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gleich ein künstliches. Dass Lebensweise und Körperbau gleichzeitig berücksichtigt werden mussten, sahen alle Apidologen ein, wem von beiden aber bei Bildung der Hauptgruppen der Vorrang einzuräumen sei, dieser Streit ist bis jetzt noch nicht beendigt. Latreille berücksichtigte zur Bildung seiner Hauptfamilien die Zunge und theilte danach die Bienen in Andrenetae und Apidae ein, ein System, das viele der Späteren im Hauptprinzip befolgt haben. Freilich mussten dann habituell ganz nahe stehende Arten getrennt werden, während abweichende Arten vereinigt wurden. — Andere z. B. Le Pelletier de St. Fargeau legten das Hauptgewicht auf die Oekonomie der Bienen, wo aber derselbe Uebelstand eintrat, indem ganz heterogene Formen vereinigt werden mussten. Ja englische Apidologen ordneten ganz nach Willkür an, um aus blosser persönlicher Rivalität das System so abweichend von einander als möglich zu machen. Dies thun z. B. die Engländer Curtis (Catalogue of British Insects 1829) und Westwood (Guide to the Arrangement of British Insects 1837). Später nahmen sie das Latreille’sche System an.

Im Jahre 1832 erschien eine monographische Bearbeitung der Hummeln Skandinaviens von dem jedem Hymenopterologen wohlbekannten Schweden Dahlbom unter dem Titel: Bombi Scandinaviae monographice tractati et iconibus illustrati. So hoch ich Dahlbom sonst achte, so muss ich mich doch in meinem Urtheil über diese Schrift Drewsen und Schiödte anschliessen. Das wenige Neue, was der Verfasser bringt, beschränkt sich blos auf Notizen über die nordischen Hummeln, die jedoch meist bereits von Fabricius beschrieben waren. Die allgemeine Einleitung über die Lebensweise der Hummeln ist fast gänzlich aus Huber's ausgezeichneten Beobachtungen entlehnt. Der systematische Theil entbehrt recht sehr der Kritik, er theilt blos nach der Farbe ein. Plastische Kennzeichen, besonders die Genitalien der Männchen, benutzt er fast gar nicht, sagt er doch von letzteren: Hae partes in variis speciebus ad formam et proportionem paullo variant. Ueber die Ungenauheit der Abbildungen habe ich bereits gesprochen. Die Schmarotzerhummeln sind als Divisio secunda von den ächten Hummeln getrennt. Nur wenige Jahre später wurden sie fast gleichzeitig von Newman als Apathus, von Lepelletier de St. Fargeau als Psithyrus abgegrenzt. Der erstere Name hat die Priorität. — Im Jahre 1838 lieferten Drewsen und Schiödte eine kleine Specialarbeit über die dänischen Arten von Bombus. Wie mir Hr. Professor Dr. Schiödte selbst schreibt, war es bei dieser Jugendarbeit, wie er sie nennt, darauf abgesehen, die Arten nach Nestbefunden festzustellen. Die Arbeit zeigt einen bedeutenden Fortschritt gegenüber der Dahlbom'schen. So ist namentlich der Bombus soroensis F., der später so viel Streit erregen sollte, bereits richtig aufgefasst, ferner Derhamellus mit Rajellus vereint.

Durch Nylander erhielt die Kenntniss der Hummeln keine wesentliche Bereicherung. Er stellt zwar einige neue Arten auf, die sich jedoch, wie es scheint, als blosse Varietäten auf bekannte Arten reduziren lassen. – Die brittischen Bienen erfuhren durch Smith eine gründliche Bearbeitung in dem Catalogue of British Hymenoptera, Part I, Apidae, Bees 1855. Diese treffliche Arbeit ist soeben in der 2. Auflage erschienen. Was speciell das Genus Bombus anbelangt, so enthält die neue Bearbeitung mancherlei Abänderungen, denen ich mich jedoch, sofern sie B. muscorum, agrorum, venustus, virginalis und subterraneus betreffen, fast noch weniger anschliessen kann als den in der 1. Auflage vertretenen Ansichten. Wie Drewsen und Schiöd te legt Smith das Hauptgewicht auf den Befund der Nester, mit deren Untersuchung er seit langen Jahren beschäftigt ist.

