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dem Kranken blieb. Herr Consul Dumreicher hielt für uns um Benutzung einer leeren Halle im Hofraume des Franciskaner-Klosters an, allein er wurde abgewiesen, wie denn diese Gottesmänner, um nicht incommodirt zu werden, sich oft geweigert haben, aus ihren das beste Trinkwasser liefernden Cisternen den danach schmachtenden wenigen Kranken des benachbarten Hospitals dessen mitzutheilen. Durch gütige Verwendung des sehr zuvorkommenden Herrn Dr. Morpurgo erhielten wir vom österreichischen GeneralConsul, Herrn Cavacco, dem Vorsteher des Hospitals, gegen Abend die Einladung zur Benutzung der leeren Zimmer des neu erbauten Hospitals, wo wir für uns, unseren Kranken, unsere Effecten und Beschäftigung hinlänglichen Raum und grofse Bequemlichkeit hatten. Das Local war freilich das eigentliche Pestlazareth, allein da seit fünf Monaten keine Kranken dieser Art darin gewesen waren, und da alles sehr reinlich gehalten war, so trugen wir kein Bedenken, uns dort lieber einzuquartieren, als uns noch länger unter einem undichten Zelte der feuchten Winterwitterung preis zu geben, und um so weniger, je mehr das Unheil des erfahrenen Herrn Dr. Morpurgo über die Ansteckungsfähigkeit des Ortes uns ganz beruhigte. Auch befürchtet man in Alexandrien während der Wintermonate nie Anfälle der Pest, die sich nur erst nach dem Winterregen im Frühling einzufinden pflegt. Man kannte wohl Ausnahmen, allein unsere Wahl bestimmte sich natürlich nach der Regel. Noch heut zogen wir in das neue Local, und vergafsen mit dem ersten sorglosen Schlummer die überstandenen Mühen der 2£ monatlichen Wüstenreise.

In den folgenden Tagen, wo der Zustand unseres kranken Gehülfen sich, obwohl ein schleichendes Nervenfieber ausgebildet war, etwas besserte, ordneten wir unsere Effecten, und gingen abwechselnd in die Stadt, um Herrn Liman Zu sehen, und uns in den Consulaten nach angekommenen Schiffen und Briefen zu erkundigen. Leider veränderte sich bei den verbesserten Verhältnissen, trotz aller Sorgfalt des Herrn Dr. Morpurgo, der an unserer Stelle seine Behandlung fortsetzte, der Zustand des Herrn Prof. LiSi An so wenig zum Guten, dafs wir seiner Auflösung entgegensahen. Die Krankheit nahm immer deutlicher den Character eines bösartigen Nervenfiebers an und mit jedem Morgenbesuche im Hospital, den uns die Freundschaft des Herrn Dr. Morpurgo nach der Krankenvisite machte, verdrängte auch sein Kopfschütteln immer mehr die gern genährte Hoffnung von LimAn's Genesung. Unsere eigenen Besuche gaben uns kein tröstlicheres Resultat.

Am 13ten Morgens hatte er ihn sehr früh besucht, und kam wie gewöhnlich mit Sonnenaufgang zu uns, blofs aber, um sich mit uns wegen Anwendung der kräftigsten medicinischen äufsern Reizmittel zu berathen, und eilte wieder zu dem Kranken. Wir waren eben im Begriff, ihm in die Stadt nachzufolgen, als schon ein Bote von Herrn Buccianti, wie es hiefs, auf Herrn Liman's Verlangen gesendet, uns Beide in die Stadt rief. Wir fanden unsern Gefährten mit erschwerter Respiration, hippocratischem Gesicht, sehr schwachem und schnellem kaum zu unterscheidenden Pulsschlage, Sehnenhüpfen und geringer Sprachfähigkeit, kurz mit den Anzeigen seines baldigen Verscheidens, welche unter der von Dr. Morpurgo umsichtig angeordneten, zuletzt von mir selbst besorgten medicinischen Thätigkeit sich unaufhaltsam verstärkten. Er starb gegen 10 Uhr Morgens in meinem Beisein, nachdem er vorher, einen Bleistift verlangend, es unmöglich gefunden, noch einige Worte niederzuschreiben.

