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dürr sind, der aber in einer frühern glücklichern Zeit üppiges Leben um sich verbreitete. Ausser einigen Steinflechten fand sich hier auch nicht eine einzige grüne Pflanze. Spuren einer versengten Vegetation waren nicht zu verkennen, und dem Schutte gelang uns nur für Zoologie einige erste Früchte des neuen Welttheils abzugewinnen. Mit dem frischesten Enthusiasmus bei reger Thätigkeit wurden von uns bis Mittag nur 4 Vögel geschossen, wenig mehr gesehen, 80 Insecten und 10 Eidechsen gesammelt. Ermüdet von der Jagd und verbrannt von der Hitze, kehrten wir am Mittag zurück, und wussten, dass wir uns zwar in einer fremden, aber in einer kargen Natur befanden.

Die riesenmässige, 88 Fuss 6 Zoll hohe Säule, mit Kapital von 9 Fuss 3 Zoll Durchmesser, deren Schaft aus einem einzigen polirten Granitblock besteht, der in seinem grössten Durchmesser 8 Fuss 4 Zoll und 25 Fuss im Umfang (nach NORRY) hat, wird von den Arabern jetzt bloss Amude "), von den Europäern Pompejussäule genannt. Nach einer flach eingegrabenen, sehr unleserlichen griechischen Inschrift an der Westseite des Piedestals hat ein vielleicht

1) Bei dem arabischen Schriftsteller ABDELLATIF heisst die Säule Amud el savari Slowl Jetc und gerade so schreibt den Namen auch A BULFEDA, welcher später lebte und als fürstlicher Gelehrter gewils Kenntniss von ABDELLATIFS Buche hatte, und daher den Namen copirt haben kann. MICHAELIS hat zuerst diese Worte in seiner Ausgabe des A BULFEDA durch: Säule des Severus übersetzt, und Viele haben ihm nachgesprochen. Herr von MINUTOLI berichtet, dass die Araber diese Säule: Säule des Issanwer nennen, und lässt in Zweifel, ob man dies mit Recht nach Andern auf SEPTI. MIUS SEVERUS (welcher durch einen Druckfehler immer SERVER Us heisst) deuten könne. In der Vulgär-Sprache hörten wir das Wort Issanwer nie, sondern die Araber nannten uns die Säule el Amude. Dass Herr v. MINUTOLI den Namen Issanwer selbst gehört habe, geht aus seinen Worten nicht hervor, vielmehr bezieht er sich wohl auch auf jene alten arabischen Schriftsteller. MICHAELIS hat später (in seiner Recension der französischen Briefe von SAVARY über Aegypten – orient. und exeg. Bibliothek, II. pag. 207.) seine Meinung, als bedeute das el Savari SEVERUS, verlassen, weil die Recensenten seines ABULFEDA ihm tristige Einwendungen gemacht hatten, und besonders einc in ciner Höhlung der Säule von einen Engländer gefundene Münze des VESPASIAN ihn bewog, sie mit jenem als Ehrendenkmal dieses Kaisers anzusehen. Er schlägt demnach vor, die Worte Amud el Savari durch columna lapidum (Säule der Steine) zu übersetzen, weil Sur jou Stein bezeichne, und auch die Abbildungen bei Pococke und NORDEN eine mit Steinen ummauerte Säule darstellten. Der wichtigste Einwurf aber, welcher ihn bewog, seine frühere Erklärung unbedingt zu verlassen, war der, dass der

Name SEVERUS bei ABULFEDA anders geschrieben wirklich vorkommt; er heisst da SA

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deutsche Uebersetzer des ABDELLATIF, WAHL, findet den Namen SEVERUS nicht anstössig. Der sehr gelehrte De Sacy übersetzt ABDELLATIFS Worte durch: colonne des piliers (Säule der Pfeiler). Dass der Name des SEVERUS durch SAVARI wiedergegeben seyn sollte, scheint auch mir ganz gegen die Art, wie das arabische Volk fremde Nainen bildet, denn leicht werden wohl Endvokale zugesetzt, aber nie Endkonsonanten weggelassen. Dann aber scheint es mir auch gar zu wenig eines solchen Denkmals würdig, mit DE SACY zu übersetzen: die Säule der Pfeiler, und diese bewundernswürdige Säule nur in Verbindung oder im Gegensatz zu den um sie befindlich gewesenen kleinen Säulen und Pfeilern zu betrachten. Wenn überhaupt das ungewöhnliche Wort Sacari Säule beisst, was zu beweisen DE SACY's Gründe nicht ganz hinreichend sind, so müsste man wenigstens gewiss den Begriff Säule hier abstracter fassen, und dazu bietet die arabische Sprache wohl die Hand: Die Morgenröthe nennen die Araber im Schwunge ihres Ausdrucks Amud es Sub Stütze oder Zierde des Morgens; Gelehrte und eifrige Religionsvertheidiger haben oft den Beinamen Amud ed Din, Amud ed Dulet oder Rukn ed Din oder Schems ed Din, das ist: Säule der Religion, Säule der Herrschaft, Stütze der Religion und Sonne der Religion, was nur das Prädikat des Hervorragens, der Vorzüglichkeit bezeichnen soll. Zufällig wohl nannte man demnach die Säule Amud el savari; es hätte auch können Schems el savari heilsen, Stütze oder Sonne der Säulen, oder Säule der Säulen, d. i. eine ausgezeichnet merkwürdige Säule.

