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Pomponius, vielleicht Pompejus oder Pontius x) genannter, römischer Präfect von Alexandrien dieselbe dem Kaiser Dioci.etian zugeeignet, wodurch nur erwiesen ist, dafs sie zur Zeit jenes Kaisers, vor 1500 Jahren, schon so gestanden hat wie noch heut. Die Säule ist mit Namen europäischer, besonders englischer (jedoch, wie wohl zu erwarten, rufloser) Reisender ganz bedeckt, welche bis zu schwindelnder Höhe mit equilibristischer Anstrengung angebracht sind. Nach unserer Rückkehr statteten wir einen Besuch bei Herrn Drovetti ab, welcher uns die interessante Ausbeute seiner Reise nach der Jupiter Ammons Oase zeigte, und bei dem wir Herrn D'AnAstAsY und Herrn Salt, sammt einem gelehrten Griechen mit Leetüre eines aus den Zeiten der Ptolemäer abstammenden griechischen Contracts beschäftigt fanden. Abgeben noch einiger Empfehlungsbriefe, Zubereiten der geschossenen Vögel, Aufbewahren der andern Naturalien und Notiren des Gesehenen beschäftigte uns Nachmittags. Den Abend hatten wir Herrn Dr. Morpurgo zugesagt, mit dem wir zuerst die Abendvisite im Franken-Hospitale machten, einem vor wenig Jahren erst gegründeten, für Aegypten sehr wichtigen und zweckmäfsigen Institute. Südlich, dicht neben dem römisch-katholischen Kloster bildet es ein geschlossenes Viereck, dessen 3 Seiten (die nördliche ausgenommen) mit einschössigen, dachlosen Gebäuden zu Krankenzimmern eingerichtet sind. Der ganze Raum ist durch eine von Süd nach Nord laufende Mauer in 2 gleiche Hälften getheilt, die durch eine wohl verschliefsbare Thür innerlich communiciren und deren jede aufsen auf der entgegengesetzten Seite ein eignes Thor hat. Die östliche Hälfte bildet das Pestlazareth und stand zur Zeit leer. Beide Abtheilungen hatten in der südlichen Fronte zwei hohe und tiefe Säle auf ganz trockenem Boden, in deren jedem 6—8 Betten bequem Platz hatten. Die östlichen und westlichen Fronten enthielten Küche, Waschhaus und Bequemlichkeiten. Die östliche des Pestlazareths hatte noch neben dem Thor zwei kleine Stuben, um zur Pestzeit zweideutige Kranke aufzunehmen und sie weder der Pestansteckung auszusetzen, noch durch sie Andern zu schaden. Ueber dem Thor der westlichen Abtheilung war die Wohnung für den Unterarzt und Chirurgus des Lazareths, so wie'die Apotheke. Alles war luftig, und die hohen Zimmer waren trotz der Tageshitze kühl. Nach innen war in jeder Abtheilung ein hinreichend geräumiger Hof mit Brunnen. Im nahen Kloster ist das beste Trinkwasser Alexandriens. Als Krankenwärter diente ein Europäer, zur Pestzeit aber werden Araber benutzt, deren Zahl sich nach dem Bedürfnifs ändert. Kräftige Mitwirkung der Consulate hat diese Anstalt gegründet, und Subscriptionen auf monatliche und jährliche Beiträge der ansässigen Europäer erhalten es in fortdauernder Wirksamkeit. Besonders zur Pestzeit waren sonst die Fremden bei eintretender Krankheit, wo sich Niemand ihrer annahm, in der gräfslichsten Lage, welche durch diese dankenswerthe Einrichtung sehr gemildert ist. Weiteres Detail über medicinische Gegenstände ist nicht dieses Ortes.

1) Der Name Pontius ist blofs durch no angedeutet, das Uebrige erloschen. Sonst hat man Pompejiis gelesen. Herr De Sacy liest mit Herrn Villoison wegen gleicher Zahl der Buchstaben in den entsprechenden Zeilen Pomponius. Herr ChateauBriand liest Pollion; Herr Heiter, nach Herrn v. Minutoli, Pontius. Geschichtlich hat sich bis jetzt über den wahren Namen nichts entscheiden lassen, nur so viel ist gewifs, dafs im Namen Pompejussäule der Stalthalter mehr Glück hatte, als der Erbauer und der Kaiser.

