterbroche1) Das Wort Buschrab schreibt Herr Scholz wahrscheinlich auf Autorität eines Arabers Oi^a^J; dürfte aber diese Orthographie wohl die richtige seyn, da das Wort nen weifsen Kalksteinhügeln bestand. Während wir uns bei dieser Gelegenheit im Meere badeten, so dafs Einer abwechselnd bei den Kleidern und Waffen blieb, ersah ich die Gelegenheit, einen grofsen Reiher zu schiefsen. Es war aber nur ein schönes Exemplar des europäischen grauen Reihers, Ardea cinerea. Am Meeresufer fand sich keine andere Ausbeute.

Ol Jmj und Ul J^i -o (Bir bschrab Tränkbrunnen) so nahe liegt?

2) Da die Araber selbst sehr verschiedene Orthographie zu haben pflegen, und sich viele Umstände vereinen, diesen Ort durch die Eigentümlichkeit seines unversiegbaren süfsen Wassers auszuzeichnen, so schreibt man gewifs richtiger Matar -izuc Regen, als .füLc

Maddar, Mittelpunkt. Wir bemerkten auch die Aussprache Mudar. Herr Gruoc schrieb: Elmedar.

Durch unseren syrischen Dolmetscher erfuhren wir, dafs der Scheech die ihm schon vor mehreren Tagen übergebenen Empfehlungsschreiben, auf deren Antwort wir harrten, noch gar nicht abgeschickt habe, dafs auch keiner von unseren Beduinen sie nach Derna tragen wolle, sondern dafs man sie durch Reisegelegenheit aus einem Beduinenlager wolle abgehen lassen. Dr. Hemprich theilte unverzüglich dem Herrn General diese Nachricht mit, und sogleich ward Hadj Endaui zur Rede gesetzt, und ihm sein Benehmen nachdrücklich vorgeworfen. Er entschuldigte sich, dafs das Tragen der Briefe in ein fremdes Land für sie gefährlich sey, hielt aber eine Berathung mit sämmtlichen Beduinen, und erklärte dann, dafs er heut noch seinen Schwager Otman selbst mit dem Boten absenden wolle, und dafs nur ein Kameel mit Lebensmitteln, Brod und Wasser zu besorgen, und Beiden etwas Schiefspulver mitzugeben sey. Diefs ward sogleich vorbereitet. Vor Abgang der Boten ward auf Veranlassung des Herrn Generals noch eine Conferenz gehalten, ob es überhaupt Aller Wunsch sey, unter diesen Umständen noch weiter zu gehen, und zur Erwägung gegeben, dafs nach Abgang des Boten trotz der ungünstigen Aussichten die Reise fortgesetzt werden müsse, wenn wir nicht Gefahr laufen wollten, durch zweckloses Abgeben der Empfehlungsbriefe den Pascha von Aegypten zu beleidigen. Der Herr General erklärte sich bereit, mit uns umzukehren. Wir entschieden uns für das Weitergehen. So viele Beschwerden fast ganz umsonst ertragen zu haben, wenn wir auf demselben Wüstenwege zurückkehrten, und so viel Geld und Zeit fast ganz umsonst verwendet zu haben, denn weder die Natur, noch die Kunst, noch die Sprache, hatten uns bisher einen dieser Mühe werthen Ertrag gegeben, waren Gründe für unser Stimmen. Ein feines und artiges Benehmen der Araber hatten wir ja nicht erwartet, und thätlich war niemand von uns beleidigt worden. Wir ermahnten uns zu fester und kluger Kaltblütigkeit bei Streitfällen mit den Beduinen, erinnerten uns, dafs die Rohheit ihres Ausdrucks und ihres Benehmens nach einem anderen Mafsstabe gemessen werden müsse, als bei gebildeten Europäern, und dafs wir vielleicht schon empfindlich wären, wenn jene artig zu seyn glaubten. Wir schoben einige Schuld auf die Dolmetscher. Dann thaten wir noch einen Blick nach den bald erreichten Gärten der Hesperiden, die ja weit weniger Ansehen hätten, wenn sie ohne Schwierigkeit erreicht würden, und ersuchten einstimmig den Herrn General, die Absendung der Boten nicht länger aufschieben zu lassen. Scheech OtMan und der Bote gingen ab.

