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beisammen, sind viel kleiner, völlig unregelmässig gestaltet und kleben zuweilen geldrollenartig aneinander (T. I, F. 19).

Wie Haeckel an jungen Individuen von Glossocodon Eurybia beobachtete, können die grossen, runden Concretionen aus einer Verschmelzung kleiner, unregelmässiger entstehen. In dem oben erwähnten, allem Anschein nach noch jungen Randbläschen der Clytia lagen gleichfalls im mittelsten Nervenfortsatz eine grösere Anzahl kleiner Concretionen, während die beiden seitlichen sogar nur je eine einzige, sehr kleine enthielten. Nicht selten sieht man neben einer grossen Concretion noch eine einzelne ganz kleine, welche entweder unmittelbar aus ihr hervorragt (Taf. II, Fig. 12) oder, von der Nervenumhüllung mit eingeschlossen, neben ihr liegt (Taf. I, Fig. 6.) Wahrscheinlich ist dies in vielen Fällen der letzte Rest einer ursprünglich grösseren Anzahl.

Kann sich so mit zunehmendem Alter der Medusen die Anzahl der in ihren Randbläschen vorhandenen Concretionen vermindern, so erfolgt im Gegentheil bei vielen Arten durch Neubildung von Concretionen eine Vermehrung derselben, die zuweilen sehr beträchtlich sein kann. So findet man bei älteren Exemplaren von Tiaropsis regelmässig mehr Concretionen in den Randbläschen, als bei jüngeren.

Die sich zuweilen vorfindenden Doppelreihen 1) sind dabei höchst wahrscheinlich, ähnlich wie die haufenförmige Anordnung, durch Verschiebung in Folge von Raummangel entstanden.

Auf dieselbe Ursache lässt sich auch die Form zweier Concretionen zurückführen, welche ich in einem Randbläschen von Tima beobachtete (Taf. I, Fig. 18.) Diese lagen unmittelbar nebeneinander und waren an den sich berührenden Seiten, die eine ganz, die andern zum Theil abgeplattet.

Die Concretionen selbst sind sehr hart und widerstehen sogar starkem Druck oft sehr lange. Schliesslich zerbrechen sie plötzlich in viele, unregelmässige, scharfkantige Stücke (Taf. II, Fig. 23). Zuweilen erscheint die Contour der Concretion deutlich doppelt, so dass man zwei in einandergeschachtelte Körper, oder einen hohlen zu sehen glaubt (Taf. I, fig. 4).

Ohne Zweifel rührt diese Erscheinung von einem Wachsthum der Concretion durch lamelläre Ablagerung her, indem die jüngste, äusserste Schicht das Licht in anderer Weise als die älteren, inneren bricht. Bei Zusatz von Säuren, z. B. conc.

1) Z. B. bei Halopsia ocellata. A. Agassitz catalogue p. 101. F. 146, 147.

Essigsäure, lösen sich, wenn das umschliessende Gewebe nicht durch längeres Liegen in Conservirflüssigkeiten undurchdringlicher gemacht ist, die Concretionen sehr schnell vollkommen auf, was auf eine Zusammensetzung aus kohlen- oder phosphorsaurem Kalk schliessen lässt.

Verschieden, wie die Anzahl der in einem Sinnesbläschen vorkommenden Concretionen, ist auch ihre Lage innerhalb des Bläschens und die Art und Weise, in der sie mit der Bläschenwandung durch den Nerv verbunden sind. Die Concretionen liegen entweder, jede von einem besonderen Nervenfortsatz umgeben, an der Wand des Randbläschens, oder aber werden in einen Haufen zusammengeballt, oder perlschnurartig in eine Reihe geordnet von einer einzigen zusammenhängenden Nervenmasse in der Schwebe gehalten..

Die wandständigen Concretionen werden meist von einem kurzen , soliden Fortsatz der die Wand des Sinnesbläschens auskleidenden Nervenmasse, dem Sinnesnerven, gehalten.

Diese Fortsätze können von allen Theilen der nervösen Auskleidung in das Innere des Bläschens vorragen, sowohl direct von dem Basalpolster, als auch von der Kapselbekleidung aus. So findet man bei Clytia Johanstoni die Concretionen theils aufrecht auf dem Basalpolster aufsitzend, theils seitlich oder von oben in das Bläschen hineinhängend, (Taf. I, fig. 5, 6).

Ein Anblick, den man nicht selten wiedergegeben findet, als wenn eine Concretion von einem zarten, runden Bläschen umhüllt ganz frei in der Mitte des Sinnesbläschens schwebe, rührt davon her, dass man die Basis des in das Sinnesbläschen hereinragenden Sinnesnerven in der Flächenansicht beobachtet (Taf. I, Fig. 4.) Freischwebende Concretionen kommen in Wahrheit niemals vor.

