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sprechen gehört hätten, und dafs vor Kurzem die Rede gewesen, dafs wir bei einem Ueberfall Alle um's Leben gekommen.

Um nicht wieder in Wassermangel zu gerathen, mufsten wir am folgenden Tage weiter eilen. Wir hatten nun durch die Beduinen über die Richtigkeit des eingeschlagenen Weges nach Alexandrien Gewifsheit erhalten und zogen über Thäler und Hügel ohne besondere Auszeichnung mit dem Character der Gegend bei Ha- mam. Wir passirten einen zur Linken gelegenen isolirten Berg mit arabischen Grabmälern um 2 Uhr Nachmittags, und lagerten uns mit Sonnenuntergang in einer steinigen Ebene, in der wir bereits fünf Stunden lang nördlich fortgezogen waren. Der Ort hiefs Kaschm el Heise (Kasr el Heyet Drovetti). Kleine Gaben von Ipecacuanha, welche wir unseren Kranken seit vorgestern und gestern reichten, war die einzige Medicin, die wir unter den so Übeln Umständen uns anzuwenden getrauten; allein ihr Zustand verschlimmerte sich immer fort, das heifst, ihre Lebenskraft nahm ab in dem Maafse, als das ununterbrochene Fieber an Intensität zunahm. Da wir nur eine Tagereise bis zum Taubenbrunnen (Bir Hamam) haben sollten, so machten wir, obwohl selbst sehr zweifelnd, Hoffnung, dafs eine längere Ruhe ihnen bald die Gesundheit wiedergeben werde.

Da wir seit unserer Abreise von Siwa kein Fleisch gegessen hatten, so versuchten die Gesunden heut ein Gericht gekochte Wüstenschnecken, die uns zu Millionen umgaben und nicht übel schmeckten; doch war unsere Lage zu wenig geeignet, Experimente an unserer Gesundheit zu machen, als dafs wir uns an diesem Gericht der Beduinen und des syrischen Dolmetschers hätten satt essen mögen. Für die Kranken ward eine leichte Mehlsuppe bereitet.

Am 6ten marschirten wir in gleicher fast genau nördlicher, nur ein wenig nordöstlicher Richtung weiter in der Ebene fort, und gelangten nach 2£ Stunden in ein in dieser Richtung befindliches flaches Thal, in welchem wir zwei Beduinen und frisch mit Gerste besäete Getreidefelder antrafen, und von dessen Höhe wir das er sehnte Meer bei Abusir sehen konnten. Zur Linken lagen uns Beduinengräber. Von dem Thale stiegen wir noch tiefer hinab in ein anderes sehr breites, von Osten nach Westen laufendes Thal, welches die Fortsetzung des Thales der Natronsee'n seyn soll, und an dessen uns gegenüber befindlichen Rande die Brunnen Hamam liegen. Wir bedurften in langsamen Kameelschritt mehr als eine Stunde, um den andern Rand des Thales in etwas schiefer Richtung zu erreichen, und trafen in der Mitte desselben eine grofse Schaf- und Ziegenheerde. Da etwas Fleisch für uns Alle grofses Bedürfnifs war, so liefsen wir alsbald durch die Beduinen um ein Schaf unterhandeln, allein der Hirt wollte keins verkaufen, obschon er deren über 1000 Stück vor uns hertreiben mochte. Da wir glaubten, dafs der Nomade blofs aus Besorgnifs, kein Geld zu erhalten, sich weigere, uns ein Schaf abzulassen, so warfen wir ihm einen spanischen Thaler zu. Dessen ungeachtet bestand er auf seiner Weigerung; allein die Beduinen nahmen ein Schaf zum Abendessen in Beschlag, liefsen den Thaler liegen, und hörten nicht weiter auf seine Einwendungen.

