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Viele der neueren Beobachter, wohl vertraut mit der Schwierigkeit der Deutung von Sinnesorganen niederer Thiere, bei denen physiologische Experimente zur definitiven Erscheinung kaum mög. lich sind und die Deutung der morphologischen Bestandtheile nach Analogieen leicht irre führen kann, enthalten sich eines bestimmten Urtheils über die specielle Function der Sinnesbläschen.

Hincks berührt sie in seinem besonders die Systematik berücksichtigenden Hydroidenwerk 1) nur mit wenig Worten. Das in F. 12 gezeichnete Sinnesbläschen lässt die Concretion mit dem antretenden und umschliessenden Nerv deutlich erkennen. Dagegen hat sich Gegenbaur wieder eingehend mit ihnen beschäftigt und sie in einem besonderen Aufsatz ?) behandelt.

Der „kurze Stiel“ und die „feine Membran“, welche er an und um die Concretion gehend fand, sind wieder der Sinnesnerv.

„Weniger,“ fährt Gegenbaur fort, „gelang es mir bei den Aeginiden Solches festzustellen, und nur bei einer Species glückte es, die die Concretion umbüllende Membran deutlich zu sehen, während die anderen Arten nichts davon erkennen liessen, wovon ich die Ursache mehr in der Kleinheit der Randkörper, als in einem wirklich abweichenden Verhalten suchen möchte.“ Ich bin überzeugt, dass Gegenbaur, ganz so, wie Leuckart bei Tima, auch in diesem Fall richtig gesehen haben wird, indem eben nicht bei allen Craspedoten die Concretionen in einer nervösen Umhüllung eingeschlossen sind, sondern oft nur in einer schalenförmigen Vertiefung des antretenden Sinnesnerven aufsitzen.

Von Haeckel ") wurden bei Octorchis Gegenbauri Hckl, Tima Cari Hckl und Mitrocoma Annae mehrere (– 10), bei Phialidium ferrugineum Hckl. nur eine Concretion in den Randbläschen beobachtet. Sämmtlich erschienen sie von Nervenumhüllungen (zartwandigen Bläschen) umschlossen, die theils wandständig waren, theils (bei Mitrocoma) sich wie bei Tiaropsis verhielten. In neuester Zeit hat Allman in seiner prachtvollen Monographie der Tubularien auch die Randbläschen der Craspedoten näher behandelt. Allman ist aber in diesem Kapitel weniger glücklich gewesen, als auf anderen Gebieten, und hat bei der Deutung des Beobachteten

?) A history of the British Hydroids Zoophytes. 1868. V. I, p. XXV.

2) Bemerkungen über die Randkörper der Medusen. Müller's Arch. f. Anat. 1856, p. 230. T. IX.

3) Beschreibung neuer craspedoter Medusen aus dem Golf von Nizza. Jenaische Zeitschr. I. 1864.

besonders in Folge eines eigenthümlichen Irrthums fehlgegriffen. Dieser lässt sich kurz so praecisiren, dass Allman die leeren (resp. von klarer Flüssigkeit erfüllten) und die von fester Substanz eingenommenen Theile des Sinnesbläschens (lithocyst Allm.) mit einander verwechselt hat.

Schon Busk hatte von den Sinnesbläschen der höchst wahrscheinlich mit Clytia Johnstoni identischen Thaumantias sp. ausgesagt: „The cavity of the outer cell or cyst (Randbläschen), exterior to the smaller or inner cyst (Nerv) which contains the refractive corpuscle, is occupied by a fine granular material, in which an indistinctly fibrous, radiating appearance may sometimes detected“, und hatte eine entsprechende Abbildung gegeben.)

Diese Bemerkung scheint Allman, da er sie ausdrücklich anzieht, dazu geführt zu haben, Hohlraum und feste Substanz mit einander zu verwechseln. Allman beschreibt das Sinnesbläschen von Campanulina (Clytia) Johnstoni – und dasselbe soll auch von dem der Obelien gelten – wie folgt: „It consists of a spherical transparent and structurless vesicle or capsule, the greater part of whose cavity is occupied by a soft spherical pulp, in whose distal pole, or that opposite to the point of attachment of vesicle, there exists a deep well-defined excavation; and within this, but not entirely filling it, is the spherical highly refractive concretion. In the pulp itself I could not detect no trace of structure, but when seen in profile, it has a slightly wavy outline, possibly occasioned by a spherical layer which intervenes between it and the walls of the capsule.“ 2)

