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in anderer Bedeutung eingeftihrt, nämlich zur Bezeichnung von homonomen Theilen, welche rings um eine Kreuzaxe (nicht um die Hauptaxe herum) neben einander liegen (Generelle Morphologie, Bd. I, S. 311). Indessen erscheint eine besondere allgemeine Bezecibnung dieser untergeordneten „Nebenstücke“ ziemlich überflüssig; und um nicht noch einen neuen Terminus zu schaffen, wollen wir statt dessen den Begriff des Parameres ändern und zur festen Bezeichnung der „Strahl-Segmente“ von radialen Formen verwenden, wie auch bereits von anderer Seite vorgeschlagen wurde. Demnach ist das radiale Nebenstück oder „Paramer gleich einem Antimeren-Paar. Eine vierstrahlige Meduse besteht aus vier Parameren und acht Antimeren, ein fünfstrahliger Seestern aus fünf Parameren und zehn Antimeren.

Diese tectologische Betrachtungsweise wird gerechtfertigt durch die promorphologische Vergleichung der geometrischen Grundform, welche die Parameren der radialen Thiere mit den ganzen symmetrischen Thieren theilen. Denn die gemeinsame Grundform aller „bilateralen“ Thiere ist die einpaarige oder dipleure; die „bilateral-symmetrische“ Form der Autoren in der engeren, und zwar in der vierten Bedeutung dieses fünfdeutigen Begriffes (Gener. Morphol. Bd. I, S. 519). Wir finden sie ebenso bei den Wirbelthieren, wie bei den Gliederthieren, Mollusken und Würmern. Immer besteht der entwickelte Körper dieser Thiere nur aus zwei Antimeren, und ursprünglich sind diese symmetrisch gleich, so dass die rechte Körperhälfte das Spiegelbild der linken ist. Die stereometrische Grundform ist die halbe Rhombenpyramide oder der Halbkeil (Hemisphenoid); d. h. die Hälfte einer vierseitigen geraden Pyramide, deren Basis ein Rhombus ist. Diese „gleichschenkelige Pyramide" ist bestimmt durch die drei auf einander senkrechten Richtaxen, von denen zwei ungleichpolig, die dritte gleichpolig ist. Ungleichpolig ist sowohl die Hauptaxe oder Longitudionalaxe (mit oralem und aboralem Pole), als die dorsoventrale oder Sagittalaxe (mit dorsalem und ventralem Pole). Gleichpolig ist hingegen die laterale oder transversale Axe (mit rechtem und linkem Pole). Die ganz bestimmten „symmetrischen“ Lagenbeziehungen sämmtlicher Körpertheile, welche durch diese Axen - Differenzirung gegeben sind, finden sich nun ganz ebenso in jedem Paramere eines regulären „Strahlthiers“ wieder. Auch hier gibt es nur eine Schnittebene (die „Sagittal-Ebene“ oder „Median-Ebene“), durch welche sich jedes Paramer in zwei symmetrisch-gleiche Hälften zerlegen lässt. Personen und Stöcke.

Der Begriff der „Person“ in streng morphologischem Sinne, der sich mit dem „eigentlichen Individuum“ der meisten höheren Thiere deckt, wurde von mir in der Generellen Morphologie (als das Morphon fünfter Ordnung) nicht genügend definirt (Bd. I, S. 318-325). Erstens fehlte ich darin, dass ich eine allgemeine tectologische Gleichwerthigkeit der thierischen Person und des vegetabilen Sprosses durchzuführen versuchte; zweitens darin, dass ich für den Begriff der Person die Zusammensetzung aus Antimeren und Metameren für unerlässlich hielt; drittens aber fehlte mir damals noch das Hauptkriterium der Person, zu welchem ich erst später durch die Entwicklungsgeschichte der Kalkschwämme und die von ihr ausgehende Gastraea-Theorie gelangte. Dieses wichtigste und ausschliessliche Merkmal für den Begriff der thierischen Person ist die Zusammensetzung und Entwicklung aus zwei primären Keimblättern, Exoderm und Entoderm; sowie der Besitz eines Darmrohrs, das von diesen beiden Keimblättern umschlossen wird. Die einfachste Thierform, die blos aus zwei primären Keimblättern besteht -- ontogenetisch Gastrula, phylogenetisch Gastraea – ist zugleich die einfachste Form der Person. (Monogr. der Kalkschwämme, Bd. I, S. 113–118.)

