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auch zu gleicher Zeit nach unten geschoben wird. Dies ist der Fall bei der kandelaberförmigen Theilung, wie sie Erwachsene zeigen. Findet aber die zu einer spitzwinkligen Form führende Verschiebung der Theilungsstelle nach unten statt, so wird natürlich das aufsteigende Stück sich erhalten (Fig. 6).

Es sei mir hier zum Schluss unserer Betrachtung über die Art der Carotis - Theilung noch eine kurze Bemerkung physiologischen Inhalts gestattet. Es ist auffällig, dass gerade die Arterien, welche das Blut dem Gehirne zuführen, die A. carotis interna und A. vertebralis durch eine Anzahl bestimmter scharf ausgeprägter Biegungen vor ihrem Eintritt in das Hirn charakterisirt sind, Biegungen, welche grösstentheils durch knöcherne Begrenzungen in ihrer Lage fixirt werden. Es ist nun klar, dass in diesen Biegungen ebenso viel Hemmungen für die Geschwindigkeit des Blutstroms gegeben sind, deren Bedeutung für die Versorgung des Gehirns mit arteriellem Blute wohl auf der Hand liegt, wenn man bedenkt, eine wie geringe Strecke zwischen Herz und Hirn beispielsweise in der Bahn der Carotis communis und interna gegeben ist. Hier fehlen bei vollständigem Mangel an erheblichen Seitenästen alle Momente, die schon innerhalb des entfernteren Verlaufs die Gewalt der Strömung beeinträchtigen. In den constanten Biegungen der Carotis haben wir nun einen Ersatz für den Mangel an stärkeren Seitenästen und zu den bekannten Krümmungen gesellt sich nach den in diesem Aufsatze mitgetheilten Beobachtungen noch eine neue, die Anfangsbiegung der Carotis interna. Aber interessant genug: sie ist um so stärker ausgeprägt, je kürzer die Strecke zwischen Hirn und Herz bei den einzelnen Individuen abgemessen ist; sie tritt bei Kurzhälsen demnach vielleicht als eine, wenn auch ungenügende, compensatorische Einrichtung auf, während sie mit der Verlängerung des Abstandes von Centralorgan des Kreislaufs und Centrum des Nervensystems allmählig ausgeglichen wird.

In den Verschiebungen der Aorta und ihren Consequenzen haben wir zugleich ein ausgezeichnetes Beispiel aus der Reihe der von Darwin unter dem Namen: „Correlation des Wachsthums" oder correlative Variabilität zusammengefassten Erscheinungen, nur dass wir hier in befriedigendster Weise den Zusammenhang der einzelnen Form - Erscheinungen verstehen. Spitzwinklige Theilung der Carotis, tiefe Lage der Theilungsstelle, ein aufsteigendes Anfangsstück der A. thyreoidea superior, relativ kurze Aorta, lange Wirbelsäule und absteigenden Verlauf der untersten Lumbalarterie, scheinbar sehr verschiedene Dinge, haben wir zusammen gefunden, ebenso kandelaberartige Theilung der Carotis, hohe Lage der Theilungsstelle, direct absteigende A. thyreoidea superior, relativ lange Aorta und kurze Wirbelsäule, horizontalen oder gar schwach aufsteigenden Verlauf der A. lumbalis IV. Alle diese correlativen Veränderungen sind zurückzuführen im Wesentlichen auf Wachsthumsdifferenzen zwischen Aorta und Wirbelsäule, sind das Resultat von Wachsthumsverschiebungen. Eine einzige individuelle Verschiedenheit führt also eine ganze Reihe weiterer Differenzen herbei, und da diese sich im Wesentlichen auf veränderte Richtung der Arterienbahnen beziehen, die Richtung letzterer für den Modus der Ernährung der Organe jedenfalls nicht gleichgültig ist, so werden jedenfalls diese individuellen Verschiedenheiten im Arteriensystem von ent. sprechenden Verschiedenheiten in den einzelnen Organen begleitet sein können. Ich habe wohl nicht nöthig, hervorzuheben, wie ähnliche Untersuchungen, auf die gesammte Morphologie des Gefässsystems der Wirbelthiere ausgedehnt, eine reiche Ausbeute versprechen.

Erklärung der Abbildungen auf Tafel IX.

Fig. 1. Schema zur Demonstration der Richtungsänderungen, welche seit

liche Zweige m, n eines arteriellen Gefässstammes ab bei ungleichmässigem interstitiellen Wachsthum des letzteren erleiden. Erklärung

s. im Text. Fig. 2. Schema zur Demonstration der Richtungsänderungen der seitlichen

Zweige eines Arterienstammes ab bei Annahme eines rascheren Wachs

thums der Unterlage cd, so dass CD > AB. Genaueres im Text. Fig. 3. Aehnliches Schema wie Fig. 2; nur ist hier angenommen, dass der

arterielle Stamm ab die Unterlage cd im Wachsthum überholt, so dass

CD AB. Fig. 4. Kandelaberartige Theilung der Carotis communis am Kieferwinkel.

Sternocleidomastoideus ein wenig nach hinten zurückgebogen. A. thy

reoidea superior absteigend. Fig. 5. Kandelaberartige Theilung der Carotis von einem anderen Er

wachsenen. ci Carotis interna, ce Carotis externa, th. s Thyreoidea

superior. Fig. 6. Spitzwinklige Theilung der A. carotis communis vom Erwachsenen.

ci Carotis interna, ce Carotis externa; th. s. A. thyreoidea superior mit

aufsteigendem Verlaufsstück. · Fig. 7. Theilung der Carotis communis in der Carotis externa (c. e.) und

interna (c. i.) beim neugebornen Kind. Corrosionspräparat. Fig. 8. Kind 20 Wochen. an A. anonyma; s A. subclavia, tr truncus thyreo

cervicalis, ca A. cervicalis ascendens, th. i. A. thyreoidea inferior. Die Carotis communis cc theilt sich kandelaberförmig: ci Carotis interna. Die A. thyreoidea superior (th. s.) hat ein aufsteigendes Ursprungsstück. gl. th Schilddrüse; 1. A. lingualis.

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Vorwort Durchblättert man die Jahrgänge unserer entomologischen Zeitschriften und vergleicht man die übrigen Werke und zerstreut liegenden Aufsätze entomologischen Inhaltes, so kann man sich des Gefühls nicht erwehren, dass die Richtung, welche die meisten der betreffenden Fachmänner eingeschlagen haben, eine ziemlich einseitige ist, dass unter allen Insektenklassen blos einige als Lieblingskinder namentlich von zahlreichen Dilettanten bevorzugt, die übrigen dagegen bis heutzutage blos als Stiefkinder behandelt worden sind und noch werden. Recht bitter klingt es z. B. wenn Schiner im Vorwort zu seinem schönen Werk „Fauna Austriaca, Diptera“ klagt: die grosse Schaar der Entomologen wird mein Buch mit Indifferentismus bei Seite legen, weil es ja von Dipteren handelt, den wahren Proletariern des Insekten volkes.

- Bereits im Osterprogramm 1876 des Institutes Gumperda bei Gelegenheit einer Aufzählung der in diesem Theile Thüringens vorkommenden Grabwespen und Bienen habe ich auf diese eigenthümliche Erscheinung aufmerksam gemacht, wie you allen Insektengruppen immer nur Coleopteren und Lepidopteren hervorgesucht werden, sodass der Anfänger vor diesem schon in das Kleinliche gehenden Theil der Entomologie fast zurückschrickt, und wic gross

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