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Zwei Stunden vor Sonnenuntergang (gegen 5 Uhr Nachmittags) erreichten wir die langersehnten Brunnen, die unseren Kranken neues Leben und uns Erholung bringen sollten. Um nicht von den täglich hier zu tränkenden Viehheerden der nahen Araberhorden belästigt zu werden, schlugen wir unser Zelt eine Viertelstunde westlich von dem Brunnen auf der Anhöhe auf, und schickten sogleich die Araber ab, um die Schläuche mit frischem Wasser zu füllen. Den Kranken ward ein nach den Umständen bequemes Lager bereitet, und dann überliefsen wir sie der zu hoffenden Einwirkung der ungestörten Lebenskraft. Leider war ihre Körperschwäche sehr grofs, und die ihnen bis dahin gegebene Medicin fruchtlos gewesen; desto erfreulicher aber war es, als wir am folgenden Tage

den 7ten December bei Beiden die Symptome der Krankheit sehr gemäfsigt fanden. In der Hoffnung, dafs ein Aufenthalt von einigen Tagen am Brunnen bewirken werde, den Gefahrten die Weiterreise bis Alexandrien weniger angreifend zu machen, hielten wir für zweckmäfsig, einen Boten abzusenden, um uns in Alexandrien ein Lokal zum Unterkommen in einem Hause vorzubereiten. Hr. Boldrini übernahm es selbst, mit einem Araber nach Alexandrien heut vorauszureiten und alle Einrichtung zur besten Aufnahme der Kranken zu treffen.

Leider verfolgte uns das Unglück. In der Nacht vom 7ten zum 8ten trat Regen ein, und mit ihm verschlimmerte sich der Zustand unserer Kranken wieder bedeutend. Da auch Herr Dr. Scholz wegen Unpäfslichkeit sich der Nachtwache mit anzunehmen Bedenken trug, die sowohl wegen der Nähe des von Beduinen sehr besuchten Brunnens, als hauptsächlich wegen der Bedürfnisse der Kranken unumgänglich nöthig und mehr als gewöhnlich anstrengend war, so lag die ganze Last der Nachtwache und Krankenpflege auf mir, dem Dr. Hemprich und dem syrischen Dolmetscher. Die Araber waren weder willig noch brauchbar, uns zu helfen, und waren mit ihren eigenen Kranken beschäftigt . Um aber unsere unglückliche Lage aufs höchste zu steigern, vermehrte sich am Morgen der Regen so stark, dafs er das ganze innere Zelt und das Lager der Kranken unter Wasser setzte, und der Sturm drohte, jenes ganz umzuwerfen, da die Pflöcke in dem oben zu lockern, in geringer Tiefe aber felsigen Boden nicht mehr fest halten wollten. Es blieb zuletzt nichts übrig, als dafs wir Gesunde uns dem Regen Preis geben, und, die Stelle der Zeltpflöcke vertretend, mit unseren Händen die Hauptleinen des Zeltes aufserhalb erfassen mufsten, damit nicht durch Umwerfen desselben die ganze Bedeckung der Kranken und alle unsere Effecten durchnäfst würden. Einige Araber, wovon die Mehrzahl sich unter ihr Gepäck verkrochen hatte, standen uns in so fern bei, als sie mit unseren Hacken und Spaten einen Graben um das Zelt her machten, in welchem die gröfste Wassermenge Abzug haben sollte, was etwas, aber nur wenig half.

Nicht ohne Schauder denke ich an diesen Tag in der Wüste, den bedürfnifsvollen und hülfeleeren. Man denke sich sechs Menschen mit einer Menge Effecten in ein enges Zelt zusammengedrängt, selbst nafs auf nassem Lager; man denke sich zwei von ihnen so krank, dafs, weil die an Diarrhöe Leidenden nicht mehr bis aufserhalb des Zeltes gebracht werden konnten, man genöthigt war, im Zelte selbst sie ihre Bedürfnisse verrichten zu lassen, zu dessen Besorgung ihre eigenen Kräfte nicht mehr hinreichten. Man denke sich die vier Gesunden selbst stark angegriffen, und einen davon schon in der Nothwendigkeit, aus Vorsicht zur Selbsterhaltung sich der Nachtwache zu entziehen. Man denke sich diese Gesellschaft mitten in der libyschen Wüste in jedem unaufmerksamen Augenblicke einem räuberischen Ueberfalle entgegensehend, so hat man ein schwaches Bild unserer Lage, dem aber noch die Hauptsache, die Wirklichkeit, fehlt.

