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„kernlosen Zellen“ einen selbständigen, der echten, kernhaltigen „Zelle" coordinirten Terminus feststellen, und dieser ist die Cytode (Gener. Morphol. Bd. I, S. 270). Die sorgfältigen histologischen Untersuchungen der neuesten Zeit haben die fundamentale Bedeutung des Nucleus für das Leben der Zelle in das hellste Licht gestellt; und gerade angesichts dieser Resultate erscheint es doppelt nothwendig, die kernlosen Cytoden von den kernhaltigen Zellen bestimmt zu trennen. Cytoden und Zellen sind zwei wesentlich verschiedene Erscheinungsweisen des „Elementar-Organismus“.

Eine vergleichende und namentlich genetische Betrachtung aller der verschiedenen kernlosen Plastiden, die wir unter dem Begriffe der Cytoden vereinigen, lässt es wünschenswerth erscheinen, zwei Hauptgruppen unter denselben zu unterscheiden. Denn der Kernmangel der Cytoden ist bald ein primärer, ursprünglicher; bald ein secundärer, erworbener; in beiden Fällen hat er natürlich eine ganz verschiedene Bedeutung. Solche Cytoden, die überhaupt niemals einen Kern besassen, können wir primäre Cytoden

- oder mit einem Worte „Eu cytoden“ nennen; solche Cytoden hingegen, die einen Kern besaseen, ihn aber verloren haben, secundäre Cytoden oder „Dyscytoden".

Eucy toden oder „primäre Cytoden“ finden sich fast ausschliesslich im Protisten-Reiche vor, dagegen – von der nachher zu besprechenden Monerula abgesehen -- niemals bei echten Thieren und Pflanzen. Denn bei diesen letzteren ist es ja immer eine echte, kernhaltige Zelle (Eizelle, Spermazelle, Stammzelle), welche dem individuellen Organismus den Ursprung gibt, und alle Plastiden, welche später denselben zusammensetzen, sind Descendenten jener einen Zelle, durch wiederholte Theilung aus derselben hervorgegangen. Bei den Protisten hingegen treffen wir echte Eucytoden an, kernlose Plastiden, deren Kermangel ursprünglich ist. Solche Eucytoden sind vor Allem die Moneren, jene höchst einfachen Organismen, deren ganzer Leib zeitlebens nur aus Protoplasma, oder richtiger aus Plasson besteht; denn da eben die Differenz zwischen Nucleus und Protoplasma in ihrem homogenen Körper noch nicht besteht, miissen wir annehmen, dass die structurlose eiweissartige Substanz desselben eine chemische Verbindung (oder ein Gemenge solcher Verbindungen) darstellt, welche die physiologischen Eigenschaften des Nucleus und des Protoplasma in sich vereinigt: Erst durch jenen ältesten und wichtigsten Differenzirungs-Process des Plastiden-Körpers, welcher dem centralen und peripherischen Plasson verschiedene physiologische Functionen zutheilte, entstanden Nucleus und Protoplasma (Monogr. der Kalkschwämme, Bd. I, S. 105).

Ausser den bekannten grösseren Moneren-Formen, welche ich in meiner „Monographie der Moneren“ (Biologische Studien, I. Heft, 1870) beschrieben habe: Protamoeba, Protogenes, Vam pyrella, Protomyxa etc. dürften wohl auch die Vibrionen oder Bacterien (im weiteren Sinne) als echte Moneren zu betrachten sein. Denn auch bei diesen merkwürdigen Protisten, deren hohe biologische Bedeutung (als wichtigste Infections - Elemente und Nosophoren) immer heller in ihr wahres Licht tritt, ist es bisher noch keinem Beobachter gelungen, irgend eine morphologische Zusammensetzung des homogenen Körpers nachzuweisen. Der Kern fehlt ihnen ebenso allgemein, wie jenen grösseren Moneren, und demnach dürfte auch ihr Leib blos aus Plasson bestehen; höchstens ist noch eine zarte Hülle an dessen Oberfläche ausgeschieden. Wenn auch die Zahl der verschiedenen kleinsten Lebensformen, die man als „Genera und Species“ von Moneren unterscheiden kann, immer im Ganzen noch gering ist, so dürfen sie doch unbedingt die grösste Bedeutung für die wichtigsten Fragen der allgemeinen Biologie beanspruchen: vor Allem für die Frage von der „Urzeugung“ im Sinne der Archigonie; denn die ersten Organismen, welche im Laufe der Planeten - Entwicklung aus organischen KohlenstoffVerbindungen entstanden, können nur Moneren gewesen sein.