Diese feste morphologische Bestimmung des thierischen PersonBegriffes hat ihre weitere Begründung in den Studien zur GastraeaTheorie gefunden (Jenaische Zeitschr. f. Naturw. 1874, Bd. VIII, S. 28 und a. a. 0.). Wie ich dort zeigte, ist in der Gastrula nicht allein die einfachste Form der Person als gemeinsame Keimform für sämmtliche Metazoen gegeben, sondern auch der feste Grenzpfeiler, welcher die letzteren von den Protozoen scheidet. Bei sämmtlichen Protozoen bleibt das actuelle Bion auf der niederen Formstufe eines Morphonten erster oder zweiter Ordnung stehen: der Plastide oder des Idorganes. Bei sämmtlichen Metazoen hingegen erreicht das actuelle Bion die höhere Stufe des Morphonten dritter oder vierter Ordnung: der Person oder des Cormus. Man darf nicht hiergegen einwenden, dass bei einzelnen Metazoen, namentlich Cestoden und Acanthocephalen der Darm (als Primitiv-Organ der Person) und hiermit auch das innere Keimblatt fehle. Denn in diesen Fällen handelt es sich stets um solche Personen, welche den Darm (und das Darmblatt) erst durch Rückbildung, durch Anpassung an Parasitismus oder

an andere degenerirende Existenz-Bedingungen verloren haben; es geht dies klar aus ihrer vergleichenden Anatomie und Ontogenie hervor. Dasselbe gilt von den „Deckblättern“ und anderen darmlosen Personen vieler Siphonophoren, sowie den Avicularien und Vibracularien der Bryozoen; hier liegen rückgebildete Personen polymorpher Stöcke vor, welche in Folge von Arbeitstheilung Darmhöhle und Darmblatt eingebüsst haben.

Als verschiedene morphologische Ausbildungsstufen der thierischen Person, die zugleich drei verschiedene Entwicklungsstufen ihrer physiologischen Leistungsfähigkeit bezeichnen, können wohl naturgemäss die drei Kategorien unterschieden werden, welche ich in der Monographie der Kalkschwämme (Bd. I, S. 101) folgendermassen definirt habe: 1) die einaxige (oder monaxonie) ungegliederte Person (ohne Antimeren und ohne Metameren), z. B. die Personen der Spongien, der einfachsten Hydroiden; 2) die kreuzaxige (oder stauraxonie) ungegliederte Person (mit Antimeren, aber ohne Metameren), z. B. die Personen der Korallen, Medusen, Turbellarien, Trematoden, Bryozoen etc.; 3) die kreuzaxige (oder stauraxonie) gegliederte Person (mit Antimeren und mit Metameren), z. B. die Personen der Anneliden, Arthropoden, Vertebraten.

Die Stöcke oder Cormen, welche die vierte und höchste Ordnung der thierischen Individualität darstellen, sind stets aus zwei oder mehr Personen zusammengesetzt. Es ist daher nicht gestattet, auch die Gemeinden oder Cönobien der Protozoen (z. B. die Colonien der Vorticellen, Volvocinen, Polycyttarien) als Stöcke zu bezeichnen; diese sind blos Idorgane. Dagegen finden sich echte Stöcke oder Cormen nur in folgenden Thierstämmen: 1) bei den Zoophyten oder Coelenteraten (Spongien, Hydroiden, Siphonophoren, Korallen); 2) bei den Würmern (Bryozoen, Tunicaten); 3) bei den Echinodermen (allgemein).

Verschiedene Stufen von Stöcken lassen sich theils nach dem Bildungsgrade der constituirenden Personen, theils nach der Art und Weise ihrer Entstehung unterscheiden. In ersterer Beziehung sind die Cormen der Spongien Stöcke mit einaxigen ungegliederten Personen; die Cormen der Korallen, Bryozoen und Tunicaten sind Stöcke mit kreuzaxigen ungegliederten Personen; die Cormen der Echinodermen endlich sind Stöcke mit kreuzaxigen gegliederten Personen. Mit Bezug auf ihre Genese hingegen kann man primäre und secundäre Stöcke unterscheiden. Secundäre oder mehrwurzelige oder polyblaste Cormen finden sich bei den Spongien

und Korallen, und entstehen durch Verwachsung von mehreren ursprünglich getrennten Personen oder Stöcken. Alle übrigen Stöcke sind primär, einwurzelig oder monoblast, aus einer ursprünglichen Person durch Kreuzung oder Theilung entstanden (Monogr. der Kalkschwämme, Bd. I, S. 120).

Virtuelle und actuelle Bionten.

