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betrachten, bei welchen aus dem Ei zunächst die bekannte „bilaterale" Larve mit Flimmerschnur entsteht (Pluteus, Bipinnaria, Auricularia etc.); hingegen sind diejenigen, sogenannten „directen" Keimungsformen, wobei unmittelbar fünfstrahlige Echinodermen von dem Mutterthier erzeugt werden, als cenogenetische zu beurtheilen, und erst secundär (durch Abkürzung der Keimung) aus ersteren (den palingenetischen) hervorgegangen. Jene erstere, palingenetische Form der Keimung müssen wir aber ursprünglich als echten Generationswechsel auffassen, nicht als blosse „Metamorphose", wie es gewöhnlich geschieht. Denn die Amme (die sogenannte „Larve") besteht aus einem Antimeren-Paare, wie jede Wurmlarve. Das füufstrahlige Echinoderm hingegen, welches aus ihrem Inneren hervorsprosst, ist aus fünf Antimeren-Paaren zusammengesetzt. Unmöglich aber können *uurch blosse „Metamorphose" ans einem Paramere fünf Parameren hervorgehen. Diese Multiplication involvirt eo ipso einen ungeschlechtlichen Zeugungs-Prozess, und im Vergleiche zu der dipleuren Person der Amme kann der fUnfstrahlige, aus fünf dipleuren Personen zusammengesetzte Echinodermen-Körper nur als Stock oder Cormus anfgefa8St werden; die dipleure Amme (oder die Sternamme, Astrotithe) ist die erste, ungeschlechtliche Generation, eine dipleure ungegliederte Wurm-Person; das fUnfstrahlige Echinoderm hingegen (oder der Sternstock, Astrocormus)istdie zweite geschlechtliche Generation, ein wahrer Stock oder Cormus, welcher aus fünf dipleuren, gegliederten Personen zusammengesetzt ist Je mehr diese Personen, (in ihrer ganzen Organisation den Anneliden sehr nahe stehend), ihre ursprüngliche Autonomie bewahren, desto mehr treten sie als freie Astrolenen Uber den centralen Astrodiscus Uberwiegend hervor; je weiter dagegen die Centralisation des Cormus fortschreitet, desto mehr gehen die Astrolenen in der Bildung des Astrodiscus auf. Bei den Echiniden und Holothurien imponirt uns daher der höchst centralisirte, aus fünf Personen zusammengesetzte Cormus als eine einzige Person, die aus fünf Parameren zusammengesetzt ist.

Für die Richtigkeit dieser tectologischen Auffassung, welche zunächst paradox erscheint, finden wir gewichtige Argumente in dem gestaltenreichen Stamme der Würmer. Die niederen Würmer behalten als actuelle Bionten meistens den Formenwerth einer einfachen dipleuren ungegliederten Person; ihr Körper besteht nur aus einem Antimeren-Paare, ohne Metaraeren; doch tritt auch 20 Ernst Haeckcl, Ueber die Individualitat des Thierkörpers.

schon bei den niederen Plathelminthen hier und da MetamerenBildung auf, zunächst als terminale Knospung von einfachen ungegliederten Personen. Während der Zusammenhang der „Glieder" aber hier noch mehr oder minder locker ist (so namentlich bei den „Proglottiden" der meisten Strobila-bildenden Cestoden), wird er bei den höheren Würmern, und namentlich bei den Anneliden, viel inniger; die „Metameren-Kette" wird stärker centralisirt und erscheint nun als einfache „gegliederte Person". Echte Stöcke oder Gormen, aus zahlreichen Personen zusammengesetzt, finden wir unter den Würmern namentlich bei den Bryozoen und Tunicaten vor. Unter den letzteren zeigen uns die sternförmigen Stöcke der Synascidien (Botryllus, Amarucium etc.) ganz analoge Verhältnisse wie die Ästenden; wie bei den letzteren der Mund, so ist bei den erateren die Kloaken-Oefinung allen zu einem „Astrocormus" verbundenen Personen gemeinsam.

