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uns bis dahin in seinem Lande gewährten Schutz unsern Dank zu sagen.

Die Lebensgeschichte des merkwürdigen Mehemed Ali PaScha ist am ausführlichsten und richtigsten von Herrn Mengin behandelt worden, welcher seit vielen Jahren in Cahira selbst die Materialien gesammelt hat. Wir lernten ihn daselbst kennen, und hörten, dafs er vielseitig mit authentischen Beiträgen unterstützt worden ist. Da man andrerseits in Europa irrige Meinungen ausgestreut hat, so halte ich für nützlich, das was wir selbst im Lande hörten und sahen, als Bestätigung jener Nachrichten mitzutheilen, und somit die Zeit bis zum Antritt unserer Wüstenreise, wo bei vieler Bemühung und Zeitverlust nur wenig Interessantes vorfiel, auszufüllen. So sorgfältig die historischen Thatsachen von Herrn Mengin auch gesammelt sind, so war man doch über die den Handlungen der Personen von ihm untergelegten Beweggründe nicht immer einverstanden, und es ist kein Zweifel, dafs die Lebendigkeit der Darstellung wohl zuweilen Farben nöthig gemacht, die dem Erzähler, nicht der Sache angehören x).

Was das Aeufsere des Pascha anlangt, so ist es für Orientalen durch Lebhaftigkeit imponirend, keineswegs aber für Europäer, so wenig als Form und Ausdruck seines Körpers. Die wohl proportionirte Körperbildung von mittler Gröfse verräth durch kleine Gesichtsform seine albanesische Abkunft deutlich. Türken haben gewöhnlich einen grofsen Kopf und lange Gesichtsform. Ein kleines lebhaftes Auge giebt seinem Gesicht den Geist, welchen er besitzt. Das den Türken eigne Phlegma in der Körperhaltung fehlt ihm ganz, und obwohl er, schon der orientalischen Kleidung und Sitte halber, einem Europäer nicht eben sehr beweglich erscheint, so besitzt er doch eine verhältnifsmäfsige auffallende Lebhaftigkeit . Ich sah ihn nur sitzend und reitend.

1) Histoire de tEgypte sous le Gouvernement de MEHE31 Ed An par FELIX Mekgin; Paris 1823. Mit einem Atlas, enthaltend das Portrait des Pascha u. s. w.

Wollte man nun aber bei einem aufserordentlichen Manne etwas Auffallendes im Aeufsern für nothwendig halten, so könnte man es in der Einfachheit seiner Umgebung finden. Im Vorsaale zu seinem offnen Audienzzimmer befanden sich Crethi und Plethi, und zuweilen erhob sich ein so lauter Zwist und Lärm, dafs wir vergafsen, in der Nähe des Pascha zu seyn. In der neuesten Zeit hat er sich mit förmlicher Leibwache umgeben, die, als wir ihn sahen, ganz formlos, kaum bemerkbar vorhanden war. Die Soldaten, welche sich dort befanden, waren nachlässig, nur der Landessitte gemäfs, bewaffnet und ohne Aufmerksamkeit. Seine Mamelucken schienen die einzigen Personen zu seyn, welche ihn als Leibwache umgaben, und diese vertraten mehr die Stelle der Bedienten. Die Eingänge, sowohl des äufsern Pallastraumes, als die zum Divan, waren ohne alles Militair. Leute verschiedener Classen, selbst aus den niedrigsten, trieben sich auf den Treppen des Audienzsaales und im Vorsaale herum. Als wir von Herrn Boghos Jussuf eingeführt wurden, begrüfste uns der Pascha, und jener das erste Dolmetscher-Amt verwaltende Minister lud uns ein, uns dem Pascha gegenüber auf den Divan zu setzen. Der Pascha safs im Kaftan auf seinem Divan am Fenster gegen den Hafen, hatte ein englisches Fernrohr neben sich, und rauchte aus einer türkischen langen Pfeife. Wir waren in Mamelucken-Kleidung mit rothem Djibd x), Turban und langen Barten, und es war natürlich, dafs der Pascha, dem man von uns schon oft erzählt hatte, uns zuerst fragen liefs, wie wir uns in dieser Kleidung gefielen, und warum wir nicht unsere europäischen Kleider beibehalten hätten, dessen Gründe, um nämlich weniger die Neugierde und den Spott des arabischen Volkes zu erregen, Dr. Hemprich auseinandersetzte. Unser Dank für seine Schutzbriefe veranlagte die Frage, ob wir überall gut aufgenommen worden wären, und eben so nahe lag die Frage, ob wir edle Metalle