Unentbehrlich, namentlich für jeden deutschen Hymenopterologen sind die Arbeiten des Hrn. Professor Schenck über Bienen. Die früheren Bearbeitungen, in denen, wie der verehrte Autor selbst zugesteht, mancherlei Irrthümer vorkommen, wie sie der damals noch sehr schwierig zu behandelnde Stoff mit sich brachte, sind durch die Revision im 14. Heft der nassauischen Jahrbücher entbehrlich geworden. Was das Genus Bombus betrifft, so gebührt dem Verfasser das grosse Lob, in der letzterwähnten Revision scharf umgrenzt zu haben, was Species und was Varietät ist, namentlich durch eine genaue Beschreibung der männlichen Genitalien endlich einmal constante Merkmale zur Sichtung der Arten herangezogen zu haben. Gleichzeitig stellte er den Bombus confusus als neue Species auf, ebenso beschrieb er den B. soroensis F. und seine verschiedenen Färbungen richtig, liess sich aber aus verschiedenen Gründen verleiten ihn mit der mystischen Species subterraneus zu identificiren und ihn desshalb unter diesem Namen zu beschreiben. Im Jahre 1868 lieferte er Nachträge zu den beschriebenen Arten und zugleich die Beschreibung der übrigen in Deutschland vorkommenden Arten.

Wesentlich bereichert wurde die Anzahl der bekannten Hummeln durch den als ausgezeichneten Hymenopterologen bekannten Professor Dr. Gerstaecker in Berlin, der in den Jahrgängen 1869 und 1872 der Stettiner Entomologischen Zeitung eine Reihe meist alpiner Hummelarten beschrieb. Einige derselben jedoch werden jetzt allgemein als blosse Varietäten betrachtet. Einzelne Aufsätze über Arten von Bombus lieferten dann noch Schenck und der gerade auf diesem Felde ausgezeichnete Prof. Dr. Kriechbaumer in München. Das Nöthige darüber ist bei den einzelnen Arten bemerkt.

Von Gesammtwerken über Bienen sind nur noch zwei zu erwähnen. Das eine ist: Shuckard, British Bees: an Introduction etc. Das Werk ist bloss allgemeinen Inhaltes und bringt interessante Notizen über Nutzen, Haushalt, geographische Verbreitung u. S. w. der Bienen. Wie Latreille theilt Shuckard die Bienen in Andrenidae (subnormal bees) und Apidae (normal bees) ein. Eine Beschreibung der Arten ist nicht gegeben, das Buch soll bloss eine Ergänzung zu Smith's Arbeiten sein. Was Bombus betrifft, so bringt es bloss wenig Neues; interessant ist die Skizze von der geographischen Verbreitung.

Die nordischen Bienen erfuhren eine abermalige Bearbeitung durch Thomson und sind als 2. Theil von dessen Hymenoptera Scandinaviae zu Lund erschienen. Die Diagnosen und ausführlichen Beschreibungen sind lateinisch geschrieben, die übrigen Notizen in schwedischer Sprache. Auch er berücksichtigt den Bau der männlichen Genitalien und bildet viele davon ab. Er versucht es zum ersten Mal die Hummeln in Gruppen zu vereinigen, ein, meiner Ansicht nach, sehr schwieriges Unternehmen. Ich halte z. B. den Bau der Genitalien nicht für geeignet um danach Unterabtheilungen zu bilden. So haben hypnorum und pratorum fast gleichen Bau, zwei Arten, die sich sonst sehr entfernt stehen. Thomson's Synonyme sind, wie bereits Kriechbaumer richtig bemerkt, mit etwas Vorsicht aufzunehmen. Bedenklich ist es z. B. equestris mit pomorum, consobrinus mit opulentus zu vereinigen.

Das neueste Werk über Bienen, die 2. Auflage des Smith'schen Werkes habe ich bereits erwähnt.

Lebensweise. Jedermann kennt wenigstens die dicken und plumpen Weibchen der Hummeln, die besonders im Frühling selbst bei trüber Witterung mit tiefem Gebrumm von Blüthe zu Blüthe eilen, vom frühen Morgen bis zum Abend geschäftig. Die Biene, Hummel,