Sehr gleichförmig ist das Verhalten der actuellen Individualität bei den drei höheren Thierstämmen der Mollusken, Arthropoden und Vertebraten. Bei den Mollusken erscheint das actuelle Bion stets als eine ungegliederte dipleure Person, ohne Metameren, mit einem Paare Antimeren. Bei den Arthropoden und Vertebraten hingegen ist ebenso allgemein das reife, physiologische Individuum eine gegliederte dipleure Person, mit einem Paar Antimeren und zahlreichen Metameren. Nur durch Rückbildung einerseits (z. B. bei parasitischen Crustaceen), durch Verschmelzung der Metameren anderseits (z. B. bei Spinnen, Milben) kann die ursprüngliche Metameren-Bildung undeutlich oder selbst ganz verwischt werden. Niemals kommt es bei diesen höheren Thierstämmen zur Bildung wahrer Stöcke oder Cormen. An die Stelle des realen körperlichen Bandes, welches bei den letzteren viele Personen zu einem Cormus vereinigt, tritt bei den höheren Thieren das ideale psychische Band der Interessengemeinschaft; durch diese höhere sociale Verbindung entsteht der Staat.

lieber Venen-Elasticität.

Von

Dr. Karl Bardeleben,

Prosector und Privatdocent in Jena.
Hieria Tafel L

Die Ursache der Blutbewegung in den Venen der Wirbelthiere ist noch nicht vollständig erforscht — ebenso wenig wie die allgemein und speciell anatomischen Verhältnisse, d. h. die physikalischem Eigenschaften und der mikroskopische Bau der Venenwandung. Auf diesem, von der Forschung auffallend vernachlässigten Gebiete, die Lücken unsrer Kenntniss von Seiten der Anatomie, wenn nicht auszufüllen, so doch einzuengen, hat sich der Verfasser zur Aufgabe gestellt — zugleich in der Hoffnung, dass damit auch für die physiologische Forschung eine festere Basis für die entsprechende Untersuchung gewonnen werde. Und, wenn irgendwo, so hängen gerade hier Morphologie und Physiologie untrennbar zusammen, ein Umstand, der dem Verfasser zu Gute gehalten werden möge, wenn derselbe hier und da auf das Gebiet der Physiologie überzugreifen genöthigt wird. Es lässt sich ja darüber rechten, ob nicht überhaupt das gerade in den letzten Jahren mit so grossem Erfolge bebaute Gebiet der „mechanischen Anatomie" mehr in die Physiologie als in erstere gehöre. Dem Verfasser scheint die mechanische Anatomie die gemeinsame Grundlage für die beiden Schwesterwissenschaften zu bilden und speciell die „Histophysik", wie man es bezeichnen könnte, ebenso sehr ein integrirender Bestandteil der allgemeinen Anatomie zu sein wie die Histochemie und „mikroskopische Anatomie". Die Veranlassung zu der vorliegenden Arbeit gaben die in dem Jubelwerk für C. Ludwig von Braune niitgetheilten Beiträge zur Kenntniss der Venenelasticität, die speciell für diese, wie das allgemeine Elasticitätsgesetz, werthvolle Aufschlüsse geben. Da der Herr Verfasser eine weitere Fortsetzung nicht beabsichtigt, habe ich mit gütiger Zustimmung desselben die Versuche aufgenommen — die Anregung hierzu verdanke ich Herrn Professor Schwalbe. Meine Ergebnisse weichen theilweise von denen Braune's ab — während andererseits aus beiden Arbeiten hervorgeht, dass wir noch in den ersten Anfängen einer Kenntniss von dem Wesen der Elasticität, zumal ihres Auftretens innerhalb organischer Körper uns befinden, und dass es die Aufgabe der „Physik", die allerdings bisher fast ausschliesslich anorganische ist, sein musste, der Anatomie und Physiologie eine festere Basis zu bauen, als es die physikalischen Kenntnisse auf diesem ebenso interessanten wie schwierigen Gebiete bisher haben sein können. So verlockend auch die weitere Verfolgung dieser Aufgabe erscheint, so muss ich darauf verzichten, sie selbst durchzuführen, um erst die rein morphologischen, histologischen Untersuchungen über den Bau der Venen zu vollenden, welche ich in Bälde in weiteren Mittheilungen vorzulegen gedenke. Diese Untersuchungen über Venen-Elasticität mögen daher als erster Beitrag zur Kenntniss des Venensystemes betrachtet werden.

