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Auch der beleidigte Imam mischte sich mit in den Streit, und zeigte, wie wenig er uns gewogen war. Um nicht glauben zu lassen, dafs wir Baarschaft bei uns führten, erklärten wir nun, dafs, wie ihnen Allen schon in Alexandrien bekannt gewesen sey, wir kein Geld zu gröfseren Ausgaben mit uns genommen hätten, und die Zahlung in unserem Contract blofs auf Alexandrien laute, dafs wir aber, im Fall sie hier uns das nöthige Geld verschaffen könnten, dem Führer vorläufig zur Heimreise die Summe vorschiefsen wollten. Nach einigen Berathungen erbot sich Scheech MuhamMe D, uns gegen einen Wechsel von seinem Reisegelde 30 Collonaten zu leihen, die wir in Siwa zurückzahlen sollten, mit welchen Abubrick befriedigt wurde, und wogegen dieser durch den Imam eine Quittung auszustellen hatte.

Als nun die Araber unsern festen Entschlufs deutlich genug erkannt hatten, und dieser, ihren früheren Aeufserungen zufolge, ganz ihren Wünschen gemäfs seyn sollte, so waren sie doch plötzlich ganz entgegengesetzter Meinung und versicherten uns, dafs wir ihretwegen hier noch länger bleiben könnten. Dieser Inconsequenzen müde, beharrten wir nachdrücklich bei unserm Vorsatz, und trieben sie an, die Kameele zur Abreise bereit zu halten. Hierauf verlangten sie von uns eine schriftliche Erklärung durch den Imam, dafs wir aus freien Stücken umgekehrt wären, ohne welche Legitimation sie nicht mit uns nach Alexandrien zurückkehren würden.

Unter diesen Verhandlungen war der Tag verstrichen. Während der Nacht gab es wieder einen sonderbaren Vorfall. Der Dolmetscher hörte während seiner Nachtwache ein Geräusch, und instructionsgemäfs wurden wir Alle zur Berathung und Vertheidigung geweckt. Wir vernahmen alsbald ein sehr deutliches Stöhnen in der Ferne, wie von einem Kranken oder Sterbenden. Es wurden wieder einige Beduinen abgesandt, um vorsichtig zu forschen, was es gäbe, und diese brachten einen erwachsenen Negersclaven mit sich, welcher durch fünf, theils Hieb-, theils Stichwunden an Kopf und Körper sehr übel zugerichtet war. Die Wunden, welche von einem erlittenen Ueberfalle in unserer Nähe herrühren sollten, waren alle nur oberflächlich, und der Neger war von Durst und Hunger sehr abgemattet und klagte über Schmerz im Unterleibe. Nach, beim Licht der Laterne, geschehener Untersuchung seines Zustandes, den wir als nicht gefahrlich erkannten, hielten wir es fürs Beste, ihm eine leichte Reissuppe zu bereiten und ihn in warme Decken zu hüllen, und das umständlichere Verbinden seiner Wunden auf den Morgen zu verschieben. So lag er eine Zeit lang neben uns stöhnend am Zelte, dann aber kroch er zu den Arabern, und am Morgen — war er uns wieder entlaufen. Hatte den Neger nach längerer Ueberlegung, dafs er sich in der Gesellschaft von Weifsen befinde, solch ein panischer Schreck ergriffen? Hatte er vielleicht, zu einer vorüberziehenden Caravane gehörig, selbst stehlen wollen, war ertappt und übermannt worden, und fürchtete aufgesucht und erkannt zu werden? War diefs eine Art, die Stärke unserer Mannschaft und Bewaffnung auszukundschaften? —

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VI.

Reise vom Katabathmus magnus zur Oase des Jupiter Ammon. — Natürliche Falkenjagd. Dichter Nebel auf dem hohen Wüstenplateau. Farbenbogen im Nebel. Carneolgeschiebe. Alte Strafse von Katabathmus nach Siwa. Strauß. Pflanzenoasen. Todte Wüstenebene. Gräber der Erschlagenen. Eintritt in die Oase. Feindliches Benehmen der Siwaner. — Doch einige Ausbeute.

Am 14ten nach ausgefertigtem Zeugnisse für die Araber und Wechsel für Scheech Muhammed, und nach übernommener Quittung von Abubrick, zogen wir Vormittags um 11£ Uhr von Kasr eschdaebie ab. In südwestlicher Richtung durchwanderten wir anfangs die fast ebene Wüste in der Nähe des alten Denkmals. Nach vierstündigem Marsch erreichten wir einen von Westen nach Osten uns quer vorliegenden Hügelrücken, nach dessen Uebersteigung wir in eine andere etwas höhere Ebene eintraten, in welcher wir 2£ Stunden in gleicher Richtung weiterzogen r); und vor uns lag nun der hohe Bergabfall Akabet el kebire (Katabathmus). Diese zweite Ebene nannten die Araber Rabia r). Mit Sonnenuntergang erreichten wir eine mit Tamarisken besetzte Schlucht, in der eine einzelne Beduinenfamilie ihr Zelt versteckt hatte. Im Finstern und wiederholt von unserm Scheech ermahnt, ja hier die Waffen bereit zu halten und auch nicht wenige Schritte uns von der Caravane zu entfernen, erstiegen wir den Bergabfall, wozu nur eine halbe Stunde Zeit gehörte, und marschirten noch 1£ Stunde auf der Hochebene fort, welche die Araber Gaut es Saal nannten, und in der wir Abends um 8£ Uhr uns lagerten. — Die Gebirgsmasse des Gebel kbir erkannten wir für Flötzkalk mit horizontaler Schichtung und Conchylienlagern, und nahmen Steinproben davon in unsere Sammlung auf.

