Imagens da página
PDF

Heut fing ich bei der Nachtwache den ersten Scarabaeus Ateuchus Sacer, den Käfer, dessen Eigenthümlichkeiten die Phantasie der alten Aegyptier so sehr angesprochen hatte. Ein Geräusch in meiner Nähe machte mich aufmerksam, und bald entdeckte ich im Dunkeln seine grofse rollende Kugel. Ich glaubte, einen Igel oder eine Schildkröte zu fangen, und nahm sie auf, fand aber, dafs es nichts als eine grofse Kugel von Pferdemist war. Bald kam noch eine gleiche Kugel mit scheinbar eigner Bewegung in meine Nähe. Da ich diese ohne sie aufzuheben mit der Laterne genau untersuchte, so entdeckte ich unter ihr einen grofsen schwarzen Käfer, welcher mit seinen langen Hinterbeinen rückwärts dieselbe fortbewegte. Beim Fortrollen wuchs die Kugel immer gröfser durch den sich anhängenden Sand, und so ward sie so grofs, dafs der grofse Käfer im Verhältnifs zu ihr nur klein erschien und kaum bemerkt wurde. Gewifs mufste diese Erscheinung, zumal durch die von den Priestern derselben beigelegten Deutungen, bei dem ägyptischen Volke etwas Unheimliches haben, und vor dem Käfer eine gewisse Ehrfurcht bewirken. Da ich nun mit der Laterne weiter suchte, so fanden sich mehrere dergleichen, die Kugeln von mehr als drei Zoll Durchmesser bewegten. — Die Araber afficirte die Sache wenig.

Am 13ten nach 6 Uhr Morgens war unsere Caravane zum Abmarsch fertig. Nach dreistündigem Marsch erreichten wir eine zur Linken in einiger Entfernung liegende Ruine, welche die Araber Kasr bschammam el gharbie x) (das westliche Kastell Schammam) nannten. Der Herr General ritt mit Herrn Boldrini, welcher gestern einem der berittenen Araber sein Pferd abgekauft hatte, seitwärts ab und untersuchte und zeichnete das Denkmal.

1) Äjojui («mj&o jjcii. Herr V. MlnUTOll nennt es Casaba Schamame el

Garbie; Herr Prof. Scholz schreibt Kasr Schamaa Garbije, und derselbe pag. 57. Kasr Schamigarbije. Herr Gnuoc, (MlnUtOll Nachträge pag. 6.) Chasabe Sciamame el Gherbie (italienisch).

Wir erbeuteten heut einige bisher nie gesehene Vögel und zwei Arten der Amphibien-Gattung Agama.

Um 5f Uhr lagerten wir uns in der Ebene Korma kaehise x) C Ch urm el jaebise ?J.

Am 14ten ward gegen 6 Uhr aufgebrochen. Wir hatten Hügelrücken zu beiden Seiten, und bemerkten am Absteigen des Landes, dafs die gestrige Ebene auf einer geringen Höhe lag. Ein paar Ghamäleonen (Chamaeleo afr/canusj, ein Springhase (Dt'piis Jacuhis), eine Igelfamilie von der Art des langöhrigen Igels (Erinaceus auritus) und ein paar Vögel waren unsere Hauptbeute am Morgen.