Am 7ten September wurden naturgeschichtliche Excursionen nach den Obelisken und dem neuen Hafen gemacht, um uns mit den in der Nähe zu findenden Naturkörpern immer mehr vertraut zu machen, und bei weitern Excursionen nicht nöthig zu haben, uns mit Sachen zu belasten, die wir in der Nähe der Stadt weit leichter haben konnten. Wir waren, in europäischer Sommerkleidung, bei unserer Rückkehr mit Insecten, Amphibien und Seepflanzen zur Zufriedenheit beladen, und es begleitete uns ein ganzer Trupp nackter arabischer Jugend mit hellem Geschrei. Thätlich versuchte niemand, weder Grofs noch Klein, uns zu beleidigen, und Worte, die wir nicht verstanden, hatten wir kein Recht übel zu deuten. Bei der Rückkehr machten wir die traurige Entdeckung, dafs kleine Ameisen in unserm Magazinkistchen für Insecten während der vergangenen Nacht und des heutigen Tages weit mehr zerstört hatten, als wir mit vieler Anstrengung Neues dazu brachten. Gestern war noch alles in bester Ordnung, heut alles vernichtet. Schleunige Hülfe und Vorkehrungen für die Zukunft waren die augenblickliche Aufgabe. Der traurigen Erfahrung folgte auf dem Fufse die freudige Nachricht, dafs der Herr General v. MiNutoli mit seiner Frau Gemalin glücklich im Hafen angekommen sey.

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Gleich am Morgen des 8ten schifften wir in einer Barke hinaus ans Ende des Hafens, wo das Schiff noch vor Anker lag, und begrüfsten die sehnlich erwarteten Gefährten. Um 10 Uhr erst kamen wir zurück, und mufsten fast den ganzen Tag mit Vorkehrungen verlieren, welche eine Wiederholung des gestern erlittenen Schadens verhindern sollten. Sie bestanden im Säubern der Insecten und im Anstreichen und Ausstreichen aller Insectenkistchen mit Arsenik, und freiem Aufhängen derselben im Zimmer. Unsere von Rost angegriffene Waffen verlangten die Thätigkeit unsers Gehülfen. Ueberdiefs hatten uns die Mücken in den vergangenen Nächten an Gesicht und Händen so übel zugerichtet, dafs es nöthig war, auch gegen sie zu Felde zu ziehen. Durch die Güte der Madame Champion erhielten wir ein paar Mückenschleier, und alle in dem Zimmer befindliche Individuen von Mücken wurden für unsere Sammlung in Beschlag genommen. Es fanden sich 2 Arten, deren eine, von Farbe grau, von unserer Singschnake oder gewöhnlichen Mücke CCulex pipiens) nicht zu unterscheiden ist, deren andere aber, bei gleicher Gröfse, sich durch niedlich schwarz und weifs geringelte Füfse auszeichnet (Culex Aegypti Hasselquist). Beide Formen bilden hier die den Reisenden so lästigen Moskiten und verdanken ihr Entstehen den Cisternen und den in allen Häusern befindlichen unentbehrlichen Wasserbehältern, deren Inhalt von ihren Larven ganz belebt ist. Im Laufe des Tages beehrte uns der Herr General-Consul Salt mit einem Besuche, und gegen Abend begleitete Dr. Hemprich den Herrn Consul Dumreicher ins Kapuziner- Kloster.