Zubereiten der erbeuteten Vögel, Umlegen der Pflanzen in trocknes Papier und Beschreiben einiger der gesammelten Naturalien und dergleichen füllten den Tag. Die Wärme war Mittags im Schatten 28° R., Nachts 11 Uhr 14°.

Die Ebene elMatar oder, wie Einige es aussprechen: el Mudahr, ist ziemlich beschränkt. Gegen Süden erhebt sich eine Bergkette von horizontal geschichtetem Flötzkalk, Gebel el matar oder Gebl (Dschebl) el Mudahr genannt, die gegen sie sehr steil unter einem oberen Winkel von etwa 110° abfällt. Wir waren von der weniger erhabenen, östlich gelegenen Höhe herabgestiegen. Die Höhe des Bergrückens über dem Meere dürfte wohl 500 Fufs betragen. Sein Ansehen spricht dafür, dafs er der Abfall eines hohen innern Wüsten-Plateaus ist. Die Angabe des Herrn Professor Scholz (pag 36.) von 800 Fufs, wobei er den höchsten Punkt des Bergabfalls Dschebel Meri'am (Marienberg?) nennt, gehört hierher, ist aber zu hoch. In seinem westlichen Verlauf verliert er sich allmälig in queer zum Meere hinübergehende Hügelreihen. Eine der bedeutendsten dieser letztern nannte man uns Akabet es Sghire oder Akabet es soghire x) (»AJviAaJf S+Xc den kleinen Gebirgs-Pafs, Katabathmus minor). Nördlich wird die Ebene el Matar durch eine sehr unterbrochene Hügelreihe von den schneeweifsen Sanddünen des Meeres gebildet, denen zum Grunde ein weifser, aus den Bestandtheilen des Dünensandes gebildeter Kalkstein liegt. Der Bergrücken Gebl Matar ist durch flache Schluchten an seinem Abhange wellenförmig. Am 18ten lagerten wir nach sechsstündigem Marsch längs der Nordseite des Gebl Matar, und nachdem wir zwei jener von ihm queer nach dem Meere ziehenden Bergrücken überstiegen, und den obengenannten Bergpafs (ohne Zweifel den Katabalhmus minor der alten Geographen, wofür ihn schon Brown ansah) zurückgelegt hatten, in der Ebene Senet Sarga 2) am Brunnen Bir aek es Suma oder Saniet el aek Suma 3). Obwohl wir, zu Mittag ankommend, noch hätten weiter marschiren können, so fand doch unser Scheech bekannte Beduinen in der Nähe, und wir mufsten uns den Rest des Tages gedulden. Der Herr General besuchte, und Herr Lim An zeichnete hier ein Monument in der Entfernung einer Stunde, das uns die Araber Kasr bi es Sarga el wadie 4) (das untere Schlofs von Sarga) und auch Kasr bsarga garbie (das westliche Schlofs von Sarga) nannten. Der Herr General brachte einen Zweig von einem dort gefundenen Johannisbrod-Strauche (Ceratonia Siliqua) mit, das einzige uns vorgekommene Zeichen der Existenz des letztern in der libyschen Wüste. Unsere Beduinen erzählten noch von einem oberen Kastell in der Entfernung einer Stunde, das sie Kasr bi Sarga (bsarga) el fok l) (das obere Schlofs von Sarga) nannten.

1) Ueber die hier in der Nähe mehr östlich angemerkte Gebirgsbezeichnung des Herrn Generals, Geige, kann ich nicht bestimmt entscheiden, da wir diesen Namen nicht hörten. Ob der Name Skerrir (Soghire?) in Scholz Reise, pag. 56., hierher gehört, bleibt ebenfalls zweifelhaft. In Minutoli's Reise, pag. 436., wird der Bergrücken Geige auf den Katabathmus minor bezogen, was aber gewifs der mehr westliche Gebel Matar (Akabet es Soghire) ist.