Alle tectologischen Probleme und Discussionen lassen sich schiesslich, wie wir schon anfänglich bemerkten, auf zwei Hauptfragen zurückführen; 1) welche Stufe, Ordnung oder Kategorie der Individualität nimmt der fragliche Organismus ein ? und 2) wie verhält sich seine morphologische zu seiner physiologischen Individualität? Die bekannten, noch heute fortdauernden Streitigkeiten über die Individualität der Spongien, Siphonophoren, Cestoden, Echinodermen u. s. w. lassen sich nur dann lösen, wenn jene beiden Hauptfragen richtig gestellt und beantwortet werden.

Jeder Organismus, den wir betrachten, tritt uns in jedem bestimmten Zeit-Momente als ein Bion oder ein „physiologisches Individuum“ entgegen. Aber dieses Bion ist bald zugleich ein Morphon, ein einziges ,morphologisches Individuum“; bald ist dasselbe aus einer Mehrheit solcher Morphonten oder Formeinheiten zusammengesetzt. Ausserdem ist meistens die morphologische Individualität eines jeden physiologischen Individuums in den verschiedenen Abschnitten seiner individuellen Existenz verschieden; bei allen höheren Organismen ist das Bion anfänglich ein einziges einfaches Morphon (eine Plastide), später aus mehreren Morphonten zusammengesetzt.

Auf die Betrachtung dieser letzteren, für die Entwicklungs. lehre höchst wichtigen Erscheinung gründet sich zunächst die Unterscheidung des virtuellen und des actuellen Bion, die ich in der Generellen Morphologie (Bd. I, S. 332-363) ausführlich erörtert habe. Als actuelles Bion oder als „reifes physiologisches Individuum“ hat jeder Organismus den höchsten Grad morphologischer Individualität erreicht, welcher ihm als dem völlig ausgebildeten Repräsentanten seiner Species zukommt. Als virtuelles Bion hingegen, oder als „potentielles physiologisches Individuum“ hat der Organismus jene Reife noch nicht erlangt und sich noch nicht auf jene höchste Stufe seiner morphologischen Individualität erhoben. So ist also die Cytula oder Stammzelle

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(die ,,befruchtete Eizelle" aller Metazoen) ein virtuelles Bion erster Ordnung, die Morula und die Blastula ein virtuelles Bion zweiter Ordnung, aus welchem sich erst später die Person oder der Stock als actuelles Bion entwickelt. Bei allen stockbildenden Metazoen ist die Person nur das virtuelle, hingegen der Cormus das actuelle Bion der Species. Der ganze Siphonophoren-Stock ist ein einziges actuelles Bion, zusammengesetzt aus zahlreichen polymorphen Medusen; die erste Meduse aber, welche aus dem SiphonophorenEi sich bildet und aus welcher der Stock durch Knospung entsteht, ist ein virtuelles Bion. Dieselbe einzelne Medusen-Form hingegen stellt bei den Craspedoten und Acraspeden das actuelle Bion dar.

Mit Bezug auf die actuelle physiologische Individualität lassen sich im Allgemeinen einfache und zusammengesetzte Organismen unterscheiden. Einfache Organismen oder Monoplastiden sind solche, welche als actuelle Bionten nur den Formwerth einer einzigen Plastide besitzen: monocytode Moneren, einzellige Amoeben, Flagellaten, Infusorien u. 8. W. Hier fällt der Begriff der morpbologischen und physiologischen Individualität zusammen. Alle anderen Organismen sind Polyplastiden oder „zusammengesetzte Organismen", indem sie als actuelle Bionten aus zwei oder mehreren Plastiden zusammengesetzt sind. Sie erreichen stets die morphologische Individualitäts-Stufe zweiter, dritter oder vierter Ordnung und bestehen also aus einer Vielheit von Morphonten erster Ordnung. Aber auch alle diese zusammengesetzten Organismen sind im Beginne ihrer individuellen Existenz einfache; und die Polyplastide entsteht erst im Laufe der Entwicklung, durch Multiplication aus der Monoplastide. „Sämmtliche physiologische und morphologische Eigenschaften eines jeden polyplastiden Organismus erscheinen mithin als das nothwendige Gesammtresultat aus den physiologischen und morphologischen Eigenschaften aller Plastiden, welche denselben zusammensetzen.“ (Gen. Morph. Bd. I, S. 370). Hierin liegt der tectologische Werth der Zellen-Theorie und der daraus hervorgegangenen PlastidenTheorie (vergl. meine Studien über Moneren und andere Protisten, S. 79—136).

Da ich die Verhältnisse der virtuellen und actuellen Bionten im X. Capitel der generellen Morphologie sehr eingehend erörtert, und hier nichts Wesentliches zuzusetzen habe, mögen diese wenigen Bemerkungen darüber genügen. Die partiellen Bionten, welche ich daselbst als dritte Erscheinungsform der physiologischen

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