I.

Für das Verständniss der unten weiter zu erörternden speciellen Elasticitätsverhältnisse der Venen und eine Beurtheilung meiner eigenen Untersuchungsergebnisse erscheint es geboten, zunächst die unter einander und von den meinigen abweichenden Ansichten und Resultate früherer Forscher nebst ihren Methoden kritisch zu beleuchten.

Während man früher das Verhältniss von Verlängerung oder Ausdehnung und Spannung oder Belastung, ohne Rücksicht auf Grösse und Zeit der letzteren, als constant angenommen hatte, wies bekanntlich W. Weber1) nach, dass nach der Anspannung im Verlauf längerer Zeit noch eine weitere Ausdehnung, die als

') Ueber die Elasticität der Seidenfaden. Gott. gel. Anz. 1835. St. 8. Pogg|pdorf Annalen, Bd. 34. 1835. S. 247- 257.

Wirkung oder Function der Spannung zu betrachten sei, einträte: die „elastische Nachwirkung", —; nicht mit der bleibenden „Dehnung" zu verwechseln, die auf kleinen dauernden Veränderungen des Aggregatzustandes beruht. Eine Dehnung tritt nämlich nur nach Vermehrung, nicht nach Verminderung der Spannung ein, dagegen die elastische Nachwirkung stets, bei vermehrter wie bei verminderter Spannung. Im ersteren Falle resultirt eine Zunahme, im letzteren eine Abnahme der Länge. Beide, die positive (+) und negative (—) Nachwirkung, wie ich sie nennen möchte, sind nach W. Weber für gleiche Spannnngsunterschiede der Grösse nach gleich. Die zurückbleibende Dehnung wird bei Wiederholung derselben Versuche mit denselben Körpern immer kleiner, die elastische Nachwirkung bleibt dieselbe. Dadurch kann man also den Einfluss der Dehnung, nicht so den der Nachwirkung ausschliessen. Das von Gauss aufgestellte Gesetz: der Rest der von einem bestimmten Augenblicke an noch zu erwartenden Verlängerung oder Verkürzung ist der bis zu diesem Moment verflossenen Zeit umgekehrt proportional, wonach also die Curve des zeitlichen Verlaufes der elastischen Nachwirkung eine gerade Linie wäre, gilt für, mit feineren Hülfsmitteln angestellte Versuche nicht mehr, wie dies gleichfalls W. Weber1) nachgewiesen hat. Die Gleichgewichtslage des zu den Experimenten benutzten schwingenden Seidenfadens wurde nur „mit der Zeit", vielleicht niemals vollkommen erreicht, d. h. die Curve nähert sich dem Grenzwerth asymptotisch.

Was zur Herstellung dieses vollkommenen Gleichgewichtes nothwendig sei, entzieht sich unseren Sinnen. Weber glaubte eine für jede Spannung bestimmte Stellung der Elasticitätsaxen der kleinsten Theile gegen einander, die nur sehr langsam eintrete, dafür verantwortlich machen zu können. Dieser der Beobachtung sich entziehende Unterschied in der Stellung der Elasticitätsaxen der kleinsten Theile von derjenigen der vollkommenen Gleichgewichtslage ist ihm die Ursache der Nachwirkung. Von diesem Unterschied muss sowohl die Geschwindigkeit der Längenänderung, als auch der ganze Längenunterschied in seiner Gleichgewichtslage und in dem Augenblicke der Beobachtung abhängen. Dieser Augenblick trennt die ganze Wirkung in

') Ueber die Elasticitat fester Körper. Poggendorf Annalen. Bd. 54. 1841. S. 1-18.

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