2) Der Herr General schreibt Siena Sarga, Herr Scholz Sennet Zerk mit dem arabischen Idiom l«_> «; K^XXm, wir hörten Senn es Sarga und Senna Sarga. Vergl. das Folgende. Herr Scholz hat, pag. 46., ein Vadi Senetzerk (d. i. Thal Senetzerk). Herr Gruoc hat hier den Namen Lene azab, was wohl nur Schreib- oder Druckfehler ist.

3) Bir aek es Suma Kjo^joj) >_*.c ^O Brunnen am Thurm. Wir hörten bald Bir ek Kesubba, bald Bir ekke Subba, auch Saniet el Eksubba, doch zweifle ich nicht, dafs die Verwandlung des m in b theils in unserm Ohre lag, theils als bekannte Eigenthümlichkeit der Volkssprache anzusehen ist. Saniet aek Suma A/OkJO \J)Uu\ XöLw würde wörtlich übersetzt heifsen: Kameelwasser-Thurm, Kameeltränke-Thurm.

4) Der Herr General nennt es Zuba-Soyer-Wahe. Nach der beigefügten Uebersetzung, der kleine Thurm unten, aber müfste es heifsen Suma sogheir u-adi Ä/0*>O (_Jl>u -kjuo. Herr Prof. Scholz schreibt den Namen Kasbau Sardsch Scharkije,

Herr Professor Scholz hat hier interessante alte Schriftzeichen copirt (sch. Reise pag. 53.), die er in die Zeiten der Ptolemäer setzt.

Herr Lim An wünschte auch das zweite Kastell zu untersuchen, und beschlofs, am Morgen des folgenden Tages mit einem Führer

(pag. 65. nennt er dasselbe Kasb scharkije. Herr LlMan hörte Suba Sarga Wahi. MlnUt. Reise, pag. 369.) was sich leicht in die Formen Kasr bi es Sarg (oder Sardsch) scharkie, das östliche Kastell von Sarga und Suma Sarga wadi der untere Thurm Sarga übertragen läfst. Dasselbe "Wort, welches bei Herrn Scholz hier Sardsch heilst,

hat er, im arabischen Idiom bei Sennet Sarga: Zerk O».; geschrieben. Allein aus der verschiedenen Aussprache der Beduinen geht deutlich hervor, dafs der Endbuchstab des Wortes Zerk, Sarga, Sarg, Sardsch ein (^) Gim oder Dschim seyn mufs. Mir scheint,

der Name Sennes-Sarga mag richtiger yr»J *»-&*« (Sennel Sarg) geschrieben werden,

denn das Wort Serg oder Sarg _ ^u kommt schon anderwärts als Ortsname vor, und

der Name bedeutet dann die Wüste Sarg oder den wasserlosen Ort Sarg. Herr Scholz schreibt auch, pag. 41.,.den hierher gehörigen Namen Sersch Scharkist.

1) Diesen Ort nennt Herr Scholz Kasbau Sardsch Garbise, was sich auf Kasr bi es Sarg garbije oder garbie (das westliche Kastell von Sarg &&3_C —,-m*a3 JOS oder Äfrij-ÄJl y.r"** r*0*) reduciren läfst. Herr LlMan (Reise von MlnUtOLI, pag. 64.) schrieb den Namen Kasaba Xerga el fog. Herr Gruoc hat: Cassaba Serga el fog. Der Herr General nennt das Monument Guble, pag. 371., Casaba Zuba Guble, mit der Uebersetzung des Dolmetschers: der obere Thurm. — Kasr bsarga elfok (TJf***^ r*2* 0%.J-'') heifst das Kastell Sarga oben und Kasr bsuma gebeli (^^a+ä. Xjo^kx* r*0^) das Kastell mit dem Thurm auf dem Berge. Man sehe hieraus, wie willkührlich und verschiedenartig die Epitheta der Ortsbezeichnung sind, und wie fremdartig aus verschiedenem Munde und in verschiedenem Ohr dieselben Worte klingen.

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