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in sehr geringer Dicke an. Erst vom 4. Jahre an nimmt die Thätigkeit des Periosts wieder zu und liefert nun, abgesehen von den durch Aeby's Mittheilungen bekannt gewordenen Stellen, (Muskelkanten und Muskelliuien), an denen auch später geflechtartiges Knochengewebe appouirt wird, zunächst Grundlamellen. Der Querschnitt durch das Femnr eines 8 Jahre alten Kindes zeigt sich nämlich in seinem inneren Theil wie der eines 4jährigen im Wesentlichen aus Ha verstehen Lamellensystemen aufgebaut, in seinem äusseren Theile dagegen fast ausschliesslich aus Grundlamellen, die da, wo Gefässe im Periost lagen, einfach an diesen unter leichten Ausbiegungen vorbei ziehen, wo Gefässe senkrecht zur Oberfläche gerichtet waren, ebenfalls dieselben innig umschliessen, sodass alle diese Gefässe die periostalen Grundlamellen zu durchbrechen scheinen, als seien sie secundär in die Knochensubstanz hineingewachsen i), während sie doch einfach in die Knocheusubstanz eingeschlossen sind, welche von der inneren Oberfläche des Periosts angebildet wurde. So entstehen die sog. perforirenden Gefässe ohne Special-Lamellensysteme. In den periostalen Grundlamellen bilden sich nun wieder innen zuerst Havers'sche Räume, in denen dann Havers'sche Lamellensysteme entstehen, sodass später umfassende periostale Grundlamellen nur an der Oberfläche des Knochens gefunden werden, während die inneren, durch die Havers'schen Systeme unterbrochen, ebenso wie Theile dieser letzteren als Schaltlamellen erscheinen.

Der Vortragende möchte aus Allem' folgende Schlussfolgerangen ziehen: 1) die Havers'schen Lamellensysteme bilden sich nur in den durch Resorption entstandenen Räumen; 2) die Grundlamellen entstehen nnr vom Periost oder Mark aus auf der äusseren oder inneren Oberfläche des Knochens; 3) die Schaltlamellen sind Theile ehemaliger Grund- oder Havers'scher Lamellen; 4) das Periost liefert vom 4. Lebensjahre an, abgesehen von den Muskelkanten und Muskellinien (Aeby), nur Grundlamellen, früher fötales Knochengewebe und ist in der Zeit vom !j. Lebensmonat bis zum 4. Lebensjahre überhaupt sehr wenig thätig.

Der Vortragende bemerkt noch, dass die Zeitangaben wegen der ausserordentlichen Variabilität keine festen sein können; wie dem aber auch sei: die 3 beschriebenen Stadien der Knochen

*) Dieser von Volkmann aufgestellten Ansicht ist auch v. Ebner, L c, p. 61. bildung, das fötale, osteoporotische und lamelläre, folgen in der beschriebenen Weise aufeinander.

Hervorzuheben ist noch die auffallende Uebereinstimmung, welche im zeitlichen Auftreten des osteoporotischen Stadiums und der Rachitis besteht. Letztere betrifft ja auch in der überwiegenden Mehrzahl der Fälle das Alter vom 6. Lebensmonat bis zum 2. Lebensjahre. Eine Untersuchung rachitischer Knochen ergab, dass hier 1) eine unvollständige Ausfüllung der osteoporotischen Rinde mit lamellärer Substanz vorhanden ist, 2) eine neue Auflagerung auf der alten Rinde, ausgehend von der osteogenen Schicht des Periosts vorkommt, die den Charakter fötalen Knochengewebes trägt, keine Spur von Lamellen zeigt, den Neubildungen gleicht, wie sie z. B. bei KnochenentzUndung in Form netzförmig verbundener Knochenbälkchen zwischen Periost und Knochen sich einstellt.') Bei der Rachitis schreitet also gewissermassen die periostale Knochenbildung nach embryonalem oder entzündlichem Typus vor, während die Umbildung der bereits gebildeten Rinde in lamellären Knochen nur langsam und unvollständig erfolgt.