Gegen 11 Uhr kamen wir an einen wasserhaltigen, nicht tiefen Brunnen Bir Nascher 2). Da unsere Kameele in der Nacht vom I1ten zum 12ten zum letzten Male getränkt worden waren, und mithin 2£ Tag gedurstet hatten, so schickten die Beduinen aus Vorsicht, dafs nicht eine andere kleine, im Angesicht vor uns befindliche Caravane zuvorkommen und Besitz vom Brunnen nehmen möchte, einen bewaffneten Sclaven voraus, der dieselbe unter Androhung von Gewaltthätigkeiten abhalten und bewegen sollte, bis zum nächsten Wasser weiter zu ziehen. Aus Furcht vor Ueberlegenheit unserer Caravane hielt jene nicht an, und wir eilten zum Wasser. Sogleich warfen die Araber ihre Barakaris (wollene Decken), die sie statt der Hemden tragen, ab, und sprangen nackt in den Brunnen, um Wasser zu schöpfen. Die Kameele stürzten gierig darauf los, und kaum war es möglich, rasch genug von ihnen herabzukommen. Das Drängen und Stofsen der durstigen Thiere, mit der Betriebsamkeit der Araber, ihnen in hölzernen Schüsseln das durch aufgerührten Schlamm allmälig ganz dick gewordene Wasser unter dem beständigen, sehr rasch wiederholten Geschrei ha, ha, ha! zuzutheilen, war für uns ein neues und interessantes Schauspiel. Obwohl durch das Drängen der Thiere die Lasten gefährdet und einige abgeworfen wurden, so war es doch völlig vergebliche Mühe, dieselben aus einander zu bringen. Die Araber, denen die Thiere mehr als wir am Herzen lagen, hatten nicht erst einige Schläuche mit dem noch ungetrübten Wasser gefüllt, und das später geholte war so dick lehmig, dafs es unmöglich war, es hinterzuschlucken. Wir hatten aus Vorsicht aber doch einen Schlauch füllen lassen, obwohl man uns Hoffnung machte, noch heut in wenig Stunden ein gutes Wasser zu erreichen. Wir zogen in nordwestlicher Richtung bis zum Abend, und hatten mit Sonnenuntergang das Wasser noch nicht erreicht. Um die ermüdeten Kameele zu schonen, ward gelagert, und die Araber holten das Wasser in Schläuchen auf dem eigenen Rücken herbei. Die Brunnen hiefsen Buschrab, und Herr Scholz giebt ihre Zahl auf fünf an. Leider aber war diefs Wasser salzig, und wir hätten viel lieber das verschmähte Lehmwasser getrunken, wäre es noch zu haben gewesen. Wir lagen heut in einer Ebene unweit mehrerer grofsen und wohlgebauten, leider aber leeren Cisternen, deren einige verfallen waren. Man nannte uns den Ort Schumeime *). Der Herr General über

1) Herr v. MlnUtOli schreibt Kurme-Kelije, Herr Scholz Chorma Chebije, wir hörten wie oben. Schreibt man Churm el jaebise, so entspricht es den arabischen Worten .JWA-hV' r*r^ u,l(* bedeutet: trockne Höhe. Churma jaebise bildet sich in der Volkssprache leicht aus Churm aj-jaebise. Der Dolmetscher hat es dem Herrn General in: wasserlose Gegend übersetzt. Herr Gruoc hat: Korma-chebisse.

2) Bei Herrn v. Minutoli heifst er Bir Negy, welche Schreibart wahrscheinlich durch den französischen Dolmetscher entstanden ist. Französisch gelesen heifst es dann Neschy. Herr Scholz versteht wohl dasselbe unter dem Namen Naschaa pag. 57. seiner Reise, obwohl der Name in der von ihm angegebenen Reihefolge der Brunnen vermifst wird, und der Unterbrechung halber es schwer ist, ihn zu deuten. Herr Gruoc schreibt Bir-naghi.

1) Herr General v. MinUtOll schreibt Schmeime; Herr Prof. Scholz schreibt Adschmim ( t'i^l) Einige Araber sprechen es auch Schmaema aus, nach Brown Djumeimih. Gruoc: Smeime und Zumeine. Schumeim oder Schemaim sowohl als Schemim *a+w I+^m-w bedeutet: duftend, voll Woli Igeruch, was sich auf das daselbst häufige Vorkommen der Raute (Ruta tuberculata) und der Schihe (Artemisia inculta Del.) beziehen kann. Aschmim entsteht aus dem Artikel *a+mäji El-Schmim oder

'S

[graphic]

gab hier dem Scheech die Empfehlungsbriefe des Pascha an die Befehlshaber von Derna, um sie durch einen Boten vorauszusenden, damit wir bei unserer Ankunft an der Grenze schon ein sicheres Geleit vorfinden.

