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Von der reichen Literatur der Cyclostomen habe ich nur mit folgenden Monographien mich eingehender vertraut gemacht und sie mit in den Bereich meiner Betrachtungen gezogen:

Rathke4): 1) Bemerkungen über den innern Bau der Pricke (Danzig 1825). 2) Bemerkungen über den innern Bau des Querders und kleinen Neunauges (Halle 1827).

Boen 6): lieber den innern Bau der Lamprete (HEusiNGER'sche Zeitschrift, Eisenach 1827).

Mater*): Ueber den Bau von Petromyzon marinus (Analecten für vergleichende Anatomie, Bonn 1835).

Joh. Müller7): Vergleichende Anatomie der Myxinoiden (Berlin 1835 u. 1840).

Schlemm und D'alton8): Nervensystem von Petromyzon marinus (mülleb's Archiv, Berlin 1838),

4) Rathke giebt in seiner ersten Arbeit eine sehr wenig ausführliche und namentlich in Bezug auf Ursprung und Insertion sehr ungenaue BeschreibungEtwas sorgfältiger ist das Skelet behandelt, während das peripherische Nervensystem äusserst kurz gefasst Ist und sich auf eine ganz dürftige, zum Theil falsche Darstellung der stärksten Aeste beschränkt. Die Augenmuskelnervcn und eine Menge äusserst wichtiger, relativ kräftiger Trigeminuszweige hat er ganz übersehen. Ungleich genauer und ausführlicher erscheint seine zweite Arbeit.

5) Enthält zahlreiche Berichtigungen der Irrthümer Rathke's. Die Beschreibung des peripherischen Nervensystems, zwar ungleich ausführlicher als die Rathke's, birgt doch noch immer viele Ungenauigkeiten und falsche Beobachtungen.

6) Diese Arbeit bringt in einer sehr dürftigen und fehlerhaften Darstellung von Skelet und Muskulatur mehrfache Irrthümer Rathke's wieder zum Vorschein, nachdem sie bereits im Jahre 1827 von Boen berichtigt worden waren. Die Deutung der Skeletabschnitte und Muskeln ist zum Theil höchst abenteuerlich.

7) Joh. Müller hat in dieser voluminösen Arbeit u. A. Skelet, Muskulatur und Nerven von Bdellostoma heterotrema bis auf die kleinsten Gebilde ausführlich und sorgfältig beschrieben; der Schluss auf einen „ganz gleichen Bau" der Myxine ist gerade in Hinsicht auf Skelet und Muskeln nicht allenthalben richtig. Auch in der Darstellung der „Zungenmuskulatur" von Petromyzon marinus finden sich einige allerdings nur das Detail betreffende Differenzen. — Die Deutung des Skelets der Cyclostomen bildet zu einem grossen Thcile die Grundlage meiner Arbeit.

8) Schlemm und D'alton geben die ausführlichste, wenn auch noch lange nicht erschöpfende und fehlerfreie Darstellung der Nerven von Petromyzon marinus. Merkwürdiger Weise ist die Innervation gerade der grössten Muskelcomplexe übersehen worden. Auch in der Beurtheilung einzelner Augenmuskeln herrschen falsche Ansichten.

da die Ergebnisse der übrigen Arbeiten*), so weit sie die Muskulatur des Kopfskelets betreffen, in den erwähnten Monographien theils aufgenommen theils berichtigt sind.

Ausserdem wurden für den vergleichenden Theil besonders die Lehrbücher von Stannius und Gegenbaur zu Rathe gezogen, sowie Vettkr's Untersuchungen zur vergleichenden Anatomie der Kiefer- und Kiemenmuskulatur der Fische (Jena 1874) und LanGerhans' Untersuchungen über Petrom. Planeri (Freiburg 1873) berücksichtigt.

Descriptiver Theil.

§ 1.

Kopfskelet') vom Myxine und Petromyzon.

(Fig. 1. 2. 3. 16. 17.)

Bei Myxine wie Petromyzon2) besteht eine continuirliche Verbindung des Craniums mit dem Visceralskelet3), ein Verhalten, das sich, wenigstens für das Palatoquadratum, bei Lepidosiren und Chimaera wieder findet.

