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Von Würmern fand sich in stehendem Wasser eine Egelart, und von noch niederen Organismen sahen wir nur Cellularien und das den Naturforschern so räthselhafte Acetabulum häufig im Meer.

Fast an allen Tagen, wenn es irgend die Seekrankheit erlaubte, und zuerst in der Breite von Pola, habe ich microscopische Untersuchungen des Seewassers im hohen Meere angestellt, um zu wissen, ob es nicht an Infusorien oder mehr organisirten kleinen Thieren, welche das Leuchten des Meeres bedingen, besonders reich sey. Allein nur in der Nähe der Küste und bei glattem Meeresspiegel glückte es, dergleichen zu beobachten. Das hohe bewegte Meer war ein todtes Element, und nur todte Stoffe, als mehr oder weniger zarte Schleimkliimpchen, lielsen sich in ihm wahrnehmen, so oft ich auch das Wasser frisch untersuchte r); stehen gebliebenes Wasser aber zu untersuchen, schien mir auf dem Schiffe nicht der Mühe werth, da die rasche Entwicklung und Fortbildung jener einfachen Organismen in stagnirendem Wasser bekannt ist und man Beobachtungen dieser Art mit besserem Erfolg am Lande macht.

Character der Menschen in der Bocca di Cattaro. Das Volk in dieser so eben geschilderten Natur ist ein kräftiger Menschenschlag, und noch immer sehe ich 5 Bocchesen wie lebendige Rolandsfiguren in der Caffeteria von Castel nuovo in einem merkwürdigen ergreifenden Contraste vor einem hagern, schwarz gekleideten Advocaten in ihrer Sonntagstracht mit silbernen Waffen stehen. Nur erst bei Verlesung des Reglements zogen sie mit militärischer Kraft in gleichem Tempo die Hüte vom Kopfe. Ich dachte unwillkührlich an Wilhelm Tell's Genossen, und mit Mühe nur verhinderte der von demselben Gefühl ergriffene, aber vorsichtigere Freund, dafs ich mich an einer Skizze dieser Scene versuchte. Es war der Act einer Contract - Ausfertigung. Trotz des vielfachen Wechsels der Beherrscher hat das Landvolk einen kräftigen Nationalcharacter treu bewahrt. Die Waffen im Gürtel und das lange albanesische Feuerrohr, am Schaft mit Silber reich verziert, läfst sich der Landmann nicht nehmen, so gern das Gouvernement sie ihnen längst entzogen hätte, da Mord und Blutrache nicht selten unter ihnen sind. Die Garnison der Festungen vermischt sich nie mit diesen Leuten. Gegenseitiger Stolz und Mifstrauen bildet die Scheidewand, und jene hat viel Vorsicht nöthig. Wir hörten in der gröfstentheils aus Ungarn bestehenden Garnison von einem österreichischen Sibirien sprechen, und der Schweifs, welcher uns vom Körper rann, zeigte an, dafs der Vergleichungspunkt nicht in der Temperatur lag. — Bei Todesfällen der Eingebornen erscheinen die Weiber mit fliegendem Haar, zerkratztem Gesicht und Busen und schreien in taktmäfsigem Geheul. Manche schneiden sich das Haar ab, binden es mit dem des Verstorbenen zusammen und setzen den Haarbusch aufs Grab. Geistliche und Mönche sind in sehr schlechtem Credit, und mehrseitig hörten wir in verschiednen Ausdrücken den Grundsatz im Volke, dafs, wer das Frommseyn als Nahrungszweig betrachte, nicht selbst fromm seyn könne. Ein vor wenig Tagen durch einen Geistlichen dicht bei Gastel nuovo verübter grausamer Mord und Ehebruch schien an der Aufregung grofsen Antheil zu haben, und wenn eben so alle die uns erzählten Gräuelthaten, welche Geistliche der Gegend verübt haben sollten, wahr wären, so würde der Abscheu vor dem ganzen dasigen Clerus ein sehr gerechter seyn. Die Bocchesen zerfallen in Katholiken und schismatische Griechen, und dies Wechselverhältnifs, wobei die letztern die Oberhand haben, mag allerlei Reibungen veranlassen. Ihre Fasten sind streng und lang; auch die Katholiken nähern sich hierin den Griechen sehr. Selbst Eier, Käse und Fische wurden nicht gegessen. Auf unsern Streifwegen an entferntere Punkte rieth man uns, nur einen Eingebornen als Begleiter mitzunehmen, um völlig sicher zu seyn.