1) i**^ Djibi ist ein Oberkleid von leichtem wollenen Zeug, Kaschmir.

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im Lande beobachtet hätten, wogegen ich auf ein von uns in Dongola entdecktes nutzbares, reichhaltiges Eisenlager aufmerksam machte, mit der Bemerkung, dafs weder Aegypten noch Dongola auf unsern Wegen und in der Nähe des Nils Spuren von andern Metallen gezeigt hätten. Er liefs uns darauf durch Herrn Boghos sagen, dafs er unsre Anwesenheit in Alexandrien immer gern sähe, da er wohl wisse, dafs wir den Kranken immer unsern ärztlichen Rath mittheilten. Während des Gesprächs ward uns Kaffee präsentirt. HeiT Boghos stand neben dem Pascha, und bei ihm auf demselben Divan safs Nedjib Effendi, der Gesandte aus Constantinopel, welcher die jüngste, zweijährige Tochter des Pascha auf dem Schoofse hatte. Herr Ismael Gibraltar, der Admiral der Flotte, war ebenfalls zugegen, mischte sich zuweilen in das Gespräch und setzte sich ohne Ceremonie neben uns.

Eine so höchst einfache öffentliche Hofhaltung erwarten Europäer freilich nicht in einem türkischen Reiche. Ungezwungene Anspruchslosigkeit ist aber nicht blofs im Character Mehemed Aii's, sondern ist ein Character aller orientalischen Höfe, nur vielleicht Constantinopel ausgenommen, und die Einfachheit des Divans steht im Orient ganz gewöhnlich in grofsem Contrast mit der Pracht des Harems und dem verborgenen Reichthum und dem Ehrgeiz des Hauses.

Rücksichtlich der dasigen Etiquette erfuhren wir, dafs die Untergebenen des Pascha vor ihm stehen, und dafs er nur Personen von Distinction, Religionschefs und nicht in seinem Dienste stehende reiche Particuliers, so wie Europäer, durch den Dolmetscher sich auf den ihm gegenüber befindlichen Divan niedersetzen heifse. Mehr noch zeichnet er sie aus, wenn ihnen Kaffee präsentirt wird. Nur vertrauten und mit ihm in näherer Beziehung stehenden Personen von Auszeichnung, Consuln u. ähnl., läfst er eine Pfeife reichen, und die gröfste Auszeichnung wird denen zu Theil, die ihren Platz auf seinem Divan neben ihm angewiesen erhalten, wie Herr General Menü V. Minutoli. Nur im letztern Fall pflegt er beim Grufs sich etwas zu erheben r).

