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Wir passirten von Bir Haie erst zwei zur Rechten gelegene conische isolirte Berge, dann hatten wir zur Linken in der Nähe des Bergabfalls, den hier Herr v. Minutoli Abour-Tarlou, Herr DroVetti wohl richtiger Abou Tartour r) nennt, eine grofse Menge Dattelpalmen, die uns lange hegleiteten, Nachl el Gasalat (Gazellenwäldchen) genannt. Nach achtstündigem Marsch erreichten wir den Quell Abu Mardsuk oder Bumardsuk 2), welcher schlechtes, nur für Thiere trinkbares Wasser enthält. Wir hielten uns hier nicht auf, weil die Araber versicherten, dafs wir gutes Wasser in Bir Lebuk antreffen würden.

Während des Marsches bemerkten wir heut eine noch nie so schön und vollkommen gesehene Luftspiegelung, nämlich eine wahre Verdoppelung der Gegenstände, deren jeder immer einmal aufrecht und einmal verkehrt stand.

Die Natur des Thales unserer Wanderung war noch ganz so, wie von Siwa her.

Unserer Kranken wegen beschlossen wir, nicht nach Cahira zu gehen, sondern uns nach dem um zwei Tagereisen nähern Alexandrien zu wenden, und obwohl die Beduinen anfangs Schwierigkeiten machten, so wurden sie doch, weil auch von ihnen einer krank geworden war, dazu bewogen. In Bir lebuck, wo es gutes Trinkwasser ohne Salzgehalt geben sollte, hofften wir, den Kranken einige ihnen so nöthige Ruhe geben zu können.

Am 2ten December war sowohl Herrn Lim Ans als Herrn S o Ell Ner's Zustand sehr verschlimmert. Beide hatten ein heftiges continuirtes Fieber sammtden gewöhnlich damit verbundenen Symptomen. Von heftigem Durst gequält, verlangten sie beständig nach Wasser, und unser etwas salzhaltiges, durch Verdunsten in den Schläuchen noch immer salziger werdendes Wasser vermehrte bei Herrn LimAn nothwendig die Reizung und Diarrhöe, und ob wir gleich das Was1) Abu tartur: Tartarenberg, Tartarenmütze sind wohl die zwei conischen Berge. ser mit Reis oder Gerste abkochten, indem wir dem Pferde sein karges Futter raubten, so vermehrte doch das Kochen durch Verdunsten des Flüssigen den Salzgehalt um so viel, um wie viel der Schleim des Reises seine Wirkung mildern konnte. Rasches Forteilen zum süfsen Wasser schien erste Bedingung zur Rettung unsrer Kranken. Wir setzten sie demnach auf Kameele und befestigten sie in einer sitzenden, ihnen nicht beschwerlichen Lage, und so zogen wir weiter.

2) Herr v. Minutoli: Marsouk; Herr Scholz: Bomarsu; Herr Drovetti: Abou Marzoug.

Wir passirten den Theil der nördlichen Bergwand, welcher Gebet Dakar heifst, und nach 12stündigem Marsch durch eine den vorigen ganz ähnliche Gegend, wo es nur in der Nähe des Bergabfalls mehr isolirte kegelförmige Berge gab, lagerten wir uns an einem Orte, den die Beduinen Mungar ed dakar x) (DakarStrafse J»<-xJf <-aXo) nannten. Zwei Stunden zuvor fiel das Land östlich sehr bedeutend ab. Nördlich sahen wir auf der Hälfte des Weges einen isolirten Berg auf dem hohen Wüstenplateau, der etwa zwei Meilen entfernt seyn mochte.

Am folgenden Tage (3ten December) eilten wir, Bir Lebuk zu

r erreichen, was aber erst Nachmittags 4 Uhr gelang. Da unsere Kranken nicht mehr in sitzender Stellung fortgebracht werden konnten, so wurden dann aus unsern überzähligen Zeltstangen und Bindfaden, die wir hatten, zwei Tragen zusammengebunden, und diese mit Stricken und Tüchern am Kameelsattel befestigt. Die stauchende Bewegung des Kameelganges machte an diesen Vorkehrungen beständig Abänderungen und Zurechtrücken nöthig, und jeder Kranke bedurfte deshalb abwechselnd einen von uns zum Begleiter.

