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westlichen Europa. Stockung im Handel könnte plötzlich Aegyptens Zustand und dann wohl auch MEheMed Ali's Ansichten und Handlungen vielfach ahändern. Bevor es aber zum Aeufsersten kommt, scheint er sich in der Consequenz zu gefallen.

Mehemed Ali hat bisher jeden Schein der Begünstigung der christlichen Religion bestimmt vermieden. Es wurden ihm während unsers Aufenthaltes durch das Consulat unterstützte Anträge von englischen Missionären gemacht, ihre Absichten, die Bekehrung der Juden zum Christenthum, zu begünstigen; sie erhielten aber blofs die sehr tolerante Weisung, dafs er die Juden nicht zwinge, zum Islamismus überzutreten, und eben so wenig etwas über diese Angelegenheit bestimme. ImJahr1S23 liefs er in allen Dörfern Aegyptens, wo es an Moscheen fehlte, dergleichen auf eigne Kosten neu auffuhren x). Mehemed Ali verschmäht den Rheinwein nicht, aber eben so wenig setzt er die Ceremonien des muhamedanischen Cultus ganz bei Seite. Im Jahre 1824 hatten, wahrscheinlich auf Anstiften von Europäern, einige katholische Kopten in Aegypten ein Schreiben, im Namen Mehemed Ali's abgefafst, an den Papst nach Rom gesendet, worin Ersterer sich bereit erklärte, den Wünschen der Kopten, in Oberägypten einen aus Rom bestätigten Bischof ihres Ritus zu besitzen, nachzugeben. Mit mehr als gewöhnlichen Ceremonien war ein koptischer Mönch, welcher dazu vorgeschlagen war, in Rom eingesegnet, zum Bischof von Said ernannt und mit einem sehr verbindlichen lobreichen Schreiben an den Pascha nach Alexandrien abgesendet worden. Mehemed Ali war aufgebracht über diesen mit ihm getriebenen Scherz, und verbot dem neuen Bischof bei Todesstrafe, nicht das Land weiter zu betreten. Christ wird MeHemed Ali seinem Character gemäfs nie, wohl aber könnte er aufhören Muhamedaner zu seyn. Bis jetzt ist er nicht ganz vorurtheils1) Ich fragte gelegentlich einen Fei Iah-Araber (Bauer): Jetzt seyd ihr ja wohl mit dem Pascha zufrieden, da das Land wie ein Garten ist, und alle eure Dörfer Thürme haben? Er antwortete: Gott ist grofs! {Allah kerihm!) Unser Herr (Effendina) giebt mit einer Hand und nimmt mit zweien.

frei gewesen, eine Art von Religiosität hat ihn vielfach geleitet und gehemmt .

Jmkhkmt.d Ali hat keine wissenschaftliche Bildung; er spricht keine occidentalische Sprache, aber türkisch, albanesisch und arabisch, und hat erst spät Schreiben und Lesen gelernt, wovon er wenig Gebrauch macht. Ein natürliches Gefühl für das Zweckmäfsige hat ihn zu allen Zeiten empfänglich für gröfsere Pläne, und Rücksichtslosigkeit ihn glücklich in ihrer Ausführung gemacht. Liebe zur Wissenschaft zeigt sich bei ihm durch Auszeichnung wissenschaftlich gebildeter Leute, und ist Folge der Einsicht in die politische Nützlichkeit derselben; eben so oft aber gründet sie sich bei ihm auf die Liebe zum Sonderbaren. Seine Zuneigung für Europäer ist blofs auf ihre Wissenschaftlichkeit und Geistesgewandtheit gegründet, und die Grade seiner Zuneigung bestimmen sich immer durch die Grade der letztern Eigenschaften, deren Nützlichkeit er in der neuern Zeit mehr als früher berechnet.