Wespe und Ameise, sind ja die einzigen Hymenopteren, die auch dem Laien allbekannt sind, wenn er auch die letzteren wegen der flügellosen Arbeiter keineswegs zu den ersteren gehörig betrachtet. Unter Bienen versteht man im gewöhnlichen Leben meist blos die Honigbiene, in der Wissenschaft jedoch gehören zu den Bienen alle Hautflügler, die einen eingliedrigen Schenkelring und breitgedrücktes erstes Tarsenglied (Ferse) besitzen. Die Hummel ist mithin eine Biene. Nach ihrer Lebensweise zerfallen die Bienen in 3 Classen: 1) Gesellige Bienen, 2) Einsame Sammelbienen und 3) Schmarotzerbienen. Am höchsten stehen die ersteren, weil sie aus geordneten Thierstaaten bestehen. Sie zerfallen wieder in dauernd und einjährige gesellige. Während bei den ersteren der Staat den Winter hindurch dauert und ein Alter von vielen Jahren erreichen kann, löst sich derselbe bei den letzteren im Spätherbst auf und nur einzelne befruchtete Weibchen überdauern ihn um im kommenden Frühling den Grund zu einem neuen Nest zu legen. Wie bekannt ist der Staat der Honigbiene ein dauernder (ebenso der der Ameisen), die Hummeln dagegen gehören zu den einjährig geselligen Bienen (ebenso die geselligen Wespen). In allen diesen Thierstaaten kommen zu bestimmten Zeiten dreierlei Formen vor, Weibchen (9), Männchen (8) und Arbeiter (). Da die letzteren blos verkümmerte Weibchen sind, so kann man von dreierlei Geschlechtern nicht reden. Wie bekannt, sind derartige verkrüppelte Weibchen (Arbeiter) im Stande, ohne vorhergegangene Befruchtung durch sogenannte Parthenogenesis Eier zu legen, aus denen sich aber blos Männchen entwickeln, eine Erscheinung, die bei zahlreichen anderen geselligen und ungeselligen Hautflüglern auftritt und nach den Beobachtungen Leuckart's bei Wespen, Hummeln und Ameisen geradezu Regel ist, bei der Honigbiene nur ausnahmsweise vorkommen soll. Die Parthenogenesis scheint überhaupt weiter verbreitet zu sein, als man anfangs glaubte, wie sie ja auch bei Schmetterlingen, namentlich bei der Gattung Psyche und mehreren anderen Sackträgern beobachtet worden ist. Man vergleiche hierüber: C. Th. v. Siebold, Wahre Parthenogenesis bei Schmetterlin

gen u. Bienen. Leipzig, 1856. 8. m. Kpfr. R. Leuckart, Zur Kenntniss des Generationswechsels und

der Parthenogenesis bei den Insekten. Frankfurt 1858. 8.

m. Kpfr.
Th. v. Siebold, Beiträge zur Parthenogenesis der Arthro-
poden. Leipzig 1871. 8. m. 2 Kpfrt.

Zahlreiche Schriften handeln über die Naturgeschichte der Honigbiene, aber auch die der Hummeln ist ziemlich genau erforscht worden. Von älteren Autoren ist, wie bereits bemerkt, nächst Réaumur besonders P. Huber zu nennen, dessen gründlichen Untersuchungen die neueren, wie Dahlbom, Smith und Shuckard, nur Weniges hinzugefügt haben.

Während der Staat der Honigbiene aus 30,000 und noch mehr Individuen bestehen kann, finden sich in einem Hummelnest höchstens mehrere Hunderte. Die Anzahl ist für die einzelnen Species verschieden. Bombus terrestris baut die grössten Nester. Smith fand in einem solchen 107 d, 56 4 und 180 Ç. Ueberhaupt gilt als Regel, dass die Hummeln, die unter der Erde bauen, stärkere Staaten bilden, als die über der Erde nistenden. So hat nach terrestris, B. hortorum und lapidarius die stärksten Bestände, während die Nester von muscorum und besonders Rajellus sehr schwach bevölkert sind. Die Nester sind an verschiedenen Oertlichkeiten zu finden, wovon manche Species ihren Namen erhalten haben. Die unter der Erde und Steinen nistenden Hummeln benutzen als Unterlage meist ein Genist von Moosen, Halmen, Blättern u. S. W. und gebrauchen den Erdboden als Decke. Die auf der Oberfläche bauenden hüllen das ganze Nest meist in lockeres Moos oder kurze Halme, sodass ein lockerer Klumpen entsteht, ähnlich einem Mausenest, in das ein Eingangsloch führt. Zuweilen kommen eigenthümliche Nester vor. So erzählt Smith, eine braune Hummelart habe aus einem Stalle kurze Pferdehaare herausgeholt und damit ihr Nest in das Gras gebaut. Ebenderselbe erzählt einen Fall, den Dr. William Bell beobachtet hat. Während des Sommers 1854 baute ein Rothkelchen sein Nest in den Vorraum seines Hauses zu Putney. Bald darauf nahm eine Hummelart, nach der Beschreibung wahrscheinlich B. pratorum, Besitz vom Neste. In der 2. Auflage seiner „Bees of Great Britain“ erzählt Smith ferner, dass bei Holmbusch, in der Nähe von Brighton ein B. muscorum L. in einem Zaunkönigs - Vest seine Zellen zwischen den Eiern angelegt habe. Schenck erhielt das Nest von B. sylvarum, welches zwischen dem Moos eines verlassenen Eichhornnestes auf einer hohen Fichte angelegt war. Ich weiss mich noch sehr wohl aus meiner Gymnasiastenzeit in Rudolstadt zu erinnern, dass, als ich einst in einer dichtverfilzten Fichtenhecke, wie man sie zu Einfassungen benutzt, ein Hänflingsnest fand und hineingriff, ich erschreckt zurückfuhr, weil es unter meinen Fingern eigenthümlich summte und zu leben schien. Bei

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