1) "Wir waren auf diesem heutigen Marsche wiederholt Zeugen von einer natürlichen Falkenjagd, welche uns angenehm belustigte. In der Luft schwebende Falken stiefsen auf die durch unsere fortrückende Caravane aufgescheuchten, ziemlich zahlreichen Hasen der etwas mit niedrigem Gestrüpp bewachsenen Gegend. Ein Falk erfafste einen Hasen in nicht gar grofser Entfernung. Die Beduinen liefen hin, verjagten den Falken und erbeuteten den frisch getödteten, seiner Augen beraubten Hasen. "Wohl mögen diese freien, grofsen Ebenen in Asien und Afrika die Wiege der Idee von der Falkenjagd seyn, die sich nach den Kreuzzügon in Frankreich und England bis zur Thorheit ausgebildet hatte, im Orient aber viel allgemeiner, natürlicher und des grofsen Sehfeldes halber genufsreicher ist.

Den 1öten. Obwohl wir vor Sonnenaufgang aufzuladen anfingen, so waren wir doch erst zwei Stunden nach Sonnenaufgang mit dem Ordnen der Lasten fertig, um uns in Marsch zu setzen. Scheech Otman, der uns schon so viel Verdrufs gemacht hatte, war der Urheber neuer Zänkereien. Er hatte mehrere eigene Kameele unter den von uns gemietheten, und wollte jetzt, wo er selbst gegenwärtig und Chef war, diese nur immer leicht beladen wissen, und da wegen dieser Streitigkeiten die Lasten schlecht geladen wurden, so wurden bald darauf Fäfschen sowohl als Kasten wieder sämmtlich herab auf den felsigen Boden geworfen, was schon oft geschehen war, und wodurch uns jedesmal sowohl diese nothwendigen Behälter unserer Effecten beschädigt wurden, als auch eine Menge der gesammelten zerbrechlichen Gegenstände (Insecten und dergl.) zu Grunde gingen.

Vor Sonnenaufgang und bei demselben war ein starker Nebel in geringer Höhe über der Wüste, der sich senkte und den Boden befeuchtete. Ein Flintenschufs in diesem Nebel klang wie ein Schlag an ein Brett und hallte lange noch über die Ebene hin. In diesem Nachhall hatten wir einen lang entbehrten Genufs, und belustigten uns wiederholt an dem sonderbaren Schalle. Bei Aufgang der Sonne erschien dieser gegenüber in Westen ein Nebelbogen von matten Farben.

1) Bei Herrn v. MiNUtOLi heifst der Bergrücken Rabia; wir hörten diesen Namen für das Thal vor demselben, und den Berg nannte mau Akahr kebire und Gebel kebir. Der Name Rabia hat wahrscheinlich Zusammenhang mit einer gleichnamigen Beduinentribus der libyschen Wüste, deren Haupt-Aufenthaltsort vielleicht diese Gegend ist.

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Sogleich beim Antritt des Marsches beobachtete ich heut eine starke Luftspiegelung gegen Südwest, und diefs ist wohl bemerkenswerth, da die noch nicht lange aufgegangene Sonne den durch den Nebel erkälteten Boden noch nicht abgetrocknet und erhitzt hatte.

Den ganzen Tag über zogen wir durch die Hochebene fort, die noch ganz den botanischen Character der Küstengegend trug, obwohl sie 500 Fufs höher liegen mag, und nur erst gegen Abend ward der Boden magerer und steiniger, und die nun unterbrochene Vegetation bildete gleichsam zerstreute kleine Oasen, welche südlicher immer seltener und kleiner wurden und endlich dem todten Mineral die Alleinherrschaft überliefsen. Ueber die gewöhnlichen Küstenpflanzen vermehrte sich unsere Sammlung nur mit drei neuen Formen, einer Salsola, einer Atriplcx und einem Echium. Der überall feste, nirgends sandige Boden x) zeigte hie und da etwas vertiefte spiegelglatte Flächen, welche hart, oft sehr regelmässig zerborsten waren und keine Fufsspuren aufnahmen, aber gewifs durch Wasseransammlungen zur Regenzeit gebildet worden sind. Andere Flächen waren mit kleinen bunten Chalcedon-Geschieben oft von sehr übereinstimmender Gröfse so dicht und regelmäfsig bestreut, dafs ihr Anblick, trotz des Mangels grüner Vegetation, interessant genug war. Untersuchte man diese Geschiebe genauer, so fand man die gröfseren häufig mit Steinflechten überzogen, und zuweilen zeigten sie Abdrücke von Conchylien oder waren Steinkerne derselben 2). Berge gab es nirgends, aber der Boden war uneben,

1) Die Idee des tiefen Sandes in der libyschen Wüste werde ich an einer späteren Stelle noch ausführlicher beschränken.

2) Die linsenförmigen Steine des S tr ABO 17. 808., womit Herr v. M. hier die bunten Geschiebe verglichen hat, beziehen sich gewifs nicht hierher, sondern auf die Num

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