Schliesslich ist noch darauf aufmerksam zu machen, dass die im Vorstehenden mitgetheilten Thatsachen recht gut sich im Einklang befinden mit den Untersuchungen von Lieberkühn und Bermann2), angestellt an den Knochen mit Krapp gefütterter Thiere, dass sie hingegen den Ansichten von Maas3), denen zu Folge die Annahme einer Thätigkeit des Markes bei der Knochenbildung auszuschliessen sei, nicht günstig sind.

') Vergl. F. Busch, Die Knochenbildung und Resorption beim wachsenden und entzündeten Knochen, v. Langenbeck's Archiv Bd. XXI, Heft 1.

■) Ueber Resorption der Knochensubstanz. Abhandl. der Senckenb. naturf. Gesellsch. XI. Bd. 68 Seiten. 4». 8 Tafeln.

*) Ueber das Wachsthum und die Regeneration der Röhrenknochen mit besonderer Berücksichtigung der Callusbildung. v. Langenbeck's Archiv für klinische Chirurgie. Bd. XX, Heft 4.

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lieber die Individualität des Thierkörpers.

Von

Ernst Ilaeckel.

Die morphologische Erkenntniss des Thierkörpers ist in erster Linie von der richtigen Beurtheilung seiner Individualität abhängig. Die Individualitätslehre wird daher den ersten Theil jeder animalen Morphologie bilden, welche über die rein empirische Kenntniss der zahllosen Form-Erscheinungen sich zu einer wahrhaft philosophischen Erkenntuiss ihrer Bildungsgesetze erheben will. Von dieser Ueberzeugung durchdrungen habe ich im ersten Bande meiner „Generellen Morphologie" (1866) die „generelle Tectologie oder allgemeine Structurlehre der Organismen" als „ersten Theil der allgemeinen Anatomie" zu begründen versucht. (Bd. 1, S. 239—374.) Die Grundvorstellung, auf welcher die daselbst entwickelte Individualitätslehre beruht, fasste ich in dem Satze zusammen: „Wir werden erstens genau und scharf zu unterscheiden haben zwischen der morphologischen und der physiologischen Individualität des Organismus, und wir werden zweitens sorgfältig die Individualitäten verschiedener Kategorien zu sondern haben, aus denen sich der ganze Organismus zusammensetzt" (1. c., p. 265). Das morphologische Individuum oder die organische Formeinheit („M o r p h o n") zerfällt in sechs verschiedene subordinirte Kategorien oder Ordnungen von Individuen, nämlich: 1) Plastide, 2) Organ, 3) Antimer, 4) Metamer, 5) Person, G) Cormus. Jede von diesen sechs Stufen oder Ordnungen der Individualität erscheint in bestimmten Organismen als physiologisches Individuum oder als organische Lebenseinheit („Bion"). Auf den niedersten Stufen des Thierlebens (wie des Pflanzenlebens), bei den einzelligen Organismen, fällt morphologische und physiologische Individualität zusammen; jedes Bion

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ist zugleich ein Morphon; die isolirte selbständig bleibende Zelle ist gleichzeitig ein organisches „Individuum" durch seine Formeinheit wie durch seine Lebenseinheit, ein wahrer „ElementarOrganismus". Ganz anders bei den übrigen, aus zwei oder mehreren Zellen zusammengesetzten Organismen, wo die Zellen nur ihre morphologische Selbständigkeit beibehalten, ihre physiologische dagegen mehr oder minder zu Gunsten des höheren Ganzen, des „Zellenstaates" aufgeben, als dessen „Staatsbürger" sie thätig sind.

