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Wandung des Ringkanals selbst, deren Zellen sich oft besonders in den Tentakelbulbis sehr vermehren, zusammen mit den die Tentakelbulbi ausfüllenden Chyluskörperchen hierfür angesprochen ist. Solche im Verhältniss zur Grösse des Thiers kolossale Ganglienmassen, wie seine Fig. Ila zeigt, würden wohl schwerlich so lange unentdeckt geblieben sein und ihrer physiologischen Deutung so grosse Schwierigkeiten bereiten.

Da Mc. Crady nichts von dem an die Concretionen der Sinnesbläschen herantretenden Sinnesnerv gesehen hat, ist es um so weniger anzunehmen, dass er den schwierig zu verfolgenden feinen Nervepring längs des Cirkelkanals entdeckte.

Etwas dem vermeintlichen Nervenring von L. Agassiz Analoges hat auch Fr. Müller als Nerven seiner Liriope catharinensis 1) (Glossocodon cath. Hckl), der Tamoya haplonema und quadrumana ?) (Charybdaeidae) und der Cunina Köllikeri 3) (Aeginiden) beschrieben. Am ausführlichsten beschreibt er ihn bei Liriope catharinensis: „Um das Ringgetäss zieht sich ein ziemlich undurchsichtiger, gelblicher Saum, der namentlich nach aussen scharf contourirte, rundliche Zellen von 0,005 – 0,008 Mm. Durchmesser zeigt und auf dem mehr oder weniger reichliche Nesselkapseln liegen. An der Basis der Tentakel und in der Mitte zwischen diesen Stellen zeigt er längliche Anschwellungen, denen die sogenannten Randbläschen aufsitzen. Mit aller Wahrscheinlichkeit ist er als Nervenring anzusprechen; dafür spricht ausser den Randbläschen tragenden Anschwellungen, dass sich von jeder dieser Anschwellungen ein zarter, aber scharf begrenzter Strang nach oben verfolgen lässt, vier zur Basis der Tentakel, vier zu Punkten, an denen das junge Thier dem erwachsenen fast völlig fehlende Tentakel getragen hat.“

Es unterliegt keinem Zweifel, dass in dem Nervenring Müller's der von Haeckel so genau untersuchte Knorpelring der Geryoniden und sein Homologon bei anderen Craspedoten zu sehen ist. Als solchen hat ihn bereits Haeckel selbst in seinen Geryoniden 4) bestimmt angesprochen. Claus 5) wies ausserdem nach, dass sich

1) Polypen und Quallen von St. Catharina. Troschel's Archiv f. Naturg. XXV. 1859, p. 310. T. XI, F. 5, 7, 10 etc.

-) Zwei neue Quallen von St. Catharina. Abhandl. d. naturf. Gesellsch. zu Halle. Bd. V. 1860. T. I, F. 10. T. II, F. 23. T. III, F. 28.

:) Cunina Köllikeri n. sp. Beiträge zur Naturg. der Aeginiden. Tr. Archiv f. Nat. 1861, p. 46. T. IV, F. 5, 8, g.

*) P. 51, 52.
5, Zeitschr. f. wissensch. Zool. XIV. 1864.

ein solcher, aus kleinen Zellen gebildeter und mit Nesselkapseln versehener Strang (=Marginalstrang) an der unteren Seite des Ringkanals auch bei anderen Craspedoten (Clytia Johnstoni) verfolgen lasse und mit einem Nervenring keine Aehnlichkeit zeige.

Gegen den begründeten Einwand von Claus, dass „es sich hier nicht um einen Gegensatz von Ganglien und nach den einzelnen Organen ausstrahlenden Fasern handle“, entgegnete Müller ), er habe ja nicht nur auf die Anschwellungen des fraglichen Rings unter den Randbläschen, sondern auch auf zarte Stränge Bezug genommen, die von dort nach den Tentakelursprüngen liefen und möglicherweise Sinnesnerven sein könnten. Aber auch dieser Einwurf ist durch die Bestimmung dieser Stränge als ebenfalls zum Knorpelringe gehörige „Marginalspangen“ entkräftet. In ähnlicher Weise wie Claus spricht sich auch Allman ?) aus. Es genügt auch in der That, gesehen zu haben, wie der Marginalstrang an den Tentakelbulbis oft zu massiven Zellcomplexen anschwillt, um sich davon zu überzeugen, dass er mit einem Nervenring gar keine Aehnlichkeit hat und dass ein solcher in viel feineren und zarteren Elementen gesucht werden müsse.