1) Mehreres über diesen Gegenstand ist an einem andern Orte zusammen zu stellen.

Illyrisch ist die herrschende Sprache, aber überall finden sich Personen, die zugleich italienisch sprechen oder sich wenigstens im Italienischen verständlich machen können.

Die Kleidung der Bocchesen besteht in weiten, bequemen Schuhen, bunten Strümpfen, kurzen, nur wenig gespaltenen Beinkleidern, einer rechts mit grofsen Knöpfen zugeknöpften und zuweilen auch mit breiten vergoldeten Blechen verzierten Weste, an der häufig noch ein in Silber gefafster gröfserer Glasknopf sitzt . Um die Mitte des Leibes ist ein Gürtel von rothem Zeug geschlagen, in dem ein grofses Messer mit silberner Scheide steckt, das noch durch eine silberne Kette befestigt ist, um nicht herausgezogen oder verloren zu werden. Daneben sieht man meist noch ein reich verziertes Pistol und ein kleineres Messer. Eine Jacke von Tuch, unsern Bauernjacken gleich, hängt auf der linken Schulter. Das schlichte Kopfhaar deckt ein runder Hut mit etwas breitem Bande. Ein langes albanesisches, reich verziertes Feuerrohr ruht in der Hand. Ein Tabaksbeutel am Gürtel und eine lange Pfeife mit türkischem Kopf und Bernsteinspitze vollenden den Character des Dalmatiers. Weniger auffallend kleiden sich die Frauen. Ein Ueberrock ohne Aermel, der nicht sonderlich putzt, erlaubt nicht das Errathen weiteren Details. Das Kopfhaar ist frei gewunden oder in ein Tuch geschlagen.

Einige Characterzüge dieser Menschen aus unsrer eignen Erfahjnng sind schon oben erwähnt.

Die Stadt Castel nuovo liegt an der Seite eines Hügels, auf dessen etwa 400' hohen Spitze die Festung befindlich ist. Der theilweis mit einer hohen Mauer umgebene, theilweis an schroffe Felsabfälle grenzende Ort besteht aus kleinen, unansehnlichen Häusern, die meist einzeln an den Felsen geklebt sind; einige wenige bilden steil aufsteigende felsige Gassen, und etwa 15 sind zu einer Art von Marktplatz vereinigt, auf welchem ein mit einer arabischen Inschrift versehener Brunnen ist, deren Zeichen Herr Dr. Scholz copirte. Nicht viel gröfser und nicht schöner ist Cattaro. Besonders die Gegend von Castel nuovo bietet dem Geschichtsforscher in Ruinen, Mauern und Inschriften noch allerlei geschichtliche Anhaltspunkte dar. Die Einwohnerzahl von Castel nuovo dürfte 1000 kaum erreichen und die von Cattaro es um nicht viel übersteigen.

Am 16ten und 17ten August hatte ein von uns noch nie so grofsartig gesehenes Wetterleuchten die Nächte erhellt . Wolken, welche auf den Bergen östlich gegen Cattaro hin auflagen, schienen sich abwechselnd zu spalten und strömten ein helles Licht aus. Trotz der grofsen Nähe dieser Berge hörte man keinen Donner. Die Einwohner nannten die Erscheinung lampa. Am ISten Abends war dies Schauspiel in seiner gröfsten Erhabenheit. Der ringsum mit Wetterwolken umgürtete, tief schwarze Himmel sandte Feuermassen bald hier bald dort in allen Richtungen aus seinen Spalten, deren Schein die Gegend lange andauernd erhellte. Rollender, im Verhältnifs zu den Blitzen schwacher Donner begleitete dieselben diefsmal. Nach einer halben Stunde fiel heftiger Regen, und mit ihm erschien ein überaus heftiger Sturm aus Süden, gerade vom Eingange des Hafens her, welcher unser Schiff an den Strand zu werfen drohte. Unsre Brigg und eine Nave waren die einzigen Schiffe in dem grofsen Hafen. Der letzteren zerrifs mitten in der Nacht der Sturm das Ankertau. Um nicht alsbald an den Strand zu gerathen, mufste sie unter Segel gehen, und nur mit grofser Anstrengung und vielem Glück entkam sie der Gefahr. Der Sturm warf sie dicht vor unserm Schiffe vorbei, und mit grofser Furcht erblickte unsre Mannschaft sie beim Blitzen in der schwarzen Nacht plötzlich in unsrer Nähe.