Den löten veranstaltete der Herr General eine Feier des Geburtstages Sr. Königlichen Hoheit unseres Kronprinzen. Die Araber wurden beauftragt, in einem in einiger Entfernung befindlichen Beduinenlager ein Schaf zu kaufen, und wir, die wir sonst unsere eigene Schüssel kochten, waren zu einem gemeinschaftlichen Mahle in seinem Zelte eingeladen, bei dem der Wein des Herrn Generals (wir selbst hatten nur vier Flaschen Wein als Medicin bei uns) das schlechte Wasser ersetzen sollte, welcher Zweck, da der Wein den Durst nicht stillte, leider doch nicht erreicht ward. — Den ganzen Vormittag über waren wir beschäftigt, unser sehr beschädigtes Spiritusfafs durch Ausstopfen und Ueberziehen der Fugen mit Werg und Talg auszubessern, fanden aber leider sowohl einen grofsen Theil Spiritus verloren, als auch die in ihm aufbewahrten Naturalien gröfstentheils durch den Transport verdorben. Umlegen der gesammelten Pflanzen in trocknes Papier war eine zweite nöthige Arbeit. Nachmittag gegen 1 Uhr gingen wir weiter durch eine mit wenigen steinigen Anhöhen durchzogene Ebene, und lagerten uns gegen 6 Uhr Abends in der Ebene Tahum oder Tanum x) in der Nähe einer leeren Cisterne von sorgfältigerem Baue als gewöhnlich. Vorüberziehende schwarze Wolken liefsen uns umsonst auf erfrischenden Regen warten.

Es Schmim, was Andere AI Schmim oder As Schmim aussprechen; es dürfte also vielleicht nicht J.a^.1 sondern J^k^Üj) Zu schreiben seyn.

1) Herr v. Minutoli schreibt Bir-Thaun mit beigefügter Uebersetzung des Dolmetschers Mühlenbrunnen; also y^wLö _aj Bir Tahun; nach Herrn Grüoc heifst es

Bir-thaon. Herr Scholz nennt die Ebene Tenum und Vadi Tanum, und da wir den letztern Ausdruck auch hörten, so dürfte wohl auf die Uebersetzung des Dolmetschers nicht besonderes Gewicht zu legen seyn. Auch eignet sich die Lage des Ortes nicht zu einer Wassermühle. Herr Scholz spricht pag. 57. unbestimmt von vielen Cisternen und Substructionen, die wir nicht bemerkten. Die grofse Cisterne ist bei Herrn v. MlnUToli detaillirt beschrieben.

Der westliche, nur wenig nordwestliche Weg führte uns am 16ten October von 6 Uhr Morgens über einen leichthügligen Boden erst zwischen Steintrümmern und gegen Mittag durch angebaut gewesene Felder. Wir überstiegen wieder eine Hügelreihe und gelangten in eine weite Ebene, welche einer steinigen Anhöhe folgte, die auf ein etwa 100 Fufs höheres, ei Akaibe x) genanntes Plateau führte. Wir lagerten uns am Rande desselben, und sahen nördlich von hier aus wieder das seit unserm Abmarsch von Harn am verdeckt gewesene Meer, welches, wie dort, an schneeweifse, für uns ganz unfruchtbare Sandhügel aufbrauste. Heut hatte unser Dolmetscher, welcher einen Vogel schiefsen wollte, durch Unvorsichtigkeit einen Araber mit einigen Schrotkörnern verletzt. Obgleich die Verletzung ganz oberflächlich war und beide Theile sich bald verständigt hatten, so hielten wir doch, um bei den Arabern allen Grund der Beschwerde zu vertilgen, für gut, dafs der Dolmetscher dem Araber eine Geld-Entschädigung geben solle, worauf wir im Beiseyn des Scheech's dem verwundeten Araber einen Realfranki (spanischen Thaler) einhändigen liefsen, den dieser mit dem Wunsche zu nehmen schien, dafs so etwas bald wieder kommen möge. Der Ort, wo wir lagerten, hiefs Sleile 2). Hier tranken wir, vom Durste

1) Herr Gruoc nennt diese Hochebene Lagheibe, Herr v. MinUtoll Lageibe; Herr Scholz Elgalbe (pag. 38 und 57.). Mir scheint, und so geht es auch einigermafsen aus Herrn SchOlz's Miltheilung hervor, dafs das Wort Akaibe eine Pluralbildung des Wortes Akabe bei den Beduinen seyn mag, und Gebirgspässe bezeichnet. Lagabe und el akabe liegen sehr nahe.

2) Herr v. MiNUtOll nennt ihn Geleile, was aber wohl vom Dolmetscher geschrieben und französisch zu lesen ist. Herr Scholz nennt ihn Seieil, und führt denselben Namen als einen Brunnen auf, wovon wir keine Notiz erhielten. Er giebt die Orthographie durch Vaaas. Derselbe Name kommt mit iyj geschrieben anderwärts als Ortsbezeichnung vor uX*- Vergleiche MEnInSKY. Herr Gruoc nennt ihn Lagheibe wie die frühere Ebene.

« AnteriorContinuar »