1. Cranltun.

Bei Beiden besteht das Cranium aus einem vorn an die Nasenkapsel grenzenden, hinten unmittelbar in das Rückenmarksrohr übergehenden Schädeldach und einem dem hintern Abschnitt des

9) Gunerus (1765) deutet die Zungenlauten der Myxine als Kiefer und den grossen Muskelkörper der Zunge als Luftröhre. — Retzius (1790) weist zuerst auf die Aehnlichkeit der „Kiefer" von Myxine und Petromyzon hin. — Abildgaard (1792) erkannte zuerst die Luftröhre des Guuerus richtig als Muskeln, welche die „Kiefer" bewegten, ebenso Bloch. Home (1815) deutet die 2 Zahnreihen richtig als der Zunge, nicht den Kiefern angehörig. — RbTziis (1826) giebt die erste ausführlichere Beschreibung des Nervensystems der Myxine. —

1) Dieser Paragraph, der mehr der Orientinmg in der Nomenklatur dienen soll, leistet auf jede ausführliche Darstellung der Skelettheile Verzicht, welche von Joh. Müller bereits auf das Genauste beschrieben sind.

2) Die Bezeichnung Petromyzon gilt, wo nicht das Gegentheil angegeben, für Petrom. marin., fluv. und Plan. zusammen.

3) Nur von Kiefer- und Zungenbeinbogen verstanden.

selben entsprechenden kurzen (bei Myxine gespaltenen) Basilartheil (Fig. 1. 2. 17 B), der seitlich die Gehörkapseln (Gk) angelagert hat und nach vorn und lateralwärts die beiden ersten Visceralbogen (I, II) entsendet. Nach vorn setzt sich der Basilartheil bei Petromyzon, nachdem ihn der Nasengaumengang perforirt (Fig. 17 x) in den Vomer (V)*) fort, der seinerseits wieder Beziehungen zum Kieferbogen zeigt und nach vorn in das voluminöse Ethinoid (E)4) übergeht. Bei Myxine finden sich Vomer und Ethmoid wieder, aber als discrete Abschnitte, indem ersterer durch Entwickelung des Nasengaumenganges ausser Contact mit dem Basilartheil gekommen, eine voluminöse mit ihren vordem Abschnitt mit dem Palatinum (s. u.) zusammenhängende dünne Platte6) darstellend, das Ethmoid aber, zu einem kurzen cylindrischen Skelettheil7) reducirt, von dem vordem Abschnitt der Vomerinplatte durch die vordere Quercommissur der Palatina getrennt erscheint. Bei Beiden, Myxine wie Petromyzon, lagert die Nasenkapsel resp. das Nasenrohr auf Vomer und Ethmoid.

2. Yisceralskelet.

Bei Beiden bietet das Visceralskelet so beträchtliche Abweichungen vom allgemeinen Typus, wie ihn ein Theil der Selachier repräsentirt, dar, dass man die Cyclostomen, als durch den Mangel des Visceralskelets und seiner Derivate ausgezeichnet, der Gnathostomen gegenüber gestellt hat. Doch lassen sich bei Beiden aus dem complicirten Bau der Skeletstücke, welche als Stützorgane für den vordem Abschnitt des Digestionstractus fungiren, Bildungen sondern, die nur auf das Visceralskelet bezogen werden können, deren Complicationen abgeleitet werden müssen aus den mannig

4) Rathke: Gaumenbein.

Mülleb: Knöcherner Gauinun, dessen Homologie mit dem Vomer er
aber eigens angiebt (3. 162).

5) Rathke: Thränenbein.
Bobn: Nasenbein.
Mayeb: Stirnbeinknorpel.

Müller: Hintere Deckplatte des Mundes.

Hüxley: Ethmovomerinplatte (KATZEL'sche Uebcrsetzung d. Anatomie d. Wirbelthiere S. 106).

6) Mülleb: Gaumenplatte, die er gleich jener von Ammocoetes („die noch an der Basis cranii hinten angewachsen") im Ii. Kapitel (S. 160 u. 161) als Uomologon des Vomer beurtheilt.

7) Mülleb: Schuauzenstütze, für deren Homologie mit der Etlimoidplattc »on Petromyzon er S. 112 die Beweise bringt.

fachsten Anpassungen, welchen das Kopfskelet der Cyclostomen erlegen ist. Jedenfalls ist eine Anzahl von Zwischenformen, so wohl zwischen beiden Repräsentanten der Cyclostomen als zwischen ihnen und den Selachiern ausgefallen. Die Umbildung des Visceralskelets ist namentlich bei Myxine durch zahlreiche secundäre Anpassungen zu einem so hohem Grade gediehen, dass es nicht mehr statthaft erscheint, die Myxinoiden lediglich als Repräsentanten einfach niederer Formen (als der Selachicr) zu bezeichnen, sondern vielmehr als Repräsentanten einer Abtheilung, im Bereich welcher durch zahlreiche eigenartige Differenzirungen die Charaktere einer sehr frühen Form theils zu Grunde gegangen theils verwischt sind. Ein Gleiches gilt, wenn auch in viel geringerem Grade, von den Petromyzonten. Die gegenseitige Stellung von Myxinoiden und Petromyzonten anlangend, so müssen im Allgemeinen höhere Differenzirungen nach Maassgabe des allgemeinen Wirbelthiertypus den Petromyzonten zugeschrieben werden. Anscheinend einfachere Formen müssen hier zum grössten Theil als Reductionen der myxinenartigen Differenzirungen gedeutet werden.