So sehnsuchtsvoll wir sammt unseren kranken Freunden der rettenden Hülfe von Bir lebuk 2) entgegengesehen hatten, um so niederschlagender war das Resultat unsrer Erfahrung. Das Wasser von Bir lebuk war das bittersalzigste der ganzen Reise, und selbst die Thiere verschmähten davon zu trinken. Von dem Wasser von Bir Haie war nur noch eine geringe Quantität übrig, und der Durst der Kranken consumirte viel mehr, als gewöhnlich. Es war hier keine Zeit zu verlieren, und nur die dringenden Bitten und Beschwörungen der von dem beschwerlichen Transport sehr angegriffenen Kranken liefsen dem Mitleidsgefühl einen Sieg über den Verstand davontragen. Wir willigten ein, sie die Nacht hier ausruhen zu lassen. Die Gesunden legten sich durstig schlafen, um den Kranken das Wasser zu sparen; die Kühle der Nacht und die Ruhe minderten unsern Durst. Auch Pferd und Esel erhielten keinen Trunk.

1) Herr V. MlnUtOlI nennt ihn Mongar-el-Dokar; Herr ScHOlZ Mingardekkar. Bei Herrn Drovetti fehlt er.

2) Herr v. Minutoli nennt den Ort Berg Lubba; Herr Scholz nennt diesen Ort Libbuk und Libbek; Herr Drovetti nennt ihn Lebbak, also gewifs arabisch

Mit Tagesanbruch versuchten die Araber noch in der Nähe nach Wasser zu graben, allein es fand sich nur Salzwasser x). Nachdem den Wünschen der Kranken die Lagerstätten möglichst angepafst waren, ward weiter gezogen, und damit weiter kein unser Aller Leben gefährdender Aufenthalt geschehe, so beschlossen wir, uns nicht eher wieder zu lagern, als bis wir zu Wasser gekommen seyn würden.

Die Terrainbildung der Gegend war wie bisher. Zur Linken der Abfall des hohen Plateaus der libyschen Wüste, um uns eine sandige Ebene mit einem Salzmoor in Südost, der geackertem Felde glich, aber aufser Hedysarum. 4lhagi und Dactylis repens keine Pflanze trug. Südlich eine unbegrenzte Aussicht in das breite, aber unfruchtbare Oasenthal. Zwei Stunden westlich vor Bir lebuk bildete die Strafse plötzlich einen starken Abfall, und ein wenig mehr östlich zog sich der hohe Bergabfall, welcher uns bis dahin von Siwa aus begleitet hatte, nördlich und verlor sich aus unserem Gesicht . An seiner Stelle waren bei-Ar lebuk selbst weit kleinere Hügel.

1) Laut pag. 188 in Minut. Reise fanden die Araber des Herrn Generals hier, in der Entfernung einer Stunde, Trinkwasser. So verschmachten vielleicht oft Caravanen in der Nähe des Wassers, blofs weil sie die Oertlichkeit nicht kennen.

Unsere bisherige östliche Richtung verlassend, brachen wir am 4ten December gegen 10 Uhr von Bir Lebuk in der Richtung nach Alexandrien auf. Unsere Beduinen kannten leider den'Weg nicht, und konnten also auch uns keine Auskunft über Brunnen geben. Aus der Berechnung unsrer Märsche ging indefs hervor, dafs wir von hier bei nördlicher Richtung unseres Weges nach höchstens 3 Tagen nicht weit von Alexandrien ans Meer kommen müfsten, und da dort die Beduinen die Brunnen genau kannten, so ward der Weg nach Compafs und Himmelsgegend regulirt, um dorthin zu gelangen.

