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Sitzungsberichte

der

Jenaischen Gesellschaft

für

Medicin und Naturwissenschaft

1877.

1. Sitzung vom 5. Januar 1877.

Herr Hofrath Professor Dr. W. Müller hält einen Vortrag: „Ueber die Häufigkeit von Pentastomum, Echinococus und Cysticercus in Jena“ unter Vorzeigung der bezüglichen Präparate.

2. Sitzung vom 19. Januar 1877. Herr Professor Dr. E. Haeckel berichtet über wichtige paläontologische Entdeckungen der Herren Marsh und Cope in Amerika.

Herr Hofrath Professor Dr. E. Schmidt hält einen Vortrag über die photochemische Nachweisung und Unterscheidung von Natrium, Kalium und Calcium besonders in den Feldspathen.

3. Sitzung vom 2. Februar 1877. Herr Dr. Rosenbach theilt eigene Untersuchungen mit zur Physiologie des Nervus vagus.

4. Sitzung vom 16. Februar 1877. Herr Professor Schwalbe demonstrirt einige Sagittalschnitte eines gefrorenen kindlichen Körpers.

Herr Hofrath Professor Dr. W. Müller spricht über eine Bilharzia in den Bauchvenen von Emys picta und Testudo carolina.

5. Sitzung vom 9. März 1877. Herr Dr. K. Bardeleben berichtet über einige seltnere Muskelvarietäten, die auf der anatomischen Anstalt zur Beobachtung kamen. Seit Anlegung eines Varietätenbuches werden übrigens weit mehr Varietäten beobachtet, richtiger: beachtet, als früher.

Ein Popliteus minor (Calori, Wood) kam an einem Gefässpräparat vor.

Muskelleiche 18 (männlicher Selbstmörder , Anfang der 20er Jahre, Beschäftigung unbekannt) zeigte eine grosse Reihe von Muskelvarietäten (Multiplicität ist hier ja häufig), nämlich:

1. Das sehr starke Platysma kreuzt sich im oberen Theil von beiden Seiten über die Mittellinie herüber, – 2. Der Sternocleidomastoideus hat links 3 Köpfe, nämlich einen vor dem normalen cleidalen Kopf entspringenden, von 2 Cm. Breite. – 3. Ein Subscapularis minor (Gruber), rechts, entspringt fleischig vom oberen Rande des Schulterblatts, mit Subscapularis der Norm zusammenhängend, inserirt sich nach einem Verlauf von 12 Ct. (bei 3/4 Cm. Breite) sehnig, 3 Mm. breit am Tuberculum minus humeri, nahe dem Latissimus. – 4. Subscapularis-capsularis (humeralis) Macalister, von der Sehne des normalen Subscapularis und der Schultergelenk kapsel zu fast derselben Stelle am Tuberculum minus, wie der vorige; 3 Cm. lang, am fleischigen Ursprung 1 Cm., am sehnigen Ansatz 5 Mm. breit. – 5. Besonderer Extensor digiti III manus. -- 6. Beiderseits Psoas minor sehr stark entwickelt. – 7. Ein dritter Kopf des Gastrocnemius vom Planum popliteum femoris (links), 2 Cm. dick, entspringt fleischig, endet sehnig in der Vereinigung der beiden normalen Köpfe (Plantaris vorhanden). – 8. Ein echter Supraclavicularis (Luschka, links. – 9. Ein noch nicht beschriebener Muskel, der von der Vorderfläche des linken Schlüsselbeins unter dem Ursprung des accessorischen 2. Cleidalkopfes des Sternocleidomastoideus, unter der Insertion des Supraclavicularis, sehnig und muskulös entspringt und in der Fascie vor dem Pectoralis major bis nach dem Deltoides hin sehnig ausstrahlend endet. Bedeckt ist der Muskel von dem sehr kräftig entwickelten und tief hinabreichenden Platysma. Länge 11 Cm., davon muskulös 8, 5; Breite in der Mitte 13 Mm. Nerv von Thoracici anteriores, aus der Tiefe zwischen den Portionen des Pectoralis major hervortretend. B. nennt den Muskel: M. infraclavicularis, und glaubt denselben in Be

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ziehung zu dem gleichzeitig vorhandenen Supraclavicularis setzen und als eine Art Fortsetzung desselben, getrennt durch ein Stück Clavicula, betrachten zu dürfen. Jedenfalls dürften beide Muskeln zur Erhöhung der Befestigung des Schlüsselbeins am Thorax beitragen; ersterer zeigt deutlich Beziehungen zum Sternoclaviculargelenk und darf gewiss unter die Rubrik der Gelenkspanner eingereiht werden, während der Infraclavicularis als Fascienspanner für Fascia pectoralis und deltoidea, indirect auch für die Halsfascie angesprochen werden darf.

