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zuweilen etwas Neues. Die Vegetation, wo es deren gab, bestand gröfstentheils aus Salzpflanzen und Passerinasträuchen, und war von Abusir bis hierher sich fast ganz gleich geblieben r). Bei einer Excursion fand ich die erste gehörnte Schlange, den berüchtigten Cerastes der Römer und Griechen, unter einem kleinen Strauche, und ich säumte nicht, mich ihrer zu bemächtigen. Beim Anfassen am Halse, nachdem ich den Körper fest auf den Boden gedrückt hatte, kamen aus den Giftzähnen einige Tropfen eines etwas zähen, ins Gelbliche fallenden Giftes. Einige Tage später fing Dr. HempRich eine zweite, auf die der Dolmetscher aufmerksam gemacht hatte 2), auf gleiche Art. Jagd auf Gazellen, deren wir zuweilen einige erblickten, blieb, weil es kein Gebüsch gab, um sich an sie heranzuschleichen, fruchtlos; eben so die nächtlichen Anstände auf den Schakal.

Am 4ten November erhielten wir durch Beduinen die Nachricht, dafs den Herrn General eine Entzündung seiner Armwunde am Vorwärtsgehen hindere, und dafs er deshalb einen Ruhetag festgesetzt habe. Herr Scholz machte von Wadi Dachau ganz allein eine Excursion nach dem Meere, und setzte uns und die Araber wegen langen Ausbleibens in Sorge 3).

Während dieses Aufenthalts brachte uns ein Imam aus einer nahen Araberhorde einen, nur zum Skelett brauchbaren Hubara, in dessen Eingeweiden wir aber auch mehrere Formen von Entozoen fanden. Das Geschenk war nicht umsonst gebracht, sein Ueberbringer suchte unsere medicinische Hülfe. Er war ein Gelehrter, das heifst, er las und schrieb schlecht arabisch, und so lange er bei uns war, betete er bei den täglichen Gebeten unserer Araber vor, welche sich hinter ihm in einer Reihe aufzustellen pflegten. Er war nackt, nur mit einem Barakan bekleidet. Auf blofsem Leibe trug er einen breiten ledernen Gürtel, und an einem über die Schulter gehenden Riemen hingen an seiner linken Seite vier in Lederkapseln eingeschlossene Amulette. Seine Krankheit war ein Schmerz, der den Rücken, die Magengegend, den rechten Arm und den rechten Fufs plagen sollte. Wir riethen in diesem halb rheumatischen, halb hypochondrischen Uebel eine zweckmäfsige Diät, gaben ihm etwas Cremor tartari und ein wenig Auflösung von Balsamum vitae zum Einreiben. Scherzhaft war es, als er sich nach erhaltenem Rathe noch in der Stille erkundigte, wie oft er wohl seine beiden Frauen besuchen könne. Durch ein Mifsverständnifs des Dolmetschers ward ihm uneingeschränkte Freiheit ertheilt; im Begriff, sehr erfreut von dannen zu gehen, erfuhr er aber, weil wir die Antwort des Dolmetschers verstanden und nicht eben billigten, dafs ne quid nimis eine goldene Regel sey, und dafs nur von monatlich zwei Besuchen die Rede gewesen. Sichtbar verstimmt ging er von uns, ohne weiter ein Wort zu fragen.

1) Die Vegetationsschilderung ist in einem eigenen Abschnitte detaillirt nachzulesen.

2) Mehr darüber findet sich seines Ortes im Abschnitt der zoologischen Bemerkungen.

3) Vergl. Scholz Reise, pag. 69.

