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Ich entfernte mich heimlich von der Caravane, und bestieg seine von der nahen Stadt abgewendete Seite, ohne jedoch aufser den halb oder ganz verfallenen Eingängen der zierlosen Katakomben etwas Merkwürdiges zu entdecken. Seine Form war ganz dem ähnlich, welchen Herr v. Minutoli hat abzeichnen lassen.

Von Bir Bakar machte ich, während Dr. Hemprich sich in der Nähe des Lagerplatzes mit Aufsicht über das Gepäck und Sammeln von Naturalien beschäftigte, um nicht gehindert zu werden, ganz allein eine Excursion auf den nordwestlichen schroffen Bergabfall, welchen ich zuvor vom Lagerplatz aus abzeichnete und dessen grelles Colorit ich sogleich mit Farben festhielt. Von diesem Punkte schlug ich die im Königl. Museum deponirten Gebirgsproben. In einer Stunde erreichte ich den Bergabfall, und in einer halben Stunde hatte ich mit sehr steilem Auf klettern seine obere Fläche erstiegen I), von welcher aus ich westlich und nördlich ein hügliges Land, jenem ganz ähnlich bemerkte, von dem wir vor unserem Eintritt in die Oase von Siwa am 18ten herabgestiegen waren. In südlicher Richtung wurde mir die Aussicht auf Siwa durch mehrere Berggruppen verdeckt. Südöstlich sah ich über unseren Lagerplatz Bir Bakar hin in das weite öde Thal ohne Vegetation (die östliche Fortsetzung der Oase von Siwa). Mit Pistolen, Säbel und Flinte hatte ich mich unnöthig belastet, denn ich sah auf meinem Wege keine lebendige Seele. Meine Abwesenheit dauerte von 3 Uhr Nachmittags bis zu Sonnenuntergang.

Am folgenden Tage mit Aufgang des Mondes, zwei Stunden vor Sonnenaufgang, setzte sich die Caravane, aus Besorgnifs vor Ueberfall, wieder in Bewegung, und da hier die nördliche hohe Wüste einen starken Vorsprung südlich in das Oasenthal macht, so erstiegen wir wieder das hohe Plateau, um bei der östlichen Richtung unseres Weges diese Wüstenzunge abzuschneiden, und uns einen bedeutenden Umweg zu ersparen. Wir wanderten zwischen den immer enger zusammentretenden Bergen 12 Stunden lang allmälig aufsteigend durch kalkige Ebenen in östlicher und nordöstlicher Richtung mit mancherlei Krümmungen fort, ehe wir den Hauptabfall der Wüste erreichten, welcher Nakb el mughiabri hiefs. Nachmittags sahen wir in den Schluchten einige Gummi-Acazienbäume, gegen Abend erschienen einige holzige Cistus-Stauden, ein Zeichen des mehr erhabenen und felsigen Wüstenbodens. Mit Sonnenuntergang erstiegen wir das höchste Plateau und zogen noch zwei Stunden in südöstlicher Richtung weiter darauf fort. Eine Stunde nach Sonnenuntergang ward entfernt vom Wege gelagert.

berg; Karet elMul: Todtenstadt (0»-»Jf Ö«U>); Gebel el mut scharkie Mogabarin (der östliche Todtenberg der Mogabra-Araber, denn von diesem Stamme werden die Katakomben bewohnt).

1) Gerade wie die Berglehne des Katabalhmus.

Am 25sten nach einem Marsche von 6| Stunden in östlicher Richtung auf der Hochebene, welche die Araber auch Nakb nannten, erreichten wir den östlichen Abfall der Landzunge, der uns in terrassenförmigen Abstufungen allmälig wieder in das Oasenthal führte. Die Schluchten des östlichen Abfalles waren zuweilen sehr eng und schroff, und schienen durch Menschenhände gangbar gemacht zu seyn. Den ersten Abfall der hohen uns zur Linken noch immer nördlich fortlaufenden Bergwand hiefsen die Beduinen Nakb el Kara x); der zweite Terrassenabfall ward mit Nakb (Nakeb) el bagle (Maulthierschlucht?) bezeichnet; den dritten nannten sie Sallah (Acazienschlucht), von den gleichnamigen Gummibäumen. Auf der Höhe der Wüste fanden sich, wie auf dem Wege vom Katabathmus nach Siwa, einzelne blühende Kapernstauden flach an den Boden gedrückt. Nachdem wir sieben terrassenförmige Abstufungen der Hochebene zurückgelegt hatten, gelangten wir eine Stunde nach Sonnenuntergang zwischen Tamarisken, Acazien und Dattelpalmen in die Tiefe der Oase und an das Städtchen Karet Om essogheir x), welches auf einem Felsen von geringer Höhe erbaut ist, und einer Ruine ähnlicher sieht, als einer Stadt.

1) Schlucht von Karet Om essogheir. o*J^ Nakb ist soviel als Kaschm, Eingang in ein Thal.