Sollte aber in der Stelle der anonymen arabischen Handschrift, welche Herr DE SACY zur Erklärung des Wortes Savari als Säulen citirt, nicht vielleicht, statt ila Savari

Seleu SI, zu lesen seyn Selor ila el asvari? So würde auf eine gewiss ungezwungene Weise das Wort eine bekanntere Form und bezeichnete die Mauer. Nun kommt aber das Wort asvar auf kupbischen Münzen, nach TYCHSEN, auch im Sinne einer Festung vor, z. B. Schiras el asvar, was offenbar die Festung Schiras bezeichnet. Milbin könnte Amud el asvari Säule der Festung bedeuten. Asvar ist übrigens die Pluralform voo Sur, und leicht konnte ABDELLATIF, etwas Ungewöhnliches im Ausdruck suchend, das aus dem Munde des Volkes genommene Wort Siloul Asvari oder Asavari für abbrevirt halten von al Savari l, und so könnte wohl das Wort Savari durch ibn entstanden seyn, indem er den vermeintlichen Artikel wegliess.

Liesse sich erweisen, dass Suvari Säulen heilst, so würde ich unbedingt glauben, Amud es Sacari bedeute Krone der Säulen; ist diess nicht der Fall, so muss man wohl Amud el Asvari übersetzen: Säule der Festung oder Säule der Burg.

Bei alexandrinischen Gelehrten haben wir uns weder in diesem noch in andern ähnlichen Fällen den geringsten verständigen Rath erholen können. Offenbar sind die gelehrten Araber, ausser für den Koran, sehr ungebildet, und nur europäischen Gelebrten, die jetzt das Arabische besser verstehen als die Araber selbst, ist die Sache zur Entscheidung · vorzulegen.

POMPONIUS, vielleicht POMPEJUS oder PONTIUS ?) genannter, römischer Präfect von Alexandrien dieselbe dem Kaiser D10C1.ETIAN zugeeignet, wodurch nur erwiesen ist, dass sie zur Zeit jenes Kaisers, vor 1500 Jahren, schon so gestanden hat wie noch heut. Die Säule ist mit Namen europäischer, besonders englischer (jedoch, wie wohl zu erwarten, rufloser) Reisender ganz bedeckt, welche bis zu schwindelnder Höhe mit equilibristischer Anstrengung angebracht sind. Nach unserer Rückkehr statteten wir einen Besuch bei Herrn DROVETTI ab, welcher uns die interessante Ausbeute seiner Reise nach der Jupiter Ammons Oase zeigte, und bei dem wir Herrn D'ANASTASY und Herrn SALT, sammt einem gelehrten Griechen mit Lectüre eines aus den Zeiten der Ptolemäer abstammenden griechischen Contracts beschäftigt fanden. Abgeben noch einiger Empfehlungsbriefe, Zubereiten der geschossenen Vögel, Aufbewahren der andern Naturalien und Notiren des Gesehenen beschäftigte uns Nachmittags. Den Abend hatten wir Herrn Dr. MORPURGO zugesagt, mit dem wir zuerst die Abendvisite im Franken - Hospitale machten, einem vor wenig Jahren erst gegründeten, für Aegypten sehr wichtigen und zweckmässigen Institute. Südlich, dicht neben dem römisch-katholischen Kloster bildet es ein geschlossenes Viereck, dessen 3 Seiten (die nördliche ausgenommen) mit einschössigen, dachlosen Gebäuden zu Krankenzimmern eingerichtet sind. Der ganze Raum ist durch eine von Süd nach Nord laufende Mauer in 2 gleiche Hälften getheilt, die durch eine wohl verschliessbare Thür innerlich communiciren und deren jede aussen auf der entgegengesetzten Seite ein eignes Thor hat. Die östliche Hälfte bildet das Pestlazareth und stand zur Zeit leer. Beide Abtheilungen hatten in

1) Der Name Pontius ist bloss durch no angedeutet, das Uebrige erloschen. Sonst hat man POMPEJUS gelesen. Herr DE SACY liest mit Herrn VILLOISON wegen gleicher Zahl der Buchstaben in den entsprechenden Zeilen POMPONIUS. Herr CHATEAUBRIAND liest POLLION; Herr HEITER, nach Herrn v. MINUTOLI, PONTIUS. Geschichtlich hat sich bis jetzt über den wahren Namen nichts entscheiden lassen, nur so viel ist gewiss, dass im Namen Pompejussäule der Statthalter mehr Glück hatte, als der Erbauer und der Kaiser.