Zu einer angemessenen Berichtigung, Ergänzung und Vereinfachung der in der „Generellen Morphologie" dargelegten tectologischen Principien wurde ich durch das Studium der Calcispongien geführt. Diese Thiere, wie die Spongien Uberhaupt, fordern durch die mannichfaltigen und verwickelten Erscheinungen ihrer Individualität ganz besonders zu einer tiefer gehenden tectologischen Untersuchung auf. Die Resultate, zu denen ich dabei gelangte, sind in meiner Monographie der Kalkschwämme mitgetheilt worden (Bd. I, S. 89—125). Indem ich durch die Erkenntniss der Gastrula zu einer schärferen Begriffsbestimmung der „Person" gelangte, wurde es möglich, Antimeren und Metameren als untergeordnete Individualitätsstufen unter die Kategorie der Idorgane zu bringen, und so die Zahl der Hauptstufen der thierischen Individualität auf vier zu reduciren, nämlich: 1) Piastiden, 2) Idorgane, 3) Personen, 4) Stöcke (1. c, p. 103). Eine weitere Fortführung der daselbst mitgetheilten Untersuchungen hat mich von der Richtigkeit dieser vier Kategorien noch mehr Uberzeugt, zugleich aber zu einer schärferen Feststellung der Begriffe geführt, deren Resultate ich hier kurz darlegen will. Zwar weiss ich wohl, wie wenig die meisten Zoologen der Gegenwart, durch die concrete Beobachtung der reichen Erscheinungswelt gefesselt, zu solchen abstracten Reflexionen geneigt sind. Auf der andern Seite aber dürfen sich diese letzteren mit um so grösserem Rechte geltend machen, je weniger sich die nackte Empirie fähig zeigt, die Wichtige philosophische Aufgabe, welche hier vorliegt, zu bewältigen. Ein Blick in die bekanntesten Lehr- und Hand Bücher genUgt, um sich davon zu überzeugen. Da werden bald die Zellen, bald die Organe, bald die Personen, bald die Stöcke als die „eigentlichen Individuen" aufgeführt; und dann wird wieder gezeigt, wie ein solches „eigentliches Individuum" aus zahlreichen „eigentlichen Individuen" zusammengesetzt ist. Wir brauchen blos an die verschiedene Auffassung zu erinnern, welche das „eigentliche Individuum" in den Gruppen der Spongien, Korallen, Siphonophoren, Cestoden, Bryozoen u. s. w. erfahren hat. Die auffallenden Widersprüche, welche darüber auch heute noch fortbestehen, werden nimmermehr durch neue „exacte Beobachtungen" gelöst werden, sondern nur durch umsichtige Reflexion, welche das Wesentliche in den mannichfaltigen Erscheinungen von dem Zufälligen scheidet und vor Allem den tectologischen Grundbegriffen einen klaren Inhalt und festen Umfang gibt,

Piastiden, Cytoden und Zellen.

Der Begriff der „Plastide" (oder „Bildnerinn"), welchen ich in der generellen Morphologie (Bd. I, S. 269—289) zuerst begründet habe, bezeichnet die organische Einheit der niedersten Stufe, das „morphologische Individuum erster Ordnung". Die Plastide erscheint heute als umfassende und allgemeine Bezeichnung aller „Elementar-Organismen" um so mehr berechtigt, je weniger der Begriff der „Zelle", auch nach den neuesten Beformen der Zellentheorie, im Stande ist, sich auf alle Formen des „Elementar-Organismu8" anwenden zu lassen. Solche einfachste Organismen, wie die Moneren, die Vibrionen, die „Plasmodien" der Myxomyceten, nennt Niemand „Zellen", und doch sind sie ebenso gut wahre „Elementar-Organismen", ebenso gut „physiologische und morphologische Individuen", wie die echten Zellen, die Jeder als solche anerkennt.

Der Begriff der echten „Zell e" ist freilich auch noch keineswegs zu einer allgemein anerkannten Feststellung gelangt; und namentlich gehen die Ansichten der Zoologen und Botaniker über Inhalt und Umfang desselben oft noch weit auseinander, wie eine Vergleichung der bekanntesten Lehrbücher zeigt. Indessen kommen die meisten Histologen doch immer mehr in der Ansicht Uberein, dass für den Zellenbegriff die Zusammensetzung aus zwei verschiedenen Hauptbestandtheilen: Nucleus und Protoplasma, als allein wesentlich festzuhalten ist. Sicher ist auch diese Umschreibung des Zellen-Begriffs die einzige, welche eine allgemeine Anwendung desselben ermöglicht und somit der neuerdings wieder scharf angegriffenen Zellen-Theorie ihre wohlverdiente Herrschaft bleibend sichert.

Aber gerade wenn wir diese Begriffsbestimmung streng festhalten, müssen wir nothgedrungen für diejenigen ElementarOrganismen, welche des Kerns entbehren, für die sogenannten

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