Nach morgenländischer Sitte ward von Seiten des Consulats, welches durch Aufziehen der gesenkten preufsischen Flagge den Verstorbenen ehrte, schon auf den Nachmittag um 4 Uhr seine Beerdigung vorbereitet. Da die Franciscaner-Mönche durch unrechtgläubige Verstorbene ihr Heiligthum nicht verpesten wollten, übergaben wir ihn den griechischen Mönchen, welche denselben mit den gebräuchlichen Ceremonien ihrer Kirche aufnahmen. Der Consul, Herr Buccianti, schritt mit den Janitscharen des Consulats voran, und an Herrn Scholz und uns schlossen sich mehrere angesehene Männer Alexandriens, um dem Sarge zu folgen. Kein Muhamedaner störte die Ceremonie. Ein englischer Missionär zur Bekehrung der Juden im Morgenlande, ein Schweizer, hielt eine erbärmliche Grabrede, und da wir diefs im Voraus fürchteten, so hatten wir ihn ersucht, die Rede in deutscher Sprache zu halten, weil der Verstorbene und wir Deutsche wären. Seine Willfährigkeit hatte das Gute, dafs aufser Herrn Dumreicher, Dr. Morpurgo und uns kein Anderer der Anwesenden an seinen beschränkten Ansichten der christlichen Religion einen Anstois nehmen konnte.

VIII.

Aufenthalt im Pestspitale als Zufluchtsort in Alexandrien. Abreise nach Masr el Cahira. Erster Eindruck des Nils.

J^lach dem Tode unsers Gefahrten, des Herrn Professors LimAn, waren wir vom 14ten bis 20sten December ruhig in dem geräumigen und deshalb für unser Gepäck und die Beschäftigung mit demselben sehr bequemen Pesthospitale, und wurden nur durch eingetretene Verschlimmerung des Zustandes unsers Gehülfen, des Herrn Soellner, geängstigt, dessen nächtliche Unruhe und Besorgung uns Beide ebenfalls schlaflos machte und sehr anstrengte. Herr Dr. Scholz reiste in diesen Tagen nach Masr el Cahira ab, um mit dem Herrn General weiter Rücksprache zu nehmen, jedoch hatte dieser vor Ankunft des Hrn. Scholz seine Reise nach Oberägypten bereits angetreten. Neben dem Absenden von Briefen und allgemeinen Berichten in mehreren Duplicaten, hatten wir unsere Naturalien-Sammlung zu ordnen, zu bestimmen und zu verpacken, und dann den wissenschaftlichen Bericht über die gemachte Reise an die Akademie der Wissenschaften aufzusetzen. In der festen Meinung, unsere vor Abreise nach der Cyrenaica in Alexandrien deponirten, damals überflüssigen Fonds in der Nähe zu haben, verausgabten wir sorglos das wenige von der Reise zurückgebrachte Geld und meldeten uns erst, als es zu Ende ging, zum Empfang jener deponirten Summe. Wie grofs aber war unser Schreck, als wir erfuhren, der Herr General habe nicht nur die von uns deponirte Summe nach Masr el Cahira bezogen, sondern in den Consulaten sogar auf alle noch etwa für uns ankommenden Gelder Beschlag gelegt und ihre Zusendung ebenfalls verlangt. Späterhin erfuhren wir, dafs der Herr General, in der Meinung, dafs wir gleich Ihm aus der Cyrenaica nicht wieder nach Alexandrien, sondern unmittelbar nach Cahira zurückkehren würden, und aus Vorsorge, dafs unsre Gelder wegen der in Alexandrien häufigem Pest dort mehr gefährdet wären, diese Mafsregel zu unserm Besten ergriffen habe. In dieser unerwarteten grofsen und dringenden Geldverlegenheit erkannten wir die wahre theilnehmende Freundschaft jenes jüdischen Arztes, des Herrn Dr. Morpurgo, welcher uns, während ein europäischer Kaufmann uns mit unerhörten Zinsen etwas baares Geld überlassen wollte, 500 spanische Piaster auf seinen Credit und 100 davon sogleich aus seinen eigenen Mitteln, beides ohne Procente, überliefs. Dieser vertrauensvolle und zarte Freundschaftsdienst war um so wichtiger und edler, je zurückhaltender wir selbst waren, und je dringender des Kranken halber unsere Bedürfnisse wurden. Durch einen vor seiner Abreise nach Said geschriebenen Brief des Hrn. v. MiNuToLi aus Cahira erfuhren wir, dafs er die Güte gehabt hatte, durch Anregung des türkischen Gouvernements auch für uns von Hadj Endaui vom Transportgelde eine nicht unbedeutende Summe zurückzuhalten, die wirklich in Abzug kam. Wir erfuhren daraus gleichzeitig, dafs, bald nach der Trennung des Hrn. v. MiNutoli von uns in der Wüste, der Italiener, Hr. Gruoc, erkrankt und wenig Tage nach der Rückkehr in Cahira verstorben sey.

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Am 20sten December verbreitete sich in Alexandrien das Gerücht, dafs sich Pestanfälle gezeigt hätten. Dr. Morpurgo hatte sogleich am Morgen die bezeichneten Orte aufgesucht, aber an keinem derselben einen Kranken gefunden. Dessen ungeachtet erschienen am Nachmittag wirklich zwei von ihm in der Stadt aufgefundene pestkranke Europäer, die er sogleich in das Hospital gewiesen hatte. Diese Pestkranken bekamen ihr Lager in dem an den unsern

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