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An den folgenden Tagen wurden nun in europäischer Kleidung und bewaffnet wiederholte Excursionen nach der Feigeninsel (Ras ettin) gemacht, welches die Landzunge ist, worauf der Pallast des Pascha steht, und deren Pflanzenschmuck von dem dänischen Naturforscher Forskäl, welcher mit Niebuhr reiste, sehr gerühmt wird. Es ward die 3 Stunden weit gen Westen gelegene Insel Marabut (Chersonesus des Straro) besucht, wo wir bei den in ihrer Nähe befindlichen Brunnen Vegetation vermutheten. Die sogenannten Bäder der Cleopatra, die Cisternen, die Katakomben und das Meeresufer wurden, so wie alle nächste Umgebungen der Stadt, und einige wiederholt, besucht, und das Sammeln von Naturalien, Zubereiten, Trocknen, Aufbewahren, Beschreiben und Zeichnen derselben füllte reichlich unsere Zeit in den ersten Tagen. Nur einmal versuchte ein Araber-Knabe mit einem Steine nach uns zu werfen, ergriff aber sogleich die Flucht, als er bemerkte, dafs es unmittelbar Folgen für ihn haben würde. Bei einer der Excursionen, als wir eben auf Ras ettin mit Sammeln von interessanten Pflanzen eifrig beschäftigt waren, sahen wir einen europäischen General-Consul, welcher eben vom Pascha kam, in seiner Uniform auf einem Esel reiten, dem ein Janitschar in reicher türkischer Kleidung, einen Stab mit grofsem silbernen Knopf in der Hand, vorausging und ein arabischer Bedienter folgte. Die Scene hatte für uns etwas höchst Komisches. Er bemerkte uns, lenkte auf uns zu, und nach Wort und Grufs trabte er weiter zur Stadt, wohin auch wir bald folgten. Ein andermal begegnete uns der türkische Gouverneur der Stadt zu Pferde, welcher schon bei Sonnenaufgang dem Pallast des Pascha zu ritt. Drei arabische Läufer mit weifsen Stäben liefen voraus und zwei zur Seite. Wir folgten derselben Richtung und mochten ihm wohl durch unsere grofse Pflanzenbüchse von weifsem Blech so aufgefallen seyn, wie er uns. Beim Pflanzensammeln waren wir dem Pallast des Pascha immer näher gekommen, und als wir eben im Begriff waren, mit gefüllter Büchse zurückzukehren, kam aus dem Eingang des Pallastes ein Commando auf uns zu, bestehend aus einem reich gekleideten Mamelucken und zwei arabischen Bedienten. Die Fragen des Mamelucken wurden von uns zwar wenig verstanden, allein aus seinen Gestikulationen und aus einzelnen uns schon bekannten Phrasen ging hervor, dafs er vom Pascha selbst, welcher uns von fern gesehen, beauftragt sey, sich nach dem Zweck des grofsen cylindrischen Instruments zu erkundigen, welches wir bei uns führten. Die Worte Hah'm, Hekme, Haschisch (Arzt, Wissenschaft, Kraut), welche wir bereits kannten und laut werden liefsen, befriedigten ihn einerseits. Unsre Abstammung, nach welcher er forschte und die wir mit dem Ausdruck Franki Prussiani x) bezeichneten, erklärte er sich mit den beiden Arabern durch Suedesi (Schweden), und nachdem er sich noch über den Inhalt der unheimlichen grofsen Büchse selbst genügend belehrt hatte, verlangte er eine Probe von dem darin befindlichen, durch Moschus - Geruch ausgezeichneten Teucrium Iva, mit welchem ich ihm die medicinische Tendenz am besten versinnlicht hatte, um sie dem Pascha zu überbringen. Das Benehmen des Mamelucken zeigte viele Rücksicht, und wir traten dann ungestört unsere Rückkehr an. Dem Pascha selbst hatten wir uns, um ihn persönlich um seine Firmans zu ersuchen, noch nicht vorstellen lassen, indem wir die Ankunft des Herrn Generals abwarten wollten. Nach der Audienz des Herrn Generals, woran wir nicht Theil nahmen, reiste der Pascha bald nach Gahira ab. Zwei Jahre später lud uns der erste Minister, Herr Boghos Jussuf, ein, um uns ihm persönlich vorzustellen, wobei wir Gelegenheit nahmen, für den

1) Der Name Preufsen war im Orient, wegen Mangel directer Schiffahrt, nirgends bekannt, obwohl es hie und da Consulate gab1. Einige türkische Befehlshaber verdeutlichten sich unser Land durch den Namen Brandenburg, und wufsten wohl auch von der Einnahme von Paris durch die Brandenburger, die Mehrzahl aber glaubten, es gebe blofs Einen König der Franken, dem der Sultan gewogen sey, und hielten BonAparte für einen Statthalter dieses Königs.

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