Die Gegend des TVadi Lebuk fing beim Fortrücken unserer Caravane gen Norden bald an, den salinischen Character der Oase zu verlieren, erhob sich allmälig etwas, und wurde mehr sandig und steinig, je nachdem wir in Tiefen oder auf Erhöhungen hinzogen. Den hohen Wüstenabfall, welchem entlang wir von Siwa her gezogen waren, sahen wir in der Ferne zur Linken westlich, und gegen Mittag erstiegen wir mehrere Hügel, zwischen und auf denen viele versteinerte Palmen- und Dicotyledonen-Stämme zerstreut lagen, deren einige wir gern, so schön wie sie waren, in die vaterländischen Museen gebracht hätten, die aber sich weder durch Wunsch noch durch Kameele fortbewegten. Ich sah Stämme von 4 bis 5 Fufs Länge, welche zuweilen an noch andere in der Nähe befindliche Stücke pafsten, und mit diesen Baumstämme von bedeutender Länge darstellten. Aestige Dicotyledonen-Stämme mit deutlicher Rinden-Substanz waren überraschend schön erhalten, aber nie zeigten die Palmenstämme eine Spur von der schuppigen Rinden - Substanz. Mehrere der gröfseren Palmenstämme hatten die Araber als Wegzeichen aufgerichtet. Allmälig höher steigend kamen wir nun in eine hüglige Gegend, die ganz den Character der Küste bei Hamam und Abusir zeigte, und mit ihr erschienen auch die lange vermifsten dort angetroffenen Pflanzen wieder. Nachmittags sahen wir vor uns zwei isolirte Berge, genannt Schellern es Schimet, gerade in der Richtung des Weges, der sich dann mehr links wendete.

Wir hatten uns während des Marsches des Trunkes enthalten, und beschlossen, die ganze Nacht hindurch fortzueilen, um die Kranken sobald als möglich an einen Ort zu bringen, wo sie einige Ruhe und weniger schädliche Einwirkung haben könnten. Vier Stunden nach Sonnenuntergang wurden unsere Araber in der dunkeln Nacht auf Geräusch aufmerksam, und erkannten Männer in der Nähe. Es war nothwendig, immer auf den schlimmsten Fall gefafst zu seyn, und so wurden diese anfangs wieder für Räuber gehalten. Unsere kranken, auf die Kameele befestigten Gefährten forschten ängstlich nach dem Vorfall, und wurden mit: es ist nichts beruhigt, während wir uns schlagfertig machten. Die Araber suchten unsre Umgebungen auszukundschaften, und kamen bald mit der halbfreudigen Nachricht wieder, dafs hier in der Nähe hinter einem Hügel eine vielleicht friedliche Tribus gelagert sey, deren Feuer sie sähen. Die Männer hatten sich zurückgezogen, aber wir waren in der Richtung ihres Lagers und erreichten es nach etwa zwei Stunden. Die Art unserer Aufnahme schien unsern Arabern anfangs nicht günstig, weil das Oberhaupt, obwohl Hunde unsere Ankunft verriethen, nicht alsbald entgegen kam; doch geschah diefs nach einiger Zeit. Unsere erste Frage an die Nomaden war: wo und wie weit von hier Wasser sey. Sie nannten es noch weit, indem sie das ihre zehn Stunden weit hergeholt hatten, aber versprachen, uns einen Schlauch guten Wassers von dem ihrigen mitzutheilen, und brachten ihn alsbald, wofür wir ein Geschenk gaben. Da hiermit unserem ersten Bedürfnisse abgeholfen war, so lagerten wir uns auf einer kleinen Anhöhe in der Nähe dieses Lagers, um unseren Kranken etwas Ruhe zu gönnen, und ihnen eine leichte Reissuppe zu bereiten. Ein Schaf war nicht zu erhalten.

Der Ort hiefs Ker el-kade x), die Araber-Tribus nannte sich Schirere 2). Die Beduinen erzählten, dafs sie von uns schon viel

1) Herr Scholz nennt den Ort, pag. 18., Wadigar el madi, wahrscheinlich ist er zu schreiben Karet el kade.

2) Herr Scholz schreibt Dschireire, und hat noch den Namen Schaibije einer andern Tribus hier in der Nähe aufgezeichnet, pag. 18.

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