Das Visceralskelet von Petromyzon und Myxine zeichnet sich im Allgemeinen durch rudimentäre Entwicklung des Kieferbogens aus, der unter vollständigem Mangel des Unterkieferstücks sich auf die Existenz von Palatoquadratum und Andeutungen einiger Derivate derselben beschränkt.

Bei Myxine wird der Kieferbogen angetroffen in Form einer im Bereich des vordem Gehörkapselabschnitts von der Schädelbasis entspringenden Spange (I)8), die nach vorn 2 Fortsätze bildet, einen medianen und lateralen; letzterer bildet die Grundlage des Auges, den Arcus subocularis (As). Mit diesen vordem Fortsätzen des Quadratums verbindet sich unter Vermittelung zweier weicher Commissuren die Gaumenleiste (P), welche, die Incisur zwischen den beiden Fortsätzen vorn zu einem längsovalen Loch •) abschliessend, sich nach vorn und medianwärts erstreckt und in der Mittellinie mit der der andern Seite durch eine Quercommissur verschmilzt, die das Ethmoid von der Vomerinplatte trennt. Von dem vordem äussern Ende der Gaumenleiste entspringt ein nach vorn und aussen strebender Fortsatz, der Processus spinosus (Ps)l0)

8) Müller: Flügelfortsätze der Basis cranii, die Träger der Gaumenleisten. !)) Müller: Erste Lücke an der Wurzel der Gaumeiileisten. 10) Müller zählt diesen Fortsatz unter den Mundknorpeln auf.

welcher mit dem später zu erwähnenden Tentakelkranz zusammenhängt. Ob die Gaumenleiste dem Palatinum allein oder einem Complex von Palatinum und Pterygoidea entspricht, lässt sich nicht nachweisen1').

Nach hinten schliesst das Palatoquadratum ohne sichtbare Grenze (die ungefähr den punktirten Linien auf den Abbildungen entsprechen muss) an die obern Abschnitte des Zungenbeinbogens an.

Bei Petromyzon findet sich der Kieferbogen ebenfalls als Spange, der von der Schädelbasis entspringt, wieder. Jedoch beschränkt er sich hier auf die Bildung des subocularen Bogens (As),2), welcher das Auge trägt und seinerseits nach vorn in das stark reducirte Homologon der Gaumenleisten (P) übergeht, welches mit einem kurzen vordem Stachelfortsatz (x)l3) ausgestattet medianwärts und nach oben strebt, um mit Ethmoid und Vomer zu verschmelzen.

Während die Configuration des Kieferbogens noch keinen Schluss auf die gegenseitige Stellung der beiden Repräsentanten gestattet, bietet der Zungenbeinbogen Verhältnisse, die die Abtheilung der Petromyzonten zur höhern stempeln. Während nämlich bei den Myxinoiden noch keine Gliederung in Hyomandibulare und Hyoidstück besteht, finden wir dieselbe bei den Petromyzonten schon deutlich ausgesprochen.

Der Zungenbeinbogen der Myxine (H) zeigt einen complicirten Bau, wie er bei keinem andern in dieser Hinsicht untersuchten Wirbelthiere angetroffen wird. Er entspringt dicht hinter dem Kieferbogen ebenfalls mittelst einer kurzen Spange (II)14), bildet nach vorn 2 Fortsätze, welche an den hintern Abschnitt des Kieferbogens anschliessend mit letzterem ein ziemlich umfängliches

11) Müller stellt 8 Möglichkeiten auf, nach denen die Gaumenleisten „entweder Pterygoidea, Maxiilaria und Intermaxillaria zusammen, oder Palatina und Pterygoidea, oder endlich Gaumenbeine" sind.

12) Kathke: Untere Knorpeltafel des Schädels.
Born: Jochbogen.

Mayer: Schläfenbeinknorpel.

Müller: Fortsetzung der Schädelbasis.

Hüxley: Unterer Quadratabschnitt des subocularen Bogens.

13) Born: Gaumenbein.
Mater: Jochbeinknorpel.
Müller: Fortsatz des Gaumens.
Huxley: Gaumenflügelbeinabschuitt.

14) Müller: Verbindung des Schlundkorbes mit der Gehörkapsel.

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