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Die Besorgnifs unserer Beduinen nöthigte uns abermals, unsern Lagerplatz zu verändern, und wir zogen am 8ten November wieder hinab neben das sarazenische Kastell Kasr eschdaebi, in dessen Nähe jetzt eine Araber-Tribus, Bebecker (Abu Becher) Habun genannt, gelagert war, an welcher unsere Beduinen einen Rückhalt suchten. — Unser Führer Abubrick, der uns bisher der aufgeklärteste der Beduinen zu seyn schien, bat uns heut heimlich um ein Amulet gegen den Schufs, und da wir für gut fanden, seine hohe Idee von unserer übernatürlichen Kraft nicht herabzustimmen, so übernahm es Dr. Hemprich, ihm eins anzufertigen. Es kam im Laufe der Unterredung das Gespräch auf die Sterne, und mit vielem Kopfschütteln hörte er es an, dafs nicht die Sterne, sondern die Erde sich bewegen solle.

Bei Kasr eschdaebi verweilten wir wieder sechs Tage. Unser vorhin erwähnte Patient war von der hier in der Nähe gelagerten Tribus, und beschenkte uns bald nach unserer Ankunft mit Kameelmilch. wofür wir ihm etwas Reis mittheilten. Seine Beschwerden waren gemildert, und wären wir nicht Christen gewesen, so wäre der Mann wohl zutraulich geworden. Er hatte ein neues Anliegen. Seine Frauen waren kinderlos, und er bat, dafs wir diesem Uebel abhelfen möchten. Der Dolmetscher fand die Bitte sehr lächerlich, allein der Mann sprach sich dann deutlicher aus, und verlangte, dafs wir ihm einen Zettel schreiben sollten, der jene "Wirkung hervorbringe. Wir hörten bei dieser Gelegenheit, dafs die Beduinen dergleichen Papiere, um ihrer Wirkung gewifs zu seyn, nicht selten verspeisen, oder dafs sie auch die wirksamen Zeichen gleich auf Brod schreiben lassen.

Am 9ten November zog eine Caravane von ungefähr 1000 Kameelen bei uns vorüber, welche aus Derna kam, und seit sieben Tagen unterweges war. Sie waren Tag und Nacht marschirt. Unser Hierseyn war ihnen schon bekannt. Sie nannten uns geradehin Spione des Pascha von Aegypten, und warnten uns sehr, ja nicht nach Tripolis zu gehen, weil man daselbst schon von Allem unterrichtet sey. Obwohl wir keine Notiz von diesen und ähnlichen Erzählungen nehmen wollten, so waren wir doch im Augenblick, wo der bewaffnete Haufe diese Sprache führte, nicht in einer sorglosen Lage Ohne zu fragen die Entfernung von Derna erfahren zu haben, war uns höchst wichtig, da wir an der Richtigkeit der Angaben unserer Beduinen zu zweifeln guten Grund hatten. Obwohl man uns übrigens nicht weiter beunruhigte, so war es doch nöthig, auf unserer Hut zu seyn.