Unter solchen Betrachtungen, Untersuchungen und Erfahrungen war denn endlich und endlich der ersehnte Tag der Abreise aus der Bocca erschienen. Am 23sten August führte uns ein geringer Landwind, der in Windstille überging, bis vor den Hafen. Mit 3 Kanonenschüssen nahm der Capitain von seinem Vater Abschied, und für uns waren es Freudenzeichen der Erlösung. Gern ertrugen wir die, mit den höher werdenden Wellen sich bald wieder einfindende Seekrankheit. Sie war ja die Bedingung, um aus Fichten in Lorbeern und aus Lorbeern in Palmen überzugehen.

Die Ansicht der albanischen Küste ward uns durch Nebel entzogen. Am 25sten August segelten wir aus dem adriatischen Meere ins ionische, und im Angesicht der kleinen Insel Sesino oder Sasso veranstalteten die Matrosen nach altem Gebrauch eine Feierlichkeit, weil sie diese für den Scheidepunkt der Meere halten. Nachts passirten wir Fanno und Corfu, segelten immer westlicher ins hohe Meer, und entfernten uns von dem Lande, dessen Verschwinden uns in Ithaca und den Harpyen - Inseln r) einen ersehnten Anblick entzog.

Am 26sten sahen wir kein Land. Nur bei Sonnenaufgang und zweifelhaft erkannten wir im Osten am 27sten Cefalonia, am 28sten und 29sten Morea, am 30sten die Gebirge von Candia. An den zwei folgenden Tagen näherten wir uns, um Landwind zu erhalten, der letztern grofsen Insel, dem alten Creta, und erkannten deutlich das schneetragende Ida - Gebirge, welches einst die Wiege des Kroniden war 2) 3).

1) Beide geschichtlich interessante Punkte hatte ich auf der Rückreise zu sehen Gelegenheit. Ithaca heilst jetzt Thiaki, und die Strophaden heifsen Strivali.

2) Cefalonia und Sicilien, behauptete unsre Schiffsmannschaft, in der Mitte zwischen beiden bei heiterm Wetter gleichzeitig unterschieden zu haben.

3) Am 29sten August Nachmittags 1 Uhr 40 Minuten wurden wir alle auf eine Erschütterung des Schiffs aufmerksam, und um so mehr, als wir zufällig alle auf dem Verdecke waren. Sie dauerte einige Secunden und war kräftig genug, um von uns Allen einstimmig für eine vulkanische Wirkung erkannt zu werden. Wir befanden uns, nach der Schiffsrechnung, eben im 36° 12' nördlicher Breite zwischen Sicilien und Morea, vom letztern etwa 50 Seemeilen entfernt. Das Thermometer zeigte im Schatten des Verdecks 22£° Keaum. Am Tage vorher hatten wir fast um dieselbe Zeit 25£° Reaum. (in der Sonne 29° R.) Wärme gehabt. Seit dem Morgen war der Wind veränderlich. Früh war Westwind (Ponente), der gegen Mittag in Nordwind (Tramontana') überging. Gegen Abend erschien Maesiral-Wind (Nordwest.) Während der Erschütterung war Nordwind, der keine Veränderung erlitt. Die Luft war etwas dicht, der Horizont etwas trübe, und der klare Himmel war nur am Ost-Nordost-Horizonte mit 2 Wölkchen besetzt. Die Richtung des Stofses war, nach meinem Gefühl, von unten nach oben, nach Dr. He Alpine II von Osten (Morea) her. Den ganzen Tag über war, im Vergleich mit dem nächstvergangenen, eine merkliche Kühle. — Von der Nähe eines Wallfisches war nichts zu entdecken.

Obwohl wir im ionischen Meere bei der Tageshelle nirgends Land erkennen konnten, so erschienen doch auf unserm Schiffe mehrere Vögel. Am 26sten fand sich eine sehr ermü

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