Ferner theilt Bardeleben zwei neuerdings beobachtete Fälle von „Sternalis“ mit. Der eine stammt von einem 3 Monate alten Kinde (femin.), ist eine Fortsetzung des rechten Sternomastoideus, liegt vor der Fascia pectoralis rechts, giebt zum linken Pectoralis major zwei dünne Fleischbündel, welche also die Mittellinie überschreiten, geht senkrecht und etwas lateral abwärts, um in Höhe des oberen Randes der 6. Rippe (rechts) in der Rectusscheide (Sebre des Obliquus abdom. ext.) neben der Abdominalzacke des Pectoralis major zu enden. Die muskulöse Partie ist 5 Cm. lang, in der Mitte 12 Mm. breit.

Der andere Fall, von einem 51jährigen Weibe, ist doppelseitig; entsteht beiderseits aus der Sehne des Sternomastoideus in der Art, dass der rechte „Sternalis“ aus dem rechten, der linke aus beiden Sternomastoidei hervorgeht, so dass hier wiederum ein Ueberschreiten der Mittellinie seitens der Sehne stattfindet. 3 Cm. unter dem oberen Ende, in Höhe des 2. Rippenknorpels, erbält die Sehne des rechten Muskels eine über die Mittellinie kommende Verstärkung durch eine 3 Mm. breite Sehne, die aus Fasern des linken Pectoralis major hervorgeht. Ausserdem erhalten beide Sternales in Höhe des 2. Rippenknorpels einige Sehnenfasern vom Brustbein. Verlauf beider Muskeln fast senkrecht, etwas lateralwärts, Endigung in der Sehne des Obliquus externus; Länge gegen 18 Cm., des muskulösen Theils 6 resp. 8 Cm., grösste Breite links 16, rechts 13 Mm; Dicke 2–3 Mm. Nerven kommen beiderseits vom 2. und 3. Intercostalis.

Da der früher vom Vortragenden beschriebene und abgebildete „Sternalis“ (Zeitschrift für Anat. und Entwickelungsgeschichte Band I, Seite 424–458) seine Nerven, wie nähere Untersuchung sehr wahrscheinlich gemacht hat, von einem Thoracicus ant., der soeben beschriebene von Intercostalnerven bezieht, so erscheint mit Berücksichtigung der Malbrancischen Beobachtungen (Zeitschrift für Anat. und Entwickelungsgeschichte

Band II, S. 310—316) jetzt so viel sicher, dass die einstweilen nur myologisch vom Vortragenden unterschiedenen Formen des „Sternalis“ auch betreffs der Nerven sich sondern lassen. Soweit jetzt eruirt ist, erhalten demnach die vom Sternocleidomastoideus derivirenden Formen ihre Nerven von den Intercostales, die vom Pectoralis major stammenden von den Thoracici anteriores.

Erstere Form gehört sonach, soweit B.'s Erfahrungen reichen, vielleicht in das System des Obliquus abd. ext., wenn es auch einstweilen unerklärt ist, dass diese Muskeln vor der Extremitätenmusculatur, oberflächlicher als der Pectoralis major, liegen. Jedenfalls aber ist durch diese neuen Beobachtungen bestätigt, dass diese Form des sog. Sternalis ebensowenig wie die vom Pectoralis stammende mit dem Rectus abdominis etwas zu thun hat. Dazu liegt sie zu oberflächlich; aber auch mit der Hautmusculatur hat sie nichts zu schaffen, dafür liegt sie zu tief! –

Herr Hofrath Prof. Dr. E. Schmid berichtet sodann über die Fortschritte des Gotthard-Tunnels und die dabei erhaltenen geologischen Aufschlüsse.

6. Sitzung vom 4. Mai 1877. Herr Prof. Dr. Strasburger macht Mittheilungen über die Entwickelungsgeschichte der Acetabularien.

Herr Dr. Martin theilt Beobachtungen über die Regenverhältnisse des südlichen Chile mit.

Während der nördliche Theil von Chile sehr trocken ist, nimmt die Regenmenge zu in der Richtung nach Süden. In Valdivia erreicht sie im Mittel 2,716 Meter. Noch weiter südlich nimmt sie wieder ab: in Puerto Montt 2,535 und in Ancud auf der Insel Chiloe 2,366 Meter jährliches Mittel.

Die Vertheilung dieser für gemässigte Breiten abnormen Regenmenge ist derart, dass im ganzen bewohnten Chile der grösste Theil auf den Winter fällt. Während aber die monatliche Curve der Regenmenge in Valdivia einen spitzen Gipfel im Winter und eine tiefe Einsenkung im Sommer zeigt, steigt die für Puerto Montt von Februar bis April, also im Herbst, steil an, bleibt sich während der Wintermonate Mai bis August ziemlich gleich und fällt im Frühjahr und Sommer langsam zum Minimum herab. In Ancud endlich bildet die Curve zwei Wintergipfel im Mai und Juli.

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