Eine Vergleichung von Allman's F. 58 und besonders F. 59 zeigt sofort, dass Allman den (mit Flüssigkeit erfüllten?) Hohlraum des Sinnesbläschens für eine Pulpa, die Nervenauskleidung der Wand für den leeren Zwischenraum zwischen einer solchen und der Bläschenwand, resp. für eine die Pulpa umschliessende Specialmembran, und den die Concretion umgebenden Nerven für eine Aushöhlung iv der Pulpa gehalten hat. Die Oberfläche der Pulpa soll 12-15 helle Streifen zeigen, welche radienartig von der Pulpaaushöhlung, also der Nervenumbüllung der Concretion, nach der Wand des Sinnesbläschens ausstrahlen 3), und soll Busk

1) L. C., F. 12. 2) L. C., p. 140. ) Cf. F. 58.

Aehnliches gesehen haben, wenn er von „indistinct radiating appearance“ spricht. Was ein solches Bild vorgetäuscht haben mag, weiss ich nicht mit Bestimmtheit zu sagen, da mir eine derartige Streifenerscheinung nie aufgefallen ist. Möglicherweise ist es durch eine faltige Schrumpfung der Bläschenwand nach dem Tode der Meduse oder nach Einwirkung von Reagenzien entstanden, oder aber es sind die feinen Streifen Zellgrenzen des das Bläschen umhüllenden Epithels. Für letztere Annahme könnte der Umstand sprechen, dass Allman ihre grössere Deutlichkeit nach Behandlung mit acid. acet. hervorhebt, welches Reagens auch die einzelnen Zellen deutlicher erkennbar macht.

Unrichtig ist natürlich Allman's Meinung, dass V. Hensen diese Streifung für Hörhärchen gehalten hat; und ebenso wenig sind die von Haeckel beobachteten zwei Sinnesnerven der Geryoniden-Randbläschen dasselbe, wie seine „meridional striae“.

Auch die Concretion von Tiaropsis scotica Allm. (= diademata Ag.) sollen nach Allman, ganz wie die einzige bei Campanularia und Obelia, in einer „Pulpa“ eingebettet sein.

Das „finely granular layer“, welches zwischen Pulpa und Bläschenwand ausgebreitet sein soll, ist auch hier als die Nervenauskleidung anzusprechen.

In der That kann es zuweilen den Anschein haben, als wäre die ziemlich stark lichtbrechende und daher hell erscheinende Nervenumhüllung der Concretionen nichts als eine Aushöhlung in einer trüberen, das Bläschen erfüllenden Masse. Genauere Beobachtung, namentlich bei Anwendung von leichtem Druck, lässt aber sofort die Täuschung erkennen.

Ausserdem kommt es bei Tiaropsis zuweilen vor, dass die Wand des Randbläschens zerstört, oder vielleicht überhaupt nicht ausgebildet ist. Dann sieht man die Nervensäckchen mit den in ihnen eingeschlossenen Concretionen frei am Cirkelkanal herabhängen, eine Abnormität, die soforft das wahre Sachverhältniss unbestreitbar macht (T. I, F. 27).

Auch Agassiz ?) lässt bei der Beschreibung des Randbläschens von Tiaropsis das Bläschen selbst von einer festen Masse ausgefüllt sein. Ja, er geht hierin noch weiter als Allman und bezeichnet das ganze Randbläschen als eine solide, directe Verlängerung des „inner wall of the disk“, welcher mit diesem in unmittelbarer Communication stände. Was Agassiz übrigens mit

1) Contributions. 1862. Pl. XXXI. F. 12-15.

diesem „inner wall of the disk“ gemeint hat, ist nicht ganz klar, da seine Fig. 12 das Randbläschen als eine directe Verlängerung des Entoderms des Cirkelkanals und der Tentakel erscheinen lässt.

b. Ocellen.

Die Ocellen liegen stets im Ectoderm in den Zellen des Marginalstrangs, allermeist an den Tentakelblasen. Bei Tiaropsis findet man sie dagegen an der Basis der Randbläschen in einer bulbösen, das Bläschen von aussen schützenden Verdickung des Marginalstrangs (T. I, F. 15. 20).

Die Ocellen bestehen aus Anbäufungen von Pigmentkörnchen innerhalb der Zellen des Marginalstrangs, welche mehr oder weniger scharf begrenzte Flecke bilden. Die bei einigen Medusen vorkommenden lichtbrechenden Körper 1) fehlten den von mir beobachteten Ocellaten.