Ganz allgemein ist die Cytode, und zwar die echte Eucytode, als fundamentales Form-Element in der Klasse der Pilze (Fungi) verbreitet. Denn bei keinem echten Pilze ist bisher noch ein wirklicher Zellkern irgendwo nachgewiesen worden. Vielmehr ist das charakteristische Elementar-Individuum, aus dem sich der Körper aller Pilze aufbaut, die sogenannte Hyphe, eine kernlose Plastide, also eine wahre Cytode. Diese wichtige histologische Thatsache dürfte neben vielen anderen dafüir sprechen, die Pilze aus dem Pflanzenreich in das Protistenreich zu versetzen.

Wie weit Eucytoden im Protisten-Reiche ausserhalb der echten Moneren-Klasse und der formenreichen Pilzklasse noch verbreitet sind, bedarf weiterer Feststellung. Sicher ist es, dass echte Eucytoden als Jugendformen (oder Keime) bei verschiedenen Protisten sich finden, deren Plastiden-Leib später durch Differenzirung vom Kern und Protoplasma den Formwerth einer echten Zelle erbält. So ist namentlich die junge Gregarine, welche aus der Pseudonavicelle ausschlüpft, eine echte Cytode, ohne Spur von

Kern; erst später differenzirt sich ihr Plasma-Leib in Nucleus und Protoplasma, und wird so zur echten Zelle. Auch bei vielen Rhizopoden scheint der Keim (oder die „Spore") zuerst eine kernlose Cytode zu sein und erst später durch Bildung eines Kerns sich in eine Zelle zu verwandeln.

Ebenfalls noch weiterer Untersuchung bedürftig ist die „Monerula" der Metazoen, wie wir den kernlosen Zustand des MetazoenKeimes genannt haben, aus dem sich durch Neubildung eines Kernes die „Cytula oder Stammzelle" entwickelt (Anthropogenie, III. Aufl. S. 146 – 150). Denn trotz der zahlreichen und höchst sorgfältigen Untersuchungen über die Befruchtung des thierischen Eies, die wir in neuester Zeit erhalten haben, ist die Controverse noch nicht entschieden, ob überall bei der Befruchtung (vor, während oder nach derselben) die beiden Kerne der copulirenden Eizelle und Spermazelle verschwinden oder nicht. Wenn ersteres der Fall ist und der Kern der Cytula oder der „ersten Furchungszelle“ eine wahre Neubildung ist, dann müssen wir ein MonerulaStadium vor dem Cytula-Stadium annehmen; der Metazoen-Organismus beginnt dann seine individuelle Existenz als eine Eucytode, und diese Eucytode, die Monerula, ist nach unserem biogenetischen Grundgesetze als die ontogenetische Wiederholung der phylogenetischen Moneren-Stammform zu deuten (Anthropogenie, III. Aufl. S. 417).

Dyscytoden oder secundäre Cytoden, also Plastiden, deren Kernmangel erworben, nicht ursprünglich ist, finden sich im Thierreich, Pflanzenreich und Protistenreich sehr verbreitet vor. Dahin gehören z. B. die rothen Blutkörperchen und verhornten Epidermisschüppchen der Säugethiere, überhaupt alle jene älteren „Zellen, welche ihren Kern verloren haben“.

Organe, Idorgane und Biorgane.

Als zweite Hauptstufe der thierischen Individualität habe ich in meiner Monographie der Kalkschwämme das Idorgan hingestellt. (Bd. I, S. 109). Dieser Begriff hat einen viel weiteren Umfang und einen klaren bestimmten Inhalt, als derjenige des „morphologischen Organs“, welchen ich in der generellen Morphologie (Bd. I, S. 289 – 303) als das „morphologische Individuum zweiter Ordnung“ zu definiren versucht hatte. Denn dem letzteren schlossen sich die Antimeren und Metameren als coordinirte Hauptstufen (dritter und vierter Ordnung) an, während diese jetzt nur als subordinirte Kategorien des Idorganes auftreten. Wir verstehen demnach jetzt unter Idorgan jede morphologische Einheit, welche aus zwei oder mehreren Plastiden besteht, und welche nicht die positiven Charaktere der Person (und noch weniger natürlich des Stockes) besitzt.

