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und führte vielen Staub mit sich, er bliefs gerade aus der Richtung unseres Marsches, und war daher sehr lästig; später wendete er sich fast ganz nach West. Nach zwei Stunden erreichten wir einen Hügel mit Beduinen-Grabmälern, und von hier ward unsere Richtung ebenfalls mehr westlich. Zur Rechten (nördlich) sahen wir in der Entfernung von etwa drei Stunden die blendend weifsen Dünenhügel des Meeres; zur Linken im Süden hatten wir einen hohen Bergrücken (el Akaba el kebire) ebenfalls in der Entfernung von \\ Meilen, welcher späterhin sich in Süden aus dem Gesicht verlor, aber dann in Westen vor uns erschien. Diefs war die Grenze der Cyrenaica und offenbar der den alten Geographen überall zum Anhaltspunkte dienende Katabathmus magnus (der hohe Bergabfall), welcher noch jetzt, wie damals, die Grenze zwischen Aegypten und der Cyrenaica bildet . Nach fünfstündigem Marsch erreichten wir 3£ Uhr Nachmittags die Ruinen einer alten sarazenischen Feste, welche die Araber Kasr eschdaebie r) (Schlofs der Wüste) nannten, zu deren Rechten wir uns lagerten. Es war ein Viereck von hohen Mauern aus Quadern von einer sehr festen Muschelbreccie, derselben, die wir späterhin als Bestandtheil des Bergrückens kennen lernten. An jeder der vier Ecken des Denkmals war ein nach aufsen etwas vorspringender Thurm. Es hatte aus zwei Etagen bestanden, und zeigte noch innerhalb Spuren von drei Treppen zur obern Etage. Die Bausteine waren sehr gleichartig und regelmäfsig, und durch kohlehaltigen Mörtel zusammengefügt, welcher an Festigkeit den Bausteinen selbst glich. Ver1) Herr Prof. Liman schreibt (v. Minctoli Reise, pag. 372.) Aschdebi. Herr Prof. Scholz schreibt Kasr DschdebU und Kasr Dschdebije Lo<_Xa»^Jl /-*aJ (pag- 13. zierungen gab es gar nicht, auch keine Fenster. Herr Liman hat dieses Denkmal genau aufgenommen, und seine Risse sind durch den Atlas des Herrn Generals v. Minutoli bereits ins Publikum gekommen, wozu besonders in Minutoli's Reise, pag. 372., die Erklärung zu vergleichen ist. Auch Herr Prof. Scholz hat Notizen darüber mitgetheilt, und daselbst Münzen gefunden.

und 55.). Herr Boldium hatte geschrieben Kasr esch Uebi. Nach der arabischen Orthographie des Herrn Scholz müfste es heifsen kasr el Aschdebia. Alles Iäfst sich auf das Wort uUsrt el schedeb (gedeb) oder Esschedeb, das Unfruchtbare, von dein auch eine Form t»_i|iAÄ.l (Eschdaeb) existirt, reduciren. Wir hörten auch Kasr Dschibie. Herr v. MlnUtOli oder Herr Prof. Toelken hält den Ort Azikis des PtoLEMAEUS für vielleicht vereinbar mit Aschdebi, pag. 436.

Da in der Entfernung einer Stunde von hier Beduinen lagerten, so schickten wir den Dolmetscher mit einem unserer Araber zum Lager, um ein Schaf zu kaufen. Es gelang, und wir verzehrten diefs erste Abendbrod gemeinschaftlich mit den Arabern. Den Führer Abubrick hatten wir für immer zu unsrer Schüssel eingeladen.

Am 28sten marschirten wir 2| Stunde weiter, und lagerten uns in der Entfernung von vier Stunden vor dem hohen Bergrücken, dem alten Katabathmus. Die Stelle hiefs TVadi Auscherin (die Ebene Auscherin), und ein daselbst befindlicher Brunnen, Bir Auscherin. Vom Meere waren wir gegen sechs Stunden entfernt.