Wenig concentrirt zeigen sich die verhältnissmässig spärlichen rothen Pigmentkörner der Ocellen von Tiara pileata.

Sehr wohl muss man sich hüten, mit den echten Ocellen die oft sehr farbenprächtige Tinction der Entodermzellen an den Tentakelbulbis zu verwechseln (s. u.).

5. Gastrovascularsystem. Tentakel.

Das Gastrovascularsystem der Medusen entwickelt sich ganz und gar aus dem Entoderm. Es besteht aus dem centralen, in die Schirmhöhle herabhängenden Magen, den von ihm abgehenden Radiärkanälen und dem dieselben am Schirmrande verbindenden Cirkelkanal. Letzterer ist stets mit Tentakeln in sehr verschiedener Anzahl besetzt, welche als Bestandtheile des gesammten Systems aufgefasst werden müssen.

Das Lumen des Gastrovascularsystems wird zunächst überall von einem aus den eigentlichen Gastrovascularzellen gebildeten Epithel umgeben. Die einzelnen Zellen dieses Epithels sind jede mit nucleus und nucleolus versehen und ihrer Form nach zum Cylinderepithel zu rechnen, wie besonders deutlich an den Radiär

1) Quatrefages, Mémoire sur l’Eleutheria dichotoma, nouveau genre des Rayonnés. Ann. d. sc. nat. XVIII. 1842. – Gegenbaur, Müller's Archiv f. Anat. 1856. – Allman, A monograph of the Tubularian hydroids. – Keferstein u. Ehlers, Zool. Beiträge. 1861.

kanälen hervortritt (T. II, F. 8). Nur an der an die umbrella stossenden Hälfte des Ringkanals sind die Zellen in der Regel flacher (T. I, F. 21), bei den Obelien sogar ganz zarte Pflasterzellen, welche, von der Oberfläche betrachtet, unregelmässige, häufig dreieckige Umrisse zeigen (T. II, F. 28, 29).

Im Gegensatz zu den flachen Zellen der oberen Hälfte des Ringkanals bleibt das Epithel seiner Unterseite, welches an den Marginalstrang grenzt, oft nicht einfach, sondern ist hier geschichtet und kann eine beträchtliche Dicke erreichen (z. B. bei Clytia Johnstoni, T. I, F. 4, Tima sp. T. II, F. 35). An den Tentakelbulbis schwillt das Epithel des Ringkanals bei manchen Gattungen, ähnlich wie der Marginalstrang, durch Vermehrung seiner Zellen sehr ap (T. I, F. 9, 21) und bildet so entweder gemeinschaftlich mit dem sich verdickenden Marginalstrang, oder auch in der Hauptsache nur allein, die Basalverdickung. Der Bulbus kann demnach, abgesehen von der Erweiterung des Kanallumens, entweder aus einer Zellvermehrung und entsprechenden Verdickung beider Schichten des Ringkanals, oder der Hauptsache pach nur aus der Verdickung der einen von beiden bestehen. In letzterm Fall bildet die andere Schicht nur eine schwächere, äussere oder resp. innere Bekleidung des Bulbus.

Die Gastrovascularzellen des Magens von S. eximia haben eine regelmässige sechseckige Basis (Taf. V. Fig. 20).

Die Entodermzellen des Magens, der Radiärkanäle mit ihren Aussackungen, den Geschlechtsorganen, der hohlen Tentakelbulbi, meist auch der gesammten hohlen Tentakel, und die der unteren Hälfte des Ringkanals sind mit sehr schnell schwingenden Cilien versehen. Den flachen und zarten Pflasterzellen, welche bei den Obelien die obere Hälfte des Ringkanals von der Umbrella abgrenzen, fehlt jede Flimmerung. Aber auch bei den übrigen Medusen gelang es mir nie, hier mit Sicherheit Cilien zu constatiren.

Die Cilien selbst sind lange, feine Geisseln, welche in wellenförmiger Bewegung schlagen. In den Radiärkanälen verlief die Richtung ihrer Bewegungen stets vom Magen zun Cirkelkanal, in den Tentakelbulbis wurden die Chyluskörperchen von allen Seiten zugleich, vom Radiärkanal und von den beiden abgehenden Strecken des Ringkanals her getroffen und in rotirender Bewegung erhalten, die Richtung der Flimmerung in dem Ringkanal blieb mir undeutlicher.

Jede einzelne Gastrovascularzelle trägt nur eine einzige solcher langen Cilien. Demnach sind dieselben als „Geisselzellen"

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