Solche feine Fäden sind von Fr. E. Schulze 3) unterhalb des Ringkanals von Sarsia tubulosa gesehen worden. Nur gehört die grosse Menge ovaler Kerne, welche von wenig körniger Masse umgeben, zwischen oder an diesen Fasern bemerkt wird“, ganz entschieden nicht zu ihnen, sondern zu dem wahrscheinlich zerdrückten oder durch Conservirflüssigkeit undeutlich gemachten Marginalstrang, über dessen Vorhandensein und Bau von Fr. E. Schulze überhaupt nichts angegeben wird.

Der Nervenring der Leptomedusen ist ein zarter, blasser Strang, welcher an der inneren Seite des Marginalstrangs entlang läuft. Hier ist auch bei manchen Arten, wie z. B. bei Obelia und Tiaropsis, der Sitz der Sinnesbläschen. Da die Basis eines Theiles der Sinnesbläschen tief im Gewebe des Marginalstrangs liegt, und die Nerven nur von dieser aus in das Bläschen eintreten, kann der Nervenring hier auch nicht frei auf der Oberfläche aufliegen, sondern muss innerhalb des Marginalstrangs, von dessen äussersten Zellen bedeckt verlaufen, ganz wie dies Haeckel für die Geryoniden nachgewiesen hat. Aber auch da, wo die Rand

1) M. Schulze's Archiv für mikroskop. Anat. I, 1965, p. 145 Anm.
2) Tubularian Hydroids. 1871, p. 137.
3) L. c., p. 22. T. II, F. 16.

bläschen frei auf dem Marginalstrang aufsitzen, scheint mir dasselbe statt zu finden, und der Nerv erst unter oder dicht vor dem Sinnesbläschen herauszutreten. Denn ich bekam die zarten Nerven hier zuerst unmittelbar an der Basis der Randbläschen deutlich zu Gesicht, während sie schon in nächster Nähe zu verschwinden schienen, also höchst wahrscheinlich von den oberflächlichen Zellen des Marginalstrangs bedeckt wurden. Derbere nervöse Anschwellungen habe ich aber auch hier ausserhalb des Bläschens nie bemerkt, und gehört das, was man bisher bei Leptomedusen als solche beschrieben hat, den Zellen des Marginalstrangs an. Bei Tima sp. und Obelia geniculata(?) konnte ich die Nerven an der Bläschenbasis deutlich sehen. Strahlenförmig, bei Tima auch verästelt, liefen die zarten Fasern von dem nervösen Polster aus, welches stets die Basis des Bläschens erfült (Taf. II, Fig. 21, 36). Nach diesem Ausstrahlen zu urtheilen, liegen die Hauptcentra des Systems in den Basen der Sinnesbläschen selbst. Dort bilden sie das Basalpolster, welches Haeckel bei den grossen GeryonidenSinnesbläschen wirklich aus Ganglienzellen zusammengesetzt fand. Das Basalpolster ist stets dicker als der übrige im Randbläschen zu beobachtende Nervenbeleg, znweilen sogar ziemlich hoch (Taf. I, Fig. 16). Seine Oberfläche zeigte sich oft unregelmässig wellig, doch liessen sich nie einzelne Zellen in der stark lichtbrechenden Masse unterscheiden.

Bei vorsichtig angewandtem Druck, unter dessen Einwirkung die Zellen am Cirkelkanal sehr bald ihren Zusammenhang verlieren, und der bei den kleinen Formen bessere Dienste leistet, als Zerzupfen, lässt sich bei den Obelien dann und wann eine Strecke des Nervenrings isoliren.

Er bildet das einzige fasrige Element längs des Cirkelkanals und besteht aus einer Anzahl schwach granulirt erscheinender Nervenfibrillen. Von Zeit zu Zeit schwellen diese zu kleinen multipolaren, aber nur wenig verästelten Ganglienzellen an, die in ihrer Mitte einen deutlichen, runden Kern zeigen (Taf. II, Fig. 24). Die einzelnen Fibrillen, die ich sah, waren viel zarter als die von Fr. E. Schulze bei Sarsia tubulosa abgebildeten.

Dagegen habe ich mich, wie bereits Busch, vergebens bemüht, auch an die Ocelli deutliche Nerven herantreten zu sehen. Nur bei einer vollkommen ausgebreiteten, mit nach oben gekehrtem Codonostom unter dem Mikroskop liegenden Tiaropsis schien mir ein heller, zarter Streifen im Marginalstrang zu verlaufen und an die ocelli heranzutreten.

Ob dieser aber wirklich ein Nerv war, und nicht vielleicht durch die Grenzlinie des Entoderm- und Ectodermepithels gebildet wurde, wage ich nicht mit Sicherheit zu behaupten.

B. Sinnesorgane.

a. Randbläschen.

Die Randbläschen, welche bei einem Theil der Leptomedusen am Cirkelkanal, entweder an der Basis von Tentakeln oder zwischen denselben liegen, haben eine verschiedene Form. Theils sind sie fast rund oder länglichrund (Taf. I, Fig. 4), theils mehr halbkugel(Taf. II, Fig. 22) oder birnförmig (Taf. I, Fig. 15).