Der nervöse Fortsatz kann dieselben entweder beutelförmig umschliessen, in welchem Fall man seine zarte Contour rings um die glänzende Concretion wahrnehmen kann (z. B. Taf. I, Fig. 7), oder aber die letztere sitzt in einer schalenförmigen Vertiefung des ersteren. Dies fand ich sehr oft bei Campanulina acuminata, nicht selten auch bei Clytia. In einem und demselben Randbläschen der letzteren Meduse kam die eine, wie die andere Form vor (Taf. I, Fig. 6). Dabei ist es keineswegs durchgängig, dass die Nervenschale die Concretion aufrecht, wie auf einem kurzen Stiel trägt, diese kann vielmehr seitlich umfasst und so theilweise vom Nerv überzogen werden (Taf. I, Fig. 5).

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Bei den Obelien ist die nervöse Umhüllung kein solider Fortsatz, sondern eine hohle Schale mit sehr zarten, an der Basis etwas verdickten Wänden, welche von oben, dem Basalpolster gegenüber, in das Bläschen hineinhängt und die Concretion etwa an ihrem Halbmesser umfasst. Im optischen Querschnitt gesehen erscheint die Nervenschale wie zwei feine, an die Concretion herantretende Spangen (Taf. II, Fig. 6.) Schräge Ansichten, bei denen man den Rand der Schale rings um die Concretion wahrnehmen kann, oder ihre kreisförmige Basis an der inneren Bläschenwand erkennbar wird (Taf. II, Fig. 22), sowie der Umstand, dass die scheinbaren Spangen stets in derselben Weise seitlich, nie von vorn und hinten an die Concretion herantretend sich darstellen, geben über den wahren Sachverhalt Aufschluss.

Es liegt hier also nicht etwa ein ähnliches Verhältniss, wie bei Geryoniden (Haeckel) vor. Bei Anwendung von Druck erweist sich die Nervenschale in Folge der Zartheit ihrer Wandungen sehr dehnbar und nachgiebig, so dass sie sich auf die verschiedenste Weise hin und herzerren lässt, ohne dabei zu zerreissen.

. Ein Verhalten, das zu der zweiten Art der Anheftung von Concretionen überführt, fand ich in einigen Randbläschen von Tima sp. Eine oder auch zwei von drei Concretionen sassen auf dünnen, ziemlich langen Nervenstielen auf, welche sich erst unmittelbar unter ihnen schalenartig erweiterten und sie so umfassten (Taf. II, Fig. 35). In Folge dieser Anheftungsweise lagen die drei Concretionen in einer Reihe in der Mitte des Randbläschens. Die übrigen Sinnesbläschen der Tima zeigten die zweite Art der Anheftung (Taf. II, Fig. 36).

Diese fand sich durchgängig bei Tiaropsis scotica (?) Allm. (Taf. I, fig. 15—20). Die Concretionen liegen hier perlschnurartig in einer Reihe, welche bei grösserer Anzahl sich bogenförmig der Bläschenwandung anschliesst. Die beiden an den Enden der Reihe gelegenen Concretionen werden in der bei Clytia gewöhnlichen Weise von einem Nervenfortsatz umfasst und dieser zieht sich von ihnen, der Form jeder einzelnen Concretion angeschmiegt, liber die gesammte Reihe hinweg.

Zuweilen kommt es vor, dass die Concretionen, statt in einer Reihe, in ein Häufchen zusammengeballt liegen. Die Art und Weise ihrer Anheftung bleibt dabei dieselbe (Taf. I, fig. 17). Bei Obelia fand ich die normale Anzahl (8) der Randbläschen öfters nicht ausgebildet, indem einzelne oder selbst die Mehrzahl

fehlten. Bei Clytia und Campanulina sind sie nicht selten in der Weise unregelmässig vertheilt, dass zwischen je zwei Tentakeln zwei oder keins liegt.

Da ich bei der letzteren Meduse meist Randbläschen mit nur einer Concretion fand, einige jedoch langgestreckt und mit zwei Concretionen versehen, schliesslich auch zwei Bläschen so unmittelbar neben einander auf dem Ringkanal sitzend, dass sich ihre Wände berührten (Taf. I, Fig. 12, 13), so dachte ich sofort daran, ob hier nicht eine Vermehrung durch Theilung stattfände.