Die Rivalität der ihn umgebenden, gröfstentheils gewinnlustigen Europäer, welche ihn immer mit neuen Plänen bestürmt und von den gefafsten ihm Licht und Schatten immer schroff vorhält, erleichtert ihm sein eignes Nachdenken viel und bildet um ihn einen sehr förderlichen, wohlfeilen und ganz untergeordneten Staatsrath. Sein eigner, meist vorurtheilsfreier und energischer Geist übersieht mit raschem Blick die verschiedenen Farben und wählt. Was er anfängt wünscht er vollendet zu sehen, und je gröfser die Schwierigkeiten sind, welche im Laufe des Unternehmens sich entgegenstellen, desto kräftiger und rücksichtsloser sind seine Mafsregeln, so lange noch irgend Hoffnung zur Erreichung bleibt . Ganz characterisirt ihn folgender, an Unklugheit grenzender Vorfall:

Als die Griechen im Jahr 1825 einen Brander im Hafen von Alexandrien anzündeten, war er eben in seinem Pallast, ganz in der Nähe. Kaum war durch den Schufs der am Eingang des Hafens vor Anker befindlichen französischen Corvette die feindliche Tendenz des brennenden Schiffes errathen, als er sogleich selbst

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zur Batterie eilte und selbst eine Kanone abgebrannt haben soll. Aber nicht genug. Er gab sogleich Befehl, dafs sein Schwiegersohn, der Commandant der Stadt, auf einem seiner Schiffe dem auf einer kleinen Barke ins hohe Meer entflohenen Griechen nachsetzen solle. Als dieser, nachdem er ohne Vorbereitung bis vor den Hafen gefahren, weil er nichts bemerken konnte, wieder umgekehrt war, so eilte der Pascha sofort selbst auf ein leichtes Kriegsschiff und befahl, dafs es mit ihm augenblicklich in See gehen solle. Er hatte weder den Proviant revidirt, noch Bett und Küche mit sich genommen, noch einen Interims-Regenten bestimmt, und fuhr ins hohe Meer der griechischen Barke nach. Er war 11 Tage abwesend aus seinem Reiche, und nach vergeblichem Umherkreuzen stieg er bei der Rückkehr nicht in Alexandrien, sondern in Abukir ans Land, und kam unerwartet zu Lande in seine Residenz zurück, vor welcher indessen der Kapudan-Pascha, einer seiner frühern Gegner, mit der türkischen Flotte angekommen war.

Glücklich führt Mehemed Ali im kräftigen türkisch-orientalischen Character aus, was Napoleon im Anfange seiner Laufbahn im christlich-europäischen Sinne auszuführen, leider durch Europäer verhindert wurde. Die Bewohner Aegyptens seufzen, aber das Land blüht, unglücklich und unbewufst, einer geistreicheren Zukunft entgegen. Auf den Schultern des Systems von Mehemed Ali erwuchs die Reform in Constantinopel, und Nedschib Effendi war der Träger derselben. Mit Mehemed Ali beginnt eine neue Periode für den Orient, die der Toleranz und Wiedervereinigung der "Wissenschaft mit dem Islamismus, und wären die Mittel nicht immer zu loben, so bleibt es ein erfreuliches Resultat, was seinem Gründer ein bleibendes Denkmal setzt .

Mehemed Ali hatte drei Söhne: Ibrahim, Tussun und Ismael, und drei Töchter, von denen zwei verheirathet sind. Zu Ende des Jahres 1816 starb Tussun Pascha an der Pest in Aegypten, nachdem er den Krieg gegen die Wechabiten lange geführt hatte. Ismael Pascha ward während meiner Anwesenheit an der

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Grenze von Sennaar im Jahre 1822 daselbst bei einer Revolution, durch die auch ich gefahrdet war, ermordet. Ibrahim Pascha hat seitdem den Krieg in Morea geleitet.