Dem gewöhnlichen Sprachgebrauche nach deckt sich allerdings der Begriff des Organs (in morphologischem Sinne) mit demjenigen des Idorganes. Aber der erstere ist ganz unbestimmt und allgemein, und namentlich deshalb nicht ausreichend, weil er noch viel häufiger in physiologischem Sinne gebraucht wird. In diesem Sinne nennt man z. B. die Geissel einer Geisselzelle, die Nesselkapsel einer Nesselzelle, den Kern jeder Zelle: ein Organ der Zelle. Diese Theile sind aber nur Biorgane, nicht Idorgane; denn für den Begriff der letzteren ist die Zusammensetzung aus einer Mehrheit von Plastiden unerlässlich. Andrerseits nennt man z. B. die einzelnen medusoiden oder polypoiden Stücke des Siphonoren-Stockes, die Arbeiter des Bienen-Staates „Organe" desselben; in Wahrheit sind sie Personen, die eine höhere Stufe der morphologischen Individualität repraesentiren; auch sie sind Biorgane, aber keine Idorgane.

Die höchst mannichfaltigen Formen und Ausbildungsstufen der Idorgane lassen sich nach sehr verschiedenen Gesichtspunkten classificiren. Die einfachste Eintheilung von rein morphologischem Gesichtspunkte aus ist vielleicht diejenige, welche ich in der Monographie der Kalkschwämme vorgeschlagen habe (Bd. I, S. 110 – 112). Als zwei Hauptgruppen von Idorganen wären demnach zunächst Homoeorgane und Alloeorgane zu unterscheiden. Homoeorgane oder homoplastische Organe sind solche, welche nur aus einer Plastiden-Art bestehen (gleichartige Plastiden-Aggregate oder Plastiden-Fusionen). Alloeorgane oder alloplastische Organe hingegen sind solche, welche aus zwei oder mehreren Arten von Plastiden zusammengesetzt sind. Unter diesen können wieder als Hauptgruppen Idomeren, Antimeren und Metameren unterschieden werden (1. c., p. 111).

Antimeren und Parameren.

Einer wesentlichen Berichtigung und schärferen Begrenzung bedarf der Begriff der Antimeren und Parameren. In der generellen Morphologie (Bd. I, S. 303–312) hatte ich die „Antimeren oder Gegenstücke“ als morphologische Individuen dritter Ordnung

aufgeführt, als „homotypische Theile“. Ich verstand darunter „diejenigen neben (nicht hinter) einander liegenden Körperabschnitte (oder Segmente), welche als gleichwerthige Organсomplexe alle oder fast alle wesentlichen Körpertheile der Species in der Art zusammengesetzt enthalten, dass jedes Antimer die wesentlichsten Eigenschaften der Species als Organ-Complex repräsentirt, und dass nur noch die Zahl der Antimeren als das die Species bestimmende Element hinzutritt. Bei den meisten höheren, sogenannten „bilateral-symmetrischen“ Thieren bestünde demnach der Körper nur aus zwei Antimeren, den beiden Körperhälften nämlich, welche in der Median-Ebene zusammenstossen, und von denen die eine das Spiegelbild der anderen darstellt; so bei den Vertebraten, Articulaten, Mollusken, Würmern. Die rechte Körperhälfte enthält hier überall ursprünglich dieselben Organe, in relativ gleicher, aber in absolut entgegengesetzter Lagerung – das rechte Antimer ist dem linken „symmetrisch gleich“, wie das Spiegelbild dem gespiegelten Object. Bei den sogenannten „Strahlthieren“ dagegen sollte, wie ich damals annahm, der Körper aus so viel Antimeren zusammengesetzt sein, als „Strahlen“, d. h. Kreuzaxen vorhanden seien. Demnach würden die meisten Medusen und die Rugosen - Korallen vier, die meisten Echinodermen fünf, die meisten Korallen (Hexakorallen) sechs, die Octokorallen acht Antimeren besitzen.

Eine nähere Untersuchung dieser tectologischen Verhältnisse ergibt aber nun, dass jene Vergleichung falsch ist und dass wir 2. B. nicht die beiden Antimeren eines Wirbelthieres oder Wurmes mit den fünf Antimeren des fünfstrahligen Asteriden oder Echiniden vergleichen können. Vielmehr müssen wir den letzteren doppelt so viel Antimeren zuschreiben, also zehn. Denn die bestimmenden Axenverhältnisse und die charakteristische Lagerung der Organe im Verhältniss zu den Axen und Schnittebenen sind in jeder einzelnen der fünf „Strahlen“ eines Echinodermes, in jedem einzelnen der vier „Quadranten“ einer Meduse, sowohl in tectologischer als in promorphologischer Beziehung dieselben, wie im ganzen Wurm oder im ganzen Wirbelthier. Wir müssen demnach diese „Strahlen“ nicht als einzelne Antimeren, sondern als Antimeren - Paare auffassen. Am passendsten dürften sie, entsprechend ihrer Lagerung neben einander, rings um die gemeinsame Hauptaxe, als „Nebenstücke oder Parameren“ bezeichnet werden.

Allerdings habe ich den Terminus „Parameren“ urspriinglich

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