Der Marginalstrang bildet um ihre Basis gewöhnlich eine geringe Verdickung, so dass die Bläschen ein wenig in denselben hineingesenkt erscheinen; oder aber das Bläschen liegt mit seiner unteren Hälfte in einer tiefen Aushöhlung des Marginalstrangs verborgen (Taf. I, Fig. 4).

Die Wand der meisten Randbläschen wird von einer feinen, homogenen Membran gebildet. Ueber diese ziehen sich bei Clytia Johnstoni und Tima sp. die Zellen des Marginalstrangs, das Bläschen auf diese Weise von allen Seiten umhüllend, epithelartig hinweg (Taf. I, Fig. 4, Taf. II, Fig. 35). Schon von Will 1) wird eine solche doppelte Umhüllung des Randbläschens einer Tima wenigstens andeutungsweise abgebildet. Aehnlich scheint auch die Structur an der von Huxley ?) beschriebenen Mesonema (?) zu sein.

An einem Randbläschen eines Exemplars von Cl. Johnstoni fand ich jedoch die feine, im optischen Durchschnitt als ein zarter, lichtbrechender Streifen unterhalb des epithelialen Ueberzugs sichtbar werdende Membran nicht ausgebildet; das ganze Bläschen war nur sehr klein und ragte wenig aus dem Marginalstrang hervor (T. I, F. 8).

Wahrscheinlich war dies noch in der Entwicklung begriffen, wofür auch die Kleinheit und Anzahl der Concretionen in den Nervenumhüllungen sprach (s. u.). Demnach scheint sich die Specialmembran erst später auszubilden.

Bei den Sidnesbläschen von Obelia und Campanulina wird

1) Horae tergestinae. 1844. T. II, F. 10.
2) Philos. transactions. 1859, p. 416. Pl. XXXVII, F. 10.

die Kapselmembran gleichfalls von einem Epithel überzogen, welches als eine unmittelbare Fortsetzung der Ectodermzellen des Marginalstrangs anzusehen ist. Dasselbe ist hier jcdoch nur ein ganz zartes Pflasterepithel, dessen längliche Kerne allein etwas über die Oberfläche der Membran hervorragen (Taf. II, Fig. 22).

Den Randbläschen von Tiaropsis fehlt eine besondere Kapselmembran ganz und gar. Die polyedrischen Zellen des Marginalstrangs, welche hier allein die Bläschenwand bilden, bleiben im Aussehen und Volum ziemlich unverändert, nur sind ihre Membranen ungewöhnlich stark verdickt (Taf. I, Fig. 15, s. u.). Der Innenraum des Bläschens ist stets vollkommen abgeschlossen und steht in keiner freien Communieation mit dem Ringkanal.

Die gesammte Innenseite der Bläschenwandung ist – abweichend von den Randbläschen der Geryoniden – mit einer Nervenmasse ausgekleidet, welche an der Basis stets zu dem beschriebenen mehr oder weniger voluminösen Polster anschwillt. Von dieser Nervenbekleidung gehen Fortsätze in den hohlen (oder mit klarer Flüssigkeit erfüllten ?) Raum des Bläschens, deren jeder je eine oder mehrere Concretionen umschliesst.

Letztere sind durch ihr starkes Lichtbrechungsvermögen die am ersten und leichtesten erkenntlichen Theile des Sinnesbläschens. Es können von ihnen in einem Randbläschen nur eine einzige, oder mehrere, oder eine grössere Anzahl vorhanden sein. Ebenso kann eine einzelne Nervenumhüllung eine oder mehrere umfassen.

Diese Zahlenverhältnisse variiren bei manchen Species, so besonders bei Clytia Johnstoni, in vollkommen regelloser Weise (T. I, F. 1–7) und alle Combinationen sind hier möglich. Bei einem Individuum können in jedem Sinnesbläschen nur eine Concretion, beim zweiten in einigen, beim dritten in allen mehrere Concretionen liegen. Das eine Randbläschen kann in jedem Nervenfortsatz nur eine, das benachbarte in einem oder zwei mehrere Concretionen beherbergen etc.

Bei einigen Medusen findet sich dagegen regelmässig nur eine Concretion in jedem Randbläschen vor, so bei den Obelien (Taf. II, Fig. 20-22), bei anderen wieder stets mehrere, wie bei Tiaropsis (Taf. I, Fig. 15—20).

Der Gestalt nach lassen sich zwei Arten unterscheiden. Die einen sind so gross, dass sie ihre Nervenumhüllung zum grössten Theil ausfüllen, und von mehr oder weniger rundlicher, bis vollkommen runder Gestalt. Die anderen liegen oft in grosser Anzahl

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