Diefs vorläufig von Mehemed Ali. Wir waren sammt Herrn Dr. Scholz in den gefafsten Entschlufs des Herrn Generals, die berühmte Cyrenaica aufzusuchen, mit Freuden eingegangen, und träumten uns schon beschäftigt mit Sammeln der goldenen Früchte in den Gärten der Hesperiden. Unsern frohen Muth erhöhte die Hoffnung des Gelingens, welche man uns wegen der Begünstigungen des Pascha von allen Seiten machte, und mit grofser Zuvorkommenheit leitete Herr Drovetti die mit den Beduinen zu treffenden Vorkehrungen. Der Beduinen-Chef, Hadj Endaui, war vom Pascha selbst zum Führer der Caravane bestätigt worden. Dolmetscher, Kameele, Zelte, Reisegeräth aller Art mufste angeschafft werden, und obwohl der Herr General sich erbot, das alles in Gemeinschaft besorgen zu lassen, so liefs uns doch eine wiederholte Ueberlegung vorziehen, eine gewisse Selbstständigkeit zu behaupten.

Das Beobachten und Sammeln der Naturkörper, welches unser Hauptzweck war, hielt uns nämlich zum Durchstreifen gröfstmöglichster Landstrecken an, während die Beschäftigungen der übrigen Herren Theilnehmer langen Aufenthalt an bestimmten Punkten wünschenswerth machen konnte, bei welchem wir vielleicht gar keine Ausbeute fanden. Diefs berücksichtigend beschlossen wir, uns zwar an die Caravane des Herrn Generals eng anzuschliefsen, aber unsrer eignen kleinern Caravane einen selbstständigen Organismus zu geben, welcher uns erlaubte, entferntere Excursionen zu machen, im Fall das Zusammenbleiben nicht durch Gefahr nothwendig gemacht werde. Demnach sorgten wir für einen eigenen Dolmetscher, eigne Kameele, eignes Zelt und eigne Provision.

Bis zum 23sten September hatten wir durch Rath und Mithülfe der Herren Champion, Dumreicher und Morpurgo über die Schwierigkeiten des gemächlichen Orients gesiegt und waren zur Abreise fertig. Unsre anfängliche Idee, eine Probe-Excursion mit Kameelen und Beduinen bis Abusir zu machen, und so das Land, die Leute und die Bedürfnisse zur Reise kennen zu lernen, wäre zu zeitraubend gewesen, um durchgeführt zu werden, schien uns aber doch zu wichtig, als dafs wir sie hätten ganz aufgeben sollen. Wir equipirten uns demnach zwar sogleich auf die grofse Reise, indem das Mangelhafte im Verhältnifs nur unbedeutend seyn konnte, fafsten aber den Beschlufs, während der Herr General noch seine weitläufigem Vorbereitungen machte und die Ankunft des Herrn Prof. Limans abwartete, bis Abusir vorwärts zu gehen, die Naturproducte dieses Landstrichs binnen ungefähr 14 Tagen zu studiren und zu sammeln, diese Sammlung, um ihres weitern Transports überhoben zu seyn, nach Alexandrien zurückzubringen, und den in Erfahrung gebrachten Mängeln unsrer eignen und der allgemeinen Ausrüstung noch abzuhelfen. In Abusir wollten wir den Herrn General erwarten, und uns zur weitern Reise an ihn dort anschliefsen.

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Der Herr General und Herr Dr. Scholz hatten sich Mamelucken-Kleidung angelegt, und als Mantel einen Burnus 1) gewählt, welcher am Tage, weil er leicht war, auch als Schutzmittel gegen die Sonne diente. Berücksichtigend, dafs Niebuhr den Tod seiner Gefährten besonders dem Umstande zuschreibt, dafs sie sich nicht an die Sitten der Landesbewohner anschlossen, zogen wir vor, uns noch einfacher, ganz den Beduinen gleich, zu kleiden, um so auf unsern naturhistorischen Excursionen den Wüstenbewohnern, wenigstens von fern, weniger fremdartig zu erscheinen, selbst eine freiere

1) Burnus (vwJ_i ist ein weiter wollener Mantel mit Kapuze für den Kopf, wie

ein Kapuzinerkragen. Diefs Kleidungsstück ist in der Barbarei sehr verbreitet. In Aegypten tragen es nur Barbaresken (Mogarbi, Mograbinen) und Soldaten. Es ist ein leichter bequemer Mantel, zumal wenn er von feinem Stoff ist, und wird deshalb häufig auch von Europäern getragen.

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