der südlichen Fronte zwei hohe und tiefe Säle auf ganz trockenem Boden, in deren jedem 6—8 Betten bequem Platz hatten. Die östlichen und westlichen Fronten enthielten Küche, Waschhaus und Bequemlichkeiten. Die östliche des Pestlazareths hatte noch neben dem Thor zwei kleine Stuben, um zur Pestzeit zweideutige Kranke aufzunehmen und sie weder der Pestansteckung auszusetzen, noch durch sie Andern zu schaden. Ueber dem Thor der westlichen Abtheilung war die Wohnung für den Unterarzt und Chirurgus des Lazareths, so wie die Apotheke. Alles war luftig, und die hohen Zimmer waren trotz der Tageshitze kühl. Nach innen war in jeder Abtheilung ein hinreichend geräumiger Hof mit Brunnen. Im nahen Kloster ist das beste Trinkwasser Alexandriens. Als Krankenwärter diente ein Europäer, zur Pestzeit aber werden Araber benutzt, deren Zahl sich nach dem Bedürfniss ändert. Kräftige Mitwirkung der Consulate hat diese Anstalt gegründet, und Subscriptionen auf monatliche und jährliche Beiträge der ansässigen Europäer erhalten es in fortdauernder Wirksamkeit. Besonders zur Pestzeit waren sonst die Fremden bei eintretender Krankheit, wo sich Niemand ihrer annahm, in der grässlichsten Lage, welche durch diese dankenswerthe Einrichtung sehr gemildert ist. Weiteres Detail über medicinische Gegenstände ist nicht dieses Ortes.

Am 7ten September wurden naturgeschichtliche Excursionen nach den Obelisken und dem neuen Hafen gemacht, um uns mit den in der Nähe zu findenden Naturkörpern immer mehr vertraut zu machen, und bei weitern Excursionen nicht nöthig zu haben, uns mit Sachen zu belasten, die wir in der Nähe der Stadt weit leichter haben konnten. Wir waren, in europäischer Sommerkleidung, bei unserer Rückkehr mit Insecten, Amphibien und Seepflanzen zur Zufriedenheit beladen, und es begleitete uns ein ganzer Trupp nackter arabischer Jugend mit hellern Geschrei. Thätlich versuchte niemand, weder Gross noch Klein, uns zu beleidigen, und Worte, die wir nicht verstanden, hatten wir kein Recht übel zu deuten. Bei der Rückkehr machten wir die traurige Entdeckung, dafs kleine Ameisen in unserm Magazinkistchen für Insecten während der vergangenen Nacht und des heutigen Tages weit mehr zerstört hatten, als wir mit vieler Anstrengung Neues dazu brachten. Gestern war noch alles in bester Ordnung, heut alles vernichtet. Schleunige Hülfe und Vorkehrungen für die Zukunft waren die augenblickliche Aufgabe. Der traurigen Erfahrung folgte auf dem Fusse die freudige Nachricht, dass der Herr General v. MINUTOLI mit seiner Frau Gemalin glücklich im Hafen angekommen sey.

Gleich am Morgen des Sten schifften wir in einer Barke hinaus an's Ende des Hafens, wo das Schiff noch vor Anker lag, und begrüssten die sehnlich erwarteten Gefährten. Um 10 Uhr erst kamen wir zurück, und mussten fast den ganzen Tag mit Vorkehrungen verlieren, welche eine Wiederholung des gestern erlittenen Schadens verhindern sollten. Sie bestanden im Säubern der Insecten und im Anstreichen und Ausstreichen aller Insectenkistchen mit Arsenik, und freiem Aufhängen derselben im Zimmer. Unsere von Rost angegriffene Waffen verlangten die Thätigkeit unsers Gehülfen. Ueberdiess hatten uns die Mücken in den vergangenen Nächten an Gesicht und Händen so übel zugerichtet, dass es nöthig war, auch gegen sie zu Felde zu ziehen. Durch die Güte der Madame CHAMPION erhielten wir ein paar Mückenschleier, und alle in dem Zimmer befindliche Individuen von Mücken wurden für unsere Sammlung in Beschlag genommen. Es fanden sich 2 Arten, deren eine, von Farbe grau, von unserer Singschnake oder gewöhnlichen Mücke (Culex pipiens ) nicht zu unterscheiden ist, deren andere aber, bei gleicher Grösse, sich durch niedlich schwarz und weiss geringelte Füsse auszeichnet (Culex Aegypti Hasselquist). Beide Formen bilden hier die den Reisenden so lästigen Moskiten und verdanken ihr Entstehen den Cisternen und den in allen Häusern befindlichen unentbehrlichen Wasserbehältern, deren Inhalt von ihren Larven ganz belebt ist. Im Laufe des Tages beehrte uns der Herr General - Consul Salt mit einem Besuche, und gegen Abend

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