Unsere Vertraulichkeit hatte bei den Arabern gute Wirkung gethan. Sie waren ganz umgestimmt, und brachten uns heut ein Geschenk von ihrem Dattel-Vorrath, wogegen wir ihnen etwas Reis mittheilten. Ganz aus eigenem Antriebe erklärten sie, dafs sie mit uns nun auch ihrerseits Nachtwache halten wollten, und dafs sie ganz einträchtig mit uns leben und sich zu unserer Zufriedenheit betragen wollten.

Dem Rathe unsers Führers zufolge sollten wir hier (vier Stunden von der Grenze) warten, bis die Antwort auf die vorausgeschickten Empfehlungsbriefe angekommen sey. Zu dem Ende wurde ein Beduin abgesendet, welcher dem Scheech Otman unseren Aufenthalt anzeigen sollte.

Zwei Mogrebinen-Hadji's (muhamedanische Pilger aus dem Westlande), welche sich bisher an unsere Caravane angeschlossen hatten, verliefsen uns hier, um ihren Weg nach einer AraberTribus fortzusetzen.

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Wir verweilten in Wadi Auscherin vier Tage und machten Exemtionen nach allen Seiten, besonders auch auf den vier Stunden westlich entfernten Katabathmus. Dr. Hemprich sah auf dem Wege dahin an vielen Stellen wieder jenes eigenthümliche schiefrige Gestein, wie Strafsenpflaster. Die Bergkette zeigte sich als schroffer, buchtiger Abfall eines gegen 300 Fufs hohen, unabsehbar weit in westlicher und südlicher Richtung hinlaufenden Plateaus von Flötzkalk. In den durch Giefsbäche zur Regenzeit entstandenen Schluchten des Bergabfalls war einiger Pflanzenwuchs. Bei der Rückkehr stiefs er mit seinen Begleitern auf ein Araberlager, und ward wieder gastfreundlich aufgenommen und bewirthet. Kuskusu x) mit gesalzenem Hammelfleisch und klares frisches Wasser war für sie eine grofse Labung nach anstrengendem Marsche. Dabei hörte er auch, dafs ein Raubthier, Dib genannt, den Heerden grofsen Schaden thue. Diefs Thier ist der Schakal, und wird von manchen Reisenden für den europäischen Wolf gehalten, der in Aegypten und Libyen nicht existirt. Die Pferde werden unruhig, wenn sie seine Nähe bemerken. In der Nacht vom 29sten zum 30sten mochte eine Ursache dieser Art veranlassen, dafs während der Nachtwache des Dolmetschers Herrn Liman's Pferd sich plötzlich losrifs und unaufhörlich davonlief. Obwohl wir sogleich Alle geweckt wurden, und Einige nachliefen, so verhallte doch bald der Hufschlag in weiter Ferne, und wir mufsten den Anbruch des Tages abwarten, um weiter nachzugehen. Abubrick und ein anderer Araber gingen nach und brachten es erst am dritten Tage zurück, zugleich auch die von Beduinen erhaltene Nachricht von kriegerischen Zurüstungen in Alexandrien, einem Aufgebot der dem Pascha zinsbaren Araber und der Rückkehr der nach Dongola gesendeten Expedition Mehemed Ali's, was unter den Beduinen grofses Aufsehen errege.

1) Kuskus oder Ktislatsu ist ein, kleinen Graupen oder Gries ähnlicher körniger Teig, durch langes Rühren aus Butter, Mehl und Wasser bereitet, der die Stelle der Nudeln oder Maccaroni vertritt und eine angenehme Speise giebt.