Mehemed Ali Pascha ist in der Stadt Cavala, unweit der Küste am griechischen Archipelagus, im ehemaligen Macedonien, geboren und gegenwärtig, im Jahre 1827, 60 Jahr alt, mithin fallt seine Geburt auf das Jahr-1767 a). Sein Vater, Ibrahim Aga, war Polizeichef der Stadt. Der Sohn liebte das militairische Leben, allein aus Speculation ergab er sich dem einträglichen Tabakshandel. Zur Zeit der französischen Expedition kam er mit den aus seiner Landschaft requirirten Truppen nach Aegypten und ward Officier in der türkischen Armee, welche, durch den Einflufs der Engländer begünstigt, die französischen Pläne zerstörte. In allen Verhältnissen wufste er sich beliebt zu machen, und sein lebhafter Geist und kühner rücksichtsloser Muth stellten ihn immer an die Spitze der Unternehmungen. Er war Chef seiner Landsleute, der Albaneser, und dieses Corps, welches vor allen andern muthig und ausgelassen war, unterstützte kräftig seine Pläne, so wie er den Bedürfnissen desselben rücksichtslos zu Hülfe zu kommen suchte. Anfangs scheinen sich seine Pläne blofs auf dieses Interesse beschränkt zu haben, und nur die Leichtigkeit, mit welcher es möglich war, in den zügellosen Verhältnissen höher zu steigen, liefs ihm davon Gebrauch machen. List und Gewalt waren zur Erreichung seiner Zwecke ihm immer gleichgeltende Mittel. Von ihm den Gegnern angebotene Vergleiche waren nie aufrichtig, und wenn die Schwäche oder Unklugheit derselben sie benutzte, so war diefs ihr unvermeidlicher Fall. Aber auch friedliche Leute und Corporationen, deren Rechte seinen Zwecken hinderlich waren, wufste er zu entfernen, unter sich zu stellen, zu vernichten, je nachdem das Eine oder das Andere zweckmäfsiger oder leichter war. Gegen Leute von geringerer Bedeutung hat er sich nie hart, ungerecht oder grausam gezeigt. So ist gegenwärtig ganz Aegypten, Nubien und Dongola nicht blofs unter seiner Herrschaft, sondern grofsentheils sein wirklicher Besitz und Eigenthum, indem er von den Einwohnern, welche die Auflagen nicht bezahlen konnten, allmälig das Land als Bezahlung an sich genommen, und sie durch Schmälerung der Subsistenzmittel genöthigt hat, vieles culturfähige wüste Land zu bebauen, dessen Boden er verpachtet.

1) Diefs steigert sich noch im gewöhnlichen Leben der Orientalen durch völliges Aufstehen zum Grufs. Ueberlassen des eignen Platzes an den Fremden aber, in aufserordentlichen Fällen, würde ausgezeichnete Rücksicht oder Devotion anzeigen.

2) Herr Mengin giebt das Jahr 1769 an. Sein Aeufseres stimmt sehr mit diesem Alter überein.

Mehemed An hat vielfache Zeichen von finanzieller Uneigennützigkeit gegeben. Er brütet nicht über den zusammengehäuften Schätzen. Seine freiwilligen Abgaben nach Constantinopel betragen mehr als doppelt so viel, als je von Aegypten dorthin abgegeben worden ist, und seine besondern Geschenke betragen noch weit mehr. Sein stets reger Geist ist darauf gerichtet, die Festigkeit seiner Macht durch deren Ausdehnung zu begründen, und jede im Lande aufkeimende Unzufriedenheit oder deren Schein sucht er sofort im Keime zu ersticken. Er ist, als Beherrscher Aegyptens, eigenmächtiger Nachfolger von Kurschid Pascha im Jahre 1804, und erst nachdem er durch seine Albaneser Besitz von Cahira genommen, bestätigte ihn das schwache Gouvernement von Constantinopel, welches sich immer auf die Seite des Stärkern neigt. Er hat seit seiner Ernennung zum Befehlshaber und Pascha von Aegypten jeden Schein vermieden, dem Gouvernement von Constantinopel entgegen zu seyn, seine Dienstleistungen für dasselbe aber immer mit den eignen Plänen in Uebereinstimmung gebracht. Der rechnende Handelsgeist ist diejenige seiner Eigenschaften, welche ihm seine politische Stellung gegeben, die Aegyptens Kräfte zu Tage förderte und in beständiger Doppelwirkung belohnend und anregend ihm zur Seite steht. Unumgängliche Bedingung zur Blüthe und Kraft Aegyptens ist jetzt, bei der geringen Cultur des Innern Afrikas, ein rascher beständiger Absatz und Umtausch seiner so reichlichen Producte im

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