Am folgenden Tage kam unser Abgesandter, Scheech Otman, zurück. Kaum hatte er uns begrüfst, so machte er den übrigen Arabern heftige Vorwürfe, dafs sie sich vom Scheech Endaui getrennt hätten und uns gefolgt wären. Nachdem er sich überzeugt hatte, dafs wir gesonnen wären, die Reise fortzusetzen, stimmte er die Leute plötzlich so weit um, dafs diese, mit denen wir bisher auf ganz freundschaftlichem Fufse gestanden hatten, sich von uns absonderten, und ihm zu einer Conferenz in die Ruine folgten. Unser Führer Abubrick kam bald darauf warnend zu uns, und ermahnte uns, ja den sehr erhitzten Arabern etwas zur Beruhigung zu sagen, weil sie beim Vorwärtsgehen nach Der na sich als unsere Führer dem Zorne des dasigen Beg aussetzen würden, und für ihr Leben fürchteten, weshalb sie jedenfalls lieber uns verhindern würden, weiter zu reisen. Wir erwiederten, dafs hoffentlich unsere Araber sich wie Männer betragen und nicht furchtsam das Geschwätz der Caravanenleute für Wahrheit nehmen würden, dafs sie mit uns die Antwort auf die Briefe abzuwarten hätten und des Beg's halber ganz unbesorgt seyn könnten, da wir nur in gleichgültiger und freundlicher Absicht dahin gingen. Nachdem ihnen diese feste Antwort überbracht war, und sie lange berathschlagt hatten und einige Male gekommen und, ohne sich auszusprechen, wieder gegangen waren, trat endlich der Scheech zu uns ins Zelt, und begann damit, dafs sie uns drängen müfsten, entweder vorwärts, oder nach Siwa, oder nach Alexandrien zurückzugehen, weil sie keine Provision mehr hätten, und hier in der Nähe keine fänden. Er schlug vor, dafs wir ihm nach einem Lager r) jenseits der Grenze folgen sollten, von wo er so eben herkäme, und meinte, wenn wir dahin gute Geschenke mitbrächten, so würden wir ganz sicher seyn, und nach Der na kommen können. Dafs wir weder Geschenke geben würden, noch überhaupt vor Ankunft einer Antwort auf unsere abgesandten Briefe über die Grenze gehen würden, war ihm hinlänglich bekannt, und er hatte diesen Vorschlag offenbar nicht gethan, um uns dazu zu bewegen, sondern schon in der Voraussetzung, dafs wir ganz gewifs einen der beiden andern Vorschläge ergreifen müfsten. Verschmitzt wich er jedem Ausweg aus, und suchte uns durch Vorstellung der mancherlei Gefahren, die wir zu besorgen hätten, zum Entschlüsse des Umkehrens zu bewegen. Allein der gute Scheech Otman war nicht so schlau, dafs wir nicht seine Ränke hätten durchblicken können. Kurz zuvor hatte er uns im vertrau1) Herr Prof. Scholz nennt diefs Lager pag. 71. Aeseebraidan.

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lichen Gespräch erzählt, dafs er jene Tribus der Araber verlassen habe, weil er ihr, die eben nicht reich mit Vorräthen versehen war, nicht länger habe zur Last fallen wollen, und da wir mithin überzeugt waren, dafs all sein Vorgeben ungegründet sey, und er blofs Ränke schmiede, so beschlossen wir, auf seinen Vortrag weiter keine Rücksicht zu nehmen, und diesen Intriguen die Spitze zu bieten. Es ward ihm demnach durch den Dolmetscher erklärt, dafs wir keinesweges weder zurück noch voreilig vorwärts gehen würden, und dafs es ihre Sache sey, sich Lebensmittel zu verschaffen, da sie von Anfang der Reise unseren Plan gekannt hätten. Habe jene Tribus solchen Ueberflufs an Lebensmitteln, so würden sie ja leicht einige der ohnehin müfsigen Kameele dahin absenden können, um sich dergleichen zu verschaffen. Was die Gefahr von Seiten der Araber beträfe, ward hinzugefügt, so hätten wir aufser unsern guten Waffen, die sie kennten, noch andere, die sie nicht kennten, und mit denen wir schon die Araber abhalten würden. Hierauf verliefsen sie unser Zelt ohne Gegenrede.

Der Ute November verging ziemlich ruhig, und wir hielten nur für der Klugheit gemäfs, unsere Araber stets im Auge zu behalten. In einer dieser Nächte hörte ich, als ich eben selbst auf dem Posten stand, ein Geräusch in der Ferne, und weil es mir wie Fufstritte und lispelnde Menschenstimmen vorkam, so weckte ich ganz leise die ganze Gesellschaft sammt den Arabern, und rieth, die Waffen zur Hand zu nehmen. Wir forderten nun einige von den Arabern auf, sich nach jener Gegend leise hinzuschleichen, und zu beobachten, was es gebe. Auch sie waren der Meinung, dafs es Beduinen wären, von denen ein Ueberfall zu befürchten sey, und die Ausgeschickten kamen bald zurück, und bestätigten es. Wir hielten unter diesen Umständen fürs Beste, uns wohl mit Patronen zu versorgen und Jeder ein Pistol abzufeuern, um durch Anzeige unserer Wachsamkeit einem Angriff vorzubeugen. Die Wirkung unsers Feuers war so, wie wir es berechnet hatten, und am Morgen erzählten uns Araber der nahen Tribus, dafs sich neun fremde

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