Leider kam kein einziges grade in der Theilung selbst befindliches Bläschen zur Ansicht, doch fand ich nachträglich, dass A. Agassiz bei seiner mit der Campanulina acuminata augenscheinlich identischen Oceania languida die Theilung wirklich beobachtet hat. a) Ob diese Vermehrung der Randbläschen weiter verbreitet ist, müssen fernere Untersuchungen lehren.

Was die specielle Function der Randbläschen betrifft, so ist die von manchen Autoren getheilte Ansicht, dass sie als Gesichtsorgane zu betrachten seien, entschieden unhaltbar, da die Concretionen namentlich da, wo sie in grösserer Anzahl auftreten, mit „Linsen“ gar keine Aehnlichkeit haben.

Die ersten Anfänge von Augenbildungen bestehen bei niederen Thieren ganz gewöhnlich aus einer Anhäufung von Pigment in der äusseren Körperbedeckung, zu welcher später Nerven und brechende Medien hinzutreten.

Da nun die Medusen zum Theil solche, den unvollkommenen Augen anderer niederer Thiere ganz entsprechende Bildungen besitzen, und diese bei einer Gattung (Tiaropsis) zugleich mit den Randbläschen vorkommen, so kann man unmöglich den letzteren eine Bedeutung als Gesichtsorgane zuschreiben. Man musste denn die Analogie der Medusen-Ocellen mit anderen gradezu leugnen, wozu absolut kein Grund vorliegt.

Ob man dagegen in den Sinnesbläschen Gehörorgane zu sehen hat, vermag ich nicht zu entscheiden, da ich vergebens nach Hörhärchen gesucht habe. 2)

Im Allgemeinen scheinen die Randbläschen der Leptomedusen in ihren wesentlichen Structurverhältnissen übereinzustimmen.

2) N. Amer. Acalephae p. 71.

2) 0. u. R. Hertwig beschreiben dagegen solche für mehrere Lepto- und Trachymedusen.

Bd. X' , N. F. V. 1.

Die abweichenden Angaben der verschiedenen Beobachter könnten zuerst die Meinung hervorrufen, als lägen hier sehr bedeutende Modificationen vor. Eine vergleichende Zusammenstellung zeigt aber, dass dieselben mehr einer verschiedenen Auffassung und physiologischen Deutung des Gesehenen, als einem wirklich differenten morphologischen Verbalten zuzuschreiben sind

Da mir keine Gelegenheit geboten war, die nach den Untersuchungen von Haeckel in manchen wichtigen Punkten abweichenden und höher organisirten Randbläschen der Trachymedusen zu beobachten, so habe ich in Folgendem die Angaben der Autoren, die sich nur auf solche beziehen, nicht berücksichtigt.

Als Fr. Eschscholtz 1829 sein grundlegendes System der Acalephen verfasste, waren die Randkörper der höheren acraspeden Medusen schon entdeckt, wenn auch ihre Function noch ganz im Dunkeln blieb. Sie erfuhren zum Theil die wunderlichsten Deutungen: 0. Fr. Müller 1) hielt sie für After, Rosenthal?) für Medusenknospen, Tilesiu s 3) für Expirationsorgane, (M. Edward's 4) glaubt Ovarien, in denen einer Craspedote gefunden zu haben) und erst Ehrenberg 5) nahm sie sicher als Sinnesorgane (gestielte Augen in Verbindung mit Respirationsorganen) in Anspruch. So konnte sie noch Eschscholtz (p. 41) nur als: „dunkle, bisher noch unerklärte, kleine Körper" bezeichnen.

Bei den kleinen, der genaueren Beobachtung für die damaligen Hülfsmittel weit schwieriger zugänglichen Craspedoten waren dagegen die Randkörper bis dahin noch völlig übersehen worden. Deshalb unterscheidet auch Eschscholtz seine Discophorae cryptocarpae — die Craspedoten Ggb. – hauptsächlich durch negative Merkmale von den Phanerocarpen: „Gleichzeitig mit dem Mangel der Keimwülste an der unteren Fläche des Magens werden auch die acht kleinen Körner am Rande der Scheibe vermisst, wodurch die Quallen dieser Abtheilung als viel einfacher gebaut erscheinen“ (p. 84).

1) Zoologica danica. 1788–1806.
2) Tiedemann und Treviranus, Zeitschr. für Physiol. Bd. I.
3) Nova acta Acad. Caes. Leop, Nat. cur. T. XV. P. II.

4) Annales d. sc. nat. 1833. T. XXVIII, p. 254. Pl. XI-XIII (Charybdea marsupialis Pér.).

5) A calephen des rothen Meers. 1836.

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