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Am 30sten October empfanden wir die böse Einwirkung des heftigen Chamsin's oder Merise x) in ihrer ganzen Stärke. Schon seit fünf Tagen (vom 26sten October an) hatte dieser sehr ermattende, die Luft ganz mit Staub nebelartig erfüllende Süd - WestWind mehr oder weniger heftig fortgedauert, und nur des Nachts war Windstille eingetreten. Die ganze Atmosphäre war durch aufgeregten Staub trübe und gelblich, und die Zähne knirschten beim Zusammenbeifsen wegen des Sandes, der beim Athemholen sich an sie anlegte. Heut aber ward er gegen 10 Uhr so heftig, dafs er plötzlich unser wohlbefestigtes Zelt zerrifs, umwarf, und weit wegführte. Herr Prof. LiMan war bis zur Ohnmacht entkräftet, und wir Alle waren so erschöpft, und von einer so unwiderstehlichen Neigung zum Schlafe befallen, dafs der Tag ganz ungenützt vorüberging 2). Dabei hatten wir einen sehr heftigen Durst, den das durch die heifse Atmosphäre 3) erhitzte Wasser nicht löschen wollte. Ein krampfartiges Gefühl im Schlünde und bitterer Geschmack waren dabei vorkommende Symptome, denen wir Alle ausgesetzt waren. Vor Abend war es nicht möglich, ein Feuer anzuzünden, und als sich am Abend die Stärke des Windes etwas minderte, wurde doch das zwischen unsern Kisten bereitete einfache Reisgericht so sehr mit dem Staube der Atmosphäre gewürzt, dafs man nichts als Sand zu essen glaubte, und mithin den Appetit verlor, sobald der Hunger nothdürftig gestillt war.

1) Der Name Merise ^yMJ-K kommt nach Abdellatif vom südlichen Lande el Maris (jjckJ-fJf her.

2) Da es wegen anhaltender Heftigkeit des Windes nicht möglich war, das Zelt wieder aufzurichten, so hüllten wir uns in unsere Mäntel und nagelten die Seitentheile des Zeltes (Tusluk) über unsere Kisten, um in den Zwischenräumen dieser etwas Schutz zu finden. An unsere Kisten und um uns selbst, während wir ermattet da lagen, häufte sich der Sand auf der Windseite bis ein Srhuh hoch an, aber Keinem von uns ist es wohl dabei eingefallen, dafs wir so versanden könnten, indem eine leichte Bewegung hinreichte, den auf uns liegenden Sand wieder abzuschütteln, und da in der Ebene sonst kein Sand liegen blieb.

3) Im Schatten waren gegen 2 Uhr Nachmittags doch nicht mehr als 30° K.

Wir erhielten heut durch einen Beduinenbesuch Nachricht, dafs der Herr General wegen zu geringer Wasserprovision noch einmal hatte zum Brunnen zurückkehren müssen.

Gegen 11 Uhr Morgens fielen einige Tropfen Regen. Abends 9 Uhr zeigte das Thermometer 16° R. Der Thau der Nacht war unbedeutend.

Der folgende Tag war heiter, und erlaubte uns, den gestrigen Schaden am Zelte zu repariren, wobei Jeder eine Nähnadel ergreifen muiste; dann wurden noch Excursionen gemacht. Die gröfste Hitze war am Tage nach 1 Uhr 30°, gegen Mitternacht 15°, gegen 3 Uhr Morgens am 1sten November 13°. Es herrschte leichter Südwind mit einigen Tropfen Regen; in der Nacht war wenig Thau.

Hier am TVadi Auscherin kosteten wir zum ersten Male Kameelfleisch, welches unsere Beduinen aus dem Araberlager mitgebracht hatten, und bereiteten davon ein Abendbrod. Wir fanden es vortrefflich r), und besonders wohl gefiel uns ein durch Herrn SoellNer davon bereitetes Gericht, das einem Ragout ähnlich war.

Abubrick, unser Führer, welcher einen männlichen Jagdfalken bei sich hatte, verlor diesen während des Aufenthalts in Auscherin, weil er beim Beizen ein Weibchen in der Luft gefunden hatte, an das er sich, ohne wiederzukehren, anschlofs.

Da der vicariirende Araberchef Muhammed fürchtete, dafs unser unter den Beduinen schon sehr bekannt gewordener Aufenthalt uns einen Ueberfall zuführen möchte, so rieth er, dafs wir unser Zelt in eine andere Gegend verlegten, und so zogen wir dann am 2ten November f Stunden südwestlich weiter in die Ebene TVadi Dachan (nach Scholz Dokan pag. 69. und Dockan pag. 13.), wo wir fünf Tage lang verweilten. Mehrseitige Excursionen ermüdeten uns mehr, als ihre Resultate uns erfreuten. Insectenfang gab

1) Später fand ich es oft sehr hart, und diefsmal könnte wohl die Stillung des an Hunger grenzenden Appetits einen Antheil am Wohlbehagen gehabt haben; doch essen die Araber sehr viel dieses Fleisches.

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