Da wir am frühen Morgen des folgenden Tages einen freundlichen Besuch des Vornehmsten (Scheech-el-be/Ied) des kleinen Felsenbaues erhielten, und benachrichtigt wurden, dafs es hier ein sehr reines wohlschmeckendes Brunnenwasser gebe, so ward beschlossen, uns einen Tag lang an gutem Wasser satt zu trinken. Seit 12 Tagen (vom 14ten November an) hatten wir nur in Lederschläuchen stagnirendes oder salzhaltiges Wasser getrunken. Die freundliche Aufnahme bei den Einwohnern des Ortes verscheuchte auch einen grofsen Theil unserer üblen Stimmung wegen der beständigen Besorgnisse vor Ueberfall, welche die Einwohner von Siwa uns allzu nahe gelegt hatten. Man brachte uns nur etwas Milch zu Kauf.

Die Gebäude der Kara waren im arabischen Styl, d. i. höchst lüderlich gebaut, und waren eng an einander und über einander geklebt . Eine Abbildung davon findet sich bei Herrn v. Minutoli, die den Eindruck recht wohl wiedergiebt (Atlas Tab. XL b.), nur muls man sich am Bau der Wände nichts Künstliches oder Regelmäßiges denken 2).

1) Den Namen schrieben wir In unserm Tagebuche, der Aussprache gemäfs, Dgrara; Herr Prof. Scholz schreibt Kara. Herr v. Minutoli schreibt El-Gara (pag. 184.). (Die Form Drara hat Herr v. M. in Ürara Enbrik.) Andere nennen denselben Ort Ummesogheir, Umesogir und dem ähnlich. Den wahren Namen hat Brown zuerst verzeichnet. Er heifst: Karet -am- el-sogheir ( -fMdJ] -»I Ö«vJ) d. i. das Dorf Am das

kleine, und gewifs wird es so genannt im Gegensatz zu Am, Om oder Um hei du, dem weifsen Am, welches die Ruine bei Grofc-Siwa ist. Das Wort Am scheint auf Ammonium hinzudeuten. — Herr Scholz hörte (pag. 87.) für Kara auch den Namen Siwa soeir (sogheir klein Siwa). Gara mele Yous bei Herrn V. MlnUtOlI (Carro meto Yous nach Herrn Gruoc) soll wohl Kara Am el a/uhs (das alte Dorf Am) heifsen. Ei Gara schreibt Herr Gruoc für Kara.

2) Herr v. Minutoli sah, wahrscheinlich in einiger Entfernung, antike Substruction aus Quadern und gebrannten Ziegeln, die der Scheech: Kasser Pharis nannte, der ihm auch einen Platz als Marktplatz der alten Stadt zeigte und Su nannte. Suk heilst der Marktplatz im Arabischen. Rennel vermuthet hier die Stadt Siropum des PtoleMaEUS, welche Brown in Siwa selbst suebt, und Herr v. M. ist ganz dafür. Auch Herr Prof. Ritter findet Rennel's Meinung beachtungswerth.

Ein ausgeprägter Character der Bauart in Siwa sowohl als hier ist nicht zu verkennen. Die thurmartigen, eng an einander gebauten oder selbst mit einander ganz verschmolzenen Häuser, deren Obertheil nirgends regelmäfsig vollendet ist und welche Fensteröffnungen zeigen, sind der Oase eigenthümlich, und wenigstens ist diese Bauart den östlichen Ländern ganz fremd, wenn ich etwa die Ruinen von Syene ausnehme, die, obwohl arabischen Ursprungs, doch aus einer früheren Zeit abstammend, einen sonderbaren Contrast mit den bewohnten Häusern derselben Stadt bilden.

Am 27sten Dauer des Marsches elf Stunden, von 8£ Uhr Morgens bis | Stunde nach Sonnenuntergang. Nach einer Stunde hatten wir wieder eine Höhe zu besteigen, um abermals eine sich tief südlich in das Oasenthal erstreckende Landzunge der Wüste abzuschneiden. Die zu durchwandernde Wüste war jedoch nicht so hoch als jene, von der wir nach der Kam hinabgestiegen waren, und mit Ausgang der Abendröthe lagerten wir uns auf derselben. Der gestern uns zur Linken (nördlich) gewesene Bergabfall begleitete uns heut immerfort, nur weniger hoch, ein Beweis, dafs wir nicht auf dem hohen Wüstenplateau waren. Dieser niedere nördliche Abfall östlich von der Kara hatte den Namen Bukäsem (Abu käsem, nach Herrn Scholz Bagane). Etwas mehr östlich hörte Herr Scholz den Namen Hadadadschar für denselben, dann erschienen zur Linken eine Menge Acazienbäume, und bei diesen nannte man uns den fortgehenden Bergrücken Chalife (nach Hrn. Scholz Galifa). Kurz nach Sonnenuntergang lagerten wir uns zwischen dem nördlichen Bergabfall, welcher hier Abd-en-nebi x) (Diener des

1) Der Herr General nennt diesen Ort Abdinovi, Herr Scbolz Abdinebi; Herr Drovetti Atlyeh Abd el Neby:

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