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An Feuer und warmes Essen war nicht zu denken. Schiffszwieback und Zwiebeln, und für die Kranken zum Glück gestern reichlich bereitetes Reiswasser war alles, was die Tafel bot.

Als zu Mittag der Regen ein wenig schwächer ward, war unser Entschlufs gefafst, Alexandrien rasch zuzueilen. Wir forderten die Araber auf, sogleich die auf der Weide zerstreuten Kameele zusammenzutreiben und unsere Effecten aufzuladen, damit wir heut noch und in der nächsten Nacht so weit vorwärts rückten, dafs wir morgen Alexandrien erreichen könnten. Die Araber weigerten sich, in diesem Wetter zu marschiren, und als wir ihnen drohten, dafs sie durch Hartnäckigkeit uns aufs Aeufserste bringen würden, wurden sie nachgebend, und riethen blofs davon ab, weil die Kameele auf dem durch den Regen schlüpfrigen Boden ausgleiten, und unsere Kranken leicht Schaden nehmen könnten. Ueberzeugt, dafs nur ein rascher Wechsel der Verhältnisse und gröfsere Pflege unseren Gefährten das Leben retten könne, und dafs selbst ein mehrtägiger Aufenthalt in der hülflosesten Lage die Umstände nicht ändern werde, drangen wir auf schleunige Abreise.

Gegen Sonnenuntergang zogen wir am wohlbekannten Abusir vorüber. Das sonst hier trockne Bett des Mareotis, welches wir zu durchwandern hatten, war durch den 12stündigen, allmälig sich verlierenden Regen hier und da mit Wasser-Ansammlungen gefüllt und morastig. Die Kameele wurden deshalb einzeln jedes zwischen zwei aufmerksamen Personen langsam hinübergeleitet, und obwohl mehrere ausgleiteten, so hinderte unsere Vorsicht doch den Fall. Man konnte es wohl ein Wunder nennen, dafs alles glücklich durch den Morast kam. Nach 9 Stunden lang fortgesetztem Marsche, bis 10 Uhr Nachts, lagerten wir uns, aus grofsem Bedürfnifs der Kranken, im Sande bei Bir Krer, von wo wir am anderen Tage Alexandrien erreichen konnten.

Hier noch hatten wir einen harten Streit mit den Arabern, die nicht genug Wasser von Hamam mitgenommen hatten, und uns mitten unter den nur wenig entfernten Quellen dursten liefsen.

Am 9ten Morgens ward weiter gezogen, und Nachmittags 4 Uhr erreichten wir Alexandrien, wo Herr Boldrini zwar nicht für uns Alle, aber für Herrn Liman ein Unterkommen eingerichtet hatte. Der preufsische Consul, Herr Buccianti, hatte sich erboten, ihn in sein Haus aufzunehmen. Wir Andern fanden kein Unterkommen, und schlugen mitten in der Vorstadt unweit des katholischen Klosters unser Zelt auf. Auf einer Trage ward Herr Liman von Arabern in die Stadt gebracht, hatte aber das Unglück, durch Ungeschick derselben beim Aufheben herabzufallen. Wir liefsen Herrn Doctor Morpurgo bitten, sich des Kranken in der Stadt anzunehmen, was er eifrig gethan hat. Sehr erschöpft, ruhten wir aus, und beschäftigten uns mit unserm zweiten Kranken, Herrn Soellner, den wir mit uns im Zelte behalten mufsten. Herr Schoii befand sich wieder wohl. Herr Boldrini hatte für ein kräftiges Abendessen gesorgt, das aber erst zu Mitternacht eintraf.

In dieser folgenden Nacht wurden wir sammt unserm kranken Gehülfen wieder mit einer Regenfluth in unserm durch die Reise sehr beschädigten Zelte heimgesucht, und am Morgen ging deshalb Dr. Hemprich sogleich aus, um durch Herrn Buccianti's Vermittelung uns ein festeres Obdach aufzusuchen, während ich bei

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